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ÖVP-Mann Paul Rübig netzwerkt in der EU mit den Rechten, um Politik für Konzerne durchzubringen

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Paul Rübig, der ÖVP-Netzwerker für Freihandel und Deregulierung. (Foto: AG Gymnasium Melle/Wikipedia/CC BY-SA 3.0; Diliff/Wikipedia/CC BY-SA 3.0; Montage)

Paul Rübig, der ÖVP-Netzwerker für Freihandel und Deregulierung. (Foto: AG Gymnasium Melle/Wikipedia/CC BY-SA 3.0; Diliff/Wikipedia/CC BY-SA 3.0; Montage)

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Europa, Umwelt & Klima, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:5 Minuten
17. Juli 2026
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Der österreichische Unternehmer und ehemalige EU-Abgeordnete Paul Rübig hat über Jahrzehnte ein weitreichendes Netzwerk in Brüssel aufgebaut. Im Zentrum seiner politischen Arbeit steht, Regeln für Unternehmen zurückzudrängen. Gemeinsam mit Verbänden, politischen Akteuren und internationalen Lobbygruppen drängt er auf Freihandel und Deregulierung ein. Eine Recherche von „Follow the Money“ beschreibt, wie dieses Netzwerk parallel mit dem politischen Rechtsrucks in Europa und in den USA an Einfluss gewonnen und zur Lockerung von Nachhaltigkeitsregeln beigetragen hat.

Inhalt
Paul Rübig verlässt das EU-Parlament, doch seinen Einfluss behält er
Verwurzelt in Welser Unternehmerfamilie
Paul Rübig wird zum ÖVP-Politiker, der vor allem den Markt deregulieren will
Die Macht kommt mit Verbindungen
Für TTIP und gegen NGOs
Wie höhlt man ein unliebsames Gesetz aus? In kleinen, leisen Schritten abseits des Rampenlichts
Rechtsruck in den USA und Europa 2024 eröffnet marktliberalen Kräften neue Möglichkeiten
EU-Politik wird in den Hinterzimmern gemacht

Als Paul Rübig 2019 das Europäische Parlament verlässt, verabschiedet er sich nicht von der europäischen Politik. Nach 23 Jahren in Straßburg und Brüssel wechselt er nur die Rolle. Aus dem Politiker wird wieder ein Unternehmer, ein Vermittler, ein Netzwerker. Die politischen Entscheidungen Europas bleiben aber weiterhin sein Arbeitsfeld.

Paul Rübig verlässt das EU-Parlament, doch seinen Einfluss behält er

Rübig hat früh verstanden, dass Macht in der Europäischen Union selten allein aus einer Position entsteht. Sie entsteht durch Beziehungen, durch Verbände und durch die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen. Über drei Jahrzehnte baut der österreichische Unternehmer ein Netzwerk auf, das weit über seine Heimat hinausreicht. Eine Recherche von „Follow the Money“, einer unabhängigen Plattform von Investigativ-Journalist:innen, zeigt, wie das Netzwerk von Paul Rübig zu einem wichtigen Bestandteil jener Kräfte wird, die in Brüssel auf eine Abschwächung von Nachhaltigkeitsregeln drängen.

Verwurzelt in Welser Unternehmerfamilie

Die Geschichte von Paul Rübig beginnt in einer österreichischen Industriestadt. In Wels gründet Franz Rübig, Paul Rübigs Großvater, 1946 ein Metallunternehmen. Aus dem Betrieb entsteht die RÜBIG Group, die Teile für Industrieanlagen, Maschinen und Fahrzeuge herstellt. Heute hat sie einen Jahresumsatz von 70 Millionen Euro.

Paul Rübig wächst in diesem Umfeld auf. Er studiert Betriebswirtschaft, Marketing und Wirtschaftsingenieurwesen und sammelt Erfahrungen außerhalb des Unternehmens, bevor er in die Politik geht. Sein Selbstbild bleibt mit seiner Herkunft als Unternehmer verbunden. Rübig inszeniert sich nicht als Berufspolitiker, sondern als jemand, der die praktischen Schwierigkeiten von Betrieben kennt. Seine eigene unternehmerische Erfahrung betrachtet er als Vorteil.

