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Während in Österreich seit Jahren über eine Vermögenssteuer diskutiert wird, gehört sie in der Schweiz längst zum normalen Steuersystem. Ihre Wurzeln reichen mehr als 200 Jahre zurück. Heute erheben alle Kantone eine Vermögenssteuer, auch die Gemeinden sind daran beteiligt. Die Steuersätze unterscheiden sich stark, liegen aber alle unter einem Prozent. Trotzdem bringt die Steuer jedes Jahr rund 9 Milliarden Franken (9,6 Milliarden Euro) ein.
Die Vermögenssteuer gibt es in der Schweiz schon seit mehr als 200 Jahren
Die Vermögenssteuer hat in der Schweiz eine lange Geschichte. Bereits zur Zeit der Helvetischen Republik um 1800 gab es den Versuch eines einheitlichen Schweizer Steuersystems inklusive Vermögenssteuer. Als die Kantone (ähnlich wie Bundesländer) ein paar Jahre später ihre Steuerhoheit zurückbekamen, behielten einige von ihnen Steuern aus dieser Zeit bei – darunter auch die Vermögenssteuer.
Noch wichtiger wurde sie nach der Gründung des modernen Schweizer Bundesstaates im Jahr 1848. Damals gingen die Zolleinnahmen an den Bund. Die Kantone mussten sich deshalb stärker über andere Einnahmequellen finanzieren – vor allem über Einkommen und Vermögen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahmen Vermögenssteuern deshalb eine „dominierende Stellung“ ein.
Von 1941 bis 1958 wurde Vermögen auch auf Bundesebene besteuert: Die damalige Wehrsteuer war eine Einkommenssteuer mit ergänzender Vermögenssteuer. Auf kantonaler und kommunaler Ebene blieb die Vermögensbesteuerung dagegen bestehen.
Alle 26 Kantone heben eine Vermögenssteuer ein
Heute erhebt der Bund keine Steuer auf das Vermögen natürlicher Personen. Aber er gibt den 26 Kantonen vor, eine solche Steuer einzuheben. Wie hoch Steuersätze und Freibeträge tatsächlich sind, können die Kantone selbst bestimmen. Hinzu kommt, dass jede Gemeinde einen Aufschlag festlegen kann, wie viel sie auf die kantonalen Steuern draufschlagen. Über diesen Weg fließen die Einnahmen der Vermögenssteuer nicht nur in den Kanton, sondern auch in die Gemeinden, die damit Straßen, lokale Infrastruktur oder die Feuerwehr finanzieren. Das bedeutet auch, dass die tatsächliche Höhe der Steuer sich von Gemeinde zu Gemeinde unterscheidet.

Ab einer halben Million Euro Netto-Vermögen zahlen alle Schweizer:innen
Grundsätzlich wird das gesamte Vermögen abzüglich der Schulden besteuert, darunter etwa Bankguthaben, Bargeld, Aktien und Wertpapiere, Immobilien, sowie Vermögen, das in einem Betrieb steckt. Auch Vermögen im Ausland muss deklariert werden. Hausrat und persönliche Gebrauchsgegenstände sind hingegen ausgenommen. So wie in Norwegen auch wird die Vermögenssteuer in der Schweiz ganz normal jedes Jahr über die Steuererklärung berechnet. Vermögenswerte werden grundsätzlich zum aktuellen Marktwert bewertet – also zu dem Preis, der bei einem normalen Verkauf erzielt werden könnte.
Allerdings gibt es in jedem Kanton Freibeträge, die sich stark unterscheiden. 2024 begann die Vermögenssteuerpflicht für eine verheiratete Person ohne Kinder bei einem Reinvermögen zwischen 51.000 und 402.000 Franken.
„Die Vermögensteuer in der Schweiz wird auf der Ebene der Kantone und Gemeinden erhoben. Es gibt Abzüge z.B. für Kinder, Freibeträge und in manchen Kantonen auch ein steuerfreies Minimum – aber ab etwa 500.000 Schweizer Franken (rund 530.000 Euro) zahlen praktisch alle“, schreibt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut.
Die Steuersätze liegen im Promillebereich – bringen aber mehr als 9,6 Milliarden Euro
Die meisten Steuersätze sind progressiv gestaltet. Das heißt, je höher das Vermögen, desto höher auch die Steuer. Allerdings liegen alle Werte unter einem Prozent – zwischen 0,13 Prozent und 0,86 Prozent. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 0,43 Prozent.
Ein Steuersatz von einigen Promille klingt zunächst nach wenig. Für die öffentlichen Haushalte kommt aber eine beträchtliche Summe zusammen. 2022 brachte die Vermögenssteuer insgesamt 9,015 Milliarden Franken ein (9,6 Milliarden Euro). Davon gingen 5,536 Milliarden an die Kantone und 3,479 Milliarden an die Gemeinden.
Das entsprach 10,4 Prozent aller Steuereinnahmen von Kantonen und Gemeinden. Bezogen auf die gesamten Steuererträge von Bund, Kantonen und Gemeinden waren es 5,7 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich machen vermögensbezogene Steuern nur etwa 1,5 Prozent aller Steuereinnahmen aus.
Wie wichtig diese Einnahmequelle für die öffentliche Hand ist, zeigt ein Bericht des Bundesrats 2023.
Dieser prüfte eine Abschaffung der Vermögenssteuer und stellte fest, dass dies „nur durch den massiven Ausbau bestehender beziehungsweise die Erschliessung neuer Steuerquellen zu bewerkstelligen“ wäre.
Schweizer Vermögenssteuer bringt keine große Umverteilung
Zur Umverteilung von großen Vermögen führt die Steuer in der Schweiz hingegen nicht. Laut der Steuerbehörde soll sie „grundsätzlich die Substanz des Vermögens nicht antasten, sondern von den Erträgen aus diesem bezahlt werden können.“
Eine wissenschaftliche Untersuchung beschreibt sie deshalb als nur mäßig progressiv.
Die Autor:innen der Studie betonen, dass sie historisch nicht auf eine große Umverteilung des vorhandenen Vermögens angelegt war, sondern insbesondere stabile Einnahmen für Kantone und Gemeinden bringen sollte.
Das heißt aber nicht, dass die Steuer überhaupt keine Verteilungswirkung hat. Laut Untersuchung führte eine Senkung der Steuer um 0,1 % fünf Jahre später zu einem höheren Vermögensanteil des reichsten Prozents um knapp 1 %.
An dem Umstand, dass das reichste Prozent der Schweizer:innen knapp 46 Prozent des gesamten Vermögens besitzt, ändern die Vermögenssteuern demnach nichts. Dieser Wert ist in den letzten 20 Jahren vielmehr deutlich gestiegen.
197 Länder im Vergleich: Wo Vermögen und Erbschaften besteuert werden
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