Als Herbert Kickl davon sprach, dass früher noch „nachgeholfen“ worden ist, wenn ein Kind nicht „gespurt“ hat, löste das in Österreich erneut eine Debatte über Gewalt in der Erziehung aus. Für Anna Schwitzer, Leiterin des Kinderschutzzentrums Wien, ist klar: Es gibt keine legitime Erziehungsgewalt. Im Interview spricht sie darüber, welche Formen Gewalt gegen Kinder heute annimmt, und was Kinder brauchen, wenn sie Gewalt erlebt haben.
Zu Watschen-Sager von Kickl: Es gibt keine legitime Erziehungsgewalt
Herbert Kickl sagte bei einem FPÖ-Auftakt sinngemäß, dass man früher noch “nachgeholfen“ hat, wenn ein Kind nicht „gespurt“ hat. Und dass diese Gewalt niemandem hätte. Dabei deutete er eine Watsche an. Wie ordnen Sie das professionell ein?
Anna Schwitzer: In den letzten 30 Jahren ist sehr viel passiert. Das Gewaltverbot gibt es noch nicht ewig. Es hat viel Bewusstseinsarbeit gegeben, und die Haltung der Gesellschaft zu Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hat sich stark verändert.
Heute ist den allermeisten Eltern klar, dass es nicht in Ordnung ist, die eigenen Kinder zu schlagen. Die meisten wissen auch, dass es ein gesetzlich verankertes Gewaltverbot gibt. Dieses Verbot ist sehr wichtig.
Es gibt keine legitime Erziehungsgewalt mehr. Gewalt darf es nicht geben, weil sie verboten ist.
Digitale Gewalt nimmt zu – Eltern wissen aber oft nicht Bescheid
Wenn wir über Gewalt gegen Kinder sprechen, wo lauern da die meisten Gefahren im Alltag? Und was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Anna Schwitzer: Zu uns kommen Familien ja nur dann, wenn Gewalt schon ein Thema ist. Das heißt, wir sehen nur einen Ausschnitt und nicht die gesamte Realität.
Was sich deutlich verändert hat, ist Gewalt im digitalen Raum. Das hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Meiner Meinung nach müsste der Blick darauf noch gezielter sein.
Erwachsene sind in diesen digitalen Räumen oft weniger zu Hause als Kinder und Jugendliche. Diese bewegen sich dort teilweise unbeobachtet, auch in Bereichen, die Erwachsene gar nicht so am Schirm haben.
Im realen Leben ist es eher unwahrscheinlich, von jemandem Gewalt zu erfahren, den man nicht kennt. Im digitalen Raum ist das viel wahrscheinlicher.
Deshalb ist es wichtig, mitzudenken, dass Kinder und Jugendliche sich dort in einer potenziell gefährlichen Umgebung bewegen, ohne dass Erwachsene mitbekommen, was passiert.
Spielt digitale Gewalt auch innerhalb von Familien eine Rolle?
Anna Schwitzer: Ich bekomme viele Konflikte mit, die sich im nicht-digitalen Raum abspielen, aber mit der digitalen Welt zu tun haben.
Unbedachte Gefahren, die von Eltern ausgehen können, sind etwa Fotos, die weitergeschickt oder online gestellt werden, ohne ausreichend darüber nachzudenken. Kinderfotos werden in WhatsApp-Gruppen geteilt oder irgendwo veröffentlicht. Daraus können missbräuchliche Verwendungen entstehen.
In Bezug auf digitale Gewalt würde ich aber eher sagen, dass sie häufiger von Fremden oder Gleichaltrigen ausgeht.
Gewalt in Partnerschaft und die Folgen für Kinder
Mit welchen Gewaltformen haben Sie im Kinderschutzzentrum häufig zu tun?
Anna Schwitzer: Gewalt an sich gibt es natürlich schon lange. Wir haben viel mit psychischer und physischer Gewalt zu tun. Auch sexualisierte Gewalt ist ein großes Thema. Und etwas, das meiner Meinung nach lange nicht ausreichend im Fokus stand, ist das Miterleben von Partnerschaftsgewalt.
Wenn Kinder Gewalt zwischen Eltern oder anderen Erwachsenen erleben, sind sie stark betroffen und leiden sehr darunter.
