Feminismus einfach erklärt

Einfach erklärt: Was Feministinnen wollen – und warum auch Männer profitieren

Darfst du wählen? Dann danke einer Feministin. Kannst du selbst entscheiden, mit wem du zusammen bist und wie dein Partner mit dir umgeht? Dann bedanke dich bei einer Feministin. Hast du einen Beruf und kannst du mit deinem Geld machen, was du willst? Bedank dich bei einer Feministin! Denn lange Zeit waren die normalsten Dinge unseres Lebens den Männern vorbehalten. Feministinnen haben im Laufe der Zeit viele Rechte für Frauen erkämpft. Doch trotz all der Jahre harter Arbeit, verdienen Frauen heute noch weniger als Männer, werden oft auf ihr Aussehen reduziert und bekommen die Haus- und Erziehungsarbeit aufgehalst. Wir erklären: Was ist Feminismus eigentlich? Was will er? Und was haben Männer davon?

Inhaltsverzeichnis

Woher kommt der Begriff, was ist seine Bedeutung?

Als feministische Bewegungen gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts auftauchten, war das Wort „Feministin“ ein Schimpfwort. Die Kämpferinnen für Gleichberechtigung nannten sich selbst eher Frauenrechtlerinnen oder Sufragetten (vom englischen Wort für Wahlrecht – ‚suffrage’; es bezog sich auf Frauen, die für das Wahlrecht kämpften). Jedenfalls haben all diese Bezeichnungen eines gemeinsam: Es geht um Frauen, die sich gegen ihre Unterdrückung und für ihre Rechte einsetzten.

 „Mann, bist du imstande gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt; dieses Recht wenigstens kannst du ihr nicht nehmen. Sage mir, wer hat dir die souveräne Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?“ Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, Olympe de Gouge, 1791

Was ist Feminismus und was wollen Feministinnen?

Einfach erklärt: Feminismus will Unterdrückung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts beenden. Feministinnen wollen nicht, dass Frauen schlechter bezahlt werden, mehr Hausarbeit umgehängt bekommen und körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Sie kämpfen gegen Sexismus und Diskriminierung und setzen sich dafür ein, dass Frauen sich genauso frei bewegen können wie Männer. Feminismus ist sowohl theoretisch als auch praktisch. Es gibt Bücher, Artikel, wissenschaftliche Abhandlungen und Pamphlete, sowie Proteste, Volksbegehren und Frauengruppen, die den Feminismus ausmachen.

 „Feminismus hat so einen schlechten Ruf. Das klingt so unrasiert und ungebumst. Dabei bedeutet es doch nur, dass eine Frau machen kann, was sie will.“ Carolin Kebekus, 2016

Was ist das Feminismus-Symbol und was bedeutet es?

Das Feminismus-Symbol besteht aus dem Venussymbol (ein Kreis mit einem Kreuz am unteren Ende) und einer erhobenen, geballten Faust. Es wurde zum ersten Mal von Feministinnen in den 1970ern verwendet. Das Venus-Symbol kommt aus der Astronomie und Astrologie und steht für den Planeten Venus. Der ist in der römischen Mythologie gleichbedeutend mit Weiblichkeit. Die Eselsbrücke: Das Zeichen symbolisiert den Handspiegel der Göttin Venus.

Im Symbol für den Feminismus ist das Symbol um eine geballte Faust erweitert – in der Kombination sieht es aus wie eine Kampfansage mit Heiligenschein. Das Symbol schmückt unzählige feministische Sticker, Plakate und T-Shirts.

Das Symbol für Feminismus ist ein Venus-Zeichen mit einer geballten Faust.

Wie hat das alles eigentlich angefangen? – Die Geschichte des Feminismus

Die Geschichte des Feminismus beginnt mit den Kämpfen der Bürgerlichen und Arbeiter gegen die Monarchie. Als Männer aus niedrigeren Ständen begannen, politische und soziale Rechte gegen Könige und Feudalherren zu fordern, begannen auch Frauen sich für ihre Rechte zu engagieren. Die wurden aber von den Männern oft aus den Bewegungen verdrängt und tauchen in den Geschichtsbüchern kaum auf.

