KTM-Chef Pierer nimmt 11 Mio. Corona-Hilfen und schüttet sich 7 Mio. Dividende aus

Der Motorradhersteller KTM bekam rund 11 Millionen Euro Corona-Hilfen in Form von Kurzarbeitsgeldern. Die wurden ausgezahlt, um Firmen durch die Krise zu helfen. Doch von Krise ist bei KTM keine Spur. ÖVP-Großspender und KTM-Chef Stefan Pierer schüttet an sich selbst sieben Millionen Euro Dividende aus und erhöhte für sich und seine Vorstandskollegen die Bezüge im Corona-Jahr um 30 Prozent. Der Ökonom Oliver Picek fordert, dass Unternehmen wie KTM die Corona-Hilfen zurückzahlen sollten.

Die Pierer Mobility Group freute sich heuer über ein Rekordjahr: Sie machten einen Umsatz von 1,53 Milliarden Euro – mehr als je zuvor. Die Pandemie führte zu einem regelrechten Boom bei Motorrädern. Auch die Aktie entwickelte sich prächtig: Seit Jänner 2020 ist der Kurs um über 30 Prozent gestiegen – der Einbruch zu Beginn der Pandemie im März und April ist längst vergessen. Dass wollen sich die Aktionäre jetzt auch finanziell vergelten: Der Konzern schüttet 50 Cent pro Aktie – das sind 11,25 Millionen Euro – an Dividenden aus. Der größte Teil davon – nämlich über 7 Millionen – wandert in die Taschen von KTM-Chef Stefan Pierer.

MitarbeiterInnen wurden in Kurzarbeit geschickt – der Vorstand erhöht seine Gehälter um 30 Prozent

Den ÖVP-Großspender Pierer scheint es dabei wenig zu stören, dass die Gesamtdividende mit 11,25 Millionen Euro in etwa so hoch ist wie die Corona-Hilfen, die das Pierer Mobility Tochterunternehmen KTM AG in Mattighofen erhalten hat. Schließlich wurden in diesem Subunternehmen auch die Vorstandsbezüge – unter anderem auch für Pierer – insgesamt um 30 Prozent erhöht. Im Krisenjahr 2020 zahlte KTM 6 Millionen Euro an variablen und fixen Gehältern an seine Manager, 2019 waren es noch 4,6 Millionen – bei gleichem Personalstand. Rund 11 Millionen bekam das Unternehmen an Kurzarbeitsgeldern, 15 weitere Steuer-Millionen sind in Form anderer staatlicher Förderungen an den Konzern gezahlt worden.

Die KTM AG schrieb 130 Millionen Gewinn – 20 Prozent des Gewinns stammen also aus Steuergeld.

23 Firmen um Motorräder zu verkaufen

Diese 26 Millionen öffentliche Förderungen sind nur ein Teil der gesamten Fördermenge, von der das Pierer-Firmen-Universum profitiert. Das Firmenimperium rund um Pierer besteht aus 23 Subunternehmen.

Der KTM-Mutterkonzern Pierer Mobility Group (über Umwege zu 62 Prozent im Besitz von Stefan Pierer) verbucht in seiner Bilanz 14,25 Millionen an „Fördergeldern und sonstigen betrieblichen Erträgen“. Außerdem nahm das Unternehmen einen COVID-Sonder-Kreditrahmen der Österreichischen Kontrollbank in Höhe von 60 Millionen Euro in Anspruch.

KTM sollte seine Corona-Hilfen zurückzahlen

KTM ist eines von vielen Unternehmen, die der Ökonom Oliver Picek vom Momentum Institut als überfördert bezeichnet. Vor allem in der Hotellerie und im Möbel- und Elektrohandel findet man weitere Beispiele. Picek sieht in dieser Überförderung nicht nur eine moralische Frage. Schließlich nahm die Regierung massiv Schulden auf, um 36 Milliarden Euro an Staatshilfen zu finanzieren. „Nach der Krise wird sich die Regierung wieder an die EU-Maastricht Kriterien mit einer Staatsverschuldung von maximal 60 Prozent annähern wollen. Dafür wird die Regierung ein Sparpaket schnüren oder künftige Staatsausgaben deckeln müssen. Das fängt bei Arbeitslosen an, geht aber noch weiter: Jeden Euro, den wir heute zu viel an ein Unternehmen ausgeschüttet haben, können wir dann nicht für Zukunftsinvestitionen wie etwa bei der Pflege ausgeben.“

Um das zu verhindern, hat Picek einen Vorschlag an die Bundesregierung: KTM und andere überförderte Betriebe, die trotz Krise hohe Gewinne machten, sollen ihre Corona-Hilfsgelder in Form einer Corona-Sondersteuer zurückzahlen.

Neue Artikel