Drei Prügelattacken, dreimal stehen Personen aus dem Umfeld der „Identitären“ im Zentrum: Nach Angriffen vor dem Parlament, einer Attacke vor einem Wiener Identitären-Kampfsportkeller und Prügel auf einen Taxifahrer in Leoben geraten mehrere FPÖ-Mitarbeiter unter Druck. Die „Identitären“ sind seit Jahren eng mit der FPÖ verflochten, einige arbeiten oder arbeiteten im Parlament. Jetzt trennt sich die FPÖ von einzelnen Mitarbeitern. Walter Rosenkranz, FPÖ-Nationalratspräsident, verteidigte die Anstellung von Mitgliedern der Identitäten in seinem Klub.
Vom 19. auf den 20. Juni kam es nach dem Stiftungsfest einer Burschenschaft in Leoben zu einer Prügelattacke auf einen Taxifahrer. Ein Besucher des “Festes” begann – so der Vorwurf – in einem Taxi ‚Sieg Heil!‘ zu rufen. Der Taxilenker wollte ihn deshalb nicht mitnehmen. Nachdem der Fahrer die Polizei gerufen hatte und den Fahrgast stellen wollte, haben ihn drei Personen zusammengeschlagen.
„Dann haben sie mir noch in den Oberkörper und in den Kopf getreten, auch in meinem Kehlkopf. Ich habe keine Luft mehr bekommen und habe ihnen das auch gesagt. Sie beschimpften mich, als ich am Boden gelegen bin, als Ausländerschwein und Hurensohn,“ erzählte der Taxifahrer gegenüber dem Standard.
Unter den Tatverdächtigen befinden sich mit Gernot Schmidt und Yannick Wagemann zwei zentrale Figuren der Identitären. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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Schmidt war zum Tatzeitpunkt als parlamentarischer Mitarbeiter des FPÖ-Abgeordneten Michael Oberlechner tätig – mittlerweile ist er laut FPÖ gekündigt.
Wagemann gilt als neues Gesicht der Wiener Identitären: Nach der Nationalratswahl 2024 postete er ein Foto von sich neben FPÖ-Parteichef Herbert Kickl auf der Wahlparty. Dabei macht er mit der rechten Hand eine “White Power”-Geste (Anmk.: Rassistische Geste der weißen Überlegenheitsbewegung). Das Foto postete er auf seinem X.com-Profil. Seit dem Vorfall in Leoben im Juni 2026 ist es nicht mehr auffindbar, es kursieren nur Screenshots davon.

Nach Angriff: Polizei findet bei „Razzia“ nur mehr leeren Identitären-Kampfsportkeller vor
Obwohl FPÖ und Identitäre jede Verantwortung von sich weisen und die Verdächtigen als ehemalige Angestellte bzw. Mitglieder darstellen, waren beide bis zuletzt bei den Identitären aktiv: Wagemann und Schmidt nahmen etwa an Kampfsportveranstaltungen der Identitären in einem Wiener Keller teil. Dort kam es Anfang Juni 2026 bereits schon einmal zu einer Gewaltattacke. Anfang Juli klopfte dort auch die Polizei an die Tür, aber fand nur mehr einen leeren Keller vor.
Angriff vor Parlament: Identitäre und parlamentarische Mitarbeiter der FPÖ beteiligt
Die FPÖ hat sich jetzt auch von einem weiteren parlamentarischen Mitarbeiter mit Verbindungen zur Identitären Bewegung getrennt. Aus dem September 2025 ist ein Video aufgetaucht, in dem Yannick Wagemann (Tatverdächtiger der Prügelattacke in Leoben) zu sehen ist, wie er einen Passanten vor dem Parlament attackiert. Im Video zu sehen ist auch Andreas Hinteregger, mittlerweile Ex-Mitarbeiter des FPÖ-Abgeordneten Maximilian Weinzierl.
Hinteregger ist zwar nicht direkt an der Attacke beteiligt, steht aber mit dem Auf1-Mitarbeiter Philipp Huemer daneben und beobachtet den Angriff. Ein Polizist ist erst zu sehen, als der Angriff bereits vorbei ist.
Huemer war einst Leiter der Identitäten-Landesgruppe Wien. Weil er auf Auf1 vor allem Verschwörungstheorien verbreitet, wurde ihm im Jänner 2026 der Presseausweis entzogen. Auch Hinteregger gehört der Identitären Bewegung an.
Wie sehen die „lupenreinen Demokraten” im FPÖ-Klub aus?
Nach der Trennung von Hinteregger – dem derzeit strafrechtlich nichts vorgeworfen wird – verbleiben nur noch zwei (Ex-)Führungskader der Identitären als Mitarbeiter im Parlament:
Einer davon ist Fabian Rusnjak, beschäftigt von Sebastian Schwaighofer, FPÖ-Abgeordneter aus Salzburg. Der Zweite ist Gerwin Kowarik, Mitarbeiter des Vorarlberger Nationalratsabgeordneten Manuel Litzke.
Die FPÖ und Walter Rosenkranz verteidigten die Anstellung von Mitgliedern der Identitären im Parlament oder bei FPÖ-Abgeordneten trotzdem immer wieder. Im freiheitlichen Parlamentsklub finde man nur „lupenreine Demokraten“, erklärte auch der stellvertretende FPÖ-Klubobmann Norbert Nemeth (selbst Mitglied einer Burschenschaft) noch vor zwei Monaten im ORF-„Report“.
Rosenkranz tat Warnungen des Verfassungsschutzes mit den Worten ab: „Risiko gibt es überall.“
FPÖ-Chef Kickl hat die Identitären sogar als unterstützenswertes Projekt und “NGO von Rechts” bezeichnet. Die Nähe der Identitäten zu Rosenkranz ist kein Zufall, schließlich gibt es zwischen den schlagenden Bürgerschaften (einer solchen gehört auch Rosenkranz an) und den Identitären große personelle Überschneidungen.
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