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Kantige Opposition kann Systemumbau verhindern

Welche Rolle spielt die soziale Frage für unsere Gesellschaft?

Nikolaus Kowall Nikolaus Kowall
in Niki Kowall redet Tacheles
Lesezeit:3 Minuten
20. Dezember 2017
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Die von der Regierung geplanten Maßnahmen sind unsympathisch, stellen aber keinen Bruch mit dem Sozialmodell der 2. Republik dar. Umso mehr gilt es für jenen Tag X vorbereitet zu sein, an dem Schwarz-Blau diesen Umbau in Angriff nimmt. Bis dahin hat die Sozialdemokratie Zeit an Glaubwürdigkeit zuzulegen. 

Die Agenda Austria ist unzufrieden mit dem Regierungsprogramm der schwarz-blauen Neuauflage. Der Think Tank ist sowas wie der Gralshüter des verblassenden Marktliberalismus, eine „Denkfabrik der Millionäre“ (Kurier). Moment, worüber soll sich so eine solche Einrichtung beschweren? Ermöglichen Kurz und Strache nicht gerade den 12-Stunden-Arbeitstag, verschärfen die Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose und führen Steuerfreibeträge für Besserverdienende ein, die als Familienförderung getarnt werden? Wieso sind die ultraliberalen VorkämpferInnen also unzufrieden mit der Regierung?

Der Grund dafür ist einfach. Die beschlossenen Maßnahmen leiten nicht den von einschlägiger Seite ersehnten Systemwechsel in Österreich ein. Die Regierung plant schikanöse Verschärfungen für AsylbewerberInnen, ebenso Studiengebühren und mehr Zugangsregeln an den Unis. Ja, in vielen gesellschaftlichen Bereichen sind rückschrittliche und gewissenlose Maßnahmen geplant. Doch aktuell zeichnet sich noch kein prinzipieller Bruch mit dem Wirtschafts- und Sozialmodell der 2. Republik ab.

Einige Punkte könnte man sich durchaus auch in einem rot-schwarzen Regierungsprogramm vorstellen. Im Gegenzug hätte die SPÖ der ÖVP womöglich eine Wertschöpfungsabgabe oder mehr Spielräume bei den Modellregionen für die Gesamtschule abgeluchst. Solche sozialdemokratischen Akzente fehlen natürlich, dennoch stellt das Regierungsprogramm keinen Generalangriff auf den Sozialstaat dar, wie z.B. im Zuge der „Agenda 2010“ vor 15 Jahren in Deutschland. Damals wurden die Steuern für Besserverdienende und Unternehmen deutlich gesenkt, der Arbeitsmarkt dereguliert (wovon Hartz IV nur ein Baustein war) sowie das Rentensystem teilprivatisiert. Das hat den Charakter des deutschen Sozialmodells trotz gewisser Korrekturen bis heute nachhaltig verändert. In Österreich hält sich Schwarz-Blau vorerst bedeckt mit welchen Einsparungen die 12-14 Mrd. Euro Steuerreform gegenfinanziert werden soll.

Die kleinen Brötchen, die hier gebacken werden, sind in Anbetracht der klaren Mehrheit und der weitreichenden Wahlprogramme von ÖVP und FPÖ etwas überraschend.

Es ist zu vermuten, dass es keine prinzipiellen, sondern vielmehr taktische Motive sind, die die Regierung vorerst zur Mäßigung anhalten.

Einige Landtagswahlen stehen vor der Türe und man möchte der Arbeitnehmerbewegung (ÖGB, AK, SPÖ) nicht schon zu Beginn unnötig Rückenwind verleihen. Das Kalkül besteht darin, die Regierung erstmal zu konsolidieren und möglicherweise auf einen Schub an Popularität durch harte Maßnahmen in den Bereichen Migration und Asyl zu spekulieren. Der Bruch mit dem österreichischen Sozialmodell, der in den Wahlprogrammen beider Parteien eindeutig als Ziel definiert wurde, dürfte erst in ein bis zwei Jahren in Angriff genommen werden.

