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Chile kennzeichnete ungesunde Lebensmittel – und Produkte wurden gesünder

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Chile Lebensmittelkennzeichnung, ungesunde Lebensmittel, Foto: Unsplash; Wikimedia, Gobierno de Chile, CC BY 3.0 CL; eigene Montage

Foto: Unsplash; Wikimedia, Gobierno de Chile, CC BY 3.0 CL; eigene Montage

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Gesundheit, Good News, Internationales
Lesezeit:7 Minuten
3. Juli 2026
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Chile hat weltweit die schärfste Kennzeichnungspflicht für ungesunde Lebensmittel. Auch Werbungen für Kinder sind stark eingeschränkt. Nach der Einführung ging der Konsum von zuckergesüßten Getränken deutlich zurück und Produkte wurden gesünder. Auch wenn Übergewicht weiterhin ein großes Problem darstellt, kann Österreich von dem chilenischen Ansatz lernen. In der EU gibt es nämlich nur eine freiwillige Kennzeichnung.

Inhalt
Strengste Kennzeichnungspflicht der Welt
Ungesunde Lebensmittel dürfen nicht an Kinder beworben werden
Der Konsum ging um fast ein Viertel zurück – Produkte wurden gesünder
Übergewicht bleibt ein großes Problem
Erste Erfolge messbar: Risiko für Übergewicht sank um 2-3 %
Nutri-Score: In der EU gibt es nur freiwillige Kennzeichnung
Actimel, Pepsi, Fruchtzwerge: Bevor man herabgestuft wird, lieber weg damit
Foodwatch: Lebensmittellobby und Italien kämpfen für Abschwächung

Im Jahr 2010 waren 64 % der chilenischen Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig (adipös). Bei der chilenischen Regierung schrillten die Alarmglocken. Wie ist es dazu gekommen? Nachdem in Chile 1990 die Militärdiktatur endete, kamen mit der Demokratisierung, Privatisierung und Öffnung des Landes immer mehr Importprodukte ins Land. Diese waren oftmals hochverarbeitet, mit hohem Fett- und Zuckergehalt sowie günstig. Doch die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken wurden lange nicht ausreichend kommuniziert. Dies führte dazu, dass die Chileninnen und Chilenen im Jahr 2014 mit 190 Kilokalorien pro Person und Tag den weltweit höchsten Kalorien-Konsum aus zuckergesüßten Getränken aufwiesen.

Strengste Kennzeichnungspflicht der Welt

Daher sahen sich die Regierung und das Gesundheitsministerium gezwungen, zu reagieren. 2014 erhöhte die chilenische Regierung die Steuern auf stark zuckerhaltige Getränke von 13 auf 18 Prozent und senkte sie für weniger süße Getränke auf 10 Prozent. Zwei Jahre später wurde unter der linken Regierung von Michelle Bachelet dann das strengste Lebensmittelkennzeichnungsgesetz der Welt eingeführt. Ein achteckiges Stopp-Schild auf Produktverpackungen sollte vor einem hohen Gehalt („alto en“) an Zucker, Salz, gesättigten Fetten oder Kalorien warnen. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Schutz der Kinder und Jugendlichen gelegt. 

Lebensmittel_Kennzeichnungspflicht_Chile_Symbole_Wikimedia, Gobierno de Chile, CC BY 3.0 CL
Ungesunde Lebensmittel müssen in Chile diese Symbole aufweisen. (Foto: Wikimedia, Gobierno de Chile, CC BY 3.0 CL)

Ungesunde Lebensmittel dürfen nicht an Kinder beworben werden

Mit Einführung der Reform dürfen als ungesund gekennzeichnete Lebensmittel und Getränke nicht mehr an Kinder unter 14 Jahren beworben werden. Das bedeutet keine Werbung mit Comic-Helden, Cartoons, Kinderstars oder Spielzeug. Zwischen sechs und 22 Uhr gilt seitdem ein TV-Werbeverbot für die entsprechenden Nahrungsmittel. Auch aus sämtlichen Bildungseinrichtungen wurden die „Alton-en“-Produkte verbannt. Den Herstellern räumte man eine dreijährige Übergangszeit ein, in der die Grenzwerte phasenweise verschärft wurden. So konnten sie ihre Produkte anpassen und die Rezepturen verändern. 

