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Palästina und die Geschichte der Palästinenser:innen

Zwei Frauen mit palästinensischer Flagge. Foto: unsplash/tristan-sosteric

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Lena Wanner Lena Wanner
in Internationales
Lesezeit:5 Minuten
11. März 2026
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Die palästinensischen Gebiete umfassen das Westjordanland (einschließlich Ostjerusalem) und den Gaza-Streifen. Ihre Gesamtfläche beträgt etwas mehr als 6.000 Quadratkilometer. Etwa 40 Prozent des Westjordanlands stehen unter palästinensischer ziviler Verwaltung, was der Fläche Vorarlbergs entspricht. Der restliche Teil des Gebiets ist unter israelischer Kontrolle. 2026 leben rund 5,5 Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser in diesen Gebieten, wobei die Bevölkerungsdichte insbesondere im Gaza-Streifen sehr hoch ist. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jung, palästinensisch-arabisch und muslimisch, wobei es auch kleinere christliche Minderheiten gibt.

Die humanitäre Lage, insbesondere im Gaza-Streifen, ist nach den letzten militärischen Eskalationen mit Israel extrem angespannt. Die Frage nach einem unabhängigen palästinensischen Staat und einem dauerhaften Frieden mit Israel bleibt bis heute ungelöst.

Das frühe Palästina

Das Gebiet, das seit 135 n. Chr. „Palästina“ genannt wird, liegt im östlichen Mittelmeerraum. Palästinas besondere Stellung in der Geschichte hat ihren Ursprung in seiner religiösen Bedeutung für die drei großen monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam.
Menschen bevölkern diesen Landstrich seit Tausenden von Jahren. Städte wie Gaza zählen zu den ältesten dauerhaft bewohnten Orten der Welt. Über Jahrhunderte wurde das Land von verschiedenen Reichen beherrscht, darunter die Römer, arabische Herrscher und später das Osmanische Reich.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das Osmanische Reich. 1917 übernahm Großbritannien die Kontrolle über Palästina. In dieser Phase begann sich unter der arabischen Bevölkerung allmählich ein palästinensisches Nationalbewusstsein herauszubilden – vor allem als Reaktion auf koloniale Herrschaft.
Im selben Jahr versprach Großbritannien mit der Balfour-Erklärung, ein „nationales Heim für das jüdische Volk“ zu unterstützen, obwohl Traditionen, Sitten und Sprache der arabischen Palästinenser die vorherrschende Kultur bildeten und Juden weniger als ein Zehntel der Bevölkerung ausmachten.

Einige Juden, ausgehend vom Zionistischen Weltkongress 1897, begründeten ihren Anspruch auf das Land mit ihrer religiösen und historischen Verbindung zu ihm sowie mit der langen Geschichte von Verfolgung, insbesondere in Europa. Das britische Versprechen in der Balfour-Erklärung, das den Kompetenzbereich des britischen Völkerrechtsmandats überschritt und ohne Zustimmung der lokalen Bevölkerung erfolgte, legte den Grundstein für den andauernden Konflikt.

Geschichte der Siedlungsgebiete Israel, Palästina. Grafik: kontrast.at
Geschichte der Siedlungsgebiete Israel, Palästina. Grafik: kontrast.at

Geschichte der Siedlungsgebiete Israel, Palästina. Grafik: kontrast.at

Der Beginn einer konfliktreichen Geschichte

Zwischen 1920 und 1947 stand Palästina unter britischem Mandat. In dieser Zeit wuchs sowohl die jüdische als auch die arabisch-palästinensische politische Mobilisierung. Vor allem jüdische Institutionen bildeten zunehmend staatliche Strukturen aus, während die palästinensische Nationalbewegung organisatorisch zersplittert blieb.
1947 beschlossen die Vereinten Nationen, das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Jerusalem sollte international verwaltet werden. Die arabisch-palästinensische Führung lehnte den Plan als ungerecht ab, da er vorsah, trotz arabischer Bevölkerungsmehrheit, den größeren Teil des Landes dem jüdischen Staat zuzusprechen.
Das änderte nichts daran, dass am 14. Mai 1948 der Staat Israel gegründet wurde, dem rund 56% der Landmasse zugeschrieben wurde. Bereits am nächsten Tag begann ein Krieg zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten – von Palästinenserinnen und Palästinensern als Nakba („Katastrophe“) bezeichnet. So wurden beispielsweise in Deir Jassin mehr als 100 Frauen und Kinder ermordet. Über 700.000, in etwa zwei Drittel aller Palästinenser:innen, wurden im Zuge dieses Krieges vertrieben oder flohen. Aus Sicht der Palästinenser:innen ist die Nakba als vorsätzlicher und systematischer Akt zu verstehen, der die Schaffung eines Staates mit jüdischer Mehrheit auf palästinensischem Boden zum Ziel hatte.
Die Nakba hatte den Zerfall der palästinensischen Gesellschaft zur Folge. Ihre politische Führung verlor Einfluss und Handlungsfähigkeit.

