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Lasst euch von Fake-Accounts nicht täuschen: Eine Kommentarspalte ist keine Mehrheit

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Mann scrollt und tippt am Handy. (Foto: Unsplash/Jonas Leupe)

Mann scrollt und tippt am Handy. (Foto: Unsplash/Jonas Leupe)

Tarik Mete Tarik Mete
in Anders als gedacht
Lesezeit:4 Minuten
17. August 2026
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Ich erlebe es ständig. Sobald ein politischer Beitrag in sozialen Medien erscheint, dauert es oft nicht lange, bis sich die Kommentarspalte mit Wut, Beschimpfungen und rechten Parolen füllt. Besonders bei Themen wie Migration, Sozialpolitik oder der FPÖ entsteht schnell der Eindruck, dass eine überwältigende Mehrheit rechts denkt. Eine Kolumne von Tarik Mete.

Wer diese Kommentarspalten regelmäßig liest, könnte glauben, das ganze Land sei wütend und gegen Ausländer:innen sowie gegen alles eingestellt, was nicht in das Weltbild der FPÖ passt. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Denn hinter hundert Kommentaren stehen nicht zwangsläufig hundert unterschiedliche Menschen. Fake-Accounts, Bots und organisierte rechte Netzwerke können Diskussionen gezielt fluten und bestimmte Botschaften immer wieder verbreiten. Oft reicht ein kurzer Blick auf ein Profil, um zumindest Zweifel daran zu bekommen, ob dahinter tatsächlich eine reale Person mit authentischer Aktivität steht. Wenn dann noch echte Nutzer:innen aufspringen, entsteht eine Dynamik, die größer wirkt, als sie tatsächlich ist.

Genau das ist die Gefahr.

Wir beginnen, künstlich erzeugte Lautstärke mit öffentlicher Meinung zu verwechseln. Lassen wir uns deshalb von Kommentarspalten nicht so leicht täuschen! Eine Kommentarspalte ist keine Wahl, keine Umfrage und kein Abbild der Bevölkerung.

Rechte Netzwerke haben verstanden, wie Stimmung im Netz entsteht

Die FPÖ und rechte bis rechtsextreme Netzwerke haben früh erkannt, wie wichtig soziale Medien für politische Stimmungsmache sind. Denn Polarisierung bringt Reichweite.

Dort muss man nicht die Mehrheit überzeugen. Oft reicht es, wie die Mehrheit auszusehen. Wenn unter einem Beitrag innerhalb kurzer Zeit dieselben Parolen auftauchen, wenn kritische Stimmen sofort mit Dutzenden Antworten eingedeckt werden und wenn Personen zum Ziel eines Shitstorms werden, verändert das die Wahrnehmung all jener, die nur mitlesen.

Plötzlich wirkt eine extreme Position normal und eine Minderheitenmeinung wie gesellschaftlicher Konsens. Gleichzeitig ziehen sich Menschen aus Diskussionen zurück, weil sie keine Lust haben, beleidigt oder persönlich angegriffen zu werden. Davon profitieren jene, die am lautesten auftreten.

Die FPÖ verfügt über ein starkes eigenes Medienumfeld und eine enorme Reichweite in sozialen Netzwerken. Dazu kommen rechte Seiten, Gruppen und Accounts, die Inhalte gegenseitig verstärken. Nicht jeder aggressive FPÖ-Kommentar stammt deshalb von einem Bot, und nicht jeder anonyme Account ist Teil eines organisierten Netzwerkes. Aber Bots und Fake Accounts können eine bereits vorhandene politische Mobilisierung künstlich verstärken. So wird aus Meinung Stimmung und aus Stimmung eine scheinbare Mehrheit.

