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Der sozialdemokatische EU-Abgeordnete Pierre Larrouturou ist im Hungerstreik für Klima, Gesundheit und Arbeitsplätze

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Der sozialdemokatische EU-Abgeordnete Pierre Larrouturou ist im Hungerstreik für Klima, Gesundheit und Arbeitsplätze

Mariella Edinger Mariella Edinger
in Europa, Umwelt & Klima, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:4 Minuten
6. November 2020
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Mehr Geld für Klimaschutz, Gesundheit und Soziales? Der französische EU-Abgeordnete Pierre Larrouturou ist für eine Finanztansaktionssteuer in den Hungerstreik getreten. Über 50 Milliarden Euro jährlich an Einnahmen soll sie der EU bringen. Ein Entwurf der EU-Kommission liegt dazu vor, doch einige EU-Länder blockieren den Vorschlag.

Derzeit finden in Brüssel die letzten Verhandlungen über das EU-Budget statt. Dieses gilt dann für 7 Jahre. Es gibt nur einmal in 7 Jahren die Möglichkeit zu entscheiden, wofür die EU wie viel ausgibt. Die Chance möchte Pierre Larrouturou nicht verstreichen lassen. Der sozialdemokratische Abgeordnete macht auf drohende Kürzungen bei Klima und Gesundheit aufmerksam. Und dafür greift er zu einer drastischen Maßnahmen: dem Hungerstreik. Denn gerade in diesen Bereichen zu kürzen erscheint während der globalen Einschränkungen und Auswirkungen die wir durch Covid-19 erleben, absurd.

EU-Kommission EU-Budget EU-Abgeordneter Hungerstreik Finanztransaktionssteuer EU
Auf Twitter schrieb er, es sei obszön, dass es kein Geld für Gesundheit, Klima und Arbeitsplätze gebe, obwohl es den Finanzmärkten so gut gehe wie noch nie. „Um Druck auf Angela Merkel und Emmanuel Macron auszuüben, beginne ich mit einem Hungerstreik“, so Larrouturou.

Hungerstreik für Klima, Gesundheit und Arbeitsplätze

„Ich werde Tag und Nacht im Parlament bleiben, ohne zu essen, um diesen Skandal anzuprangern“, so Larrouturou. Der Franzose ist seit 2019 im EU-Parlament und gehört dort der Fraktion der Sozialdemokraten an. „Es ist Zeit, diejenigen zahlen zu lassen, die noch nie bezahlt haben“, so Larrouturou in einem Video.

EU-Kommission EU-Budget EU-Abgeordneter Hungerstreik Finanztransaktionssteuer EU

Denn wie viel die einzelnen EU-Länder in das EU-Budget einzahlen ist bereits fixiert, Kontrast.at hat berichtet. Da jedes Land möglichst wenig in den gemeinsamen Topf einzahlen möchte, ist das EU-Budget bescheiden: Im Durchschnitt nur ein fünfzigstel von dem was ein EU-Land ausgibt. Larrouturou schlägt nun eine alternative Einkommensquelle die Finanztransaktionssteuer für die EU vor.

Hungerstreik für „echte“ Finanztransaktionssteuer

Der Vorschlag ist aber keineswegs neu: Einen entsprechenden Entwurf gibt es bei der EU-Kommission aber bereits seit 2011. Er wird aber im Europäischen Rat, also von einigen Regierungschefs der EU-Länder, blockiert. Deswegen trat der EU-Abgeordnete Larrouturou am 28. Oktober in den Hungerstreik, als  unklar ist wie lange noch.

 „Wenn wir nur 0,1% Aktien und 0,01% Derivate und Anleihen besteuern würden, könnten wir jedes Jahr über €50 Milliarden einnehmen!“

Finanztransaktionssteuer schon lange Streitpunkt

Auf EU-Ebene wird bereits seit Jahren erfolglos über eine derartige Abgabe diskutiert. Entsprechende Vorschläge der EU-Kommission scheiterten. Derzeit gibt es nur noch eine Gruppe von zehn Ländern um Deutschland, die das Vorhaben konkret weiter verfolgen.

