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Orban verbietet Regenbogenparade und bekommt dafür größte Pride in der Geschichte Ungarns

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Foto: Banned pride / Wikimedia Commons (CC BY 4.0) & European Parliament (CC BY 2.0)

Emre Ibrahimoglu Emre Ibrahimoglu
in Europa, Frauen & Gleichberechtigung, Good News
Lesezeit:4 Minuten
30. Juni 2025
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Trotz eines offiziellen Verbots durch die Regierung von Viktor Orbán fand am 28. Juni 2025 in Budapest eine der größten LGBTQ+-Demonstrationen Europas statt. Rund 200.000 Menschen zogen gemeinsam durch die ungarische Hauptstadt, um gegen die Repression der Regierung Orbán und für Demokratie, Gleichstellung von queeren Menschen und Versammlungsfreiheit zu demonstrieren. Es war die erste Budapest Pride, die explizit verboten worden war – und gleichzeitig die größte ihrer Geschichte.

Die Pride, eine Demonstration, die sich für die Rechte und die Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen (LGBTQI+) einsetzt, wurde in diesem Jahr in Budapest von der Regierung rund um Viktor Orbán verboten. Das Verbot stützt sich auf eine im März 2025 beschlossene Verfassungsänderung, die das „Recht von Kindern auf moralische und spirituelle Entwicklung“ über andere Grundrechte stellt – eine direkte Einschränkung der Versammlungsfreiheit bei LGBTQ+-Themen. Zusätzlich wurden Geldstrafen bis 200.000 Forint (rund 500 €), Gesichtserkennung zur nachträglichen Identifikation und sogar Haftstrafen für Organisator:innen gesetzlich verankert.

Premier Viktor Orbán rechtfertigt diese Maßnahmen mit dem angeblichen Schutz von Kindern und traditionellen Werten. Kritiker – darunter zahlreiche EU-Institutionen und Menschenrechtsorganisationen – sprechen hingegen von gezielter Diskriminierung und einer autoritären Eskalation gegen Minderheitenrechte.

Bis zu 200.000 Menschen nahmen an der Pride in Budapest teil. Foto: Emre Ibrahimoglu

Budapester Stadtregierung trotzt Orbán

Trotz des Verbots entschied sich die Stadtregierung unter Bürgermeister Gergely Karácsony (Grüne) für eine rechtlich kreative Lösung: Die Veranstaltung wurde als kommunal organisierte „Freedom Celebration“ angemeldet – nicht als Demonstration, sondern als kulturelles Stadtfest. Laut Karácsony falle sie damit nicht unter das Versammlungsrecht und benötige keine Genehmigung durch die Polizei. Justizminister Bence Tuzson (Fidesz) reagierte prompt mit einer Drohung: Bis zu einem Jahr Haft für Organisator:innen, darunter möglicherweise auch der Bürgermeister. Auch Premierminister Viktor Orbán warnte in einem Radiointerview, dass die Teilnahme an der trotz Verbot geplanten Pride „klare rechtliche Konsequenzen“ nach sich ziehen könne. Er stellt sich damit hinter die Drohung des Justizministers und betont, dass Bußgelder für Teilnehmer:innen und bis zu einem Jahr Haft für Organisator:innen geplant sind. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass Ungarn ein „zivilisiertes Land“ sei und keine Gewalt anwenden werde.

Doch der Bürgermeister der ungarischen Hauptstadt blieb standhaft: „Budapest wird nicht kapitulieren, wenn Grundrechte verletzt werden.“ Und: „Wenn Gesetze ungerecht sind, ist es unsere Pflicht, sie zu umgehen – friedlich und sichtbar.“

Internationale Solidarität: Europa zeigt Haltung

Die Pride 2025 wurde zur symbolischen Bewährungsprobe für die europäischen Werte – die Reaktion aus Europa war eindeutig. Bereits am 27. Mai veröffentlichten 20 EU-Staaten – darunter Deutschland, Frankreich, Österreich und die Niederlande – eine gemeinsame Erklärung, in der sie Ungarn zur Rücknahme der Pride-Einschränkungen aufforderten.

