Nach einer Oxfam-Prognose könnten sechs große Ölkonzerne im zweiten Quartal ihren Gewinn auf zusammen 45 Milliarden Dollar verdoppeln. Im Quartal davor waren es 23 Milliarden Dollar. Fünf EU-Staaten, darunter Österreich, fordern eine Übergewinnsteuer. Die EU-Kommission hat den Vorstoß abgelehnt.
TotalEnergies hat als erster der sechs größten Ölkonzerne der Welt Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Der Nettogewinn stieg auf 5,4 Milliarden Dollar und damit auf das Doppelte des Vorjahresquartals. Der Konzern erhöhte die Zwischendividende um 5,9 Prozent und kündigte für das dritte Quartal Aktienrückkäufe von bis zu 1,5 Milliarden Dollar an.
Shell hat seine Quartalszahlen am 30. Juli vorgelegt: 9,8 Milliarden Dollar Nettogewinn und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn von Chevron stieg im zweiten Quartal sogar auf 12 Milliarden Dollar. Für die noch ausstehenden Quartalsberichte rechnet Oxfam damit, dass die sechs Konzerne zusammen auf 45 Milliarden Dollar Gewinn kommen. Im ersten Quartal 2026 waren es 23 Milliarden Dollar. Die Grafik zeigt die Oxfam-Prognose. Die tatsächlichen Gewinne sind sogar noch höher ausgefallen.

147 Milliarden Dollar Gewinn für die sechs größten Ölkonzerne 2026
Für das Gesamtjahr rechnet Oxfam mit 147 Milliarden Dollar Gewinn für BP, Chevron, Eni, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies. Das ist mehr, als die sechs Unternehmen in den 21 Monaten davor zusammen verdient haben.
ExxonMobil dürfte seinen Gewinn auf 1.800 Dollar pro Sekunde verdreifacht haben.
Grundlage der Schätzungen sind Konsensprognosen von Finanzanalyst:innen. Getrieben werden die Zahlen vom Ölpreis. Ein Fass Brent kostete im zweiten Quartal im Schnitt rund 97 Dollar, etwa 45 Prozent mehr als ein Jahr davor. Dazu kamen hohe Raffineriemargen, weil der Krieg gegen den Iran das Angebot verknappt hat.
Jede vierte extreme Hitzewelle durch 5 Ölkonzerne gepusht
Eine Studie der ETH Zürich hat 213 Hitzewellen zwischen 2000 und 2023 untersucht, die in einer internationalen Katastrophendatenbank erfasst sind. Ein Viertel davon wäre ohne den menschengemachten Klimawandel praktisch unmöglich gewesen. Oxfam hat diese Daten ausgewertet.
Demnach reichten die historischen Emissionen von BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies jeweils für sich allein aus, um rund jede vierte dieser Hitzewellen um mehr als das Zehntausendfache wahrscheinlicher zu machen.
Oxfam schätzt die von den Großkonzernen verursachten Umweltschäden im Jahr 2025 auf 60 Milliarden Dollar.
Wie schwer die Folgen extremer Hitze sein können, zeigte eine Auswertung für Ende Juni 2026. In der Woche vom 22. bis 28. Juni starben in 27 europäischen Ländern rund 10.650 Menschen mehr als sonst um diese Zeit. Mehr als 9.000 davon waren älter als 65 Jahre.
OMV in Österreich verbucht ebenfalls starkes Gewinn-Plus im 2. Quartal 2026
Auch die OMV hat im zweiten Quartal 2026 deutlich mehr Gewinn gemacht. Der Gewinn stieg trotz hoher Sonderkosten um 65 Prozent. Bereinigt lag der Überschuss bei 929 Millionen Euro, unbereinigt bei 529 Millionen Euro. Für das Plus sorgten bessere Ergebnisse in den Bereichen Energie, Kraftstoffe und Chemie. Im Gesamtjahr will die OMV rund 3,4 Milliarden Euro investieren und rechnet mit einem Ölpreis von 85 bis 95 Dollar je Barrel.
EU-Kommission lehnt Übergewinnsteuer für Energiekonzerne ab
Die Finanzministerien Deutschlands, Österreichs, Italiens, Portugals und Spaniens forderten Anfang April 2026 eine koordinierte EU-Abgabe auf die Übergewinne der Energiekonzerne. Die Einnahmen sollten Entlastungen für Haushalte finanzieren und die Inflation dämpfen. Die Kommission lehnte den Vorstoß ab und verwies auf nationale Regelungen. Österreich hält an der Initiative fest. Eine europäische Lösung sei weiter möglich, sagte ein Sprecher von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ).
Widerspruch kommt von Ökonom:innen und aus der Branche. Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, hält eine Übergewinnsteuer für ökonomisch schwer zu definieren und juristisch schwer umzusetzen. Er plädiert für eine breite Entlastung, etwa über eine Energiepreispauschale oder eine niedrigere Stromsteuer, und für den Abbau der Abhängigkeit von Rohstoffen aus geopolitisch riskanten Regionen. Der deutsche Wirtschaftsverband en2x warnt, eine Sondersteuer gefährde Investitionen in Raffinerien.
Je nach Ausgestaltung könnte jedoch eine Steuer auf die Gewinne von 585 großen Öl-, Gas- und Kohlekonzernen laut Oxfam schon im ersten Jahr bis zu 400 Milliarden Dollar einbringen.
Der UN-Anpassungsbericht 2025 veranschlagt den jährlichen Finanzbedarf ärmerer Länder für den Schutz vor Klimafolgen bis 2035 auf 310 bis 365 Milliarden Dollar.
Die sechs Konzerne planen unterdessen, ihre Öl- und Gasförderung bis 2030 um 14 Prozent gegenüber 2024 auszuweiten. Das entspricht zusätzlich 2,5 Millionen Fass Öl pro Tag. Ob ihre Gewinne besteuert werden, entscheidet sich nach der Absage aus Brüssel in den einzelnen Hauptstädten.
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)



































