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Amazon-Beschäftigte streiken während der Aktionstage

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Amazon-Beschäftigte streiken während der Aktionstage

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Arbeit & Freizeit, Reichtum & Macht
Lesezeit:3 Minuten
16. Juli 2019
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Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. In den 2 Sekunden, in denen du das gelesen hast, hat Amazon-Chef Jeff Bezos 3.078 Dollar verdient. Wesentlich mehr als ein Versandmitarbeiter bei Amazon im Monat. Bezos ist der reichste Mensch der Welt. Auf der anderen Seite stehen die Mitarbeiter in den Versandlagern. Sie fordern höhere Löhne und treten am „Prime Day“ an sieben Standorten in Streik. Zu beklagen haben sie aber mehr als nur fehlendes Geld. Permanente Videoüberwachung und Leistungsdruck machen aus der Arbeit für den Versand-Riesen einen Knochenjob.

Es ist mit Sicherheit eines der modernsten Logistikzentren der Welt – schaut man nur auf die Technik. Doch was den Umgang mit den Mitarbeitern betrifft, orientiert sich Amazon dann doch an der Vergangenheit. In Deutschland (wo auch der österreichische Versandhandel abgewickelt wird) ist die Gewerkschaft im Dauerstreit mit dem Internethändler. Seit mittlerweile 6 Jahren verlangt sie, dass auch die Amazon-Mitarbeiter nach Kollektivvertrag der Branche bezahlt werden – auch mit Streiks. Andere große deutsche Versandhändler zahlen den Kollektivvertrag.

Die Rabatte an die Kundinnen und Kunden lasse sich Amazon „durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen“, beklagt Verdi-Handelsexperte Orhan Akman. „Damit muss Schluss sein.“ Das Unternehmen müsse endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen. Geld sei genug da: Amazon erzielte allein im ersten Quartal dieses Jahres nach eigenen Angaben weltweit einen Rekordgewinn von rund 3,2 Mrd. Euro.

Internationaler Aktionstag am „Prime Day“

Unter dem Namen „Prime Day“ hat Amazon sich seinen eigenen Einkaufs-Feiertag geschaffen. Über 1 Milliarde Dollar Umsatz wird erwartet. Manche Analysten bezweifeln, dass Amazon den logistischen Aufwand überhaupt bewältigen kann. Diesen Moment wollen die Mitarbeiter nutzen, um für bessere Arbeitsbedingungen und letztlich auch für ihre Gesundheit zu kämpfen. In Deutschland und den USA wollen den „Prime Day“ bestreiken.

Arbeiter an sieben deutschen Standorten haben angekündigt, nicht zur Arbeit zu erscheinen. In der Vergangenheit konnte der Internet-Gigant Streiks über andere Versandzentren abfedern, laut Gewerkschaft allerdings nur mit Mühe. Amazon hingegen kündigt an, die Lieferzeiten dank der nicht-streikenden Belegschaft einhalten zu können.

Auf Social Media unterstützen Nutzer die Streikforderungen und rufen zum Boykott auf.

Hey don’t forget to boycott amazon prime day till they learn to treat employees with respect!

— don’t awoo🍓👓🍙 (@ginchokeme) 15. Juli 2019

Seit Jahren Kritik an Großkonzern

Eine Undercover-Reportage des „Sunday Mirror“ im Vereinigten Königreich deckte katastrophale Zustände auf: Mitarbeiter arbeiten im Akkord. 300 Gegenstände müssen pro Stunde zusammengesucht werden. Das ist einer alle 12 Sekunden. Dabei werden die Beschäftigten ständig per Videokamera beobachtet. Wer nicht im „Takt“ ist, wird über einen Bildschirm ermahnt. Wer das Soll auf Dauer nicht schafft, fliegt raus. Die Mitarbeiter wechseln häufig und schnell.

