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Rechtsextreme Botschaften kommen auf Social Media nicht mehr nur von wütenden Männern. Immer öfter sind es auch junge Frauen, die rechtsextreme Inhalte verbreiten. Eine dieser Frauengruppen ist Lukreta. Lukreta gibt sich online als eine Gruppe moderner junger Frauen aus, die für Sicherheit und Frauenrechte kämpfen. Tatsächlich sind sie eng mit der rechtsextremen AfD und der Identitären Bewegung verbunden. Frauenrechte nutzt Lukreta vor allem, um gegen Migranten zu hetzen und unter dem Schlagwort „Remigration“ millionenfache Abschiebungen zu fordern.
Zwischen Posts mit rosa Blumenkleidern, Backtipps und endlosen Naturlandschaften fällt auf den Social-Media-Kanälen von Lukreta immer und immer wieder derselbe Begriff: „Remigration„.
In der extremen Rechten steht “Remigration” für die millionenfache Abschiebung von Menschen mit Migrationsgeschichte. Den Rechten geht es hier längst nicht nur um Personen ohne Bleiberecht, sondern auch um Menschen, die bereits die Staatsbürgerschaft haben. Der Begriff wurde vom österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner bekannt gemacht. Neu ist, dass junge Frauen online dafür werben.
Lukreta hat enge Beziehungen zur AfD und zu den Identitären
In ihrer Instagram-Biografie bezeichnet sich Lukreta als „unabhängige Initiative junger Frauen“. Tatsächlich sind führende Aktivistinnen hinter Lukreta aber eng mit der AfD, der Identitären Bewegung und anderen rechtsextremen Gruppen verbunden.
Gegründet wurde Lukreta 2019 von Reinhild Boßdorf. Boßdorf war zuvor in der Identitären Bewegung und der früheren AfD-Jugendorganisation “Junge Alternative” aktiv. Beide gelten als rechtsextrem. Heute arbeitet sie als Assistentin im Europäischen Parlament für den AfD-Abgeordneten Alexander Jungbluth.
Reinhild Boßdorfs Mutter Irmhild sitzt ebenfalls für die AfD im Europäischen Parlament. Sie gehört dort der Rechtsaußen-Fraktion „Europa der Souveränen Nationen“ an. Eine weitere Lukreta-Aktivistin, Julia Gehrckens, wurde in den Vorstand der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gewählt.
Die Rechtsextremismusforscherin Juliane Lang bezeichnet Lukreta deshalb als klassische Vorfeldorganisation. Gemeint ist damit: Die Gruppe gehört formal nicht zur Partei, verbreitet aber ähnliche Botschaften und erreicht Menschen, die ein gewöhnlicher AfD-Kanal vielleicht nicht erreicht.
Rechte Botschaften wirken harmloser, wenn sie von jungen Frauen kommen
Viele Menschen stellen sich Rechtsextreme noch immer als gewalttätige Männer mit Glatze und Springerstiefeln vor. Dass Lukreta so gar nicht in dieses Bild passt, ist gewollt. Denn die menschenfeindlichen politischen Botschaften, die Lukreta verbreitet, wirken so weniger aggressiv.
Lukreta-Aktivistinnen zeigen sich auf ihren Social-Media-Kanälen in Blumenkleidern, vor Berglandschaften oder mit Backtipps. Aber: Zwischen diesen Inhalten tauchen schnell rechte Botschaften auf. Auf einem der Beiträge ist eine junge, schwangere Frau im rosa Kleid zu sehen, darüber dann der Schriftzug: „Neue Deutsche machen wir selbst.“ – schlussendlich eine Anspielung darauf, dass “deutsche” Kinder wertvoller als andere seien.
Die Politikwissenschaftlerin Judith Goetz erklärt die Strategie damit, dass junge Frauen grundsätzlich als weniger politisch und weniger gefährlich wahrgenommen werden. Das wissen auch die Rechten. Lukreta-Aussteigerin Emma erzählt in einer ARD-Doku darüber, wie die AfD gezielt nach weiblichen Vorbildern sucht, um ihre Botschaften zu verbreiten:
“[Auf einem Kongress] ging es darum, dass es keine konservativen weiblichen Vorbilder in der AfD gibt. Als würde man eine Puppe bauen, als Orientierung.” – sagt Emma.
Aber was will Lukreta mit den “weiblichen Vorbildern” eigentlich bewirken?
„Remigration“ schützt Frauen nicht vor Gewalt
Klickt man sich durch die Beiträge von Lukreta, dann taucht schnell die Forderung nach “Remigration” auf.

Wenn Lukreta “Remigration schützt Frauen” schreibt, steht das aber weder für gewöhnliche Migrationspolitik, noch sollen Frauen wirklich geschützt werden. Lukreta will damit sagen, dass nur millionenfache Abschiebungen Frauen vor sexueller oder körperlicher Gewalt schützen können.
Auf ihren Social-Media Kanälen berichtet Lukreta dann über Fälle, in denen geflüchtete Männer verdächtigt werden. Daraus entsteht der Eindruck, sexualisierte Gewalt wird hauptsächlich von außen nach Deutschland oder Österreich gebracht. Deutsche oder österreichische Täter kommen gar nicht vor.