Das war Ende des 18. Jahrhunderts. Gutbürgerliche Frauen kämpfen im Zuge der Französischen Revolution gegen die Monarchie und für Frauenrechte. Es waren vor allem wohlhabende Frauen, die Zeit und Geld hatten, um sich mit anderen Dingen als Arbeit, Hausarbeit und Kindererziehung zu beschäftigen. Die bekannteste Verfechterin der Menschenrechte für Frauen in der Französischen Revolution war Olympe de Gouge. Sie war als Theater-Autorin mit unfassbarer Diskriminierung konfrontiert und veröffentlichte die „Erklärung der Rechte der Frau“.

Olympe de Gouge forderte während der Französischen Revolution, dass auch den Frauen allgemeine Menschenrechte zustehen.

Darin kritisiert sie, dass die Revolutionäre nur Männerrechte in der Verfassung verankert haben. De Gouge wird schließlich am Schafott hingerichtet – nicht zuletzt, weil sie die Rechte der Frauen im französischen Staat eingefordert hat.

Kämpfe von Frauen für das Recht auf Bildung, bessere Arbeitsbedingungen und rechtliche Gleichstellung gingen in Frankreich, England und den USA voran. Ab den 1830er-Jahren fingen auch in Deutschland Frauen an, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Diese Entscheidung durften sie damals, rein rechtlich gesehen, gar nicht alleine treffen. Sie lebten unter der Vormundschaft ihrer Väter oder Ehemänner, die darüber entscheiden konnten, ob sie einen Beruf ausüben, ihre Kinder sehen oder das Haus verlassen durften.

Die Suffragetten und das Frauenwahlrecht

Für öffentliches Aufsehen sorgte die ‚Women’s Social and Political Union’ (WSPU) in England. Emmeline Pankhurst hat sie gegründet. Ihre Mitglieder waren Suffragetten, die sich für das Wahlrecht der Frauen einsetzten. Sie fielen durch Hungerstreiks und Parlamentsboykotte auf. Emily Davison zum Beispiel warf sich 1913 bei einem Derby vor das Pferd des Königs und starb dabei. Sie wollte zeigen, dass die Forderungen der Suffragetten ernst genommen werden müssen.

Durch die Frauenproteste entstand erstmals etwas, das man als feministisches Bewusstsein bezeichnen konnte. Ihre Vertreterinnen vernetzten sich auch über Länder hinweg und bereiteten so den Weg für das Frauenwahlrecht in Europa. Erste Erfolge hatten sie in England, Deutschland und Österreich – dort durften Frauen nach dem Ersten Weltkrieg 1918 erstmals wählen. Trotz starken Vorkämpferinnen wie Olympe de Gouge war es in Frankreich erst 1944 so weit. In der Schweiz gibt es das Frauenwahlrecht übrigens erst seit 1971.

„Die Militanz der Männer hat durch die Jahrhunderte die Welt mit Blut getränkt, und für diesen Horror, diese Zerstörung sind sie mit Denkmälern, großen Gesängen und Epen belohnt worden. Die Militanz von Frauen hat nur das Leben derjenigen bedroht, die diesen gerechten Kampf gekämpft haben. Nur die Zeit wird offenbaren, welcher Lohn den Frauen zugesprochen werden wird.“ Emmeline Pankhurst (1858-1928)

Die Feministinnen der ersten Frauenbewegung erkämpften grundlegende soziale und politische Rechte für Frauen, die heute selbstverständlich sind: Das Recht auf Erwerbsarbeit, den Zugang zu Universitäten, das Recht auf Studienabschlüsse und das Recht zu wählen. Der erste und zweite Weltkrieg verändert die Lage: Millionen Frauen mussten in Fabriken arbeiten, weil die Männer als Soldaten an der Fronten waren. Nach dem ersten Weltkrieg konnten Millionen Männer nicht mehr arbeiten, weil sie im Krieg schwer verletzt wurden. Jetzt mussten die Frauen für das Einkommen der Familien sorgen.  In dieser Zeit beteiligten sich viele Frauen an Lebensmittelunruhen und Massenstreiks.

In den 1920er Jahren konnten Frauen weit freier leben und hatten mehr Rechte als noch 10 oder 20 Jahre zuvor – dank dem Kampf der Feministinnen.

Die 50er Jahre: Die Frau mit Schürze am Herd

Der Faschismus brachte große Rückschritte für die Frauenbewegung: Die Nazis idealisierten Hausfrauen und Mütter, intellektuelle oder kämpferische Frauen waren ideologische Feinde. Nach Ende des Kriese fanden sich dennoch viele Frauen in ganz anderen Rollen wieder. Die Männer waren im Krieg gefallen oder kamen verletzt und traumatisiert nachhause. Die Frauen mussten arbeiten und Geld verdienen.