Die Hallen sind so groß wie mehrere Fußballfelder. Es gibt es kein Tageslicht. Das beklagen auch die Kollegen in den USA und auch, dass es in den Hallen unerträglich heiß wird. Das dementiert Amazon zwar, rüstet aber Klimaanlagen nach – nach dem öffentlichen Aufschrei.

Amazon-Streik vs. reichster Mensch der Welt

Bild von Jeff Bezos zum Artikel über den Amazon-Streik
Jeff Bezos (Senior Master Sgt. Adrian Cadiz/CC BY 2.0)

Just am denselben Tag bringt es übrigens Jeff Bezos mit einer anderen Schlagzeile ebenfalls in die Nachrichten. Laut neuesten Schätzung ist er nun der reichste Mensch der Welt. Sein privates Vermögen wird auf 150 Mrd. Dollar geschätzt, und stellt damit das Bruttoinlandsprodukt von 134 Ländern in den Schatten. Oder andersrum: nur 58 Länder, haben einen höheres BIP als Bezos privates Vermögen.

Während du diesen Artikel gelesen hast, hat Jeff Bezos übrigens 277.020 Dollar gemacht.

 

 

 

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6 Comments
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Elisabeth Kiralny
Elisabeth Kiralny
29. August 2019 12:43

Ganz ehrlich: 1400€ netto für einen Job, für den man keine Ausbildung braucht, findet man zumindest in Ö nicht! Auch habe ich schon eine Doku über Amazon gesehen, wo eine langjährige Mitarbeiterin 1800€ als Pickerin verdiente. Na gut, Überwachung usw. ist nicht ok, aber über diesen Lohn muss nicht gejammert werden. Ich verdiene als Wissenschaftlerin an der Uni mittlerweile weniger als die ungelernte Putzfrau!

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Jürgen Fischler
Jürgen Fischler
1. August 2019 17:38

Ich hab generell eine Frage dazu. Wenn man diese Riesenkonzerne besteuert muss man anscheinend mit Sonder-bzw. Strafzölle rechnen. Was macht man bei so etwas? Siehe Frankreich…

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mi
mi
17. Juli 2019 07:54

Beim lokalen Handel darf bzw durfte man betteln wenn etwas nicht funktioniert hat OBWOHL gesetzlich alles eindeutig ist, das ist die Rechnung dafür. Außerdem ist das Sortiment oft lächerlich einseitig und tendenziell ausgewählt. Billiges Klumpert oder sehr teuer. Gutes zu mittlerem Preis gibt’s oft nicht.

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Antworten
xx1xx
xx1xx
25. Juli 2018 18:40

Amazon ist reich geworden, weil der Fachhandel versagt. Zu wenig und falsche Angebote, passend oft nur mehr für eine immer älter werdende Käuferschicht.
Der österreichische Handel hat keine e-Shops, weil er dachte er kann dadurch den Handel kontrollieren. Oft fehlt dazu die Ausbildung.
Zudem ist der Konsumentenschutz bei Amazon besser. Ein nicht unwesentlicher Kaufgrund gegenüber österreichischen Fachhändlern, die sich einen Sport daraus gemacht haben, Konsumentenrechte mit Füßen zu treten.

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Antworten
Kruemel250
Kruemel250
17. Juli 2018 21:22

Dann machen sie einen Vorschlag, wie man das anders ändern könnte, es sei denn mit einem gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn in Höhe des Kollektivvertrags der anderen Versandhändler?

3
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Konjunktiv
Konjunktiv
17. Juli 2018 17:48

Streiks sind vollkommen sinnlos geworden. Es gibt genug Leiharbeitsfirmen, die sich vor Freude die Hände reiben wenn das Stammpersonal mit „Kampfmaßnahmen“ antanzt.
Die Streikenden werden schön entlassen und durch noch billigeres Personal ersetzt, das es dann nicht wagt den Mund aufzumachen. So einfach ist das.
Wann werden Menschen endlich verstehen, dass man der Schlange den Kopf abschlagen und nicht ihrem Schwanz hinterherjagen muss…

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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