Verteilungsgerechtigkeit

Immobilien, Medien, Kraftwerke und Skigebiete: Das Vermögen der katholischen Kirche und ihrer befreundeten Netzwerke

Auf 4,5 Mrd. Euro wurde das Vermögen der katholischen Kirche geschätzt. Damit wäre die Kirche unter den zehn reichsten Privateigentümern in Österreich. Sie besitzt Wälder, Weingüter und Immobilien aller Art. Doch eine einsehbare Übersicht über die Besitztümer aller Diözesen, Klöster und Stifte gibt es nicht. Das Vermögen der katholischen Kirche ist ein ziemlich gut gehütetes Geheimnis. Und es existiert ein weit verzweigtes Netzwerk von Firmengeflechten, Organisationen und Vereinen, die in unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig sind, vom Holz-Handel bis hin zum Medienmachen.

„Die“ Kirche gibt es nicht. Aber ein verzweigtes Netzwerk

„Die“ Kirche gibt es nicht. Es existieren 9 Diözesen, über 3.000 Pfarren, etwa 200 Ordensgemeinschaften und die persönlichen Refugien der Bischöfe, die alle „eigene Rechtsträger mit gesonderten Finanzen“ sind und sehr intransparent über ihre Vermögensverhältnisse aufklären. Es gibt schätzungsweise mehr als 10.000 juristische Personen, die nach dem Kirchengesetz Vermögen selbst verwalten. Von einem „weit verzweigte(n) Netz unterschiedlichster Organisationen und Firmengeflechte“ schreibt der Journalist Christian Bunke in seinem Artikel „Reden wir über Werte: Seitenstetter Hof, Heiligenkreuzerhof, Schwarzspanierhof, Melkerhof …
Eine komplette Darstellung von Vermögen der katholischen Kirche ist deshalb nicht möglich, wir versuchen in unserer Darstellung eine Annäherung an eine komplexe Vermögensrealität.

Skifahren und Urlaub am See

Die Kirche gehört bekanntermaßen zu den größten Grundbesitzern in Österreich – das ist seit Jahrhunderten gleich geblieben. Alleine das Stift Admont ist der siebent größte Grundbesitzer im Land. Für viele kirchlichen Einrichtungen, Stifte und Klöster nimmt die touristische Vermarktung ihrer Besitztümer eine wichtige Rolle ein, wie etwa die Besichtigung des Stifts Melk oder die „weltgrößte Klosterbibliothek“ in Admont. Aber auch an nicht unbedingt kirchlich wirkenden Orten sind Diözesen und Stifte an Tourismus-Betrieben beteiligt: Das Skigebiet Hochficht im Dreiländereck Österreich, Deutschland, Tschechien gilt als größtes österreichisches Skigebiet außerhalb der Alpen und ist über die Hochficht Bergbahnen GmbH zu 50% im Besitz des Stifts Schlägl. Dazu gehören die Skiarena Hochficht, die Gasthäuser „Zum Überleben“ und „Zwieseltreff“, das Ereignishaus Holzschlag und die Aigner Hütte.

 Zum Vermögen der katholischen Kirche gehört auch der Grundbesitz der Stifte

Das Stift Admont gehört zu den größten Grundbesitzern Österreichs. © Friedrich Beren

Die Kaiserau Tourismus GmbH, ein Unternehmen des Stifts Admont, betreibt ein kleines Skigebiet auf dem Hochplateau der Kaiserau und auch das Stift Gurk stellt neben dem Stiftshotel, Restaurant und Stiftsbad seine Grundstücke für den Liftbetrieb auf der Flattnitz für touristische Nutzung zur Verfügung.

Ob Kuraufenthalt, Urlaub, Seminarwochenende oder Regierungsklausur: Über ganz Österreich verteilt lassen sich Hotels sowie Tagungs- und Kongresszentren in kirchlichem Besitz finden. Etwa das Hotel am Domplatz in Linz, das Stiftshotel am Längsee, das Kurhotel Marienkron, die 6 Gastronomiebetriebe vom Stift St. Peter oder das Schloss Seggau, in dem 2018 die schwarz-blaue Regierungsklausur stattfand.

