Fünf Wochen nach dem Beginn des Iran-Krieges haben die USA und der Iran am 7. April eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart. Teheran kündigte an, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. An den Märkten fielen der Ölpreis sofort. Die Lieferengpässe und damit erhöhte Energiepreise werden aber noch Monate bestehen bleiben.
Am 28. Februar griffen die USA und Israel Iran an. Seitdem war die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases floss, weitgehend gesperrt. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge fiel auf weniger als 10 % des Vorkriegsniveaus. Der Rohölpreis stieg seit Kriegsbeginn von 61 auf zeitweise fast 120 Dollar pro Barrel.
Im Rahmen der Waffenruhe kündigte Irans Außenminister Abbas Araghtschi an, den Schiffsverkehr in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen wieder zu ermöglichen. Der Rohölpreis sank danach um rund 16 Prozent auf etwa 92 Dollar pro Barrel. Friedensverhandlungen sollen am 10. April in Islamabad beginnen.
Wie schnell die Lieferketten wieder anlaufen, bleibt unklar. Teheran besteht darauf, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten. Dazu kommt, dass selbst ein freier Schiffsverkehr die Versorgung nicht sofort wiederherstellt. IATA-Generaldirektor Willie Walsh sagte, die Kerosinversorgung werde noch Monate brauchen, weil die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten beschädigt sind und der Wiederaufbau Zeit braucht.
Ein Öltanker bewegt sich mit etwa 15 Knoten (etwa 28 km/h), der Geschwindigkeit eines Fahrrads. Lieferungen, die vor Kriegsbeginn die Golfregion verließen, sind noch unterwegs oder kommen gerade erst an. In vielen Teilen Asiens endeten diese Lieferungen Ende März, in Europa und den USA erst im April. Wer noch Öl bekommt, bekommt Öl, das vor dem Krieg abgeschickt wurde.
Notreserven dämpften den Schock
Dass die Lage nicht früher eskalierte, lag an zwei Faktoren. Die IEA-Staaten beschlossen die größte Freigabe strategischer Ölreserven in der Geschichte der Behörde: 400 Millionen Barrel, mehr als doppelt so viel wie nach der russischen Invasion der Ukraine 2022. Dazu kamen Spekulanten, die auf Trumps wiederholte Andeutungen eines baldigen Waffenstillstands setzten und Öl-Futures verbilligten, was den Preisanstieg im Spotmarkt zusätzlich abfederte. Beide Maßnahmen sind einmalig einsetzbar und weitgehend aufgebraucht.
Für die ärmsten Länder reichten diese Puffer nicht. In Südafrika, Pakistan, Vietnam und Laos bildeten sich Schlangen an Tankstellen. Laos reduzierte den Schulbetrieb auf vier Tage pro Woche, Sri Lanka führte eine generelle Viertagewoche ein, die Philippinen erklärten den nationalen Energienotstand. Diese Länder traf die Krise als erste, weil ihre Lieferungen als erste versiegten und sie im Wettbewerb um Ersatzlieferungen gegen zahlungskräftigere Käufer unterliegen.
Steigende Preise in Industrie, bei Nahrung und Halbleiter
Die Folgen reichen weit über den Ölpreis hinaus. Der Nahe Osten liefert rund 45 % des weltweiten Schwefels, ein Vorprodukt für Düngemittel. In Teilen Asiens gibt es bereits Engpässe. Das UN-Welternährungsprogramm warnt vor langfristig steigenden Lebensmittelpreisen.
Helium, ein Nebenprodukt der Erdgasproduktion, wird knapp, was Halbleiterfabriken unter Druck setzt. Airlines kürzen Flüge: Korean Air hat den Notfallmodus ausgerufen, die Philippinen haben weitere Stilllegungen erwogen. Ein Economy-Ticket von Sydney nach London kostet bei Cathay Pacific inzwischen mehr als doppelt so viel wie vor dem Krieg.
Europa steht vor einem besonderen Problem. Die Gasspeicher waren zu Kriegsbeginn auf dem niedrigsten saisonalen Stand seit Jahren, rund 28 %. Die Sommermonate dienen normalerweise dazu, sie für den Winter aufzufüllen. Das ist in den vergangenen Wochen weitgehend ausgefallen. Die EZB hat ihre Inflationsprognose für 2026 von 1,9 auf 2,6 Prozent angehoben und ihre Wachstumsprognose von 1,2 auf 0,9 Prozent gesenkt.
Selbst wenn die Lieferungen jetzt rasch wieder aufgenommen werden, bleibt eine Lücke. Über 40 Energieanlagen in neun Ländern sind nach IEA-Angaben schwer beschädigt, die Reparaturkosten werden auf mindestens 25 Milliarden Dollar geschätzt. Allein die Flüssiggas-Anlagen in Katars Ras Laffan, die 17 % der dortigen Exportkapazität ausmachen, werden laut Schätzungen drei bis fünf Jahre brauchen, bis sie wieder voll in Betrieb sind.
Ob die zweiwöchige Waffenruhe in ein dauerhaftes Abkommen mündet, entscheidet sich bei den Verhandlungen in Islamabad. Teheran hat klargemacht, dass es die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten will. Wie sich das in den kommenden Wochen auf Sprit- und Energiepreise für Haushalte in Österreich auswirkt, lässt sich derzeit nicht abschätzen.

