Lange wurde das eher so gesehen, als wären Kinder nicht betroffen, wenn sie die körperliche Gewalt nicht selbst erleben. Mittlerweile weiß man aber, dass das Miterleben mindestens genauso schwerwiegende Folgen haben kann wie direkte körperliche Gewalt.
Ein weiterer Bereich, auf den heute mehr geschaut wird, sind Kinder psychisch kranker Eltern. Früher wurde es teilweise positiv gesehen, wenn psychisch kranke Erwachsene Kinder hatten, nach dem Motto: Da ist zumindest jemand. Dabei wurde aber zu wenig bedacht, was das für die Kinder bedeutet. Sie übernehmen dann oft Aufgaben, die nicht ihre sind. Es kann zu einer Rollenumkehr kommen, und das belastet Kinder stark.
Was macht das Miterleben häuslicher Gewalt mit Kindern?
Anna Schwitzer: In der Situation selbst erschüttert es das Sicherheitsgefühl von Kindern enorm. Sie erleben, wie Personen, die ihnen am nächsten stehen und eigentlich Sicherheit geben sollten, Gewalt ausüben oder Gewalt erfahren.
Kinder geraten dadurch in einen massiven Loyalitätskonflikt. Einerseits wollen sie die Person schützen, die Gewalt erlebt. Andererseits sind sie als Kinder hilflos und können die Situation nicht lösen.
Oft sind es Mütter und Väter, aber es kann natürlich auch anders sein. Die gewalttätige Person erleben Kinder in einem Ausnahmezustand. Gleichzeitig sehen sie, wie verletzt die andere Person ist. Sie sind hin- und hergerissen und ausgeliefert. Das überfordert Kinder sehr.
Aus solchen Erfahrungen können sich Ängste, Schlafprobleme und Schuldgefühle entwickeln. Kinder beziehen vieles auf sich. Sie denken vielleicht: “Ich habe etwas falsch gemacht, deshalb ist das passiert. Vielleicht hätte ich nicht so fordernd sein sollen, dann wäre der Papa oder die Mama nicht ausgeflippt.”
Kinder können dadurch innerlich angespannt und zerrissen sein. Das kann man auch von außen wahrnehmen. Das Kind wirkt unrund. Wenn man das über längere Zeit beobachtet oder ein ungutes Gefühl hat, ist es wichtig, dranzubleiben.
Wie erleben Kinder Vernachlässigung?
Anna Schwitzer: Auf Vernachlässigung wurde lange weniger geschaut, weil man sie nicht so unmittelbar sieht. Die betroffenen Kinder sind oft nicht so auffällig.
Vernachlässigung ist eine andere Form von Gewalt. Wenn Kinder von Anfang an nicht in ihren Bedürfnissen gesehen werden, erleben sie sehr früh Belastungen und Traumatisierungen. Das kann sie beim weiteren Großwerden stark beeinträchtigen.
Dann stellt sich oft schon grundsätzlich die Frage, wie ein Kind überhaupt Beziehungen erleben. Wenn es keine verlässliche Bezugsperson hatte, die schon im Babyalter wahrgenommen hat, was es braucht, wird Beziehung schwierig.
Diese Kinder brauchen viel Unterstützung, um Versäumtes aufzuholen und gesund groß werden zu können.

Sexuelle Gewalt ist mit Schuld und Scham verbunden
Was unterscheidet sexualisierte Gewalt von anderen Gewaltformen?
Anna Schwitzer: Bei sexualisierter Gewalt sind Schuld und Scham noch einmal größer, vor allem die Scham. Sexualität spielt dabei eine Rolle, und der Geheimhaltungsdruck ist oft besonders stark. Häufig üben diejenigen, die solche Taten setzen, Druck aus. Kinder sollen es niemandem erzählen.
Sexualisierte Gewalt ist außerdem eine andere Art von Gewalt, weil sie in den intimsten Bereich eingreift. Kindern wird vermittelt, dass der eigene Körper zu ihnen gehört. Wenn dann eine Person genau das ausnutzt, ist das für Kinder oft sehr schwer einzuordnen. Besonders dann, wenn sie wenig darüber wissen, was okay ist und was nicht.
