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So manipulieren Rechtspopulisten auf Social Media

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So manipulieren Rechtspopulisten auf Social Media

FEPS FEPS
in Politik
Lesezeit:3 Minuten
4. Oktober 2019
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Rechtspopulisten und Rechtsextreme nutzen Social Media, um jüngere Wähler anzusprechen und die klassischen Mainstream-Medien zu umgehen. Diese sehen sie als ihre Feinde. Sie erwecken damit den Eindruck, dass sie die wirklich fortschrittlichen Parteien sind, während ihre Gegner immer noch Politik im alten Stil machen. Marine Le Pen war hier die Vorreiterin.

Bereits 1996 rief die Front Nationale als erste politische Partei in Frankreich eine Website ins Leben. Heute hat allein Marine Le Pen 2,3 Millionen Follower auf Twitter, während der französische konservative Führer Laurent Wauquiez nur 321.000 und die französische Sozialistische Partei noch weniger hat. Dies hat mehrere Gründe:

  • Vor allem junge Menschen stellen eine Zielgruppe der rechtsextremen Populisten dar. Um diese besser zu erreichen, übernehmen sie auch ihre Art zu kommunizieren. Kommunikation zwischen jungen Menschen findet vor allem auf Social Media statt.
  • Rechtextreme werden von ihren Gegnern oft als rückständig und reaktionär dargestellt. Dabei haben genau sie auf die Entwicklung des Internets geschickt reagiert, indem sie quasi zu Social Media-Experten geworden sind. Außerdem haben sie viel Energie in die Produktion hochwertiger Videos gesteckt, wie zum Beispiel das „Being a European“-Video, das vom New Right „Institut Iliade“ 2015 produziert wurde. Es hat bereits über 1 Million Aufrufe auf YouTube.
  • Drittens passt Social Media sehr gut zu dem kurz gehaltenen, aggressiven, polemischen Diskurs, den die rechtsextremen Populisten führen. Sie beantworten komplexe Themen auf einfache Weise.
Rechtsextreme Rechtspopulisten Social Media Marine Le Pen
Marine Le Pen war eine der ersten Rechtspopulisten, die verstanden hat, welche Bedeutung Social Media für ihre Politik spielt. Sie dient vielen Rechtsextremen und Rechtspopulisten als Vorbild.

Vorsprung der Rechtspopulisten auf Social Media

Mittlerweile haben Rechtspopulisten einen entscheidenden Vorsprung: ihre Halbwahrheiten und Falschinformationen erreichen auf Social Media ein breites Publikum. Vor allem junge Menschen konsumieren weniger klassische Medien wie Print, TV und Radio und sind mehr auf Social Media zu finden. Folglich konsumieren sie eher, was auf Websites und Propaganda-Accounts veröffentlicht wird.

Das wachsende Misstrauen gegenüber den Mainstream-Medien ist der Grund, warum so viele Anhänger von Rechtsextremen und auch viele unentschlossene Wähler auf der Suche nach „alternativen Nachrichten“ sind – was letztlich einen großen Aufschwung für Populisten bedeutet. Rechtsextreme erzählen den Wählern, dass Mainstream-Medien nicht vertrauenswürdig sind, weil sie sich in den Händen der “Mächtigen“ befinden, deren geheime Pläne darin bestehen, Globalisierung und Multikulturalismus um jeden Preis zu fördern und keine objektive Berichterstattung zu betreiben.


youtube placeholder image

Rechtspopulisten inszenieren sich als Underdogs

Rechtsextreme Populisten inszenieren sich auch gerne als Außenseiter, deren Standpunkt von den „liberalen“ Medien zensiert wird. Tatsächlich erhalten gerade sie eine weitaus größere Presseberichterstattung, als sie aufgrund ihrer Stimmenstärke verdienen würden. Deswegen trainieren sie ihre Anhänger, Social Media als Propaganda-Instrument zu nutzen. Ihre Propaganda in den sozialen Netzwerken dreht sich nicht nur darum, sich auf Parolen und Events der Partei zu fokussieren: Es bedeutet auch, zu wissen, wie man politische Gegner in sozialen Netzwerken diskreditieren kann – zum Beispiel durch „Trolling“ auf Twitter und durch Einschüchterung und Drohungen auf Social Media.

Identitäre und andere Rechtsextreme auf Social Media

Rechtsextreme Populisten sind nicht die einzigen Menschen am rechten Rand, die im Umgang mit Social Media versiert sind. Eine Reihe von Aktivisten, rechtsextreme Bewegungen, haben durch die Inszenierung von Aktionen, die live auf Facebook, YouTube, Instagram oder Twitter übertragen werden, eine hohe Bekanntheit erlangt: Die Identitären. Gerade diese haben durch virale, anti-migrantische und anti-muslimische Straßenaktionen Aufmerksamkeit bekommen.

Der Kopf der österreichischen Identitären ist auf YouTube äußerst erfolgreich. Videos mit klingenden Titeln wie „Der Flüchtlingspfarrer dealt mit Drogen!“ oder „Angriff auf Straches Ehre! – Die Identitären schlagen zurück!“ erreichen oft sogar über 100.000 Views.

Populisten und Rassisten sind technologisch versiert. Deshalb besteht die größte Herausforderung für Progressiven darin, eine europäische Agenda zur Regulierung von Social Media zu fördern. Damit Social Media nicht länger eine sichere Adresse für „hate speech“ ist.

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Metis Astraia
Metis Astraia
13. Oktober 2019 02:15

„Vor allem junge Menschen konsumieren weniger klassische Medien wie Print, TV und Radio und sind mehr auf Social Media zu finden. Folglich glauben sie eher, was sie auf Websites und Propaganda-Accounts lesen.“

Die zweite Behauptung und der behauptete Kausalzusammenhang benötigen definitiv eine Quellenangabe bzw. Link zur Studie. Oder wurde das nur mal eben so behauptet?

Dass „die größte Herausforderung für Progressiven“ in der „Regulierung“ von Social Media besteht, ist auch ein interessantes Statement.

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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