Der Konsum ging um fast ein Viertel zurück – Produkte wurden gesünder

Und tatsächlich: Bereits im ersten Jahr ging der Umsatz von zuckergesüßten Getränken um fast ein Viertel, genau 23,7 Prozent, zurück. Auch die Industrie reagierte: Laut einer Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Institut für Ernährung und Lebensmitteltechnologie der Universität Chile (INTA) wurden 15 Prozent der untersuchten Produkte nach Einführung des Kennzeichnungsgesetzes reformuliert – sprich die Inhaltsstoffe so verändert, dass sie nicht mit Warnhinweisen versehen werden müssen. Besonders Fleisch- und Getreideprodukte wurden gesünder. 

Chile hat strengste Kennzeichnungspflicht der Welt, Unsplash, Loic Mermilliod, Valparaíso, Chile
Die Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel hat in Chile Produkte gesünder gemacht. (Foto: Valparaíso, Chile; Unsplash, Loic Mermilliod)

Übergewicht bleibt ein großes Problem

Gleichzeitig blieb die Fettleibigkeit in Chile weiter ein sehr großes Problem – und stieg nach der Reform sogar noch an. Bei der letzten nationalen Gesundheitsbefragung (Encuesta Nacional de Salud, ENS), die 2016-2017 stattfand, zeigte sich, dass 74,2 Prozent der Menschen über 15 Jahre übergewichtig oder adipös waren. Allein der Anteil an Menschen mit Adipositas lag bei 31,2 Prozent. 

Laut dem World Obesity Atlas steigt der Prozentsatz der Menschen mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) weiterhin jährlich. Das sind Personen, bei denen das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße über dem Normalbereich liegt.

Alarmierende Zahlen gibt es auch bei den Schulkindern: Mehr als die Hälfte aller Schulkinder (51,7) Prozent ist laut dem Nationalen Schulamt (Junaeb) 2025 überernährt, dazu zählen Übergewicht und Adipositas. 

Während die Industrie das bereits als Misserfolg des strengen Gesetzes verstehen wollte, betonten Forschende, dass eine solche Entwicklung Zeit brauche, bis sie sich statistisch in den Zahlen widerspiegelt. So sagt etwa Cristian Cofre vom chilenischen Gesundheitsministerium:

„Die Ernährungsumstellung dieser Generation, der heutigen Kinder, lässt sich nicht in fünf oder sechs Jahren beurteilen, sondern erst in 25 bis 30 Jahren oder später, wenn sich gesundheitliche Folgen wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bemerkbar machen. Es geht viel mehr um die langfristigen Folgen, wenn die Kinder von heute die Erwachsenen von morgen sind; aber die Veränderungen von heute werden sie prägen.“

Erste Erfolge messbar: Risiko für Übergewicht sank um 2-3 %

Anfang Juni 2026 wurde nun eine neue Studie im renommierten Lancet-Magazin veröffentlicht, die erstmals einen Erfolg der Veränderungen in Zahlen abbilden kann. Der Vergleich von Kindern zwischen 4-6 Jahren im Zeitraum 2012 bis 2017 zeigt: 18 Monate nach Einführung des Gesetzes sank das Risiko, an Übergewicht oder Adipositas zu leiden, um 2,85 Prozent bei Mädchen, um 2,40 Prozent bei Buben. 

Aktuell wird in Chile diskutiert, das Gesetz weiter zu verschärfen. So liegt der Entwurf vor, weitere hochverarbeitete Produkte, die insbesondere viele Süßungsmittel und Zusatzstoffe beinhalten, einzuschränken. Diese Produkte werden zum Teil auch als Reaktionen der Industrie auf die Warnhinweise verstanden. 