Über 70 Abgeordnete des Europäischen Parlaments und viele Abgeordnete nationaler Parlamente reisten nach Budapest, darunter viele aus der sozialdemokratischen S&D-Fraktion (Sozialisten & Demokraten), aber auch Grüne und Liberale. Unter dem Motto „We will march – for freedom and equality“ (Wir werden marschieren – für Freiheit und Gleichberechtigung) beteiligten sie sich an der Parade. 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen veröffentlichte zwei Tage vor dem Event eine Videobotschaft: „An die queere Community in Ungarn: Ich bin eure Verbündete. Ihr habt jedes Recht, stolz zu sein.“ Sie forderte Orbán offen auf, das Verbot zurückzunehmen – dieser erwiderte nur, dass sich die EU nicht einmischen solle. Verurteilt wurde das Verbot auch von der SPÖ und dessen Abgeordneten und LGBTIQ+-Sprecher Mario Lindner, der dieses Verbot als „Frontalangriff auf die Grundprinzipien der EU“ betitelte und selbst in Budapest mitmarschierte.

Foto: Emre Ibrahimoglu
Auch der SPÖ Abgeordnete und LGBTIQ+-Sprecher Mario Lindner war bei der Pride in Budapest vor Ort. Foto: Emre Ibrahimoglu

Die Pride vor Ort: Zwischen Feierstimmung und politischer Entschlossenheit

Allem Widerstand zum Trotz versammelten sich bis zu 200.000 Menschen in Budapest – damit war es die größte Pride in der Geschichte Ungarns. Vom Rathausplatz über die Elisabeth-Brücke bis zum Parlament bildete sich ein kilometerlanger Demonstrationszug. Unter ihnen: Menschen mit Regenbogen- und Trans*-Fahnen, Schilder mit Slogans wie „None of us are free until everyone is free“ (Niemand von uns ist frei, solange nicht alle frei sind)  und „This is our home too“ (Das ist auch unser Zuhause). Die Teilnehmer:innen zeigten nicht nur offen ihre queere Identität, sondern auch ihren politischen Widerstand gegen Repression, Willkür und autoritäre Macht. Viele hielten Schilder oder trugen Kleidung, welche sich gezielt gegen die Regierung und  Orbán richteten.

Die Atmosphäre war kraftvoll, kämpferisch – und zeitgleich friedlich. Die Polizei war sichtbar präsent, schützte die Route vor vereinzelten rechtsextremen Gegenprotesten, griff jedoch nicht aktiv gegen die Pride oder dessen Teilnehmenden ein. Bis am Abend waren insgesamt 36 Personen angehalten und zwei Personen verhaftet worden, aufgrund von Drogenbesitz und Vandalismus. Soweit bekannt wurde bislang niemand wegen der Teilnahme an der Pride mit einer Geldstrafe oder Ähnlichem sanktioniert.

Ein Wendepunkt für Ungarn?

Was die Regierung Orbán verhindern wollte, entwickelte sich zu einem kraftvollen Aufstand der Zivilgesellschaft – nicht nur für LGBTQ+-Rechte, sondern als deutliches Zeichen gegen autoritäre Gesetzgebung. Die diesjährige Pride in Budapest wurde so zum größten queer-politischen Protest, den das Land je erlebt hat.

Die EU-Kommission prüft inzwischen die Ausweitung des laufenden Vertragsverletzungsverfahrens gegen Ungarn – denn die EU-Kommission sehe hinter Orbán’s Vorgehen einen Verstoß gegen EU-Recht. Gleichzeitig mehren sich Forderungen, EU-Fördergelder künftig stärker an demokratische Standards zu knüpfen. Auch innerhalb Ungarns zieht das Ereignis politische Konsequenzen: Die demokratische Opposition kündigte an, die Rechte von LGBTQ+-Personen zu einem Kernthema im Wahlkampf 2026 zu machen.

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3 Comments
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Peter
Peter
2. Juli 2025 16:26

Die Unterdrückung der sexuellen Entwicklung bei jugendlichen ist ein Kindes und Jugendmissbrauch der bis zum Selbstmord der betroffenen gehen kann.
–
Das Argument das dieses Verbot zum Schutz der Kinder und Jugendlichen dient ist somit Fake, im Gegenteil, derartige Verbote sind ein schwerer psychologischer Eingriff in der Entwicklung von Jugendlichen.
–
Besonders Fatal ist das die sexuelle Entwicklung mit 18 Abgeschlossen ist, Eingriffe und Maßnahmen kaum mehr möglich sind, und die Menschen ein leben lang davon gezeichnet sind.