Paul Rübig wird zum ÖVP-Politiker, der vor allem den Markt deregulieren will

In den 1990er-Jahren beginnt Rübig seine politische Laufbahn in der ÖVP. Von 1991 bis 1995 sitzt er im oberösterreichischen Landtag. 1996 zieht er für die Europäische Volkspartei (EVP) in das Europäische Parlament ein. Dort konzentriert er sich auf Themen, die Unternehmen betreffen: weniger Vorgaben, weniger Bürokratie und ein möglichst freier Binnenmarkt.

Seine bekannteste politische Kampagne dreht sich um die Abschaffung der Roaming-Gebühren. Rübig erzählt häufig die Geschichte einer frisch verliebten Studentin, die sich über hohe Telefonkosten bei Auslandsgesprächen mit ihrem Schwarm beschwert hat. Eine gute Geschichte, die sich weitererzählen lässt. Der Fall, sagt er, hat ihn dazu gebracht, das Thema bei der zuständigen EU-Kommission anzusprechen. Die Kommission greift die Initiative auf. 2017 schafft man die Roaming-Gebühren innerhalb der EU ab.

Die Episode wird zu einem Beispiel für Rübigs politische Methode. Er sucht konkrete Probleme, verbindet sie guten Geschichten und wirtschaftlichen Argumenten und versucht, so Interessen durchzusetzen.

Die Macht kommt mit Verbindungen

Rübigs Einfluss beruht nicht nur auf seiner Zeit als Abgeordneter. Während seiner politischen Laufbahn baut er verschiedene Plattformen auf, die Unternehmerinteressen in Brüssel vertreten sollen. Dazu gehörten SME Global, SME Europe und später SME Connect. Es sind Unterorganisationen eines weltweiten christdemokratischen Netzwerkes. SME steht für small and medium-sized enterprises. Es sind also Think Tanks für die Interessen von Klein- und Mittelunternehmen. SME Europe wird zur offiziellen Unternehmerorganisation der EVP.

Diese Organisationen verbinden Politiker, Wirtschaftsvertreter und Interessenverbände. Die Journalist:innen von „Follow the Money“ beschreiben ein Geflecht aus Gruppen, die ähnliche Ziele verfolgen und teilweise gemeinsame Verbindungen nach Bayern haben. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach weniger Bürokratie und einer stärkeren Berücksichtigung der Interessen von Unternehmen.

Für TTIP und gegen NGOs

Auch beim Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA unterstützt Rübig in den Jahren 2012 bis 2016 die Forderung nach einer stärkere wirtschaftlichen Öffnung. Ein zentrales Ziel ist, Handelszölle abzubauen und die Unterschiede bei Lebensmittel-Standards, Umweltvorschriften oder Arbeitsrecht abzuschaffen. Das dient am Ende auch Rübigs Unternehmensinteressen: Denn 2012 eröffnet sein Unternehmen eine Niederlassung in Illinois in den USA. Auch viele Kunden seines Unternehmens aus der Chemie- und fossilen Brennstoffindustrie hätten von TTIP profitiert.

In den Auseinandersetzungen um TTIP, in der sich Politiker:innen, Parteien, Interessengruppen und NGOs einbringen, geraten NGOs in Rübigs Visier, die das Freihandelsabkommen kritisieren. 2014 stellt er NGOs unter den Generalverdacht von Intransparenz, fordert ein Hearing, um zu prüfen, wie diese arbeiten und wie sie sich finanzieren. Es ist eine Erzählung, die Jahre später auch von EVP-Abgeordneten wie Markus Pieper oder auch von rechten Parteien wie der AfD in Deutschland und der FPÖ in Österreich regelrecht als Denunziations-Kampagne organisiert wird.

Wie höhlt man ein unliebsames Gesetz aus? In kleinen, leisen Schritten abseits des Rampenlichts

Dieses politische Muster zeigt sich Jahre später erneut: beim Streit um die europäischen Regeln für nachhaltige Lieferketten. Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive, kurz: das Lieferkettengesetz, soll Unternehmen dazu verpflichten, Risiken in ihren Lieferketten stärker zu überprüfen. Die Regelung ist Teil des europäischen Green Deals und wird 2024 verabschiedet.

In dieser Phase schlägt Rübig den schwedischen EVP-Abgeordneten Jörgen Warborn für den Vorsitz von SME Europe und SME Global vor. Warborn pflegt Kontakte zu US-Akteur:innen, die Sorgfaltspflichten in Lieferketten ablehnen. Bei der späteren Überarbeitung des Lieferkettengesetzes spielt er eine wichtige Rolle.