Gewalt gegen Frauen ist tatsächlich ein großes gesellschaftliches Problem. Eine einfache Lösung hat es aber nicht. Lukreta greift dieses Problem zwar auf, aber vereinfacht es so sehr, dass es in menschenfeindliche Erzählungen passt. Deutsche Täter werden ignoriert, stattdessen wird die Schuld bei ausländischen Tätern gesucht. Das erzeugt Hass.
Gewalt gegen Frauen passiert oft im eigenen Zuhause
Das, für was sich Lukreta hier einsetzt, lenkt von tatsächlich wichtigen Ursachen ab. Gewalt gegen Frauen hängt nämlich oft mit Macht, Abhängigkeit, Rollenbildern und Trennungs- und Beziehungskonflikten zusammen. Die Herkunft von einem Menschen reicht nicht, um Gewalt zu erklären – das bestätigen auch Kriminologen wiederholt.
Während sich Lukretas Videos vor allem um Angriffe von fremden Männern drehen, geht die größte Gefahr für Frauen von ihrem eigenen Zuhause aus. Für die allermeisten Frauen heißt das also: Ihre Täter sind am häufigsten Männer, die sie bereits kennen.
Das zeigt auch die österreichische Kriminalstatistik. Im Jahr 2022 gab es bei über neunzig Prozent der erfassten Vergewaltigungsfälle eine Beziehung zwischen Opfer und Täter. Da fallen Familienangehörige, Freunde und vor allem (Ex-)Partner hinein.
@maximal.demokratisch Der gefährlichste Ort für eine Frau ist ihr eigenes zu Hause…
Die Zahlen zeigen, wie verzerrt das Bild ist, das Lukreta hat. Wer nur über migrantische Täter spricht, erklärt Gewalt gegen Frauen nicht. Jeder Täter muss benannt und jede Betroffene geschützt werden.
Lukreta setzt sich gegen Rechte für alle Frauen ein
Lukreta spricht auch häufig davon, „unsere Frauen“ zu schützen. Gemeint ist wieder: Deutsche Frauen müssen vor ausländischen Tätern geschützt werden.
Migrantische Frauen sind selten mitgemeint. Dabei sind sie vielleicht genau vor sexueller Gewalt geflohen. Wer die Sicherheit von Frauen ernst nimmt, müsste sich auch für ihren Schutz, für sichere Beratungsangebote und ein eigenständiges Aufenthaltsrecht einsetzen. Stattdessen stellt Lukreta muslimische Frauen als unfrei dar und macht aus dem Kopftuch, das manche muslimische Frauen tragen, rechte Hetze.
Außerdem richtet sich die Gruppe gegen Schwangerschaftsabbrüche, gegen schwule und lesbische Menschen und gegen moderne feministische Bewegungen. Sie stellt Mutterschaft und traditionelle Geschlechterrollen als natürliche Bestimmung von Frauen dar. Damit setzt sich Lukreta de facto gegen die Freiheit und die Rechte aller Frauen ein.
Sexismus in den eigenen Kreisen wird nicht angesprochen
Besonders deutlich wird der Widerspruch beim Blick auf Lukretas politisches Umfeld. Die Gruppe warnt ständig vor Sexismus, wenn sie über migrantische Männer spricht. Über Sexismus in den eigenen Kreisen spricht sie dagegen kaum.
Dabei räumt selbst Lukreta-Gründerin Reinhild Boßdorf ein, dass Frauen in der rechten Szene „enorm übel behandelt“ werden. Die Lukreta-Aussteigerin Emma berichtet in einer ARD-Doku weiter darüber, dass in ihrem Umfeld „unfassbar abartig über Frauen gesprochen“ worden sei. Unter anderem sei es um Vergewaltigungsfantasien gegangen.
Auch Lukretas internationale Kontakte zeigen das eigentliche Frauenbild rechtsextremer Influencerinnen. Beim Kongress der portugiesischen Gruppe Reconquista traf Lukreta-Gründerin Boßdorf unter anderem auf den Reconquista-Gründer Afonso Gonçalves. Er hatte zuvor erklärt, Männer seien im Allgemeinen intelligenter als Frauen. Das Frauenwahlrecht ist für ihn “das Schlimmste, was der westlichen Zivilisation in den vergangenen 100 Jahren passiert ist”.
Rechtsextreme Influencerinnen gibt es europaweit
Lukreta-Aktivistinnen sind nicht die einzigen rechtsextremen Influencerinnen, die es in der Szene gibt. Die Gruppe ist in ganz Europa gut vernetzt. Auf sogenannten Frauenkongressen treffen sich Gruppierungen aus Frankreich, Spanien oder auch Großbritannien. Reporterinnen dokumentierten dort wiederholt, wie nationalsozialistische Ideologie und Symbole unwidersprochen verbreitet werden.
Auch die Influencerin Eva Vlaardingerbroek gehört zu den bekanntesten internationalen Gesichtern in rechten Kreisen. Sie tritt bei rechtsextremen Vernetzungstreffen in ganz Europa auf und hat Kontakt zu dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Zuletzt stattete sie auch dem österreichischen Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz (FPÖ) einen Besuch ab.
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Über alle Länder hinweg bleibt es Ziel der Szene, Rassismus und millionenfache Abschiebungen zu rechtfertigen und zu verharmlosen. Hinter den Social-Media-Accounts, auf denen lächelnde junge Frauen posieren, steht dieselbe Politik wie auch bei anderen Gruppen der extremen Rechten. Die Sicherheit von Frauen ist auch hier nichts weiter als Mittel zum Zweck.
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