Unternehmen, Kraftwerke, Netzbetreiber

Klickt man sich durch die Internetseiten der großen Stifte, stellt sich schnell heraus, dass wirtschaftliche Tätigkeiten einen wichtigen Teil der Kirchenfinanzen ausmachen. Das Bistum Gurk hält fest, dass es als „regionaler Leitbetrieb und Unternehmen gewinnorientiert arbeitet.“ Gemeint ist damit unter anderem der Betrieb mit Jagd und Holzwirtschaft, Fischerei, Stromerzeugung und Erzeugung von Biofernwärme. Sie produzieren ca. 2,5 Mio. kWh Ökostrom. Auch das Stift Heiligenkreuz hält Anteile an vier Kleinkraftwerken.

Das Stift Admont betreibt über die ENVESTA Energie- und Dienstleistungs-GmbH sogar 10 Kleinkraftwerke, 5 Photovoltaikanlagen, ein Biomasse-Heizkraftwerk und fungiert als Netzbetreiber (Baukosten: ca. 30 Mio. €). 3.500 Haushalte werden in der Region mit Energie versorgt. Das Stift Admont ist darüber hinaus 100%-iger Aktionär der Admonter Holzindustrie AG und damit auch vom Unternehmen „Querschnitt“ für gehobene Inneneinrichtungen.

Die Admonter Holzindustrie AG – mit einem Umsatz von 56 Mio. Euro im Jahr – will trotz Krise bis 2022 25,5 Mio. Euro in Anlagen, Maschinen und Digitalisierung investieren und exportiert ihre Produkte in die ganze Welt.

Bauherr Kirche

Auch im Baugewerbe mischt die Kirche mit. „Wohnbau ist Dombau“ war in der Nachkriegszeit das Motto für den sozialen Wohnbau der Kirche. Damals gegründete Baugesellschaften bestehen teilweise bis heute. Heimat Österreich beispielsweise gehört zu 60% der Caritas Wien, Linz und Salzburg sowie dem Bistum St. Pölten (15%) und dem Raiffeisenverband Salzburg (25%). Mit einem Bauvolumen von 100 Mio. Euro, einem Umsatz aus Vermietung und Verwaltung in Höhe von 82 Mio. Euro und einer Verwaltung von 22.500 Einheiten zählt das Unternehmen zu den größeren gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften. 2015 war Heimat Österreich sogar der viertgrößte Bauträger in Österreich.

Das Vermögen der katholischen Kirche in Grund, Boden und Immobilien

Das gesamte Vermögen der katholischen Kirche in Österreich wird auf etwa 4,5 Mrd. Euro geschätzt. Damit wäre die Kirche unter den Top 10 der reichsten Menschen in Österreich. Davon macht ein nicht so kleiner Teil Grund und Boden sowie Immobilien aus. Es gibt gleich mehrere Immobiliengesellschaften, die Wohnungen und Gewerberäumlichkeiten im Besitz der Kirche verwalten. So gehört der Erzdiözese Wien Trestler Immobilien, dem Stift Admont über die Kaiserau Tourismus GmbH die Stia Immo und ELAG Immobilien teilen sich neben dem Hauptaktionär der Diözese Linz kleinere kirchliche Einrichtungen wie Stifte und Ordensgemeinschaften.

Neben Wohnungen verwalten kirchliche Einrichtungen auch nicht wenige Studentenheime. Der gemeinnützige Verein Akademikerhilfe beispielsweise, dessen Protektorat bis heute der Erzbischof von Wien ist, verwaltet 4.335 Heimplätze in ganz Österreich. Das sind 1.000 mehr als noch vor 10 Jahren.