Jörgen Warborn wird im Juil 2026 Co-Vorsitzender der EPP Trade Leadership Group, einer Handespolitik-Gruppe innerhalb der EVP. Er hat den Vorsitz mit Wolfgang <yoastmark class=

Rechtsruck in den USA und Europa 2024 eröffnet marktliberalen Kräften neue Möglichkeiten

2024 verändern die Präsidentschaftswahl in den USA und die Europawahl die politischen Kräfteverhältnisse auf beiden Seiten des Atlantiks.

Rechte und rechtsextreme Parteien bekommen mehr Einfluss. Sie werden zu Mehrheitsbeschaffern. Die Europäische Volkspartei sucht zunehmend diese Mehrheiten, auch um gegen Umweltpolitik vorzugehen, die aus ihrer Sicht wirtschaftsfeindlich ist.

Jörgen Warborn besucht Ende 2024 mit EVP-Präsident Manfred Weber die Heritage Foundation, einen rechten Think Tank. Kurz danach wettern sowohl die Foundation als auch die US-Regierung gegen Sorgfaltspflichten für Unternehmen.

Warborn wird zum federführenden EVP-Abgeordneten, der das Lieferkettengesetz im Sinne der Unternehmensinteressen aushöhlt.

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EU-Politik wird in den Hinterzimmern gemacht

Die Überarbeitung der Richtlinie verändert zentrale Bestandteile der ursprünglichen Regelung. Die EU-weite zivilrechtliche Haftung für Unternehmen wird gestrichen. Damit entfällt die Möglichkeit, sie vor Gericht auf Schadenersatz zu verklagen. Durch die Abschwächung müssen weniger Unternehmen prüfen, ob in ihren Lieferketten etwa Ausbeutung, Kinderarbeit oder schwere Umweltschäden vorkommen.

Paul Rübig selbst bleibt während dieser Entwicklung eine Figur im Hintergrund. Er tritt nicht mehr als gewählter Politiker auf, aber seine Netzwerke und politischen Themen wirken weiter. Der Fall Rübig zeigt, wie langfristige Netzwerke auf EU-Gesetze einwirken können. Wenn Regeln für Unternehmen abgemildert werden, kann das den Schutz von Beschäftigten, Menschenrechten und Umwelt schwächen.

Parlament Das Thema "Lieferkettengesetz" im Parlament

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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EU-Abgeordneter

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments sind die Abgeordneten aus allen EU-Ländern. Die deutsche Abkürzung lautet MdEP, die englische MEP. Sie wurden von den Bürgerinnen und Bürgern des jeweiligen Landes direkt ins EU-Parlament gewählt. Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU hat das EU-Parlament 705 MdEPs. Das Thema "Mitglieder des Europäischen Parlaments" im Parlament

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Das Europäische Parlament

Auf einen Blick Rolle: Direkt gewähltes EU-Organ mit Zuständigkeit für Gesetzgebung, Aufsicht und Haushalt Mitglieder: 705 Mitglieder des Europäischen Parlaments Präsident: David Sassoli Gegründet: 1952 als Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 1962 als Europäisches Parlament, erste direkte Wahl 1979 Standort: Straßburg (Frankreich), Brüssel (Belgien), Luxemburg Das Europäische Parlament ist die einzige direkt von den europäischen Bürgerinnen gewählte Institution der EU. Die 705 EU-Parlamentarier, auch Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) genannt, vertreten 450 Millionen Bürger aus allen 27 Mitgliedsstaaten. Sie sind in acht politische Fraktionen unterteilt. Alle zweieinhalb Jahre (also zwei Mal in jeder Legislaturperiode) wählen sie einen neuen Präsidenten bzw. eine neue Präsidentin aus ihrer Mitte. Logo des Europäischen Parlaments Das EU-Parlament ist das gesetzgebende Organ

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Europäischer Green Deal

Der Europäische Green Deal ist eines der Hauptprojekte der derzeitigen EU-Kommission (2019-2024). Zuständig ist der EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans, ein niederländischer Sozialdemokrat. Ziel des Green Deal: Bis 2050 die Netto-Emissionen von Treibhausgasen in der EU auf null zu reduzieren. Europa soll so der erste klimaneutrale Kontinent sein. Zudem soll der Europäische Green Deal ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit vereinen, und so dem Klima-Thema eine soziale Dimension geben. Bei allen bevorstehenden Änderungen für eine nachhaltige Zukunft, muss auch auf die Menschen und ihre Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen geachtet werden. Das Thema "Klimagerechtigkeit" im Parlament

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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