Nutri-Score: In der EU gibt es nur freiwillige Kennzeichnung

Auch in Österreich ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig. Grundsätzlich gibt es mit dem Nutri-Score in der EU ein ähnliches Prinzip. Die fünfstufige Nährwertkennzeichnung (von einem dunkelgrünen „A“ bis zu einem tiefroten „E“) betrachtet positive Nährstoffe wie Proteine, Ballaststoffe und Vitamine genauso wie negative Nährstoffe wie Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz. Die Einstufung erfolgt allerdings nur im Vergleich zu Produkten derselben Kategorie.  Es sagt damit nicht automatisch aus, ob ein Produkt gesund oder ungesund ist, sondern beispielsweise wie eine Tiefkühlpizza unter anderen Tiefkühlpizzen abschneidet.

 

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In Frankreich, Belgien, Deutschland, Luxemburg, Spanien, Niederlande und Portugal wird dieses System offiziell unterstützt, die Anwendung ist in allen Ländern auf freiwilliger Basis. In Österreich ist eine freiwillige Abbildung auf Lebensmittelverpackungen seit 2021 erlaubt.  

Mittlerweile wurde am Nutri-Score-System auch nachgeschärft. Seit Januar 2026 werden Zucker und Salz strenger sanktioniert, künstliche Süßstoffe mit Punktabzügen belegt und milchbasierte Getränke und Pflanzendrinks von der Kategorie der festen Nahrungsmittel in die strenger bewertete Kategorie der Getränke umgestuft. 

Actimel, Pepsi, Fruchtzwerge: Bevor man herabgestuft wird, lieber weg damit

Die Freiwilligkeit gilt dabei als Schwachstelle. Wer nicht will, muss nicht. Anstatt sich der Bewertung zu stellen oder an den Rezepturen etwas grundlegend zu ändern, verzichten Lebensmittelkonzerne gerne komplett auf die Nutri-Score-Labels auf ihren Produktverpackungen.

So entfernte Danone den Nutri-Score von all seinen trinkbaren Milch- und Pflanzendrinkprodukten der Marken Alpro, Actimel und Fruchtzwerge. Demnach wäre das Actimel-Trinkjoghurt von „B“ auf „E“ herabgestuft worden. Pepsi ließ ebenfalls für die gesamte Getränkesparte (darunter Pepsi, Rockstar und SchwipSchwap) die Kennzeichnung entfernen. Aufgrund von Süßstoffen wären die Diät-Limonaden von „B“ auf „C“ abgewertet worden. Und auch der Tiefkühl-Backwarenhersteller Coppenrath & Wiese sowie die Marke YFood, deren Trinkmahlzeit gar von der Stufe „A“ auf „E“ abgestürzt wäre, zogen das Label kurzerhand zurück.

Foodwatch: Lebensmittellobby und Italien kämpfen für Abschwächung

Die EU-Kommission hatte in ihrer 2020 verabschiedeten „Farm-to-Fork“-Strategie angekündigt, eine EU-weit verpflichtende Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen einzuführen.  Eine Umsetzung fehlt bis heute. Ein starker Einfluss zur Abschwächung der Maßnahmen kam laut Foodwatch von der Lebensmittellobby und Ländern wie Italien.

So sagte etwa der italienische Agrarverband Coldiretti und der Süßwarenhersteller Ferrero, der Nutri-Score würde die „mediterrane Diät“ und traditionelle, geografisch geschützte Produkte wie Parmesan, Parmaschinken oder Olivenöl diskriminieren. Dass diese Produkte aufgrund eines hohen Fett- und Salzgehalts ernährungsphysiologisch nur in Maßen verzehrt werden sollen, verstehen sie als Angriff.

Italien führte den Widerstand gegen den Nutri-Score in der EU maßgeblich an. Politiker, Bauernverbände und Teile der Lebensmittelindustrie schlossen sich zusammen und kritisierten das System als irreführend. Die italienischen Behörden verhängten sogar Bußgelder gegen Unternehmen, die den Nutri-Score nutzten.

In Deutschland gibt es indes eine neue Umfrage: Aus über 1000 Teilnehmenden sind 61 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher für eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Nutri-Score-Kennzeichnung. In Österreich sprechen sich 72 Prozent aller Eltern dafür aus, die Kennzeichnung für alle Produkte einzuführen, die sich an Kinder richten.

Nestlé, Coca-Cola & Co: Diese 5 Konzerne beherrschen den globalen Lebensmittelmarkt

Parlament Das Thema "Gesunde Ernährung" im Parlament

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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