Aber nicht lange. In den 1950er-Jahren verschwanden Frauen wieder aus der Arbeitswelt in die eigene Wohnung:  Die Kernfamilie aus Mutter, Vater und Kindern war wieder das ultimative Ziel – der Mann geht arbieien, die Frau kümmert sich um Kinder und pflegt das Haus.

Wer kennt sie nicht? Die Retroplakate, auf denen sich gestriegelte Damen in Kleid und Schürzchen über den neuen Ofen, Staubsauger oder das Waschmittel freuen. Satirisch kommen sie daher, diese Bilder. Doch vor nur 70 Jahren waren sie ernst gemeinte Werbung, ohne Augenzwinkern. Die Rollen waren klar: Der Mann verdiente das Geld, dass die Frau für Haushaltsgeräte und Kleider ausgeben durfte. Einige wehrten sich gegen diese Ordnung – und ernteten Spott und Hass.

Beauvoir: Man wird nicht als Frau geboren, man wird es

Zum Beispiel Simone de Beauvoir. Sie stammt aus einer großbürgerlichen Familie und war intellektuell sehr begabt. Beauvoir fiel während ihres Studiums durch ihre Leistungen auf, hatte einen festen Platz in der Intellektuellen-Szene Frankreichs und war ihr Leben lang mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre befreundet und verbunden. Als sie 1949 „Das andere Geschlecht“ veröffentlichte, ein Buch, das mit Mythen über Frauen aufräumte und ihre Unterdrückung anprangerte, behandelte man sie ähnlich wie Feministinnen heute.

„Die Kritiker fielen aus allen Wolken; das Problem existiere ja gar nicht: Alles, was ich sagte, wisse man bereits, und an allem, was ich sagte, sei kein wahres Wort.“ Simone de Beauvoir über die Kritik an „Das andere Geschlecht“.

Beauvoirs Buch gilt als Schlüsselwerk für die zweite Frauenbewegung. Der berühmteste Satz daraus lautet: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“. Beauvoir will zeigen: Mutter, Hausfrau oder schöne Begleiterin – all das sind Rollen, die Frauen von der Gesellschaft aufgezwungen werden. Sie sind nicht aus der Natur oder Biologie zu erklären und können daher auch anders sein, wenn wir das wollen.

Die Feministin Simone de Beauvori schrieb gegen starre Rollenbilder von Frauen: Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu – aufgrund gesellschaftlicher Einflüsse.

Sex und Gender: Man wird nicht als Frau geboren

Simone de Beauvoir macht in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ auf die Unterschiede zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht aufmerksam. Heute nennt die feministische Theorie das Sex und Gender. Das Geschlecht als Sex bezieht sich auf die biologischen, also körperlichen Geschlechtsmerkmale: Vulva, Eierstöcke, Brüste, Penis, Prostata, Hoden, usw. Gender bezieht sich auf die Geschlechterrollen – also mit welchen Bedeutungen und Rollenbildern die biologischen Merkmale in einer Gesellschaft verbunden sind: Welche Kleidung, welche Eigenschaften, welche Verhaltensweisen, Interessen und Berufe gelten als weiblich und welche als männlich?

Beauvoirs Satz „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ heißt also: Biologische Frauen lernen im Laufe ihres Lebens was von ihnen als Frau erwartet wird – das kann unterschwellig passieren, aber auch gewaltsam. Von Geburt an werden wir zur Frau erzogen – und zum Mann. Das kann auch zu Identitätskonflikten führen, wenn die eigenen Interessen oder der Geschmak nicht den Gendernormen entsprechen.

Zweite Frauenbewegung: Recht auf Abtreibung und gegen starre Rollenbilder

Die zweite Frauenbewegung beginnt in den 1960er Jahren als Antwort auf die starren Rollenbilder der 50er. Mit dem Wahlrecht und dem Zugang zu Universitäten waren die Frauen nicht zufrieden. Frauen wehrten sich gegen die Vormundschaft durch Väter und Ehemänner, gegen schlechtere Bezhalung und  starre Rollenbilder.

