Studierende und Lehrende protestieren, die Rektorin der Kunstuni Linz warnte davor, dass jede fünfte Uniangestellte entlassen werden müsste. Es geht um das Budget für Wissenschaft und Forschung in den nächsten Jahren. Der Vorwurf der Universitäten: Ihnen fehlt gegenüber ihrem errechneten Bedarf massiv an Geld. Inzwischen hat die Bundesregierung das Budget für die Jahre 2028 bis 2030 festgelegt. Wie sehen die Zahlen wirklich aus? Hier ein Überblick mit Einordnung.
Die öffentlichen Universitäten verhandeln immer für drei Jahre am Stück Budgets mit dem zuständigen Ministerium – dem Wissenschaftsministerium. Für die Jahre 2025 bis 2027 hatten die Universitäten ursprünglich rund 16,2 Milliarden Euro ausverhandelt. Nach Einsparungen und einem Beitrag zum Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt standen effektiv knapp 16 Milliarden Euro zur Verfügung.
Für die Periode 2028 bis 2030 fordert die Universitätskonferenz (Uniko) 18 Milliarden Euro. Die Bundesregierung hat nun ein effektives Gesamtbudget von 16,003 Milliarden Euro festgelegt.
Die Universitäten warnen, dass man ein Zehntel des Personals entlassen und beim Studienangebot sparen müsste. Die Uniko argumentiert, dass deutlich mehr Geld notwendig ist, um erwartete Kostensteigerungen abzudecken. Auch Studiengebühren werden als Einnahmequelle und Zugangsbeschränkungen für Studiengänge als Lösungen genannt.
Es lohnt sich, angesichts der verschiedenen Vorwürfe die diversen Budgets und Ausgaben anzusehen – um die aktuellen Summen zu vergleichen und einordnen zu können.
2028-2030 bleibt das Budget für die Universitäten nominell gleich
Im Streit um das Unibudget geht es aktuell um die Finanzierung der Jahre 2028 bis 2030. Inzwischen steht fest, wie viel Geld die öffentlichen Universitäten gemeinsam bekommen sollen:
Für die Jahre 2028 bis 2030 sind insgesamt 16,003 Milliarden Euro für die 23 öffentlichen Universitäten vorgesehen. Darin enthalten sind auch Entlastungen etwa bei Lohnnebenkosten und Mietzahlungen. Damit bleibt das Budget nominell fast gleich hoch wie in der aktuellen Periode 2025 bis 2027 mit 15,994 Milliarden Euro.
Gegenüber der ursprünglichen Planung im Bundesfinanzrahmen wurde das Universitätsbudget damit um 235 Millionen Euro erhöht.
Wie viel davon an die einzelnen Unis geht, wird aber erst später in den jeweiligen Leistungsvereinbarungen festgelegt.
Ein Blick auf „Doppelbudget“ für 2027 und 2028: Dieses sieht leichte Rückgänge vor. 2027 sinken die Mittel für die Universitäten gegenüber 2026 von rund 5,32 auf 5,19 Milliarden Euro. Allerdings werden dabei rund 130 Millionen Euro in den Forschungspakt verschoben.
Über Forschungsförderungen kann ein Teil dieses Geldes wieder an die Universitäten zurückfließen. Für 2028 sind im Doppelbudget rund 5,16 Milliarden Euro für die Universitäten vorgesehen.
Trotz aktueller Debatte: Seit 2018 ist Unibudget nominell um 64 Prozent gestiegen
Die aktuellen Einschnitte stehen gleichzeitig einer längerfristigen Entwicklung gegenüber: In den vergangenen Jahren sind die öffentlichen Mittel für die Hochschulen deutlich gestiegen.
2026 stehen für Universitäten, Fachhochschulen und Grundlagenforschung insgesamt 6,76 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon entfallen 5,32 Milliarden Euro auf die Universitäten. Finanzminister Markus Marterbauer bezeichnete das als Rekordhoch.