Und sie wirkt bis heute nach. Einerseits als psychisches Trauma, andererseits, da Israel den Geflüchteten die Rückkehr verweigerte und viele palästinensische Orte zerstört oder neu besiedelt wurden. Bereits 1948 forderten die Vereinten Nationen entweder ein Rückkehrrecht oder eine Entschädigung – beides ist bis heute kaum umgesetzt. Für die palästinensische Nationalbewegung wurde das Flüchtlingsschicksal in Folge zu einem zentralen identitätsstiftenden Element.

Die meisten arabischen Nachbarstaaten integrierten die Geflüchteten nicht dauerhaft. In Lagern im Libanon, in Jordanien und in Syrien entwickelte sich die Nationalbewegung weiter. Überwiegend im Exil, aber auch innerhalb der palästinensischen Gebiete, wie beispielsweise in Gaza.
So wurde 1964 die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gegründet, die erstmals den Anspruch erhob, das palästinensische Volk eigenständig politisch zu vertreten.

Vom zivilen Widerstand gegen die Besatzung zur gewaltbereiten Hamas

1967, als Folge des Sechstagekriegs, besetzte Israel das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gazastreifen. Diese Besatzung veränderte die palästinensische Nationalbewegung grundlegend: Der Fokus verlagerte sich von regionalen Kriegen hin zum Widerstand gegen Besatzung. Der Bau israelischer Siedlungen, insbesondere im Westjordanland, verstärkten den Konflikt weiter.

In den 1980er-Jahren gewann die Bewegung durch die Erste Intifada neue Dynamik. Ziviler Widerstand, Streiks und Proteste machten Palästinenser international sichtbarer. Daraus entstand Anfang der 1990er-Jahre ein politischer Kurswechsel: Die palästinensische Führung unter Jassir Arafat erkannte Israel an und setzte auf Verhandlungen.
1993 unterzeichneten Israel und die PLO die Oslo-Friedensabkommen. In ihrem Rahmen entstand die Palästinensische Autonomiebehörde. Die palästinensische Nationalbewegung wandelte sich damit von einer Befreiungsbewegung zu einer begrenzt handlungsfähigen Verwaltungsstruktur – ohne eigene Souveränität, ohne Kontrolle über Grenzen, Sicherheit oder Ressourcen.

Im Gazastreifen übernahm 2007 die islamistische Hamas die Macht. Sie organisiert Verwaltung, Bildung und Gesundheitssystem, wobei Verwaltungsstrukturen mit politischer Kontrolle und paramilitärischer Macht einhergehen. Das war entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte von Palästina.

Siedlungsgebiete Israel, Palästina. Grafik: kontrast.at
Siedlungsgebiete Israel, Palästina. Grafik: kontrast.at

Wiederkehrende Zyklen der Gewalt

Gleichzeitig ist die palästinensische Nationalbewegung politisch gespalten. Eine Spaltung, die ihre internationale Durchsetzungskraft bis heute erheblich schwächt.
Es folgten Jahre zyklischer Gewalt: Raketenangriffe und Anschläge der Hamas, israelische Militäroperationen sowie fortgesetzte Besatzung, Blockade und Siedlungsausbau.
Mit 2023 lebten etwas mehr als 2 Millionen Palästinenser:innen mit israelischem Pass innerhalb Israels. Sie machen rund 20% der israelischen Bevölkerung aus. Viele von ihnen sehen sich aufgrund ihrer Abstammung allerdings als „Bürger:innen zweiter Klasse“.
Das Westjordanland ist in Zonen aufgeteilt, große Teile stehen unter israelischer Kontrolle. Die palästinensische Bevölkerung leidet unter Bewegungsbeschränkungen, Landenteignung und diskriminierenden Gesetzen.
Der Gazastreifen wurde nach den Angriffen vom 7. Oktober 2023 und den folgenden israelischen Militäroperationen weitgehend zerstört. Neben dem Großteil an Genozidforscher:innen kam auch eine UN-Untersuchungskommission 2025 zum Schluss, dass Genozid vorliegt. Derzeit sind Strafverfahren zum Vorwurf des Völkermords am Internationalen Gerichtshof in Den Haag noch anhängig.

Humanitäre Lage: katastrophal

Die palästinensische Bevölkerung ist jung, politisch jedoch weitgehend machtlos. Wirtschaftliche Entwicklung wird durch Besatzung, Blockade und fehlende staatliche Strukturen verhindert. Viele Menschen sind auf internationale Hilfe angewiesen.
Inzwischen erkennen die meisten Staaten weltweit Palästina als Staat an. Trotz internationaler Anerkennung bleibt die neuere Geschichte Palästinas von Besatzung, Blockade und Abhängigkeit geprägt, was die Perspektive auf eine eigenständige Staatlichkeit weiter einschränkt.
Die grundlegende Frage ist, wie unter den aktuellen Bedingungen überhaupt ein lebensfähiger palästinensischer Staat entstehen kann.

