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Denkt man an die Produktion von Kriegsgerät, fällt einem dazu nicht unbedingt gleich Österreich ein. Dabei produziert die österreichische Rüstungsindustrie Waffen wie Sturmgewehre, Granaten, Militärfahrzeuge und Drohnen, die auch immer wieder auf unterschiedlichen Kriegsschauplätzen weltweit auftauchen. Österreichische Hersteller exportieren ihre Produkte unter anderem in die USA und mehrere NATO-Staaten. Ein großer Abnehmer für militärische Ausrüstung ist natürlich auch das Bundesheer. Die staatlichen Ausgaben für die Landesverteidigung sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) will sie bis 2032 auf zwei Prozent des BIP erhöhen.
Österreich bezeichnet sich seit 1955 als immerwährend neutral, was das in der Praxis bedeutet wird, oft unterschiedlich ausgelegt. Neutralität könnte beispielsweise bedeuten, dass Waffen nur für die eigene Landesverteidigung produziert werden. Obwohl die heimische Rüstungsindustrie im Vergleich zu Ländern wie Deutschland, Frankreich oder gar den USA international kaum eine Rolle spielt, exportiert Österreich aber viele seiner Waffen. Zu den großen Waffenproduzenten gehören unter anderem Glock, Hirtenberger Defence Europe, Rheinmetall und Steyr Arms. Hinzu kommen Unternehmen aus dem Militärfahrzeugbau, der Luftfahrt und der Elektronik, die sogenannte Dual-Use-Güter herstellen. Dabei handelt es sich um Produkte und Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Gleichzeitig fließt immer mehr öffentliches Geld in Militärausrüstung. Die österreichische Rüstungsindustrie profitiert von einer politisch gewollten Aufrüstung in der gesamten EU, die nach dem militärischen Überfall Russlands auf die Ukraine angestoßen wurde. Gerade für ein neutrales Land entsteht daraus ein Spannungsfeld: Wie kann Österreich sicherstellen, dass hier produzierte Waffen und Technologien nicht in Kriegen eingesetzt werden, an denen es sich selbst offiziell nicht beteiligen will und darf?
Österreich erhöht seine Verteidigungsausgaben auf 4,8 Mrd. €
Österreich gibt einen wachsenden Anteil seiner Wirtschaftsleistung für Verteidigung aus. 2021 lagen die gesamtstaatlichen Verteidigungsausgaben bei rund 0,6 Prozent des BIP, etwa 2,4 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet das Finanzministerium mit rund 0,9 Prozent des BIP – das entspricht etwa 4,8 Milliarden Euro. Damit liegt Österreich am unteren Ende der EU.
Verteidigungsministerin Tanner (ÖVP) will die Mittel für die militärische Landesverteidigung bis 2032 auf zwei Prozent des BIP erhöhen. Höhere Verteidigungsausgaben bedeuten auch eine höhere Belastung für den österreichischen Staatshaushalt. Deutschland zeigt, welche Verteilungskonflikte steigende Militärausgaben auslösen können. Im Jahr 2030 soll fast jeder dritte Euro aus dem deutschen Bundeshaushalt in die Finanzierung von Panzern, Drohnen und Kampfflugzeugen fließen. Finanziert werden soll das durch zusätzliche Schulden und Einsparungen im Sozialstaat. Dafür nimmt Deutschland so viele neue Schulden auf wie nie zuvor, während gleichzeitig etwa im Gesundheitssektor Jahr für Jahr Milliarden eingespart werden sollen.
Steyr Arms: Sturmgewehre und Granatwerfer aus Oberösterreich
Einer der bekanntesten österreichischen Waffenproduzenten ist Steyr Arms. Das Unternehmen stellt unter anderem das Sturmgewehr AUG (Armee Universal Gewehr) her, das beim österreichischen Bundesheer verwendet wird. Steyr Arms stellt zudem Granatwerfer her. Granatwerfer verschießen Granaten über größere Entfernungen und werden im Militär etwa eingesetzt, um gegnerische Stellungen oder Soldaten hinter Deckungen zu beschießen.
Das Bundesheer beauftragte Steyr Arms mit der Modernisierung von 14.400 Sturmgewehren. Das Auftragsvolumen lag bei mehr als 20 Millionen Euro.

Glock: Die Dienstwaffe von tausenden Polizisten kommt aus Niederösterreich
Glocks Geschäft mit Pistolen begann nicht auf dem zivilen Markt, sondern mit einem Auftrag für das Militär. Anfang der 1980er-Jahre suchte das österreichische Verteidigungsministerium eine neue Dienstpistole. Glock entwickelte dafür die P80, aus der später die international bekannte Glock 17 entstand.
Zwischen 1982 und 1984 lieferte das Unternehmen laut eigener Unternehmensgeschichte mehr als 25.000 Pistolen an das Bundesheer. Glock-Waffen werden heute von Polizei- und Militäreinheiten in über 100 Staaten eingesetzt – vor allem auch in den USA. Der Konzern mit Produktionsstandorten in Ferlach in Kärnten und Deutsch-Wagram in Niederösterreich erzielte 2022 weltweit rund 830 Millionen Euro Umsatz. Den Großteil davon erwirtschaftet Glock im Ausland.