Auch das gesamte Dreijahresbudget 2025 bis 2027 lag deutlich über der vorherigen Periode. Es war um 3,9 Milliarden Euro beziehungsweise 31,7 Prozent höher als die 12,3 Milliarden.
Noch deutlicher wird der Anstieg im längerfristigen Vergleich:
Seit 2018 ist das Universitätsbudget laut Finanzminister Markus Marterbauer nominell um 64 Prozent gestiegen. Rechnet man die Inflation heraus, bleibt ein Plus von 25 Prozent. Das BIP ist im selben Zeitraum nominell um 34 Prozent gewachsen.
Auch die Grundlagenforschung und die Fachhochschulen bekamen mehr Geld. In der Grundlagenforschung betrug der reale Zuwachs seit 2018 fast 40 Prozent. Bei den Fachhochschulen stiegen die Mittel nominell um 62 Prozent und inflationsbereinigt um 23 Prozent.
Österreich gibt damit auch im internationalen Vergleich relativ viel öffentliches Geld für Hochschulen aus: Die Ausgaben entsprechen laut OECD-Studie rund 1,6 Prozent des BIP. Der OECD-Schnitt liegt bei 1,0 Prozent, der EU-Schnitt bei 0,9 Prozent.
Mehr Geld führte nicht überall zu besseren Ergebnissen
Dieses Mehr an Mitteln hat auch neue Spitzenleistungen in einzelnen Forschungsfeldern ermöglicht.
Die Kehrseite ist jedoch: In manchen Forschungsbereichen haben sich Ineffizienzen eingeschlichen. Man bildet mitunter viele internationale Studierende aus, die aber dann nicht in Österreich arbeiten. Gleichzeitig ist die Zahl der österreichischen Studierenden im Land rückläufig. Wissenschaftler sind oft unsicher angestellt. Wissenschaftliche Leistungen schlagen sich nicht in mehr Sicherheiten für die Forschenden nieder.
Auf der anderen Seite stehen wiederum Spitzengehälter bei Rektorinnen und Rektoren. So verdient der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien brutto über 396.000 Euro jährlich. Der Rektor der Veterinärmedizin Wien über 360.000 Euro. Die Rektorin der Kunstuni Linz über 311.000 Euro jährlich.
Genau hier setzt auch Kritik der Österreichischen Hochschüler (ÖH) an. Sie unterstützt grundsätzlich die Forderung nach einer besseren Finanzierung der Universitäten, verlangt von den Rektoraten aber gleichzeitig mehr Transparenz darüber, wo sie selbst sparen wollen.
Forschungsrat fordert Reformen statt bloßer Budgeterhöhungen
Ähnliche Kritiken kommen auch aus dem Forschungsrat (FORWIT). Es ist eine unabhängige Einrichtung, die die Regierung bei ihren Entscheidungen rund um Forschung, Wissenschaft und Innovation berät. Dieser Forschungsrat, konkret sein Vorsitzender Thomas Henzinger, sagt über die Lage der Hochschulen:
„Es kommt auch darauf an, wie treffsicher die öffentlichen Mittel eingesetzt werden. Wie wir in unserer Analyse zuletzt festgestellt haben, ist das österreichische Hochschulsystem nicht so leistungsfähig wie in vergleichbaren Ländern. Eine bloße Fortschreibung aller Budgets würde daran wenig ändern.“
Einfach mehr Geld zu fordern ohne die Schieflagen zu beheben, ist keine Lösung.
„Ein Weiter wie bisher, wie es sich viele wünschen, wird den enormen demografischen, technologischen und geopolitischen Herausforderungen nicht gerecht werden. (…) Die Bundesregierung hat sich ein vernünftiges Ziel gesetzt, nämlich das gesamte österreichische Hochschulsystem in Hinblick auf derzeitige und zukünftige Herausforderungen fit zu machen“, folgert der Forschungsrat.
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