Was Viktor Orban macht ist schwerer und schwerster sexueller Missbrauch an Kinder und Jugendlichen!

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Weber Max
Weber Max
Reply to  Peter
6. Juli 2025 15:18

Nein, das macht Viktor Orban nicht. Der Herr Orban lässt lediglich den unentwickelten pubertierenden Befindlichkeiten keinen öffentlichen Raum. Er unterstützt die traditionellen Christlichen Werte, nicht mehr und auch nicht weniger. Niemanden in Ungarn wird es untersagt nach Süd-Somalia auszuwandern, sollten die Ungarischen Werte der eigenen Lebenseinstellung widersprechen.

0
0
Antworten
Peter
Peter
Reply to  Weber Max
7. Juli 2025 16:36

Die sexuelle Entwicklung als pubertierenden Befindlichkeiten diffamieren zu wollen ist Russen-Propaganda. Genau so wie die angeblichen christlich traditionellen Werte nie gab, und ebenso eine Russische Propaganda darstellt.
–
Die Politik Viktor Orban der Unterdrückung der sexuellen Entwicklung ist eine schwere sexuelle Misshandlung.
–
Die katastrophale Demographische Entwicklung in Ungarn ist eine direkte Folge dieser Politik. Ungarn ist auf dem besten Weg sich selbst abzuschaffen, weil diese ganze propagandistische Scheiße keiner mehr hören will.

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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EU-Länder

Momentan gibt es in der EU 27 Mitgliedstaaten. EU-Länder sind: Belgien, Bulgarien, Rumänien, Tschechische Republik, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Slowenien, Slowakei, Finnland, Kroatien und Schweden. Großbritannien trat mit 31. Januar 2020 offiziell aus der EU aus. Das Thema "EU-Mitgliedsstaaten" im Parlament

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Das Europäische Parlament

Auf einen Blick Rolle: Direkt gewähltes EU-Organ mit Zuständigkeit für Gesetzgebung, Aufsicht und Haushalt Mitglieder: 705 Mitglieder des Europäischen Parlaments Präsident: David Sassoli Gegründet: 1952 als Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 1962 als Europäisches Parlament, erste direkte Wahl 1979 Standort: Straßburg (Frankreich), Brüssel (Belgien), Luxemburg Das Europäische Parlament ist die einzige direkt von den europäischen Bürgerinnen gewählte Institution der EU. Die 705 EU-Parlamentarier, auch Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) genannt, vertreten 450 Millionen Bürger aus allen 27 Mitgliedsstaaten. Sie sind in acht politische Fraktionen unterteilt. Alle zweieinhalb Jahre (also zwei Mal in jeder Legislaturperiode) wählen sie einen neuen Präsidenten bzw. eine neue Präsidentin aus ihrer Mitte. Logo des Europäischen Parlaments Das EU-Parlament ist das gesetzgebende Organ

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EU-Kommissar

In der EU-Kommission arbeiten 26 EU-Kommissare und die EU-Kommissionspräsidentin – also pro EU-Land ein Vertreter bzw. eine Vertreterin. Für jeden Politikbereich gibt es einen EU-Kommissar oder eine Kommissarin, so etwa für die Bereiche Inneres, Sozialpolitik oder Außenpolitik, Verkehr oder Digitalisierung etc. Die Gesamtheit der Kommissare wird Kollegium genannt. Hier geht’s zum aktuellen Kollegium. EU-Kommissar aus Österreich: Derzeit Johannes Hahn (ÖVP). Seit Beginn der Periode 2019 ist er Kommissar für den Bereich Haushalt und Verwaltung. Von 2014-2019 war er bereits als Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen zuständig. Transparente Zusammenarbeit: Jeder Kommissar steht mit den EU-Abgeordneten aus dem EU-Parlament im jeweils dazugehörigen thematischen Ausschuss in Zusammenarbeit. Der Austausch wird in Protokollen vermerkt und ist für jeden und jede online einsehbar. Hier

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EU-Netto-Empfänger

Damit sind die EU-Länder gemeint, die am meisten Fördergelder aus dem gemeinsamen EU-Budget bekommen. Derzeit sind das Ungarn und Polen (gemessen in absoluten Zahlen, Stand 2018). Das Thema "EU-Fördergeld" im Parlament

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