Es ist auch schwer, Worte dafür zu finden, weil über diese Themen oft wenig gesprochen wird. Deshalb ist es wichtig, Kindern früh Worte für Geschlechtsteile zu geben und mit ihnen über Gefühle zu sprechen. Das kann es ihnen leichter machen zu erzählen, wenn etwas nicht in Ordnung war.
Sexualisierte Gewalt hat eine eigene Dynamik. Oft geht sie von einer Person aus, und andere sollen nichts davon wissen. Sie unterscheidet sich auch dadurch von körperlicher Gewalt, dass sie häufig gezielt und geplant passiert. Körperliche Gewalt entsteht dagegen oft eher aus einer Situation heraus.
Wie kann man früh die Zeichen von Gewalt bei Kindern erkennen
Wie schwer fällt es Kindern, über Gewalterfahrungen zu sprechen?
Anna Schwitzer: Scham und Schuldgefühle spielen eine große Rolle. Es kostet Kinder oft viel Überwindung, sich jemandem anzuvertrauen. Häufig erzählen sie zuerst Gleichaltrigen davon. Das weiß man auch aus Studien.
Dabei geht es oft darum, eine Art Realitätskontrolle zu bekommen: Ist das normal, wie ich behandelt werde? Gleichzeitig hoffen Kinder vielleicht auch auf psychische Unterstützung oder darauf, dass jemand Hilfe holt.
Deshalb sind Erwachsene sehr wichtig. Entscheidend ist, wie sie reagieren und ob sie das ernst nehmen. Kinder senden aus ihrer Sicht oft eindeutige Signale. Erwachsene verstehen diese Signale aber manchmal nicht oder wollen sie vielleicht auch nicht verstehen.
Da gibt es auch eine gewisse Abwehr. Einerseits ist das Thema belastend. Andererseits versucht man manchmal unbewusst, die Situation umzudeuten: Vielleicht habe ich das falsch verstanden, vielleicht ist da doch nichts. Dann wird bagatellisiert. Oder es passiert das Gegenteil, und Erwachsene dramatisieren sofort: Wir müssen sofort zur Polizei, wir müssen sofort Anzeige machen. Dieses Schwarz-Weiß-Denken ist oft sehr stark. Ich denke, das hat auch eine Schutzfunktion.
Auf welche Signale sollten Erwachsene achten?
Anna Schwitzer: Es gibt Kinder, die wenige Signale senden. Bei ihnen könnte man Gewalt tatsächlich leicht übersehen. Eindeutig wird es eher, wenn Kinder ihr Verhalten stark verändern.
Zum Beispiel, wenn ein Kind vorher sehr aufgeweckt war und sich plötzlich stark zurückzieht. Oder wenn ein Kind plötzlich sehr fordernd oder aggressiv wird. Das heißt nicht automatisch, dass es Gewalt erlebt. Aber es bedeutet, dass etwas los ist und das Verhalten einen Grund hat.
Dann geht es darum, hinzuschauen: Was ist mit dem Kind? Man sollte es beobachten und sich mit anderen Erwachsenen austauschen, zum Beispiel in einer Betreuungseinrichtung. Man kann sich auch an ein Kinderschutzzentrum wenden und nachfragen: Nehme ich das ernst genug? Was kann man tun, um das Kind zu unterstützen?
Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kinder können sich nicht selbst schützen. Erwachsene tragen die Verantwortung dafür, dass Kinder in Sicherheit sein können.
Kinder, die Gewalt erleben mussten, verändern sich
Welche psychischen Reaktionen zeigen Kinder nach Gewalterfahrungen?
Anna Schwitzer: Kinder sind durch solche Erfahrungen überfordert. Ihre bisherigen Lösungsstrategien reichen dann oft nicht aus. Deshalb können sie Verhaltensweisen und Symptome entwickeln, etwa Ängste, Sorgen, Albträume oder Schlafschwierigkeiten.
Gewalterfahrungen wirken sich auch auf den Selbstwert aus. Kinder, die Gewalt erleben, haben oft einen schlechteren Selbstwert. Gewalt erschüttert das Gefühl, sicher und unversehrt zu sein. Kinder können das Gefühl entwickeln, weniger wert zu sein. Oder sie denken, sie würden so behandelt, weil sie etwas falsch gemacht haben.
