Wirtschaft und Finanzen

Deshalb meldet René Benkos Signa jetzt Insolvenz an

René Benko ist wieder einmal mit Negativschlagzeilen in der Öffentlichkeit. Bei seiner Signa-Holding schaut es schon seit Wochen schlecht aus: Schulden, Verluste und Baustopps. Wie schon bei der Kika/Leiner-Pleite könnte es am Ende wieder so kommen: Während Benko fein raus ist und mit riskanten Spekulationen Millionen eingestreift hat, zahlt am Ende wieder die Allgemeinheit drauf. Jetzt hat die Signa Holding selbst einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren eingereicht.

René Benkos Signa-Imperium besteht aus verschiedenen Teilen wie Immobilien, Handelsbereiche, aber auch Medienbeteiligungen. So gehören ihm seit 2019 auch 25 Prozent von Krone und Kurier. Insgesamt ist es ein kompliziertes, undurchsichtiges Firmengeflecht mit hunderten Tochterunternehmen und Teilgesellschaften, das sich zu 77,5 Prozent über Stiftungen im Besitz von René Benko befindet. Er ist es auch, der intern die Geschäftsfragen entscheidet und das Unternehmen nach außen repräsentiert. Wie weit sein Einfluss ging, zeigt eine umfassende Falter-Recherche. Und das, obwohl er seit 10 Jahren formal eigentlich nicht mehr im Management tätig ist, sondern „nur“ den Vorsitz des Beirates führt. Diese Funktion hat er kürzlich nach massivem Druck zurückgelegt.

Am 29. November wurde schließlich bekannt, dass die Signa Holding beim Handelsgericht Wien den Antrag auf Konkurs eingereicht hat. Das Unternehmen ist also pleite – und soll mit einem Verfahren saniert werden. „Ziel ist die geordnete Fortführung des operativen Geschäftsbetriebs im Rahmen der Eigenverwaltung und die nachhaltige Restrukturierung des Unternehmens“, heißt es vonseiten der Signa in einer Aussendung.

Schulden könnten 15 Mrd. Euro ausmachen

Schon in der Vergangenheit gingen René Benkos Geschäfte nicht immer gut aus – zumindest was Beschäftigte und Steuerzahler in Deutschland und Österreich betrifft. Denn die mussten sowohl Galeria Kaufhof Karstadt zweimal vor der Insolvenz retten – und trotzdem 5.000 Kündigungen hinnehmen, als auch die Kika/Leiner-Pleite ausbaden.

Jetzt könnte es auch die anderen Bereiche von Benkos Signa treffen. Am 25. Oktober 2023 ging die erste Signa-Tochter, ein Online-Sporthändler pleite, wenige Wochen später die Signa Real Estate Management Germany GmbH, die Immobilien in Deutschland entwickelt und verwaltet. Doch auch andere Teilgesellschaften haben hohe Schuldenberge angehäuft. So etwa die Schweizer Signa Retail Selection AG: Laut News-Recherche gibt es dort ein Minus von 1,39 Milliarden Euro, bei der Signa-Holding 505 Millionen, bei der Prime Selection AG 1,2 Milliarden und bei der Development Selection 300 Millionen.

Finanzexperte Gerhard Zmuegg schätzt die Schulden insgesamt auf bis zu 15 Milliarden Euro. Doch genau weiß man es nicht, denn der Konzern hat keine gemeinsame Bilanz, sondern besteht aus hunderten verschachtelten Subfirmen.

Diese schlechte finanzielle Lage macht sich auf im Stadtbild sichtbar: Die Bauarbeiten am Elbtower in Hamburg stehen genauso still, wie bei der Sportarena in Stuttgart. Auch beim Luxusgeschäft Lamarr auf der Wiener Mariahilfer Straße ist unklar, wie es weitergeht.

Immobilien wurden riskant aufgewertet

Wie kam es so weit? Für die meisten Immobilienunternehmen ist es schwierig, wenn die Zinsen für ihre Kredite steigen und gleichzeitig Mieteinnahmen und Nachfrage zurückgehen. Doch bei Benko ist das Problem besonders groß.

Interne Dokumente, die dem Falter vorliegen, deuten darauf hin, dass die Gewinne nicht aus erwirtschafteten Einnahmen kommen (wie etwa Mieteinnahmen), sondern aus den fiktiven Aufwertungen der Immobilien – also nur auf dem Papier stehen. Dahinter steht folgendes Geschäftsmodell: Je wertvoller die Immobilien werden, desto höher ist einerseits der Gewinn und die Dividenden an die Eigentümer. Alleine 2021 sind in der Immo-Sparte von Signa 224 Millionen Euro an Dividenden geflossen. 2030 sollten sie sich laut Budgetentwurf auf über 400 Millionen fast verdoppeln. Andererseits kommt der Konzern so leichter zu neuem Geld, das man wiederum investieren kann. Denn einem Unternehmen, das floriert, borgen Banken und Investoren schneller Geld als einem, das nicht gut dasteht.

Genau hier beginnt nun das Kartenhaus zusammenzufallen. Denn die Zinsen sind in den letzten Monaten stark angestiegen. Signa muss Zinsen und Kredite in Milliardenhöhe zurückzahlen. Gleichzeitig wird Signa kaum neues Geld von europäischen Banken bekommen – immerhin rechnet die Europäische Zentralbank schon seit Monaten damit, dass Signa ihre Kredite womöglich nicht mehr zurückzahlen kann.

Ex-Kanzler Sebastian Kurz und Rene Benko pflegten gute Beziehungen. (Foto: Helmut Fohringer/APA_picturedesk)

Trotzdem Zeit für einen Shopping-Trip mit dem Privat-Jet

Noch ist nicht klar, welche Ausmaße das Ganze annimmt. Fest steht, dass Signa nun mit Zahlungsunfähigkeit konfrontiert ist und ein Sanierungsverfahren angemeldet hat. Für die Ende November fällige 200 Millionen Euro schwere Anleihe fehlte das Geld. Zuletzt hatte Benko laut Medienberichten noch versucht, Geld aufzutreiben. Etwa in Saudi-Arabien: Laut „Business Insider“ wollte Benko beim saudischen Staatsfonds einen Kredit in dreistelliger Millionenhöhe auftreiben, damit er Zahlungsschwierigkeiten überbrücken kann. Den Kontakt soll einst Ex-Kanzler Sebastian Kurz hergestellt haben. Geworden ist daraus – so darf man vermuten – wahrscheinlich nichts.

Trotz der dramatischen Situation, in der sich das Signa-Imperium befindet, machte Benko ausgerechnet jetzt mit seiner Frau einen Kurztrip nach Barcelona. Laut Bild verließ er eine Krisensitzung frühzeitig, um mit seinem Privat-Jet in den Süden zu fliegen. Zwei Tage später landeten sie mit Akten und zahlreichen Einkaufstaschen wieder am Innsbrucker Flughafen.

Der Artikel wurde ursprünglich am 8. November 2023 veröffentlicht und am 29. November aktualisiert.

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Lena Krainz

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