Eine der berühmtesten Forderungen der zweiten Feminismuswelle war das Recht auf Abtreibung. Viele prominente und nicht-prominente Frauen gaben öffentlich zu, abgetrieben zu haben, obwohl das damals unter Strafe stand. Illegale Abtreibungen kosteten entweder viel Geld oder waren gefährlich, weil die Hygienestandards schlecht waren. Die Forderung einte Frauen über alle Schichten, weil viele die Not einer ungewollten Schwangerschaft kannten. Schließlich brachten die Feministinnen das Abtreibungsverbot in vielen Ländern Europas zu Fall: Bei der sogenannten Fristenregelung (wie in Östererich und Deutschland) schreibt der Staat vor, unter welchen Voraussetzungen und bis zur wievielten Woche Frauen straffrei abtreiben dürfen.

„Das Private ist politisch“

„Das Private ist politisch“ wurde zur Parole der zweiten Frauenbewegung. Das hieß vor allem: Dass Frauen sich nicht mehr aus der Öffentlichkeit verdrängen ließen, weil sie sich um Kind und Haushalt kümmern sollten. Frauen die ganze Familienarbeit aufzuhalsen, ist keine Frage der Biologie oder der Liebe – das ist eine politische Frage. Die Frauen forderten daher mehr Mitsprache und dass Männer Teile der Haus- und Erziehungsarbeit übernehmen müssen.

Die Diskussionen schritten schnell voran. Bald diskutierte eine breite Öffentlichkeit über Halbe-Halbe zwischen Männern und Frauen beim Putzen, Kochen und beim Erziehen der Kinder.  Bis zum Anfang der 1980er Jahre konnten beachtliche politische Erfolge verzeichnet werden. Dazu zählten zum Beispiel:

  • Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung: Das reicht vom Verbot von Vergewaltigung in der Ehe bis zur Bewusstseinsarbeit über weibliche Lust und Orgasmen. Sexualität ist nicht zum Spaß der Männer da, sondern auch zum Vergnügen der Frau.
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Frauen bekamen für die gleiche Arbeit oft weit weniger bezahlt als Männer. Das hat sich bis heute zwar gebessert, es gibt aber noch immer Unterschiede bei der Entlohnung von Männern und Frauen. Island hat im Jahr 2019 die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen gesetzlich verboten.
  • Freie Berufswahl: Frauen haben keinen Vormund mehr und können selbst entscheiden, ob und was sie arbeiten wollen.
  • Quoten: Um jahrelange Männerbünde und -netzwerke zu durchbrechen, müssen Frauen zu einem bestimmten Prozentsatz in Wirtschaft und Politik vertreten sein. Nach Jahren der Frauenquote in Schweden zeigt eine Studie: Frauenquoten steigern die Kompetenz, weil mittelmäßig kompetente Männer durch kompetente Frauen ersetzt werden. 
  • Halbe-Halbe und Kindergärten: Mehr Kinderbetreuungseinrichtungen sorgen heute dafür, dass beide Eltern einem Beruf nachgehen können. Papa-Monat und Väterkarenz steigern die Beteiligung der Männer an der Kindererziehung.

Am Stern-Cover bekannten 30 prominente Frauen: „Ich habe abgetrieben!“

Feminismus Heute

Heute stehen wir auf den Schultern dieser Feministinnen: Frauen können wählen, Männer dürfen Kindergärtner werden, Frauen studieren, gehen arbeiten und sexuelle Übergriffe sind verboten. Männer dürfen weinen und Frauen Hosen tragen. Und dennoch: Auch heute haben es Frauen schwerer als Männer auf dieser Welt – einfach nur, weil sie eine Frau sind.

  • Frauen haben bessere Abschlüsse, verdienen aber um ein Drittel weniger

Auch im Jahr 2019 verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Real bekommen Frauen um 20 Prozent weniger Einkommen als Männer, wenn sie arbeiten. Der EU-Schnitt liegt bei 16 Prozent, Österreich ist da deutlich drüber. Das ist auch so, weil Frauen öfter Teilzeit arbeiten oder sie weniger hohe Positionen in Unternehmen haben. Rechnet man all das heraus, liegt der Unterschied in Österreich noch immer bei rund 13 Prozent.

Dabei sind Frauen in Österreich statistisch gesehen besser gebildet – doch die Lohnschere hat sich dadurch nicht geschlossen.

