Anfang Oktober werden jedes Jahr die Nobelpreise in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften vergeben. Ausgezeichnet werden Menschen, die mit ihrer Arbeit einen besonderen Beitrag für die Menschheit geleistet haben. Den Nobelpreis gibt es seit 1901, heuer bringt er pro Kategorie 12 Millionen Schwedische Kronen Preisgeld, das sind etwa 1,06 Millionen Euro. Der Wirtschaftsnobelpreis wird erst am 12. Oktober bekannt gegeben. Unter den bisher acht Ausgezeichneten sind sechs Männer und zwei Frauen. Erstmals hat mit Ellen Moons eine Frau die Nobelpreise für Physik, Chemie und Wirtschaft bekannt gegeben.
Nobelpreisträger:innen 2026 – Übersicht
| Medizin | Karl Deisseroth, Peter Hegemann, Georg Nagel |
| Physik | Francis Halzen |
| Chemie | Henri B. Kagan, Kenso Soai |
| Literatur | Anne Carson |
| Frieden | Navanethem „Navi“ Pillay |
| Wirtschaft | wird am 12. Oktober bekannt gegeben |
Medizin-Nobelpreis 2026 für die Optogenetik-Forscher Deisseroth, Hegemann & Nagel
Der Medizin-Nobelpreis geht heuer an zwei Forscher aus Deutschland und einen aus den USA. Ausgezeichnet werden der Biophysiker Peter Hegemann (72) von der Humboldt-Universität Berlin, der Biologe Georg Nagel (73) von der Universität Würzburg und der Psychiater und Neurowissenschaftler Karl Deisseroth (54) von der Stanford University. Das Karolinska-Institut in Stockholm ehrt sie für ihre Forschung zur sogenannten Optogenetik.
Hegemann wollte ursprünglich herausfinden, wie sich die einzellige Grünalge Chlamydomonas in Richtung Licht bewegt. Gemeinsam mit Nagel entdeckte er Anfang der 2000er-Jahre das Protein Kanalrhodopsin. Wenn blaues Licht auf das Protein fällt, öffnet sich ein Kanal in der Zellmembran. Geladene Teilchen strömen in die Zelle und erzeugen ein elektrisches Signal. Deisseroth hat das Gen für dieses Protein dann in Nervenzellen von Ratten eingebaut. So konnte er die Zellen mit Lichtimpulsen aktivieren, später auch im Gehirn von lebenden Mäusen.
Mit der Methode können Forscher:innen einzelne Nervenzellen gezielt an- und ausschalten. Dadurch lässt sich untersuchen, welche Bereiche im Gehirn etwa bei Angst, Depression oder Bewegungen aktiv sind. In der klinischen Forschung wird außerdem versucht, erblindeten Menschen mit Hilfe der Optogenetik einen Teil ihrer Sehkraft zurückzugeben.
Den Preis erhalten sie laut Nobelversammlung „für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik“.
Physik-Nobelpreis 2026 für den Neutrino-Forscher Francis Halzen
Den Physik-Nobelpreis bekommt heuer nur ein Forscher, der 82-jährige Francis Halzen. Er stammt aus dem belgischen Tienen, ist US-Staatsbürger und lehrt an der University of Wisconsin in Madison. Das Komitee würdigt seine entscheidende Rolle beim Aufbau des IceCube-Observatoriums am Südpol und den Nachweis von hochenergetischen Neutrinos aus dem Weltall.
Neutrinos werden auch „Geisterteilchen“ genannt. Jede Sekunde fliegen Billionen davon durch unseren Körper, ohne dass wir etwas merken, weil sie fast nie mit Materie zusammenstoßen. Halzen kam 1988 auf die Idee, das klare Eis unter dem Südpol als Messinstrument zu verwenden. Trifft ein Neutrino dort doch einmal auf einen Atomkern, entsteht ein kleiner Lichtblitz. Sensoren, die tief im Eis versenkt sind, zeichnen ihn auf. So entstand IceCube, ein Observatorium, das rund einen Kubikkilometer Eis umfasst. Mit den Daten können Forscher:innen herausfinden, wo im Universum diese Teilchen entstehen, zum Beispiel bei Sternexplosionen oder in weit entfernten Galaxien.
Halzen war gerade in Italien, als er von der Auszeichnung erfuhr, und zeigte sich überrascht. Gefragt, ob Neutrinos vielleicht Botschaften von Außerirdischen mitbringen könnten, meinte er, die Menschheit habe gerade genug echte Probleme.
Seine Hartnäckigkeit habe den Weg „für eine neue Art der Astronomie“ geebnet, sagt Mark Pearce, Vorsitzender des Physik-Nobelkomitees.
