Israel ist ein Staat im Nahen Osten, an der östlichen Mittelmeerküste gelegen, mit einer Fläche von etwa 22.000 Quadratkilometern. Auf dieser Fläche leben rund 9,7 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In der Schweiz leben ebenso viele Menschen auf der doppelten Fläche. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jüdisch (ca. 74 %), etwa 21 % sind arabische Israelis, darunter überwiegend Muslime, aber auch Christen und Drusen. Die Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch, wobei die Israelis im Alltag vor allem Hebräisch sprechen. Die bekanntesten Städte sind Tel Aviv und Jerusalem. Während Jerusalem sowohl von Israel als auch von den Palästinensern als Hauptstadt betrachtet wird, ist dieser Status international umstritten. Heute ist Israel ein technologisch fortschrittlicher und wirtschaftlich stabiler Staat, der sich trotz geopolitischer Spannungen und des anhaltenden Konflikts mit den Palästinensern als regionaler Akteur etablieren konnte. Gleichzeitig sorgen Israels militärische Interventionen und Angriffe in seiner Nachbarschaft immer wieder weltweit für heftige Kritik.
Frühe Geschichte und Diaspora
Um 1.000 vor Christus wurde Jerusalem zu einem zentralen religiösen Ort des Judentums. Im Jahr 70 nach Christus zerstörten die Römer einen Tempel in Jerusalem, der ein religiöses Zentrum für Jüdinnen und Juden war. Es war ein Akt politischer Repression und diente der Machtdemonstration. Dieses Ereignis markiert einen tiefen Einschnitt: Viele Jüdinnen und Juden verließen das Land oder wurden vertrieben und lebten fortan in der sogenannten Diaspora. Hier beginnt ihre lange Geschichte von Unterdrückung, Entrechtung und Verfolgung.
In den darauffolgenden Jahrhunderten gehörte das Gebiet zu wechselnden Herrschaften. Musliminnen und Muslime, Christinnen und Christen sowie Jüdinnen und Juden lebten dort meist als Minderheiten nebeneinander, jedoch selten gleichberechtigt. Ende des 19. Jahrhunderts begann eine neue Welle der Unterdrückung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden in Europa Als Reaktion darauf entstand die zionistische Bewegung, die auf dem Zionistischen Weltkongress 1897 in Basel die Idee eines eigenen jüdischen Staates formulierte. Dieser eigene Staat sollte Schutz und Sicherheit bieten.
Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert
Zionismus und Flucht: Die Suche nach Schutz und Staatlichkeit
Bereits ab etwa 1880 wanderten Jüdinnen und Juden in das Gebiet des heutigen Israels ein, das damals noch zum Osmanischen Reich gehörte. Die Einwanderung nach Palästina war weniger eine religiöse Rückkehr als eine Flucht vor Gewalt und Entrechtung im russischen Zarenreich. Jener Ort, wo Ende des 19. Jahrhunderts der Großteil der jüdischen Menschen angesiedelt war. Auch die Vereinigten Staaten entwickelten sich in dieser Zeit zum Zufluchtsort, vor allem für Jüd:innen aus Frankreich, Deutschland und Teilen des Habsburgerreiches. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wanderten auch viele osteuropäische Jüdinnen und Juden in die USA ein.
Um die Jahrhundertwende lebten etwa 20.000 jüdische Menschen auf der Landfläche Palästinas, welche damals zum osmanischen Reich gehörte. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Großbritannien die Kontrolle über das Land und versprach 1917 in der Balfour Declaration, die Gründung einer jüdischen Heimstätte auf dem Gebiet Palästinas zu unterstützen.
Gleichzeitig war mit rund 90 Prozent die Mehrheit der dort lebenden Bevölkerung arabisch. Auch diese Menschen wollten ihren Anspruch auf Palästina geltend machen. In den 1920er- und 1930er-Jahren flüchteten aufgrund von Verfolgung und Entrechtung in der Diaspora vermehrt Juden in die Region und die Bevölkerung wuchs stark an.
Mitte des 20. Jahrhunderts:
Britisches Mandat und wachsende Spannungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoa, wo über sechs Millionen Jüdinnen und Juden in Europa ermordet wurden, wuchs der Wunsch von Jüd:innen nach einem Staat, in dem sie ihr „Schicksal“ selbst in der Hand haben. So stieg auch der internationale Druck, einen sicheren jüdischen Staat zu schaffen.
1947 schlug die UNO vor, das damalige Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Zu diesem Zeitpunkt war etwa ein Drittel der Bevölkerung jüdisch, viele von ihnen Überlebende der Shoah. Die britischen Mandatsmächte hatten die Einwanderung dieser Menschen nach Palästina zunächst stark eingeschränkt. Dies führte zu Spannungen und illegaler Migration. Schon in den Jahren zuvor war es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Gruppen gekommen, auch mit den britischen Mandatsbehörden.
Die arabische Seite, weiterhin die kulturell und zahlenmäßig dominante Mehrheit auf dem Gebiet, lehnte den UNO-Teilungsplan ab.