Bereits im September forderte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die EU-Kommission auf, die Finanztransaktionssteuer für mehr als die 10 Länder zu öffnen, die derzeit im Rahmen der verstärkten Zusammenarbeit darüber verhandeln. Jedes Land kann also entscheiden, ob es sich für diese Lösung einsetzen will. So könne Geld für das Covid-19 Konjunkturprogramm zurück gezahlt werden, ohne dass auch nur ein Euro mehr aus dem jeweiligen Staatshaushalt ausgegeben werden müsste.

Sogar die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) meinte, dass die Finanztransaktionssteuer Teil der Lösung zur Finanzierung des Aufschwungs sein müsste. So wird die Finanztransaktionssteuer auch als eine der Prioritäten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft genannt. Kontrast.at hat bereits berichtet. Entsprechende Vorschläge legte die EU-Kommission beriets 2011 vor.

ÖVP gegen den Vorschlag zur Finanztransaktionssteuer

Doch der Vorschlag, beim Kauf von Aktien großer Konzerne 0,1 oder sogar 0,2 Prozent des Geschäftswerts an Steuern zu fordern, stößt auf Kritik – auch aus Österreich.

EU-Kommission EU-Budget EU-Abgeordneter Hungerstreik Finanztransaktionssteuer EU
Wie ist dieser Satz von 0,0% für Finanzdienstleistungen zu erklären? Sind Aktien „noch lebensnotwendiger“ als Nahrungsmittel?

„Beim Kauf eines Telefons oder Computer, den Du derzeit benutzt, hast Du mindestens eine Mehrwertsteuer von 15,5% zu zahlen. Und selbst für Grundnahrungsmittel müssen selbst die Ärmsten und Bedürftigsten 5,5% Mehrwertsteuer abführen. Jeder muss 5,5% Mehrwertsteuer bezahlen, um zu den gemeinsamen Anstrengungen beizutragen. Aber für Diejenigen, die Aktien auf den Finanzmärkten kaufen, beträgt die Steuer derzeit 0,0%“, argumentiert Larrouturou.

Finanzwelt wurde in der Krise mit Steuergeld gerettet

Und das obwohl auch Finanzdienstleister in Krisenzeiten von staatlichen Hilfen profitiert haben. „Die EU-Mitgliedstaaten haben 4,6 Milliarden Euro zur Rettung des Finanzsektors während der Krise bereitgestellt“, erklärte die Europäische Kommission am 28. September 2011. Der Finanzsektor genießt aufgrund der Mehrwertsteuerbefreiung für Finanzdienstleistungen außerdem einen Steuervorteil von etwa 18 Milliarden Euro pro Jahr.

Eine neue Steuer auf den Finanzsektor würde also sicherstellen, dass die Finanzinstitute im Gegenzug nun auch zu den Kosten der wirtschaftlichen Erholung beitragen und risikoreichen Handel unterbinden. Selbst nach Brexit und während den Einschnitten durch Covid-19 könnte eine minimale Steuer auf der Grundlage dieser Richtlinie € 57 Mrd. pro Jahr erzielen. Das sind 10-mal mehr Einnahmen als durch die EU-Digitalsteuer.

Basierend auf dem Vorschlag der EU-Kommission aus dem Jahr 2011 könnte man:

  • €15 Milliarden nutzen, um das Covid-19-Konjunkturprogramm zurückzuzahlen, ohne einen Euro mehr aus den nationalen Haushalten zu nehmen und
  • außerdem jedes Jahr €35 Milliarden Euro in den grünen Übergang Europas investieren. Ein Kampf, den keines unserer Länder allein gewinnen kann, der für einen nachhaltigen Aufschwung sorgt und darauf beruht, den grünen und digitalen Übergang erfolgreich zu gestalten.