Daraus entstehen Schuldgefühle und Scham. Kinder fragen sich: Warum passiert mir das und anderen nicht? Viele wollen nicht, dass andere davon erfahren. Wenn die Gewalt von den Eltern ausgeht, kommt häufig noch der Wunsch hinzu, die eigene Familie nach außen gut darzustellen. Dadurch entsteht Geheimhaltung.
Werden Kinder, die Gewalt erfahren, später selbst gewalttätig?
Anna Schwitzer: Ich finde diese Aussage falsch. Es hängt sehr davon ab, wie mit der Erfahrung weiter umgegangen wird und welche weiteren Erfahrungen ein Mensch macht. Im Leben kommen viele Einflussfaktoren zusammen.
Natürlich kann es schwierig sein, später gute Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln, wenn man schlagende Eltern als Vorbild hatte und keine anderen Möglichkeiten kennengelernt hat. Gleichzeitig kann ein Kind zum Beispiel in einer Kinderbetreuungseinrichtung eine stabile Bezugsperson haben. Dort kann man lernen, wie Konflikte anders gelöst werden können.
Wichtig ist, dass Kinder, die solche Erfahrungen machen, unterstützt werden. Das ist das Allerwichtigste, damit sie gesund groß werden können. Dann müssen sie weder selbst gewalttätig werden noch entstehen zwangsläufig andere Folgen.
Es geht auch um gesellschaftliche Folgen. Wenn Kinder mit Gewalterfahrungen keine Unterstützung bekommen, kann das später mehr Kosten verursachen: etwa, weil sie Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben, häufiger das Gesundheitssystem brauchen oder psychische oder körperliche Erkrankungen entwickeln.
Was hilft, damit Gewalt nicht das ganze weitere Leben prägt?
Anna Schwitzer: Professionelle Unterstützung kann wichtig sein.
Aber ganz am Anfang steht, dass man Kindern glaubt. Das macht einen riesengroßen Unterschied.
Wenn ein Kind sich nach einer furchtbaren Erfahrung an Erwachsene wendet und ignoriert oder nicht ernst genommen wird, wirkt sich das stark auf die weitere Verarbeitung aus. Wenn es ernst genommen wird und Konsequenzen folgen, ist das etwas ganz anderes.
Das hat auch mit der grundsätzlichen Haltung Kindern gegenüber zu tun. Wie ernst nimmt man Kinder? Wie ernst nimmt man Kinderrechte? Das Prinzip der Augenhöhe ist wichtig. Wenn Erwachsene schaffen, diese Haltung einzunehmen und ernst zu nehmen, was Kinder sagen, wirkt sich das positiv aus.
Dann sind die Folgen oft weniger schwer, als wenn Kinder links liegen gelassen oder eben nicht ernst genommen werden.
Was brauchen Kinder unmittelbar nach einer Gewalterfahrung?
Anna Schwitzer: Das Wichtigste ist, dass ihnen geglaubt wird. Was sie sagen, muss ernst genommen werden.
Kinder brauchen jemanden, der bei ihnen bleibt und weiter mit ihnen darüber spricht, wie es ihnen geht. Gleichzeitig muss jemand übernehmen, was jetzt passieren wird.
In Einrichtungen helfen klare Vorgehensweisen, etwa Kinderschutzkonzepte. Darin ist festgehalten, was zu tun ist, wenn etwas passiert. Kinder müssen diese Schritte nicht selbst entscheiden. Aber sie sollten erfahren, was als Nächstes passiert.
Wichtig ist, dass Kinder Sicherheit bekommen. Die Gewalt muss aufhören. Und Kinder müssen hören: Du bist nicht schuld. Gut, dass du es gesagt hast. Das ist nicht in Ordnung, und es darf nicht passieren.
Dabei sollte man nicht einfach sagen, die gewaltausübende Person sei böse oder schlecht. Entscheidend ist, anzuerkennen, dass es gut war, dass das Kind gesprochen hat, und dass nun etwas passieren muss, damit sich die Situation nicht wiederholt.
Eltern müssen an sich arbeiten und sollen Hilfe suchen
Wie kann nach Gewalt wieder Vertrauen entstehen, wenn die Gewalt von einer Bezugsperson ausgegangen ist?
Anna Schwitzer: Das hängt sehr davon ab, was passiert ist und wie häufig es passiert ist. Einzelne Vorfälle sind anders einzuordnen als regelmäßige Gewalt oder Gewalt durch mehrere Personen.