Hirtenberger Defence: Mörser und Munition aus Niederösterreich
Hirtenberger Defence produziert in Hirtenberg Mörsersysteme und Munition. Mörser sind Artilleriewaffen, mit denen Sprenggranaten über größere Entfernungen verschossen werden können. Das Unternehmen produziert damit Waffensysteme, die im Krieg zur Feuerunterstützung eingesetzt werden und dabei Menschen aus großer Entfernung töten sowie militärische und zivile Infrastruktur zerstören können.
Rheinmetall ARGES: Granaten aus Oberösterreich
Zur österreichischen Rüstungsindustrie gehören auch Standorte internationaler Konzerne: Im oberösterreichischen Schwanenstadt befindet sich Rheinmetall Waffe Munition ARGES, eine Tochter des deutschen Rheinmetall-Konzerns. Dort werden unter anderem Granaten und hochexplosive Munition hergestellt. ARGES gehört zum wesentlich größeren internationalen Rheinmetall-Konzern: Die Konzernsparte Weapon and Ammunition, zu der das Geschäft mit Waffen und Munition gehört, setzte 2025 international insgesamt rund 3,53 Milliarden Euro um – 27 Prozent mehr als im Vorjahr.
PANDUR EVO: Panzer aus Wien
In Wien-Simmering produziert General Dynamics European Land Systems-Steyr den gepanzerten PANDUR EVO. Das Unternehmen hat ihren Sitz in Spanien und produziert für europäische, NATO- und internationale Kunden. Das österreichische Bundesheer bestellte 2024 225 Panzer im Wert von 1,8 Milliarden Euro.
Geplant sind unter anderem Varianten mit Mörsersystemen sowie Fahrzeuge für die Flugabwehr.

Rheinmetall MAN: Militär-Lkw aus Wien
Ebenfalls in Wien produziert Rheinmetall MAN Military Vehicles militärische Lastwagen der HX-Serie. Sie dienen dem Transport von Soldaten, Munition, Treibstoff und militärischem Gerät.
Nach Angaben Rheinmetalls wurden weltweit bereits mehr als 16.000 HX-Lkw verkauft. Zu den Nutzern gehören zahlreiche NATO-Staaten, darunter Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Ungarn und Dänemark. Auch Australien und Neuseeland setzen die Fahrzeuge ein.
Schiebel: Wenn zivile Drohnentechnik militärisch eingesetzt wird
Beim Wiener Unternehmen Schiebel zeigt sich, wie eng zivile und militärische Anwendungen miteinander verbunden sein können. Der unbemannte Hubschrauber CAMCOPTER S-100 wird beispielsweise zur Überwachung oder für andere zivile Aufgaben verwendet. Gleichzeitig wird das System für militärische Aufklärung oder maritime Überwachung angeboten.
Zwischen 2005 und 2008 lieferte Schiebel Drohnen an das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate. Österreich genehmigte die Ausfuhr nach Angaben des Wirtschaftsministeriums für zivile Zwecke. 2015 wurde jedoch eine österreichische Drohne dokumentiert, die die Streitkräfte der Emirate im Krieg gegen die Huthi-Milizen im Jemen eingesetzt hatten.
Der Fall zeigt das Problem solcher Dual-Use-Produkte: Österreich kann eine Ausfuhr für zivile Zwecke genehmigen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Technik später auch ausschließlich zivil genutzt wird.
Österreichische Waffen im Jemen-Krieg und in Syrien: Rüstungsproduktion trotz Neutralität?
Österreich zählt zwar nicht zu den großen Rüstungsexporteuren wie Deutschland. Das Land verfügt jedoch über spezialisierte Hersteller von Kleinwaffen, Munition, Militärfahrzeugen und Drohnentechnik. Zugleich steigen die Ausgaben für die Landesverteidigung.
Das Problem: Österreichische Rüstungsgüter gelangen auch in Kriegsgebiete. 2015 dokumentierte profil Steyr-Gewehre bei Rebellen in Syrien. Weil die Seriennummern fehlten, ließ sich nicht mehr feststellen, an wen die Waffen ursprünglich geliefert worden waren und wie sie nach Syrien gelangten. Ein UN-Expertengremium dokumentierte zudem viele österreichische Steyr-Sturmgewehre im Besitz von Huthi-Kämpfern im Jemen. Als ursprünglichen Nutzerstaat der Gewehre nennt der Bericht Saudi-Arabien. Wie die Waffe zu den Huthi gelangte, ließ sich ohne Seriennummer nicht mehr nachvollziehen. Im Jemenkrieg wurden zehntausende Zivilist:innen getötet. Österreichische Steyr-Gewehre tauchten dort nachweislich auf, ihr konkreter Anteil an den Opferzahlen lässt sich jedoch nicht bestimmen.
Die Beispiele zeigen, dass Österreich den späteren Verbleib exportierter Waffen und Technologien nicht immer vollständig nachvollziehen kann.
Weltweite Militärausgaben erreichen Rekordhöhe – USA exportieren 42 % aller Waffen
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