EU-Parlament muss Finanzierung noch absegnen

Das von den Staats- und Regierungschefs im Sommer beschlossene 750-Mrd.-Euro Covid-19 Konjunkturprogramm und das künftige EU-Budget bis 2027 müssen noch vom EU-Parlament abgesegnet werden. Doch die Abgeordneten fordern rund 39 Mrd. Euro zusätzlich – eine Blockade könnte den Covid-19 Konjunkturprogramm deshalb verzögern.

EU-Abgeordneter Hungerstreik EU-Budget EU-Kommission Finanztransaktionssteuer EU
Auch Greenpeace solidarisiert sich mit dem EU-Abeordneten vor dem EU-Parlament. Sie halten Plakate mit „Wir sind Pierre“ hoch – in Anlehnung an „Ich bin Charlie.“ Ein Slogan, der nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 entstand und die Solidarität mit den ermordeten Redaktionsmitgliedern zum Ausdruck bringen soll.

In einer Abstimmung Mitte Oktober forderten die EU-Abgeordneten neue Einnahmequellen, darunter eben auch die Finanztransaktionssteuer, die bis zu 57 Milliarden Euro pro Jahr einbringen würde.

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2 Comments
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rudolf
rudolf
18. Januar 2021 11:05

Und was ist mit unserem WASSER? Es darf nicht PRIVATISIERT werden!!
Wasser als Ware?Saturday, 16. January 2021 @ 09:04
Seit dem 7. Dezember 2020 wird an der Chicagoer Börse mit Wasser gehandelt ++ Der Gang von Wasser an die Börse ist das Ergebnis einer langen Reihe von Schritten, schreibt Riccardo Petrella in einem Artikel bei Pressenza, einer internationalen Presseagentur, die sich auf Nachrichten zu den Themen Frieden und Gewaltfreiheit spezialisiert hat.

Schon seit Jahrzehnten wird der Kampf um das Wasser geführt. In Bolivien löste die Privatisierung des Wassers und die anschließende Preiserhöhung in der Stadt Cochabamba im Jahr 2000 den „Wasserkrieg“ aus, der mit einem Sieg für die indigene Bevölkerung und der Rücknahme der Wasserprivatisierung endete (siehe der Film: „Und dann der Regen“). Im Juli 2010 haben die Vereinten Nationen den Zugang zu „sauberem Wasser“ in ihrer Resolution 64/292 zu einem Menschenrecht erklärt.

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Antworten
xx1xx
xx1xx
8. November 2020 19:30

Es überrascht nicht, dass sie eine Sozialdemokratin ist.

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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EU-Abgeordneter

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments sind die Abgeordneten aus allen EU-Ländern. Die deutsche Abkürzung lautet MdEP, die englische MEP. Sie wurden von den Bürgerinnen und Bürgern des jeweiligen Landes direkt ins EU-Parlament gewählt. Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU hat das EU-Parlament 705 MdEPs. Das Thema "Mitglieder des Europäischen Parlaments" im Parlament

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EU-Länder

Momentan gibt es in der EU 27 Mitgliedstaaten. EU-Länder sind: Belgien, Bulgarien, Rumänien, Tschechische Republik, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Slowenien, Slowakei, Finnland, Kroatien und Schweden. Großbritannien trat mit 31. Januar 2020 offiziell aus der EU aus. Das Thema "EU-Mitgliedsstaaten" im Parlament

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EU-Budget

Das EU-Budget ist die Summe der Beiträge, die alle EU-Länder leisten. 2017 betrug der EU-Haushalt knapp 2% der Summe der nationalen Haushalte (damals 28 Mitgliedsstaaten): Das waren 137 Milliarden Euro. Damit war das EU-Budget insgesamt kleiner als der nationale Haushalt von Österreich oder Belgien. Wird das EU-Budget demokratisch beschlossen? Ja – und zwar wie folgt: 1. Die Europäische Kommission legt zunächst den Entwurf eines Jahreshaushaltsplans vor. 2. Der Haushaltsentwurf muss von den nationalen Regierungen im Rat der EU und vom direkt gewählten Europäischen Parlament gebilligt werden. 3. Sowohl der Rat als auch das Parlament können Änderungen vorschlagen. Dann verhandelt man weiter um die endgültige Fassung. 4. Rat und Parlament billigen schließlich die endgültige Fassung. Wie viel trägt jeder und jede

