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Soziale Kontakte auf Rezept: Pilotprojekt gegen Stress und Einsamkeit hilft Patient:innen und entlastet Hausärzt:innen

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Soziale Kontakte auf Rezept (Foto: Kateryna Hliznitsova/Unsplash+)

Soziale Kontakte auf Rezept (Foto: Kateryna Hliznitsova/Unsplash+)

Sarah Hammerschmid Sarah Hammerschmid
in Familie & Kinder, Gesellschaft, Gesundheit, Good News
Lesezeit:3 Minuten
18. Februar 2026
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Jeder fünfte Besuch beim Hausarzt lässt sich auf eine psychische Belastung zurückführen. Das verursacht neben Kosten oft auch fehlende passende Lösungen für Betroffene. Hier setzt „Social Prescribing“ an: Es geht darum, Patient:innen zu unterstützen, die von Einsamkeit, Stress oder zu wenig sozialer Teilhabe betroffen sind. Das Ergebnis des Pilotprojekts: Bessere psychosoziale Gesundheit und eine entlastete Primärversorgung. Das Ziel ist, Social Prescribing langfristig im österreichischen Gesundheitssystem zu verankern.

Viele Menschen waren schon einmal in dieser Situation: Sie fühlen sich wochenlang erschöpft und niedergeschlagen, gehen zum Hausarzt, dort kann aber keine medizinische Ursache gefunden werden. Bei genauerem Zuhören wird dann oft klar, dass die Symptome viele unterschiedliche Gründe haben können: etwa finanzielle Belastungen und daraus resultierende Ängste sowie soziale Isolation und Einsamkeit.

Social Prescribing möchte hier ansetzen und mit passenden Angeboten unterstützen. Die Person würde an regionale Unterstützungsangebote weitergeleitet, um dann gemeinsam einen Plan zu erstellen und Termine zu vereinbaren. Bei finanziellen Belastungen und sozialer Isolation würden dann beispielsweise eine Schuldnerberatung sowie ein Kochkurs organisiert werden, um soziale Kontakte in der Nachbarschaft sowie das Gefühl für Selbstwirksamkeit wieder zu stärken.

Was ist Social Prescribing?
Social Prescribing bedeutet, dass Menschen mit Einsamkeit, Stress oder fehlenden sozialen Kontakten an passende Fachkräfte oder Angebote weitergeleitet werden, die ihnen helfen können, mehr Unterstützung und Gemeinschaft zu finden. Diese Fachkräfte führen Gespräche mit Betroffenen und klären ihre Bedürfnisse. Dann begleiten sie Patient:innen bei den nächsten Handlungsschritten, etwa Terminvereinbarungen und erste Treffen.

Vorbild Großbritannien: Psychische Gesundheit schon bei der Primärversorgung

Der Ansatz von Social Prescribing stammt aus Großbritannien. Dort ist psychosoziale Gesundheit bereits in der Primärversorgung bei Hausärzten verankert. Auch in Frankreich, Belgien, Kanada und Irland gibt es Angebote, die Patient:innen bei Bedarf an soziale und kulturelle Programme vermitteln. Seit 2021 fördert das Sozial- und Gesundheitsministerium in Österreich Pilotprojekte, die “Social Prescribing” in die Primärversorgung integrieren wollen. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) begleitet das Projekt mit Schulungsangeboten, stellt Materialien bereit und organisiert Vernetzungstreffen.

Mehr Stabilität im Alltag, psychisches Wohlbefinden & soziale Teilhabe: Pilotprojekt zeigt Erfolge

In Österreich liegen nun erste Ergebnisse des Pilotprojekts “Social Prescribing” vor. Zwischen 2023 und 2025 wurden über 1.200 Patient:innen erreicht. 15 Einrichtungen aus sechs Bundesländern nahmen teil und erhielten projektbezogene Fördermittel. Rund 85 % der Patient:innen wurden an durchschnittlich zwei für sie passende Angebote vermittelt. Am häufigsten handelte es sich um psychosoziale Beratung, Sportgruppen sowie rechtliche und soziale Unterstützung.

Das Ergebnis ist positiv: Die Patient:innen berichten von einem stabileren Alltag, einem besseren psychischen Wohlbefinden und einer Stärkung der sozialen Teilhabe. Konkret fühlten sich Eltern chronisch kranker Kinder weniger alleingelassen und Menschen mit psychischen Belastungen erlangten durch neue soziale Kontakte mehr Sicherheit im Alltag. 93 % der Patient:innen würden Social Prescribing weiterempfehlen.

Entlastung für das Gesundheitssystem durch passende Versorgung für Patient:innen

Auch das ohnehin belastete Gesundheitssystem profitiert von Social Prescribing: Ärztinnen und Ärzte hätten wieder mehr Zeit für ihre Patient:innen. Denn psychosoziale Anliegen würden gleich in die Hände von dafür geschultem Fachpersonal gelangen.

Das Zentrum für Kinder-und Jugendheilkunde „Leuchtturm“ war Teil des Pilotprojekts und sieht Social Prescribing als wichtigen Teil in der Betreuung von Familien. Wo die Gesundheit früher eher körperlich definiert war, berücksichtigt die moderne Medizin emotionale Stabilität mehr. Fachärztin Dr. Regina Rath-Wacenovsky sagt dazu:

„Wir sind uns der Wechselwirkung zwischen Psyche und Organsystemen bewusst. Freundschaft, Bewegung, familiäre Unterstützung und gesunde Ernährung sind wesentliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit unserer jungen Patient:innen. Aber wie kommt man dazu? Wie organisiere ich diese Angebote? Was kostet es und welche Unterstützungen gibt es dazu?“

Laut der Ärztin sei das Angebot von Social Prescribing niederschwellig und entspannt, sodass Scham und Scheu gar nicht erst aufkommen. Auch die Kosten für Social Prescribing seien gering und die Ersparnis für Therapie und Medikamente hoch.

Zielgruppen: Ökonomische Schwierigkeiten, instabile Lebenssituationen & wenig soziale Kontakte

Die meisten Personen, die durch ein Social Prescribing-Programm vermittelt werden konnten, waren zwischen 30 und 60 Jahre alt – das ergibt einen Altersdurchschnitt von 43,4 Jahren. Mehr als die Hälfte war nicht erwerbstätig aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oder Pensionierung. Die Daten zeigen klar: Social Prescribing erreicht vor allem Menschen mit ökonomischen Schwierigkeiten, instabilen Lebenssituationen und einem fehlenden sozialen Netzwerk.

„Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten zeigen eine hohe Wirksamkeit – auch für Gruppen, die wir mit Gesundheitsförderung sonst schwerer erreichen. Social Prescribing verbindet medizinische Versorgung mit sozialer Realität. Der Ansatz ist vielversprechend und sollte weiterverfolgt werden.” sagt Herwig Ostermann, Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH.

Bis zum 22. März können Förderanträge für das Jahr 2026 gestellt werden.

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