Hier können Sie die AI-generierte Audioversion dieses Artikels anhören.
Fünfzehn Minuten vor Donald Trumps Ankündigung von Gesprächen mit dem Iran handelten Unbekannte Öl-Futures (Termingeschäfte) im Wert von 580 Millionen Dollar. Die Vermutung liegt nahe, dass sie Insider-Wissen aus Trumps Umfeld dafür genutzt haben. Die zuständige US-Aufsichtsbehörde hat sich bisher nicht geäußert.
Donald Trump veröffentlichte am 23. März 2026 um 7.04 Uhr New Yorker Ortszeit auf Truth Social einen Beitrag über angeblich laufende Gespräche mit Iran. Der Ölpreis fiel daraufhin innerhalb von Minuten. Jener der US-Aktien-Index Dow Jones schoss in die Höhe.
Zwischen 6.49 und 6.50 Uhr, also rund eine Viertelstunde vor Trumps Post, wurden auf diese Kursveränderung insgesamt 6.200 sogenannte Future-Geschäfte abgeschlossen. Der Wert dieser Geschäfte: 580 Millionen US-Dollar.
Verdacht auf Insider-Öl-Geschäfte an der Börse
An den fünf vorangegangenen Handelstagen lag das durchschnittliche Volumen im selben Zeitfenster bei etwa 700 Geschäften. Am 23. März war es fast das Neunfache (!). Der auf Future-Geschäfte spezialisierte Anwalt Stephen Piepgrass erklärte dazu:
„Der massive Anstieg des Handelsvolumens unmittelbar vor dem Beitrag von Präsident Trump ist sicherlich auffällig genug, um Fragen aufzuwerfen, und meiner Meinung nach auch ausreichend, um eine Untersuchung darüber einzuleiten, was dahintersteckt.“
Was die Geschäfte auffällig macht, ist nicht allein ihr Volumen, sondern der Kontext. Am Abend des 21. März 2026 hatte Trump noch gedroht, die Kraftwerke des Irans zu zerstören, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden öffnen.
Iran dementierte angebliche Verhandlungen mit den USA – der Vorwurf: Trump verbreitet Fake News
Sein Post am Morgen des 23. März, in dem er von „produktiven Gesprächen“ sprach und das Ultimatum um fünf Tage verlängerte, kam für die Märkte überraschend. Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf bestritt noch am selben Tag, dass Verhandlungen stattgefunden hätten. Er schrieb auf X/Twitter, dass Trump “Fake News” verbreite, um Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren.

Nutzen Trump-Insider ihre Nähe zum US-Präsidenten, um im Krieg privat Millionen abzucashen?
Expert:innen für Finanzrecht schlagen Alarm: Die Annahme liegt nahe, dass einige Vertraute von Präsident Trump vorab von vermeintlichen Gesprächen zwischen dem Iran und der USA informiert wurden. Sie hätten diese Information genutzt, um durch Geschäfte auf den Finanzmärkten Millionen zu verdienen.
Auch der renommierte Ökonom Paul Krugman teilt diese Annahme:
„Die Geschichte wäre rätselhaft – gäbe es nicht eine naheliegende Erklärung: Jemand aus Trumps Umfeld wusste, was er vorhatte, und nutzte dieses Insiderwissen, um enorme, sofortige Gewinne zu erzielen.“
Das ist illegal, weil es den Markt manipuliert und andere Anleger benachteiligt, die diese Informationen nicht haben. Börsen sollen für alle nach den gleichen Regeln funktionieren – Insider Trading untergräbt genau dieses Prinzip.
Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, man dulde nicht, dass Regierungsbeamt:innen von Insiderwissen profitierten. Jede Andeutung ohne Belege, dass Beamte an solchen Aktivitäten beteiligt seien, wäre unbegründet und unverantwortlich.
Ähnliche Fälle seit Jahresbeginn
Die Öl-Futures sind nicht der einzige Fall auffällig getimter Wetten im Umfeld von Entscheidungen der US-Regierung. Auf der Wettplattform Polymarket erzielte ein einzelner Nutzer seit 2024 mit Dutzenden Iran-bezogenen Wetten eine Trefferquote von 93 Prozent und einen Gewinn von knapp einer Million Dollar, wie eine Analyse der Firma Bubblemaps ergab. Weitere Fälle betrafen Wetten auf die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Maduro und den Beginn der US-Angriffe auf Iran.
Die beiden demokratischen Politiker Chris Murphy und Greg Casar brachten Mitte März einen Gesetzentwurf ein, der Wetten auf Regierungshandeln, Krieg und Terrorismus auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi verbieten soll.
Die Commodity Futures Trading Commission, die für die Aufsicht von Future-Märkten zuständig ist, hat auf Presseanfragen zu den Öl-Futures bisher nicht reagiert.

Die leitende Ermittlerin der US-Börsenaufsicht SEC ist nach Berichten von Reuters Mitte März zurückgetreten, nachdem die Behördenspitze sie daran gehindert haben soll, Fälle mit Bezug zum Umfeld des Präsidenten weiterzuverfolgen. Wer hinter den Geschäften vom 23. März 2026 steht, ist weiterhin unbekannt.

