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Der Europäische Rat

Auf einen Blick Rolle: Bestimmung der allgemeinen politischen Zielvorstellungen und Prioritäten der EU Mitglieder: Staats- und Regierungschefs der EU-Länder, Präsident des Europäischen Rates, Präsident der Europäischen Kommission Präsident: Charles Michel Gegründet: 1974 (informelles Forum), 1992 (offizieller Status), 2009 (offizielles EU-Organ) Standort: Brüssel (Belgien) Der Europäische Rat setzt sich aus des Regierungschefs der Mitgliedsstaaten zusammen. Somit ist die höchste Ebene der Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern. Außerdem sind der Ratspräsident und der Kommissionspräsident Mitglieder. Hier werden allgemeine Leitlinien beschlossen und Prioritäten gesetzt. Der Rat beschließt allerdings keine Gesetze! Dafür ist ausschließlich das Europäische Parlament zuständig. Der Rat kann eine Gesetzesbestimmung allerdings anregen. Inhaltlich beschäftigt sich der Europäische Rat mit der Außen- und Sicherheitsfragen und mit der Verteidigungspolitik der EU. Im Rat diskutieren

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EU-Ratsvorsitz

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union, kurz als EU-Ratspräsidentschaft oder auch Ratspräsidentschaft bezeichnet, wechselt alle 6 Monate in einer bestimmten Ordnung zwischen den EU-Ländern. Momentaner Vorsitz: Deutschland, 01. Juli – 31. Dezember 2020 Nächster Vorsitz: Portugal, 01. Januar – 30. Juni 2021 Aufgaben: Planung und Leitung der Tagungen des Rates; Vertretung des Rates gegenüber EU-Kommission und EU-Parlament; Wichtig dabei: Das Land, welches den Ratsvorsitz innehat, soll während dieser Zeit als neutraler Vermittler agieren und so helfen Kompromisse zwischen den EU-Ländern zu ermöglichen. Das Thema "EU-Ratspräsidentschaft" im Parlament

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Die Europäische Kommission

Auf einen Blick Aufgabe: Vorschläge für neue europäische Rechtsvorschriften und deren Durchsetzung. Setzt Strategien um und verwaltet das Budget. Mitglieder: Ein Team, „Kollegium“ genannt, bestehend aus je einem Kommissar je EU-Mitgliedsstaat Präsidentin: Ursula von der Leyen Gegründet: 1958 Standort: Brüssel (Belgien) Das Logo der Europäischen Kommission Die Europäische Kommission ist das unabhängige Leitungsorgan der EU. Ihre 27 Mitglieder, die Präsidentin und 26 Kommissarinnen und Kommissare, werden jeweils von den Regierungen der Mitgliedsstaaten ernannt. Das heißt also, dass jedes EU-Land einen Kommissar bzw. eine Kommissarin entsenden darf. Diese Kommissare schwören aber bei ihrer Angelobung, unabhängig und nur im Sinne der gesamten EU zu handeln. Die Europäische Kommission. Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung Derzeitige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Den Kommissaren steht

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Greenpeace

Greenpeace ist eine unabhängige, international agierende Umweltorganisation, die sich seit ihrer Gründung 1971 für den Schutz der Natur und des Klimas einsetzt. Ihr Ziel ist es, ökologische Zerstörung zu verhindern und eine nachhaltige Zukunft zu fördern. Dabei nutzt Greenpeace gewaltfreie Aktionen, Aufklärungsarbeit und Proteste, um Aufmerksamkeit auf Probleme wie den Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überfischung und den Schutz gefährdeter Arten zu lenken. Greenpeace finanziert sich ausschließlich durch Spenden, um politisch und wirtschaftlich unabhängig zu bleiben und ist heute in über 50 Ländern vertreten. Der zentrale Sitz der Organisation befindet sich in Amsterdam.

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