Der gesamte Grundbesitz der katholischen Kirche (also etwa von Klöstern, Diözesen und Pfarren) wird auf etwa 250.000 ha geschätzt, das ist eine Fläche fast so groß wie Vorarlberg. Sie setzt sich vor allem aus Wäldern zusammen, aber auch aus Weinbauflächen und anders landwirtschaftlich genutztem Boden sowie Bauland.

Die katholische Kirche und Österreichs Zeitungen

Hört man „Kirchenbesitz“, denkt man an Klöster, Pfarren und Grundstücke. Was weniger bekannt ist: Auch in der österreichischen Medienlandschaft zählen katholische Institutionen, Vereine und Stiftungen zu den größten Eigentümern – sowohl im Print- als auch im Online-Bereich.

So ist das drittgrößte Medienunternehmen Österreichs, die Styria-Media Group AG zu 98,33 % im Eigentum der „Katholischer Medien Verein Privatstiftung“ (und zu 1,7% im Eigentum des Katholischen Medien Vereins). Der Konzern besitzt u.a. die Kleine Zeitung, Die Presse und Die Furche. Die zwei Radiosender Antenne Kärnten und Antenne Steiermark sowie 25,4% von SAT 1 Österreich gehören ebenfalls zu dem Unternehmen, genauso wie 50% der österreichischen Bezirksblätter im Burgenland, in Niederösterreich, Salzburg und Tirol sowie der Wiener Bezirkszeitung. Damit ist die Styria-Gruppe mit einem Marktumsatz von 415 Mio. Euro der größte Regionalmedienkonzern Österreichs. Auch in Kroatien und Slowenien besitzt die Styria Tageszeitungen und Magazine.

Während die Kleine Zeitung in Kärnten und der Steiermark mit einer Reichweite von 45% die größte Tageszeitung ist, gehört auch in Niederösterreich kirchennahen Trägern ein landesweites Leitmedium: die „Niederösterreichischen Nachrichten“. Die NÖN mit ihren 28 Regionalausgaben und einer Reichweite von 34,2% gehört zu 80 % der Diözese St. Pölten sowie seinem Presseverein. Die übrigen 20 % hält die Raiffeisen Holding NÖ-Wien. Die sieben Regionalausgaben der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ) gehören übrigens auch zu diesem Pressehaus.

Willhaben und Wienerin

Auch wenn man im Internet surft, kommt man an den wirtschaftlichen Konstruktionen der katholischen Kirche kaum vorbei. Auf der Suche nach einem Rezept, einem gebrauchten Schreibtisch, dem Fernsehprogramm, Lifestyle- und Sporttipps – auf vielen Seiten landet man am Ende bei einem kirchennahen (Teil-)Eigentümer. So sind nicht nur die Frauenmagazine Wienerin oder DIVA zu 100% im Besitz der Styria Media Group AG, sondern auch ichkoche.at und sportaktiv.com. Am Online Marktplatz willhaben.at besitzt die Styria die Hälfte, ebenso am Frauenmagazin miss.at. Mit knapp 26,2% ist die Styria Media Regional GmbH auch die größte Eigentümerin von tele.at.

Der drittgrößte Medienkonzern Österreichs ist zu 98,33 % im Besitz der „Katholischer Medien Verein Privatstiftung“  © Styria Media Group

Immobilien, Medien, Kraftwerke und Skigebiete: Das Vermögen der katholischen Kirche und ihrer befreundeten Netzwerke

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Deshalb hat Adolf
Deshalb hat Adolf
4. Mai 2021 18:13

diese Kirche loswerden wollen. Seit tausenden Jahren Räuber.

…
Reply to  Deshalb hat Adolf
4. Mai 2021 18:15

Wundert mich, dass Sie sich daran getraut haben. Oder ist es einfach wieder einmal als nicht aufgegangene Kommunikationsstrategie in die Publikation gegangen?

Hanna
Hanna
4. Mai 2021 09:01

Ziemlich schlecht und oberflächlich recherchiert – vieles einfach falsch.

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