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Menschen mit niedrigem Einkommen können sich eine neue Heizung, eine Sanierung oder den Umstieg auf andere Verkehrsmittel oft schwerer leisten. Gleichzeitig geben sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie und Mobilität aus. Ab 2028 gilt zudem ein EU-weiter CO₂-Preis, der sich am Markt bildet und steigen kann. Der Klima-Sozialplan der Regierung sieht deshalb 770 Millionen Euro vor: für neue Heizungen in Haushalten mit wenig Geld, für Elektrobusse in schlecht angebundenen Regionen und für neue Rad- und Gehwege.
Das Geld soll gezielt an ärmere Haushalte und Regionen gehen
Haushalte mit hohem Einkommen fahren mehr Auto und heizen größere Wohnungen. Dadurch zahlen sie in Euro auch mehr für den CO₂-Preis, der in Österreich seit 2022 für Heizöl, Gas, Benzin und Diesel gilt. Im reichsten Fünftel sind das rund 154 Euro pro Person und Jahr, im ärmsten rund 71 Euro. Gemessen am Einkommen ist es allerdings umgekehrt. Im ärmsten Fünftel gehen 0,37 Prozent des Einkommens an den CO₂-Preis, im reichsten 0,17 Prozent.
Um das auszugleichen, hat die EU den Klima-Sozialfonds eingerichtet, weil ab 2028 in der gesamten EU ein CO₂-Preis gilt. Österreich erhält aus dem Fonds von 2027 bis 2032 rund 578 Millionen Euro, der Bund legt rund 193 Millionen dazu. Das Geld ist für Haushalte mit niedrigem Einkommen und für Regionen mit schlechter Öffi-Anbindung bestimmt. 60 Prozent fließen in Wohnungen und Häuser, 38 Prozent in den Verkehr. Wie dieses Geld genau ausgegeben werden soll, hat das Finanzministerium im Klima-Sozialplan vorgelegt.
Förderungen für 26.450 neue Heizungen
Der größte Posten im Plan ist der Heizungstausch mit 310,5 Millionen Euro. Gefördert werden Wärmepumpen, Holzheizungen und Anschlüsse an die Fernwärme. Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen bekommen bis zu 100 Prozent der Kosten ersetzt, begrenzt durch eine Obergrenze je Heizungsart. Als sehr niedrig gilt ein Einkommen, das höchstens 12 Prozent über der Mindestpension liegt. Für Alleinstehende sind das 2026 rund 1.465 Euro netto im Monat. Haushalte mit etwas höherem Einkommen erhalten einen fixen Zuschuss. Bis 2032 sollen 26.450 Haushalte gefördert werden, im Schnitt mit rund 11.700 Euro.
Das Programm „Sauber Heizen für Alle“ hat bis Mitte 2026 bereits rund 9.700 Heizungen ersetzt. Der Klima-Sozialplan führt diese Unterstützung für ärmere Haushalte nun fort und weitet sie aus. Gleichzeitig soll das Verfahren einfacher werden: Bisher hatten Bund und Länder jeweils eigene Verfahrensschritte, was den Antrag aufwendig machte. Eine Gesetzesänderung soll das vereinfachen.
Eigene Förderungen für Frauenhäuser, Obdachlosenheime, ärmere Mieter:innen
Mehr als 70 Prozent der energiearmen Haushalte wohnen zur Miete, viele davon in Mehrparteienhäusern in der Stadt. Dort sollen künftig bis zu 100 Prozent der Kosten gefördert werden, wenn eine Wohnung an die Zentralheizung oder die Fernwärme angeschlossen wird oder neue Fenster bekommt. Für die Sanierung ganzer Wohnhäuser, in denen überwiegend ärmere Haushalte leben, gibt es laut Plan 98,5 Millionen Euro. Das umfasst auch Hitzeschutz im Sommer. Außerdem werden 75 Häuser von Hilfsorganisationen saniert, in denen schutzbedürftige Menschen wohnen. Das betrifft etwa Frauenhäuser oder Wohnheime für obdachlose Menschen. Für 25.000 Haushalte ist darüber hinaus eine kostenlose Energieberatung vorgesehen.
544.800 Haushalte in Österreich gelten als energiearm. Sie können ihre Wohnung oder ihr Haus nicht ausreichend heizen, sind mit Strom- oder Heizrechnungen im Rückstand, wohnen mit Schimmel oder undichtem Dach oder haben bei niedrigem Einkommen sehr hohe Energiekosten. Besonders betroffen sind Menschen, die trotz Arbeit arm sind, und Haushalte, in denen kaum jemand erwerbstätig ist. In beiden Gruppen sind mehr als vier von zehn Haushalten energiearm.
Rund 220.000 Haushalte in Österreich sind „mobilitätsarm“. Sie sind von Armut betroffen und haben zusätzlich einen eingeschränkten Zugang zu Mobilität.
469 neue E-Busse für schlecht angebundene Regionen
Am Land sind nicht nur Ölheizungen häufiger, sondern viele Menschen sind für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen auf das Auto angewiesen. Drei von vier armutsgefährdeten Haushalten im ländlichen Raum haben ein Auto, in den Großstädten vier von zehn. Pro Person und Jahr macht der CO₂-Preis dort deshalb rund 144 Euro aus, in der Stadt rund 95 Euro. Wer keine Alternative hat, kann einem höheren Spritpreis kaum ausweichen.
Für 173 Millionen Euro sollen 469 Elektrobusse samt Ladestationen angeschafft werden. Sie sollen in Gebieten fahren, in denen das Öffi-Angebot schwach ist und viele Menschen wenig Einkommen haben. Ob auch kleinere Fahrzeuge für Rufbusse und Sammeltaxis gefördert werden, prüft die Regierung noch.
165 Kilometer neue Rad- und Gehwege
Vor allem in diesen Regionen sollen Gemeinden außerdem 100 Millionen Euro für insgesamt 165 Kilometer neue Rad- und Gehwege bekommen. Gefördert werden vor allem Verbindungen zu Haltestellen, Bahnhöfen und Geschäften. Damit sollen gerade kurze Alltagswege leichter ohne Auto zurückgelegt werden können. Das Potenzial dafür ist groß: Fast jede fünfte Autofahrt in Österreich ist kürzer als zweieinhalb Kilometer.
Installateure, Bäckereien, Pflegedienste: Umstieg auf E-Lieferwagen wird gefördert
Eine eigene Förderung sieht der Plan auch für Kleinstbetriebe, die für ihre Arbeit auf Fahrzeuge angewiesen sind. Installateure, Bäckereien, Pflegedienste und andere kleine Betriebe sollen bis zu 60 Prozent der Mehrkosten ersetzt bekommen, wenn sie einen elektrischen Lieferwagen statt eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor anschaffen.
„Von einem ressourcenschonenderen Umgang mit Energie profitieren alle“, sagt SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer. „Gleichzeitig ist die Klimafrage aber auch eine soziale Frage. Deshalb legen wir mit dem Klimasozialplan eine vernünftige Strategie vor, um den Weg Richtung Klimaneutralität zu stärken und besonders benachteiligte Personengruppen, die Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs und den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge für Kleinstunternehmen zu unterstützen. Klimapolitik ist Sozialpolitik und Standortpolitik gleichzeitig.“
Der Klima-Sozialplan muss noch von der EU-Kommission genehmigt werden. Die ersten Förderungen sollen Anfang 2027 starten.
Das macht die Regierung beim Klimaschutz – alle Maßnahmen im Überblick
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