  • Zwei Drittel der Arbeitszeit von Frauen ist unbezahlt

Die klassische Hausfrau ist selten geworden und dennoch: Frauen erledigen auch heute noch 73 % der Hausarbeit und 79 % der Kinderbetreuung. Für diese Arbeit werden sie nicht entlohnt, das heißt: Zwei Drittel der Arbeitszeit von Frauen ist unbezahlt. Bei Männern ist es umgekehrt: Sie werden für den Großteil ihrer Arbeit bezahlt. Nur ein Fünftel der Arbeit, die Männer leisten, ist unbezahlte Haus- und Pfegearbeit.

Dass diese Schieflage belastend ist, zeigt sich oft erst, wenn Kinder da sind. Dann ist für viele Frauen die Zeit von Vollzeitarbeit, Überstunden und freier Verfügbarkeit vorbei. Und das bringt Nachteile gegenüber ihren männlichen Kollegen. Denn während Männer mit Kindern sogar zu höheren Arbeitszeiten neigen, reduzieren Frauen ihre Stunden, wenn Kinder da sind.

Dass Frauen auch dann noch mehr Haus- und Familienarbeit übernehmen, wenn sie das Haupteinkommen in der Familie verdienen, hat eine breit angelegten Studie von Cornelia Koppetsch und Sarah Speck gezeigt.

Und das hat schwere Folgen für den beruflichen Erfolg von Frauen. Ab Ende 20 ziehen die Männer weg und Frauen bleiben am Fleck, weil sie Kinder haben oder Kinder bekommen könnten. Frauen müssen auch erfahren, dass sie sich in den Männer-Netzwerken kaum durchsetzen können: Auf ein Bier nach der Arbeit, zum Tennis oder auf ein Konzert – private Treffen unter aufstrebenden Männern sind für Frauen mit kleinen Kindern oft nur schwer möglich, selbst wenn sie wollten und dazu eingeladen wären.

Während beim Berufseinstieg noch 43 % der Mitarbeiterinnen nach einem Chefposten streben, sind es nach fünf Jahren im Beruf nur noch 16 %. Bei Männern hingegen bleiben die Erwartungen konstant.

Für die meisten Mitarbeiterinnen ist daher spätestens im Mittleren Management Endstation – wie auch diese Grafik anschaulich zeigt.

 

warum feminismus heute wichtig ist: je höher der job, umso niedriger der Frauenanteil

  • Sexistische Klischees in Werbungen

Laut einer englischen Statistik wollen mehr junge Mädchen Model werden als Premierministerin oder Maschinenbauerin. Seit Jahrtausenden lernen Mädchen, dass sie schön sein müssen, um etwas wert zu sein. Und obwohl Frauen heute wählen, studieren und arbeiten – unter den Klisches und Schöhnheitsidealen leiden sie auch heute noch.

Der Erfolg von TV-Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ zeigt, wie wichtig das Gebot „Du musst hübsch sein“ auch heute noch ist. Fünftausend Anzeigen sehen Frauen pro Tag, dort wird ihnen vermittelt: Du musst Zeit und Geld in dein Aussehen stecken, um Objekt der Begierde zu werden. Mittlerweile sind Kosmetikartikel für Acht- bis Zwölfjährige ein Milliardenmarkt. Besonders die Kosmetik- und Modeindustrie hilft nach bei der Vorstellung, dass Frauen vor allem gefallen müssen und ein Sexobjekt sein sollen. Das bleibt nicht ohne Folgen: Depressionen und Essstörungen nehmen zu und das Aussehen bekommt mehr Aufmerksamkeit als andere Leidenschaften und Interessen.

Immer weniger Frauen finden sich schön, weil nicht einmal Models mehr ihren digital bearbeiteten Abbildern ähnlich sehen. Sexistische Rollenbilder in Werbung und Medien werden oft mit dem Argument gerechtfertigt, dass sie doch nicht ernst gemeint wären. Doch wenn man fünftausend Mal am Tag eine Frau in Unterwäsche räkeln sieht, wirkt sich das auf unser Frauenbild aus – ob wir wollen oder nicht.