Damit war die Ausweitung des Konflikts vorprogrammiert.
Staatsgründung und Kriege: Israel, Palästina und die Folgen von 1948
m 14. Mai 1948 erklärte Israel seine staatliche Unabhängigkeit. Darauf folgte ein Krieg zwischen dem neu gegründeten Staat Israel und mehreren arabischen Nachbarstaaten. Für Palästinenser:innen und in der arabischen Welt sind die Ereignisse von 1947/1948 bis heute untrennbar mit der Nakba („Katastrophe“) verbunden: Gemeint sind Vertreibung und Flucht von mehr als 700.000 Palästinenser:innen.
1967 eroberte Israel im Sechstagekrieg das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gazastreifen. 1973 griffen Ägypten und Syrien Israel am jüdischen Feiertag Jom Kippur an, um verlorene Gebiete zurückzuerobern. Im Zentrum standen dabei vor allem der Sinai und die Golanhöhen. Der Sinai wurde später im Zuge des Camp-David-Abkommens an Ägypten zurückgegeben, die Golanhöhen hingegen stehen bis heute unter israelischer Kontrolle und gelten völkerrechtlich als besetzt.
Der sich immer weiter fortsetzende Bau israelischer Siedlungen ist teilweise völkerrechtswidrig und international stark umstritten, da Palistinänser:innen von ihrem Siedlungsgebiet verdrängt werden. Zudem ist die palästinensische Bevölkerung neben diesen Enteignungen auch zunehmender Gewalt durch jüdische Siedler:innen ausgesetzt.
In den 1990er-Jahren gab es erneut Hoffnung auf Frieden. 1993 unterzeichneten Israel und die palästinensische Führung das Oslo-Friedensabkommen. Als 1995 der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin ermordet wurde, brach der Friedensprozess zusammen.
Seither wechseln sich Phasen relativer Ruhe und erneuter Gewalt ab. Mit regelmäßigen Terroranschlägen von Seiten palästinensischer Terrororganisationen in Israel und militärischen Einsätzen in den palästinensischen Gebieten. Weiterhin herrschen Unterdrückung, Schikanen und Gewalt gegenüber der arabischen Bevölkerung im Westjordanland und im Gazastreifen. Es ist bereits seit 2021, dass der Internationale Strafgerichtshof den Vorwurf der Apartheid prüft.
Gegenwart: Sicherheit, Demokratie und der ungelöste Konflikt
Heute ist Israel ein moderner Staat mit starker Wirtschaft, bedeutender Tech-Branche und hochgerüstetem Militär. Das Bedürfnis nach Sicherheit prägt Politik und Alltag. Gleichzeitig stehen demokratische Grundprinzipien zunehmend unter Druck: Die Gesellschaft ist tief polarisiert, kritische Medien geraten unter Druck und die Unabhängigkeit der Justiz wurde massiv angegriffen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu führt eine äußerst rechte Regierungskoalition, in der auch radikal-nationalistische und teils rechtsextreme Kräfte großen Einfluss haben. Gegen Netanyahu erließ der Internationale Strafgerichtshof im November 2024 einen Haftbefehl. Seine Politik stellt Sicherheit und militärische Härte ins Zentrum, während demokratische Standards weiter erodieren. Mehrere führende Politiker aus Netanyahus Regierungsumfeld sind zudem durch extrem entmenschlichende und gewaltbefürwortende Aussagen über Palästinenser aufgefallen.
Während der Großteil der jüdischen Menschen weltweit in Israel eine Heimat gefunden hat (47 %), leben heute auch rund 40 % in den USA, das weltweit die größte jüdische Diaspora beherbergt.
Am 7. Oktober 2023 wurde seitens der Hamas das größte antisemitische Massaker seit dem Holocaust begangen. Rund 1.200 Menschen – überwiegend israelische Zivilistinnen und Zivilisten – wurden getötet und zahlreiche Geiseln verschleppt. Diese Taten haben auf israelischer Seite eine tiefe Retraumatisierung ausgelöst.
Die anschließende militärische Offensive der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen hatte zehntausende Tote zur Folge. Die Zahlen schwanken stark, manche Quellen sprechen von über 200.000 Toten, wobei die Hälfte Frauen und Kinder sind. Hinzu kommt die fast vollständige Zerstörung der zivilen Infrastruktur und eine unvergleichliche humanitäre Katastrophe. Bis heute lässt Israel keine unabhängige Berichterstattung durch westliche Medien im Gazastreifen zu.
Die Menschen in Israel leben in ständiger Angst vor Raketenangriffen, Geiselnahmen und Terrorakten. Eine dauerhafte politische Lösung, die Sicherheit, Rechte und Staatlichkeit für alle garantiert, ist derzeit nicht in Sicht, und der Zyklus aus Gewalt, Unterdrückung und humanitären Katastrophen droht sich weiter fortzusetzen.
































