Symbolbild: Jeff Bezos Reichtum
Amazon Gründer ist reichster Mann der Welt

Jeff Bezos‘ 150 Milliarden Dollar Vermögen ist ein Versagen der Politik

150 Milliarden Dollar ist Amazon-Chef Jeff Bezos schwer. Fleiß oder Einfallsreichtum reichen nicht aus, um auf einem 12-stelligen Konto zu sitzen. Vielmehr waren es Steuertricks, Ausbeutung und ein unfaires Steuersystem, die ihn zum reichsten Mann der Welt machten. Und eine Politik, die all das zulässt.

Der Amazon Gründer Jeff Bezos ist reich. Wie reich kann man sich nur schwer vorstellen. Sein Vermögen macht 150 Milliarden Dollar aus. Damit ist er der reichste Mensch der Welt und besitzt 50 % mehr als Bill Gates, doppelt so viel wie Mark Zuckerberg und wahrscheinlich 100 Mal mehr als Donald Trump. Er müsste täglich 28 Millionen ausgeben – nur um nicht reicher zu werden.

Aggressives Geschäftsmodell

Anfangs wollte Jeff Bezos seinen Online-Shop Relentless nennen. Freunde rieten ihm davon ab – da der Name soviel wie „unbarmherzig, „unerbittlich und „gnadenlos“ bedeutet. Schließlich entschied sich Bezos für Amazon. Doch der ursprüngliche Name ist bis heute Programm: Amazon setzt seit Beginn auf eine aggressive Niedrigpreis-Strategie. So erzielte der Online-Shop von Jahr zu Jahr neue Umsatzrekorde, aber schrieb dabei gleichzeitig rote Zahlen.

Jeff Bezos verdient 4,4 Mrd Dollar pro Stunde.

Mit Krediten finanzierte der ehemalige Hedgefonds-Manager Bezos nicht nur die günstigen Preise im Online-Shop, sondern baute weitere Geschäftsfelder für Amazon auf. So öffnete Bezos seine Logistik- und Online-Shop-Strukturen für Dritthändler, die seither ihr Business auf der Amazon-Plattform betreiben können. Dort liefern sie sich untereinander eine permanente Preisschlacht. Kann Amazon einmal nicht den günstigsten Preis anbieten, verdient es durch die Gebühren der Dritthändler dennoch mit. Mittlerweile tritt der Konzern bei populären Produkten mit Eigenmarken auch als Hersteller auf und baut seine Dominanz im Online-Shopping-Bereich aus.

Trotz dieser Dominanz würde Amazon im Shopping-Bereich rote Zahlen schreiben, wären da nicht noch weitere Sparten wie der Amazon Cloud-Service. Der Amazon Web Service ist derzeit das profitabelste Segment des Konzerns und erzielt Milliarden-Gewinne. Amazon vermietet weltweit IT-Infrastruktur und lässt dabei Konkurrenten wie Microsoft, Google oder IBM hinter sich. Webseiten wie Netflix, Spotify oder Reddit haben ihre Webinfrastruktur teilweise auf Amazons Server ausgelagert.

Amazon zahlt kaum Steuern

Jeff Bezos

Jeff Bezos (Seattle City Council/CC BY 2.0)

Der Internetriese Amazon bezahlt kaum Steuern – und Jeff Bezos als einer der wichtigsten Aktionäre profitiert davon. Amazon machte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 5,6 Milliarden Dollar, überwies aber keinen Cent Steuern in den USA. Auch lokale Steuern umgeht der Internetriese. Er setzt die Städte unter Druck und fordert Steuernachlässe – ansonsten droht der Konzern mit Abwanderung und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Damit schafft Amazon zwischen den Städten einen Steuerwettbewerb nach unten.

Darüber hinaus bedient sich der Onlinehändler verschiedener Steuertricks. So verkleinert Amazon etwa seine Gewinne künstlich anhand von Tochtergesellschaften, die hohe Gebühren für die Nutzung von Patenten und Markenrechten verrechnen und so die Gewinne schmälern.

Ausbeutung der Beschäftigten

Amazon spart aber nicht nur bei den Steuern, sondern auch bei den Gehältern. In Arizona zahlt Amazon z.B. so schlecht, dass ein Drittel seiner Mitarbeiter von Essensmarken abhängig ist. Die Lohnkosten drücken sie durch verschiedene Methoden. So werden in einem Werk in Winsen an der Luhe in Deutschland die Mitarbeiter mittels eines Tracking Armbandes kontrolliert. Der Konzern zeichnet jeden Griff, jeden Fehler und jede Klopause auf. Wer zu wenig leistet, riskiert seinen Job. Damit werden die Mitarbeiter direkt mit ihren Kollegen vergleichbar – Kollegen werden zu beinharten Konkurrenten. Und das wirkt sich auf die Löhne aus.

Knebelverträge

Außerdem haben gerade in den USA viele Amazon Mitarbeiter Knebelverträge, die es ihnen bis zu 18 Monate lang verbieten, in einem vergleichbaren Unternehmen zu arbeiten. Eigentlich eine Klausel, die für Manager geschaffen wurde. Das erhöht die Abhängigkeit der Beschäftigten vom Konzern und drückt somit weiter das Lohnniveau – nicht nur bei Amazon selbst, sondern in ganzen Regionen. So konnte eine Studie des Economist feststellen, dass der Durchschnittslohn von Lagerarbeitern in Bezirken mit Amazon-Zentren innerhalb von 2,5 Jahren um 3 % sinkt.

Steuersystem bevorzugt Milliardäre wie Jeff Bezos

Der Konzern von Jeff Bezos erhöht also seine Gewinne durch das Drücken von Löhnen und zahlt auf diese Gewinne kaum Steuern. Aber nicht genug – das Geld des Multimilliardärs selbst wird auch geringer besteuert. Denn das US-amerikanische, sowie auch das österreichische Steuersystem bevorzugt Einkünfte aus Vermögen. Würde Bezos sein Geld durch Arbeit verdienen, müsste er in den USA 37 % Steuern darauf bezahlen (in Österreich ca. 55 %). Da er sein Geld aber durch die Erträge aus seinem Kapital erhält, bezahlt er nur 20 % Kapitalertragssteuer (in Österreich wären es 25 %). Damit zahlt der reichste Mann der Welt relativ gesehen weniger Steuern als sein Reinigungspersonal.

 

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Jeff Bezos‘ 150 Milliarden Dollar Vermögen ist ein Versagen der Politik
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6 Kommentare

6 Kommentare

  1. Plusquamperfekt

    31. August 2018 um 10:06

    Naja, was soll man dazu sagen. Reich werden kann jeder, nur eben nicht alle…
    Das funktioniert nur im Kapitalismus.
    Er könnte mit einem Schlag das Gesundheits- Arbeitslosen- Unfall- und Pensionssystem eines mittleren Landes vollständig sanieren. Aber wieso sollte er das tun, er hat ja so schwer für seine 150Milliarden gearbeitet. All diese Überstunden, was für eine Übermensch…
    Er muss schon in der Trias mit dem Arbeiten begonnen haben.

  2. BARBARA KOLM

    27. August 2018 um 12:32

    ist ganz bestimmt anderer Meinung: ganz anderer!

    • Es muss der Nieder-

      27. August 2018 um 12:34

      gang verheerend sein, bevor die Jugend begreift, sich in den eigenen Arsch getreten zu haben.

  3. E…

    24. August 2018 um 18:12

    … Er müsste täglich 28 Millionen ausgeben – nur um nicht reicher zu werden …
    https://www.youtube.com/watch?v=aJfV_aMaqRM&feature=youtu.be&t=4581

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