Pflege in Österreich
Schwerpunkt Pflege

Pflege in Österreich: Zahlen, Fakten und die Schicksale dahinter

Ein Kind kommt mit einer schweren Behinderung auf die Welt. Der Lebenspartner wird schwer krank. Die Eltern können das tägliche Leben nicht mehr alleine bewältigen. Die Ereignisse brechen über uns herein – niemand plant sie, niemand rechnet mit ihnen. Doch was ist, wenn wir oder die Menschen, die wir lieben, plötzlich Hilfe brauchen? Was leistet unser Pflegesystem? Und wo muss es besser werden?

456.000 Menschen sind heute in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen. Das ist mehr als das Bundesland Vorarlberg Einwohner hat. Und jeden Tag kommen 27 neue Fälle dazu. Im Jahr 2050 werden 750.000 Menschen Pflegeleistungen brauchen. Deswegen ist die Frage, wie wir als Gesellschaft diesen Bedarf decken, eine sehr wichtige.

Wie wir für die sorgen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können, ist ein Gradmesser unsere Gesellschaft. Und wir müssen die, die sich um unsere Kinder, Partner und Eltern professionell kümmern, würdig bezahlen und gute Arbeitsbedingungen sicherstellen.

Auch die Politik ist sich der Wichtigkeit der Pflege bewusst.

Das Pflegethema hat es endlich auf die politische Tagesordnung geschafft. Was die Regierung als „Masterplan“ angekündigt hat, ist selbst für den bestgesinnten Kommentator nur ein vager Fahrplan: die Regierung will in den nächsten Monaten nach Lösungen suchen. Die SPÖ hat zeitgleich ein Pflegekonzept präsentiert: Der Staat soll die Pflegekosten übernehmen, Angehörige sollen begleitet und Pflegeberufe aufgewertet werden.

Fakt ist: Die Pflege ist ein komplexes Thema. Auch weil es so viele Menschen betrifft. Nicht nur die Bedürftigen.

Wer sich um einen Angehörigen kümmert oder jemanden kennt, der das tut, weiß wie belastend und überfordernd das sein kann.

Professionelle Unterstützung in dieser Situation ist dringend notwendig. Und das heißt auch: Der Pflegeberuf wird zu einem Schlüsselberuf für unsere Gesellschaft. Und: Wer Familienmitglieder zu Hause pflegt, muss unterstützt werden – finanziell wie im Ansehen.

Kontrast.at wird sich dem Schwerpunkt Pflege widmen

Es gibt also genug Gründe dem Thema Pflege einen Schwerpunkt zu widmen. Und das machen wir in den nächsten Wochen.

Thema: Der Alltag der Angehörigen

Als Kontrast.at reden wir mit den Leuten statt über sie zu schreiben. Wir führen Interviews mit Menschen, die wirklich wissen, was es bedeutet, jemanden zu pflegen. Die meiste Arbeit in der Pflege wird von nahen Angehörigen übernommen. Zu 80 Prozent sind es Frauen, die ihre Angehörigen füttern, waschen und Zeit mit ihnen verbringen. Wir haben Mütter von Kindern mit Behinderungen getroffen, Frauen mit demenzkranken Männern und Männer mit demenzkranken Frauen. Sie schildern wie es ist, rund um die Uhr für jemaden da zu sein und was ihr Leben leichter machen würde.

Interview: „24 Stunden – 14 Tag am Stück“

Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen: Schon heute fehlen rund 6.000 Pflegerinnen, bis 2050 werden es 40.000 sein, schätzen Pflegeorganisationen. Und obwohl PflegerInnen gebraucht werden,  sind die Arbeitsbedingungen schlecht. Wir haben eine ehemalige 24h-Pflegerin aus der Slowakei getroffen. Sie erzählt, wie sie mit dem Bus nach Wien kam und im Taxi am Weg zur Familie einen Vertrag unterschrieben hat, den sie nicht lesen konnte. Die Vermittlings-Agentur hat ihr keine Unterstützung geboten, dafür aber den größeren Teil ihres Lohnes weggenommen. Heute ist sie Krankenschwester und leitet mit ihrem Lebensgefährten den einzigen Verein, der sich für die Lebens- und Arbeitsverhältnisse von 24h-Pflegerinnen einsetzt.

Recherche: Wer organisiert Pflege am besten?

Was brauchen Gepflegte? Und wie bekommen sie die beste Betreuung? Wir haben recherchiert, wie es in anderen Ländern läuft und welche Modelle es gibt, um jedem die Versorgung zu bieten, die er braucht – auch den (Laien-)Pflegerinnen. Es ist wie immer auch eine soziale Frage: Das Budget entscheidet, ob man sich externe Hilfe leisten kann oder eben nicht. Doch wer Pflege braucht, sollte sie einfach und unbürokratisch bekommen.

Analyse: Pflege nachhaltig finanzieren

Eine neue Pflegeversicherung oder Pflege doch aus dem Staatsbudget finanziert? Ist das System der Pflegestufen angezählt oder muss nur an Rädchen gedreht werden? Welche Kosten auf die Nation zukommen und wer sie zahlen kann, haben wir im vierten Teil unseres Schwerpunkts gefragt.

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Mag.a Veronika Rechberge
Mag.a Veronika Rechberge

Hierbei wird auf die Situation der Pflegenden in den Heimen nicht eingegangen. Außerdem wollen viele Menschen die Betreuung brauchen, nicht alleine zuhause sein, haben die Finanzen oder den Platz für 24 Std. Pflege nicht oder können nicht mehr alleine zuhause leben. Pflegende sind schlecht bezahlt, haben keine regelmäßige Arbeitszeiten, da es durch die regelmäßige Überbelastung zu vielen Krankenständen kommt, welche durch die Anwesenden abgedeckt werden müssen. Das bedeutet auch in der wenigen Freizeit immer wieder von der Firma angerufen zu werden. Als Leitung bin ich aber dazu verpflichtet vor der Abdeckung mit Fremdpersonal für die Abdeckung des fehlenden Personals, auf… Weiterlesen »

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