So könnt ihr Fake-Accounts erkennen

Fake-Accounts tragen natürlich kein Schild mit der Aufschrift „Ich bin ein Bot“. Trotzdem gibt es Merkmale, an denen man genauer hinsehen sollte. Klickt auf das Profil, bevor ihr euch über einen Kommentar ärgert. Wann wurde der Account erstellt? Gibt es ein nachvollziehbares Profil mit älteren Beiträgen, persönlichen Interessen und normalen Interaktionen, oder besteht die gesamte Aktivität fast nur aus politischen Parolen? Hat der Account kaum eigene Inhalte, kommentiert aber jeden Tag Dutzende politische Beiträge? Wirkt das Profilbild künstlich, austauschbar oder unpassend zum restlichen Profil? Werden immer wieder dieselben Links und Formulierungen verbreitet? Tauchen mehrere Accounts auf, die innerhalb kurzer Zeit fast identische Argumente posten und sich gegenseitig bestätigen?

All das sind Warnsignale. Keines davon ist für sich allein ein Beweis. Auch echte Menschen können anonym sein, viel kommentieren oder ein leeres Profil haben. Entscheidend ist das Gesamtbild. Wer sich angewöhnt, vor einer wütenden Antwort zehn Sekunden lang das Profil anzusehen, stellt nicht selten fest, dass hinter einer vermeintlich überwältigenden Stimmung zumindest fragwürdige Accounts stehen.

Nicht füttern, sondern melden und sichtbar machen

Wer einen verdächtigen Fake-Account entdeckt, muss sich nicht auf eine stundenlange Diskussion einlassen. Genau davon lebt die Strategie der Provokation. Jede Antwort erzeugt weitere Interaktion und kann dazu beitragen, dass ein Beitrag von den Algorithmen noch stärker verbreitet wird. Offensichtliche Fake-Accounts sollte man deshalb melden und blockieren.

Betreiber:innen größerer Seiten sollten ihre Kommentarspalten moderieren und Accounts sperren, die systematisch beleidigen, bedrohen oder Diskussionen mit immer denselben Inhalten fluten.

Gleichzeitig dürfen wir echte politische Diskussionen nicht mit dem Kampf gegen Bots verwechseln. Inhaltliche Kritik an der FPÖ darf auch nicht bedeuten, ihre Wähler:innen pauschal zu Bots zu erklären. Entscheidend ist etwas anderes: Wir sollten lernen, künstliche Verstärkung zu erkennen und ihr nicht noch zusätzliche Reichweite zu schenken. Vor allem aber sollten wir uns nicht einschüchtern lassen. Wenn zehn aggressive Accounts eine Kommentarspalte dominieren, heißt das nicht, dass die große Mehrheit dieser Meinung ist. Vielleicht heißt es nur, dass vernünftige Menschen weniger Zeit damit verbringen, den ganzen Tag unter Facebook-Beiträgen zu schimpfen.

Soziale Medien sind kein rechtsfreier Raum

Medienkompetenz allein wird dieses Problem nicht lösen. Wir brauchen politische Regeln, und wir müssen auch die sozialen Netzwerke selbst zur Verantwortung ziehen. Facebook, Instagram, TikTok, X und andere Plattformen stellen den Raum zur Verfügung, in dem diese Debatten stattfinden, und verdienen mit unserer Aufmerksamkeit Geld. Sie dürfen deshalb nicht wegsehen, wenn Fake Accounts politische Debatten manipulieren, Menschen systematisch eingeschüchtert werden oder Hass zur Geschäftsgrundlage wird.

Soziale Medien sind kein rechtsfreier Raum. Wir dürfen nicht zulassen, dass Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen unter dem Deckmantel der Anonymität zur Normalität werden. Plattformen müssen verpflichtet werden, konsequent gegen solche Inhalte und koordinierte Fake-Netzwerke vorzugehen.

Deshalb halte ich eine Klarnamenspflicht bei Plattformen für sinnvoll. Das bedeutet nicht, dass der vollständige Name öffentlich sichtbar sein muss. Pseudonyme können weiterhin möglich sein, aber die Plattform muss überprüfen, ob hinter einem Account eine reale Person steht.

Wer bedroht, beleidigt oder bewusst politische Debatten manipuliert, darf sich nicht hinter hundert erfundenen Identitäten verstecken können.