Die gute Nachricht ist, dass sich Kurz und Strache vor der Arbeitnehmerbewegung genug fürchten, um die großen wirtschafts- und sozialpolitischen Auseinandersetzungen zu vertagen. Gerade für die FPÖ wäre es besonders bitter, wenn die SPÖ durch eine kantige Oppositionspolitik innerhalb der zahlenmäßig sehr bedeutsamen rot-blauen „Kampfzone“ wieder Punkte sammeln könnte. Aufgehoben ist aber nicht aufgeschoben. Entscheidend wird sein, dass die gesamte Arbeitnehmerbewegung am Tag X so viel Vertrauen bei der Bevölkerung genießt, dass FPÖVP vor Angst gelähmt sein werden und den Systemumbau auf immer verschieben. Das Ziel ist aus sozialdemokratischer Perspektive einfach: Schwarz-Blau darf bis zur nächsten Wahl keine irreparablen Schäden verursachen.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Arbeitnehmerbewegung, und hier vor allem SPÖ, deutlich an Glaubwürdigkeit und Vertrauen zulegen. Dafür ist es nötig, bezüglich der sozialen Frage eine klare Orientierung zu erlangen. Ist die SPÖ die Partei, die primär mit der schicken Start-up-Szene assoziiert wird oder eher mit den weniger glamourösen Handelsangestellten? Ist die SPÖ die Partei die mit Trudeau (Kanada) und Macron (Frankreich) die wirtschaftliche Globalisierung begrüßt, oder jene Partei die den Freihandel sozial und ökologisch regulieren und negative Auswirkungen für die Beschäftigten verhindern möchte? Ist die SPÖ die Partei, die vom liberalen Medienmainstream, von der EU-Kommission und von smarten Unternehmertypen gelobt werden möchte, oder jene Partei, die bei KleinverdienerInnen und MindestpensionistInnen das höchste Vertrauen genießt?

Über diese Fragen muss rasch ein intensiver Diskussionsprozess beginnen. Wenn die SPÖ ihre Oppositionsrolle klug anlegt, ein authentisches Profil entwickelt und die soziale Frage in den Mittelpunkt stellt, sind ÖVP und FPÖ aus nackter Angst zur Handlungsunfähigkeit verdammt. So, aber nur so, könnte die schwarz-blaue Neuauflage verhältnismäßig glimpflich vorüberziehen.

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Robert Reitbauer
Robert Reitbauer
22. Dezember 2017 13:04

Mit diesen rückständigen Ideen, die SPÖ ins linkslinke Eck zu manövrieren, würden wir uns auf Dauer davon verabschieden, in Österreich gestalten zu können.

Wer gegen die Globalisierung hetzt und Startups, smarte Unternehmer und die EU diskreditiert und die Pensionisten als Haupt-Zielgruppe feiert, sollte ins 70er-Jahre-Museum kommen. Wenn die SPÖ gestalten will, dann muss sie eine gesellschaftlich und wirtschaftlich moderne Partei mit smarten Ideen sein.

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Klaus Eisenberger
Klaus Eisenberger
20. Dezember 2017 17:38

Valerian – völlig richtig. Nur nicht in die marktschreierische Vorgangsweise der „abgewählten“ Opposition verfallen. BITTE zu jedem Blödsinn der Türkisblauen einen tragbaren und fundierten Gegenvorschlag machen. Ein Großteil aller Intellektuellen steht links. BITTE einbinden.

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H. W. Valerian
H. W. Valerian
20. Dezember 2017 10:00

Spricht mir aus der Seele. Ausgezeichnet! Es kommt darauf an, nicht kleinliche Nein,Nein,Nein-Opposition zu betreiben, sondern ein alternatives Modell zu entwickeln. Ich hoffe, die SPÖ entsinnt sich auch ihrer intellektuellen Ressourcen.

Weiter so!

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Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres

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