Spenden von Mindestsicherung abziehen: Hilfsorganisationen laufen Sturm

Eine Spende soll künftig von der Sozialhilfe abgezogen werden. Das sorgt für Empörung: Denn durch die Kürzungen bei der Mindestsicherung sind ihre Empfänger noch mehr auf Spenden angewiesen. Die großen Hilfsorganisationen des Landes kritisieren das Vorhaben der Regierung: „Das ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten“.

Wer Geld bekommt, soll um genau diesen Betrag weniger Sozialhilfe bekommen. Jede Untersützung, die von den Bundesländern nicht explizit unter den Ausnahmen angeführt ist, wird von der Sozialhilfe abgezogen.

Österreich gilt als Land der Spender: 60 Prozent der Österreicher spenden – im Durchschnitt 113 Euro im Jahr. Am häufigsten wird für Kinder gespendet. Diese Spenden könnten bald nicht mehr an die Betroffenen gehen, sondern direkt vom Staat einkassiert werden. Das hat unter den größten Hilfsorganisationen des Landes heftigen Protest ausgelöst.

Volkshilfe: Gegenseitiges Helfen wird bestraft

„Gegenseitiges Helfen wird bestraft, statt gefördert – das ist unmenschlich“, kritisiert die Volkshilfe in einer Stellungnahme. Es sei skandalös genug, dass die Regierung dem dritten Kind von Familien in Mindestsicherung nur noch 43 Euro zugesteht. Jetzt auch noch Spenden von der Sozialhilfe abzuziehen, sei unmenschlich.

„Einerseits vermittelt das das Bild, dass der Staat Spenden kassieren will, andererseits unterstreicht es die unsolidarische Wertehaltung der Regierung“, so die Volkshilfe.

Caritas fordert Abgeordnete auf: Sagen Sie Nein!

Die Caritas fordert die Abgeordneten aller Parteien im Parlament dazu auf, dem Beschluss der neuen Sozialhilfe nicht zuzustimmen: „Das ist eine Gewissensabstimmung, sagen Sie Nein zu diesen Kürzungen!“

Durch die geplanten Kürzungen sind Menschen noch mehr auf private Spenden angewiesen, um ihren Alltag bewältigen zu können. Doch die Bundesregierung will ihnen auch diese Hilfe verweigern.

„Spenden sind dazu da, um Menschen in Not zu helfen – und nicht, um der Regierung beim Sparen zu helfen“, kritisiert die Caritas.

Krebshilfe: „Das ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten“

Auch die Krebshilfe fordert von der Regierung, nicht in die Taschen der Spender und Spenderinnen zu greifen:

„Wir unterstützen KrebspatienInnen auch finanziell, wenn Sie durch die Erkrankung in finanzielle Not geraten sind und sonst in der Armut landen würden. Es ist an sich schon traurig, dass es Hilfe von privaten Organisationen wie uns braucht, aber sich als Staat an Spenden zu vergreifen, ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten!“

Wer Hilfe von Einzelnen oder Hilfsorganisationen bekommt, darf nicht noch weniger Sozialhilfe bekommen.

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