Sexistische Werbung mit drei Frauen und iener Biermarke

5.000 Werbungen sehen wir am Tag. Viele davon zeigen Frauen als Sexobjekt.

  • Jede dritte Frauen wird einmal Opfer von Gewalt

Laut einer Studie der EU-Grundrechtsagentur ist in Europa jede dritte Frau von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen. Eine von 20 Frauen ist seit dem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. Diese Ausmaße schockieren – Gewalterfahrungen gehören für viele Frauen auch im Europa des 21. Jahrhunderts zum Alltag. Und die Übergriffe finden nicht nachts im Park statt, wo Frauen von Fremden attackiert werden. Die Täter gehören großteils zur eigenen Familie.

In Österreich sind im Jahr 2018 41 Frauen ermordet worden. Ein großer Teil von ihren Partner oder Expartner. Die Zusammenarbeit von Polizei, Sozialarbeit und Frauen- und Familienorganisationen wurde allerdings vom ehemaligen Innenminister Kickl gestoppt. Die ehemalige schwarz-blaue Regierung hat auch den Frauenorganisationen und Familienberatungsstellen die Budgets gekürzt – um mehrere Millionen.

In Österreich gibt es 30 Frauenhäuser, 2015 suchten über 3.300 Frauen und Kinder in diesen Einrichtungen Schutz vor Gewalt.  Über 7.200 Frauen ließen sich beraten.

Und die Männer? Feminismus ist für jeden und jede

Feminismus ist nicht in erster Linie ein Konflikt zwischen Männern und Frauen. Das betont etwa die Feministin bell hooks: Denn auch Männer sehnen sich nach einem Leben, das nicht von Unterwerfung und Macht geprägt ist. Sie wollen liebevolle Beziehungen zu Frauen, Gesprächen auf Augenhöhe und genügend Zeit mit ihren Kindern. Und auch sie leiden unter strengen Männlichkeitsgeboten. Jeder Mensch hat verschiedene Bedürfnisse: Für andere da zu sein gehört ebenso dazu, wie Dinge zu schaffen oder sich körperlich zu betätigen. Beiden Geschlechtern muss die ganze Palette zur Verfügung stehen.

„Endlich den Machowahn über Bord werfen, diese elende Falle für Blöde, die nur absolute Schwachköpfe brauchen. Vor welcher Unabhängigkeit haben denn die Männer so große Angst, dass sie über ihre eigenen Lebensbedingungen nichts Neues, Kritisches oder Erfinderisches vorzubringen haben?“ Virginie Despentes in: Die King Kong Theorie

Interessant? – Das sind feministische Podcasts, Serien, Bücher

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich weiter zu informieren, findet hier Stoff, um sich mit feministischen Thema auseinanderzusetzen.

Podcasts

Grosse Töchter. Der feministische Podcast für Österreich von Beatrice Frasl

The Guilty Feminist. Von Deborah Frances-White

Im Namen der Hose. Lasst uns über Sex reden. PULS. BR Podcast

Paardiologie. Podcast von Charlotte Roche. Spotify Original Podcast

Filme

„Embrace“ von Taryn Brumfitt

„Female Pleasure“ von Barbara Miller

„Lady Bird“ von Greta Gerwig

„Little Miss Sunshine“ von Jonathan Dayton und Valerie Faris

„Suffragette“ von Sarah Gavron

 

Serien

„Dear White People“ von Justin Simien

„Easy“ von Joe Swanberg

„Girls“ von Lena Dunham

„Grace und Frankie“ von Marta Kauffman und Howard J. Morris

„Tuca and Bertie“ von Lisa Hanawalt

 

Instagram-Accounts

@celestebarber

@florencegiven

@sarahandersencomics

@slingaillustrations

 

Bücher

Adichie, Chimamanda Ngozi (2014): We should all be feminists

Beauvoir, Simone de (1949): Das andere Geschlecht

Despentes, Virginie (2007): Die King Kong Theorie

Gay, Roxane (2019): Bad feminist

Herbst, Hanna (2018): Feministin sagt man nicht

hooks, bell (2000): Feminism is for everybody. Passionate politics

McRobbie, Angela (2010): Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes

Penny, Laurie (2016): Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus

Penny, Laurie (2017): Bitch Doktrin: Gender, Macht und Sehnsucht

Sorority E.v. (2018): No More Bullshit: Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten

Stokowski, Margarete (2016): Untenrum frei

Strömquist, Liv (2017): Der Ursprung der Welt Taschenbuch

Urwin, Jack (2017): Boys don’t cry. Identität, Gefühl und Männlichkeit

Woolf, Virginia (1929) Ein Zimmer für sich allein

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