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Johannes
Johannes
26. März 2026 13:19

Der Artikel bietet einen verständlichen Überblick, stellt die Geschichte jedoch in einer Weise dar, die stark auf die palästinensische Perspektive fokussiert ist und dabei zentrale historische Zusammenhänge verkürzt oder auslässt.
So wird etwa die lange jüdische Präsenz in der Region nur unzureichend berücksichtigt. Jüdische Gemeinschaften existierten dort seit der Antike, mit Phasen politischer Eigenständigkeit, etwa in den antiken Reichen Israel und Juda. Auch nach der Niederschlagung des Ersten Jüdischen Krieges und später des Bar-Kochba-Aufstands durch das Römische Reich blieb eine jüdische Bevölkerung in der Region bestehen, auch wenn viele Menschen vertrieben wurden oder abwanderten und sich eine Diaspora entwickelte.

Ebenso wird die Entstehung der jüdischen Einwanderung verkürzt dargestellt. Die jüdische Einwanderung in das Gebiet des damaligen britischen Mandats war nicht nur ein politisches Projekt, sondern auch eine Reaktion auf jahrhundertelange Verfolgung, insbesondere auf den Antisemitismus in Europa. Für viele Juden stellte sie die Rückkehr in ein historisch und religiös bedeutsames Land dar.

Auch die Ereignisse rund um die Staatsgründung Israels 1948 werden verkürzt dargestellt. Der Arabisch-Israelische Krieg begann im Kontext eines regionalen Konflikts, an dem mehrere arabische Staaten beteiligt waren. Für die jüdische Bevölkerung ging es dabei auch um das eigene Überleben. Gleichzeitig führte der Krieg zur Flucht und Vertreibung vieler Palästinenser. Die Ursachen dieser Flucht sind in der Forschung umstritten und umfassen verschiedene Faktoren wie Kriegshandlungen, Angst, lokale Vertreibungen und teilweise auch Aufrufe zur Evakuierung

Der Artikel erwähnt zudem kaum die Rolle regionaler Akteure und innerarabischer Dynamiken. Dazu gehören etwa die politischen Interessen der umliegenden Staaten oder auch die kontroverse Rolle von führenden Persönlichkeiten wie Mohammed Amin al-Husseini, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Nazis kooperierte.

Insgesamt vermittelt der Artikel ein einseitiges Bild, das vor allem ein palästinensisches Opfernarrativ betont. Eine ausgewogene Darstellung der Geschichte müsste stärker berücksichtigen, dass es sich um einen komplexen Konflikt mit konkurrierenden nationalen Bewegungen, gegenseitigen Bedrohungswahrnehmungen und historischen Traumata auf beiden Seiten handelt.
 

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Johannes
Johannes
Reply to  Johannes
26. März 2026 13:51

Auch die Grafik zu den israelischen Siedlungsgebiete ist nicht akkurat. Sie vermittelt den Eindruck eines kontinuierlichen Landverlusts der Palästinenser, indem sie vier Karten von 1946 bis heute nebeneinanderstellt. Sie vermischt jedoch unterschiedliche Kategorien wie Landbesitz, UN-Teilungspläne und militärische Kontrolle, wodurch historische Komplexität verloren geht. So wird suggeriert, Palästina sei ein einheitlicher Staat gewesen, der sukzessive „enteignet“ wurde, obwohl vor 1948 kein souveräner palästinensischer Staat existierte und die Kontrolle nach 1948 zwischen Israel, Jordanien und Ägypten aufgeteilt war.

1946, war das gesamte Gebiet britisches Mandatsgebiet. Was die Karte hier darstellt ist, das Land, das Jüdinnen und Juden gekauft und damit besessen haben. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass das andere Gebiet, den Palästinensern gehörte, wie hier aber behauptet wird.

Das was als die Situation von 1947 dargestellt wird, ist der UN-Teilungsplan vor der Staatsgründung Israels.

1948, was hier nicht gezeigt wird hat das Gebiet bereits der Abbildung von 1967 stark geähnelt, wobei die Golanhöhen noch nicht Israelisches Gebiet waren Gaza zu Ägypten und das Westjordanland zu Jordanien gehörte.

1967 waren die Palästinensischen Gebiete dann auch nicht frei, sondern von Israel erobert. Auch die eroberte Sinai Halbinsel, die später an Ägypten zurück gegeben wurde, wird auf der Karte nicht angezeigt.

Das heutige Gebiet ist keine Verkleinerung des Gebietes, dass die Palästinenser bewohnen, sondern das erste Gebiet, in dem die Palästinenser quasi souverän Regieren.

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher
Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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