Chemie-Nobelpreis 2026 geht an die Spiegelmolekül-Forscher Kagan und Soai
Der Chemie-Nobelpreis geht an den Franzosen Henri B. Kagan (95) von der Université Paris-Sud und an den Japaner Kenso Soai (76) von der Tokyo University of Science. Die beiden haben eine Frage beantwortet, über die Chemiker:innen seit mehr als hundert Jahren rätseln. Warum kommen viele Moleküle in Lebewesen nur in einer von zwei spiegelbildlichen Formen vor?
Solche Moleküle sind wie unsere linke und rechte Hand. Sie sehen gleich aus, lassen sich aber nicht genau übereinanderlegen. In der Chemie nennt man das Chiralität, nach dem griechischen Wort für Hand. Die Eiweiße in unserem Körper bestehen zum Beispiel nur aus „linkshändigen“ Aminosäuren. Wichtig ist das vor allem bei Medikamenten, denn die zwei Spiegelbilder eines Wirkstoffs können ganz unterschiedlich wirken. Als bekanntestes Beispiel gilt der Contergan-Skandal in den 1960er-Jahren.
Kagan hat 1986 gezeigt, dass man chemische Reaktionen so steuern kann, dass eine der beiden Formen in viel größerer Menge entsteht als erwartet. Soai hat darauf aufgebaut und eine Reaktion entwickelt, bei der fast nur noch eine Form entsteht. Das Produkt beschleunigt dabei seine eigene Herstellung. Laut Nobelkomitee hatte das bis dahin nur das Leben selbst geschafft. Für die Herstellung von Arzneimitteln sind ihre Entdeckungen heute sehr wichtig.
Ausgezeichnet werden sie laut Akademie „für die Entdeckung nichtlinearer Effekte und Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese“.
Anne Carson erhält den Literatur-Nobelpreis 2026
Der Literatur-Nobelpreis geht heuer an die kanadische Dichterin, Essayistin und Altphilologin Anne Carson (76). Die Schwedische Akademie lobt ihr „kühnes und erfinderisches Werk“, das in Auseinandersetzung mit der antiken Literatur neue Formen geschaffen habe. Carson wurde schon seit Jahren als mögliche Preisträgerin gehandelt.
Geboren wurde Carson 1950 in Toronto. Altgriechisch hat ihr in der Schule ein Lateinlehrer beigebracht. Später studierte sie Klassische Philologie und unterrichtete unter anderem in Princeton und an der McGill University in Montréal. In ihren Büchern mischt sie Gedichte, Essays, Übersetzungen und Erzählungen – viele lassen sich keiner Gattung klar zuordnen. Bekannt wurde sie mit dem Versroman Autobiography of Red (1998). Darin macht sie aus dem roten Ungeheuer Geryon aus der griechischen Mythologie einen jungen Außenseiter, der sich in Herakles verliebt. Carson hat außerdem Sappho, Sophokles und Euripides übersetzt, Euripides sogar als Comic.
Sie ist erst die 19. Frau, die den Literatur-Nobelpreis bekommt. Aus Österreich hat ihn bisher eine Frau erhalten: Elfriede Jelinek im Jahr 2004.
Friedensnobelpreis 2026 für die Menschenrechtsjuristin Navi Pillay
Den Friedensnobelpreis erhält die 85-jährige südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Sie wurde in Durban geboren und hat als Anwältin während der Apartheid politische Gefangene verteidigt. Später war sie Richterin am Obersten Gericht Südafrikas, am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Am Ruanda-Tribunal war sie an Urteilen beteiligt, nach denen Vergewaltigung als Mittel des Völkermords verfolgt werden kann. Von 2008 bis 2014 war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Pillay erhält den Preis laut Nobelkomitee „für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts“.
Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, sagte bei der Bekanntgabe, Pillay habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor Gericht verfolgt werden.
Umstritten ist die Entscheidung wegen Pillays letzter Aufgabe. Bis 2025 leitete sie die Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats zu Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten. Im September 2025 kam diese Kommission zu dem Ergebnis, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen hat. Israel wies den Bericht entschieden zurück und warf der Kommission vor, voreingenommen zu sein. Die Kommission hatte vorher auch die Verbrechen der Hamas beim Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 dokumentiert. Vorwürfe, sie sei antisemitisch, hat Pillay immer zurückgewiesen. Sie verweist darauf, dass sie im Kampf gegen die Apartheid eng mit jüdischen Anwält:innen zusammengearbeitet hat.
Wirtschaftsnobelpreis 2026 wird am 12. Oktober vergeben
Zum Abschluss der Nobelpreis-Woche wird am Montag, 12. Oktober, der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verkündet. Die schwedische Zentralbank hat ihn 1968 gestiftet, in Nobels Testament war er nicht vorgesehen. 2025 haben ihn Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt für ihre Forschung zu Innovation und nachhaltigem Wachstum bekommen.
Überreicht werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel. Der Friedensnobelpreis wird in Oslo verliehen, alle anderen in Stockholm.
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