Eine Klarnamenspflicht wird rechte Propaganda und Hass nicht verschwinden lassen. Sie würde aber die Verantwortung dorthin zurückbringen, wo sie hingehört: zu den Menschen, die etwas veröffentlichen, und zu den milliardenschweren Konzernen, die ihnen dafür die Bühne bieten. Demokratie braucht Meinungsfreiheit. Sie braucht aber weder ein Recht auf hundert falsche Identitäten noch ein Recht darauf, andere Menschen anonym zu bedrohen.

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3 Comments
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M
M
21. August 2026 14:54

Erfolg von FPÖ ist Versagen von SPÖ. I. SPÖ ist zu einer Partei geworden die In fast jedem Punkt fast genau Gegenteil macht als was verspricht
Immer wenn von Ge Re mmTtigkeit und Solidarität Dari Tät gesprochen wird kan man davon ausgehen sodass es um Pfründe &Privilegien geht Hypokrit bis zu Abwinken. Abgehoben, entmündigend und bevormündend. SPÖ ist eine Maschine zur Verwandlung von radikale. Revoluzzer in radikalen Karrieristen. Eine Partei die keine Diskussionskultur hat, sondern nur missionieren auftritt. FPÖ braucht nucht zu tun als sich zurücklehnen und warten das ihnen jene Wählerschaft zuströmt die von SPÖ angekotzt und angewidert wurde. Sünde beichten und Besserung geloben wie Kern gemacht hat, oder schwächste der Schwachen unterstützen statt ausbeuten wievKPÖ Graz es macht. Aber man haltet die Wählerschaft für denent ubd infantil. INfantil weil man leugnet das öffenkpndige (Rente sib bsicher) Dement weil vieles was man verspricht könnte dutzende male realisieren als man im deen Regierung war *,( Mitete

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Lackner Irmgard
Lackner Irmgard
21. August 2026 12:22

Mir stellen sich schon die Haare auf wenn ich Kommentare lese die von einem blauen Stift heschrieben wurde. Aber auch beängstig mich, daß sich viele Arbeitende diesen blauen Stift glauben und vergessen wer dieses Land aufgebaut hat und mit der Sozialdemokratischen Partei weiter zu diesen Gesundheitlichen und finanziellen Wohlstand gebracht hat. Ausserdem meine größte Hochachtung der Gewerkschaft, fenn durch diese sind auch in Zukunft Lohnverhandlungen ind Kollektiv Verhandlungen möglich. Darum vergesse ich die SPÖ nie im meinem Leben. IF

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M
M
Reply to  Lackner Irmgard
21. August 2026 14:57

So ein braver Apparatschik der so brav nachplappert was von SPÖ und ÖGB vorgegeben wurde. Und derart durchsichtig. Nie wircklich in sozialen Nötenn war.

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Die Country- und Pop-Ikone Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Neben ihrer Karriere als Sängerin ist sie auch für ihr soziales Engagement bekannt: Mit der Imagination Library hat sie ein weltweites Leseprojekt gegründet, das Kindern kostenlos Bücher zur Verfügung stellt. Außerdem unterstützte sie Bildungs- und Hilfsprojekte über die Dollywood Foundation und spendete Millionenbeträge in die medizinische Forschung. Ihrem 1980 verfassten Song „9 to 5“ – einem sozialkritischen Kommentar auf Arbeitswelt und Ungleichheit - entstammt dieses Zitat: “It’s a rich man’s game no matter what they call it, and you spend your life putting money in his wallet.” Zitat: Es ist ein Spiel der Reichen und egal wie sie es nennen, du verbringst dein Leben damit, Geld in ihre Taschen zu stecken. Dolly Parton

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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Pressefreiheit

Unter Pressefreiheit versteht man das Recht aller Journalist:innen und Medienbetreiber, frei von Zwang, Einschränkung und Zensur ihrer journalistischen Arbeit nachzugehen. Das gilt für alle medialen Erzeugnisse, egal ob Internet, Fernsehen, Radio, Printprodukte oder auch Nachrichtenagenturen. Der Staat kann für diese Pressefreiheit als Garant dienen oder selbst zur Zensur greifen. Aber auch Medienbesitzer und finanzielle Zwänge können die Freiheit der Berichterstattung beschränken.

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