Wenn Erwachsene bereit sind, daran zu arbeiten und sich eingestehen können, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war, ist viel möglich. Wichtig ist auch, mit Kindern darüber zu sprechen. Erwachsene können sagen: Das ist passiert, es tut mir leid, und ich will das eigentlich nicht. Auch das hat mit Augenhöhe zu tun.
Je mehr man mit Kindern darüber sprechen kann, desto besser. Das kann sich positiv auswirken.
Bei sehr schweren Formen von Gewalt durch eine Bezugsperson kann es aber besser sein, keinen Kontakt mehr zu haben. Das entscheidet dann die Kinder- und Jugendhilfe. Wenn extreme Gewalt vorkommt, bleibt ein Kind nicht einfach in dieser Familie. Dann muss geschaut werden, wie Kontakt überhaupt stattfinden kann, ohne dass weiterhin Gewalt passiert.
Im besten Fall übernehmen jene, die Gewalt ausgeübt haben, Verantwortung. Sie entschuldigen sich, gestehen ein, dass es nicht okay war, und arbeiten daran.
Was raten Sie Eltern, die an ihre Grenzen kommen?
Anna Schwitzer: Zum Glück gibt es Unterstützungsangebote. Auch wenn es für Eltern oft mit Scham verbunden ist, sollten sie sich Hilfe holen.
Wir haben viele Elternteile, die in solchen Situationen zu uns kommen. Sie schätzen die Unterstützung und können gute Strategien entwickeln, wie sie anders mit belastenden Situationen umgehen können.
Wichtig ist auch, die Belastungen der Eltern ernst zu nehmen. Manche sind von Arbeitslosigkeit oder Armut betroffen. Andere haben gesundheitliche Probleme oder viele andere Baustellen. Wenn Eltern stark belastet sind, ist es schwerer, auf die Bedürfnisse des Kindes zu achten.
Deshalb brauchen auch Eltern Unterstützung dabei, ihre Probleme zu bearbeiten. Dann können sie besser für ihre Kinder sorgen und anders mit ihnen umgehen.
Sehen Sie im Kinderschutz in Österreich Lücken?
Anna Schwitzer: Das Sozialministerium hat in den letzten zwei Jahren über eine Sonderrichtlinie zur Krisenintervention Mittel bereitgestellt. Dadurch konnten Kinderschutzzentren ihre Angebote ausbauen. Auch bei uns wurde viel ermöglicht, etwa eine Konsiliarpsychiaterin, eine klinische Psychologin und eine Sozialarbeiterin.
Wichtig wäre jetzt, diese Finanzierung nachhaltig abzusichern. Es handelt sich um ein sehr spezialisiertes Angebot, das Kinder und Familien unabhängig von ihrem Wohnort nutzen können. Gerade nach Gewalterfahrungen ist es wichtig, rasch Unterstützung zu bekommen.
Der Text in aller Kürze
Wie erkenne ich, dass ein Kind Gewalt erfahren hat?
Gewalt ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Ein Warnzeichen kann sein, wenn sich ein Kind plötzlich stark verändert: Es zieht sich zurück, wird sehr anhänglich, fordernd oder aggressiv. Auch Ängste, Schlafprobleme, Albträume, Schuldgefühle oder ein allgemein belasteter Eindruck können Hinweise sein.
Wie gehe ich als Erwachsener damit um, wenn ich davon erfahre?
Das Wichtigste ist: dem Kind glauben und es ernst nehmen. Sagen Sie dem Kind, dass es keine Schuld hat und dass es gut war, darüber zu sprechen. Bleiben Sie mit dem Kind im Gespräch und holen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel bei einem Kinderschutzzentrum. Dort kann gemeinsam geklärt werden, welche Schritte sinnvoll sind.
Was kann ich als Elternteil tun, wenn ich gewalttätig geworden bin? Wo kann ich mich hinwenden?
Wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen und dem Kind zu sagen, dass das Verhalten nicht in Ordnung war. Eltern müssen damit nicht allein bleiben: Kinderschutzzentren beraten auch Mütter und Väter, die gewalttätig geworden sind. Dort können sie lernen, anders mit Überforderung und schwierigen Situationen umzugehen.
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