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Rechtsextreme Studenten hofieren Demokratie-Gegner Curtis Yarvin in Wien

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Curtis Yarvin Matrix

Quelle: AI-Montage; Bild: David Merfield, CC0, via Wikimedia Commons

Michael Thaler Michael Thaler
in Rechtsextremismus
Lesezeit:6 Minuten
17. Februar 2026
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Der US-amerikanische Blogger und Softwareentwickler Curtis Yarvin soll am 21. Februar in Wien auftreten und über den angeblichen “Kulturkampf” in den USA sprechen. Eingeladen hat ihn die „Aktion 451“, ein Ableger aus dem Umfeld der rechtsextremen Identitären-Bewegung – die wiederum der FPÖ nahesteht. Der Veranstaltungsort: Die „Albert Hall“ in der Wiener Albertgasse. Yarvin gilt weltweit als einflussreicher Ideologe für Rechtsextreme und als Vordenker für die Tech-Milliardäre des Silicon Valley. Er tritt offen für die Abschaffung der Demokratie ein und möchte stattdessen eine zentralisierte Herrschaft nach dem Vorbild eines Konzerns – geführt von einem „kompetenten“ Mann (CEO) an der Spitze. 

Über die Identitären-Bewegung hat Yarvin ein Netzwerk bis nach Wien

Der US-Amerikaner Curtis Yarvin gilt seit Jahren als einer der bekanntesten Ideengeber für rechtsextreme Strömungen. Dass ihn jetzt die “Aktion 451” – eine den Identitären nahestehende Gruppe – nach Österreich einlädt, zeigt, wie eng die extreme Rechte mittlerweile weltweit vernetzt ist. 

Martin Sellner, langjährige Führungsfigur der Identitären, schwärmte bereits 2020 in einem Blog über die demokratiefeindlichen Ideen Yarvins. Die „Aktion 451“ gilt als Tarnorganisation der Identitären Bewegung Österreichs und ist vor allem im studentischen Bereich aktiv. Ziel der Gruppe ist die ideologische Schulung, die Rekrutierung neuer Mitglieder sowie der Aufbau von Einfluss an Universitäten. Für sie sind Hochschulen ein politisches Kampffeld, auf dem sie gegen eine angeblich linke Vorherrschaft in Lehre und Forschung ankämpfen wollen.

In sozialen Netzwerken wird Yarvin als prägender Denker der US-Rechten beworben. Dort heißt es, US-Vizepräsident J. D. Vance liest seine Texte. Auch Peter Thiel, Freund und Geschäftspartner von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, gilt als politischer Förderer und ideologischer Weggefährte von Yarvin sowie als finanzkräftiger Unterstützer des (neofaschistischen) Rechtsrucks in den USA.

Curtis Yarvin in Wien
Einladung der „Aktion451“ – Quelle: Screenshot “Aktion451” Instagram

Vom Blogger zum Vordenker für Rechtsextreme weltweit

Yarvin wurde ab 2007 unter dem Pseudonym „Mencius Moldbug“ bekannt. In seinem Blog „Unqualified Reservations“ wettert er seit Jahren gegen demokratische Strukturen, vor allem in den USA. So meint er, dass Wahlen und die Gewaltenteilung ineffizient wären und zu politischem Stillstand führen würden. 

Der selbsternannte Monarchist hat etwa in einem Blogbeitrag erklärt, „die Demokratie hassen“ gelernt zu haben. Er tritt zudem für die Herrschaft durch einen starken Führer, etwa aus der Tech-Branche, ein. Eine Regierungsform, die man auch Silicon-Valley-Diktatur nennen könnte. 

Silicon Monarchy: Curtis Yarvins Plan für ein Königreich USA

Yarvin spricht offen davon, dass er gewählte Regierungen für überholt hält und eine Monarchie bevorzugt. Laut seinem Modell soll ein Staat wie ein Unternehmen geführt werden. An der Spitze steht ein „CEO“, ausgestattet mit weitreichender Entscheidungsgewalt. 

Ein demokratisches Mitspracherecht und politische Teilhabe der Menschen sieht Yarvin hingegen als Hindernis. Kontrolle und Machtteilung sind für ihn Bremsklötze eines Systems, das seiner Ansicht nach längst von einer oligarchischen Elite (Herrschaft weniger Mächtiger) beherrscht wird.

Als erstrebenswerte staatliche Modelle sieht er China und die USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt. Roosevelt hat besonders während des Zweiten Weltkriegs die Macht im Weißen Haus konzentriert und die Gewaltenteilung („Checks and Balances“) weitgehend ausgehebelt. Das “Manhattan Project”, das zur Entwicklung der Atombombe führte, ist für Yarvin eines der erfolgreichsten Wissenschaftsprojekte aller Zeiten.

Alles Gute, betont er, wurde ohnehin von “Monarchien” geschaffen, beispielsweise Smartphones. Die Entwicklung komplexer technologischer Produkte sei nur möglich, weil jedes Unternehmen von oben nach unten geführt wird. 

Yarvins Plan alle “Staats-Beamten” zu entlassen als Vorbild für “Musk-Behörde” DOGE

Bereits vor über einem Jahrzehnt entwarf Yarvin unter dem Schlagwort „RAGE“ – „Retire All Government Employees“ – einen Plan, in dem er vorschlug, alle Regierungsangestellten zu entlassen: Der neue Herrscher soll den Staatsapparat in kürzester Zeit entkernen, Beamte entlassen und die Macht zentralisieren. Er sprach offen von einer Notstandsregierung und hält es für legitim, sich über Gerichte hinwegzusetzen. 

Der Plan erinnert an die ersten Monate nach der zweiten Amtseinführung von Donald Trump. Dieser unterstellte dem Tech-Milliardär Elon Musk eine mittlerweile aufgelöste Behörde (DOGE-Department of Government Efficiency), welche angeblich die Regierungseffizienz und -produktivität erhöhen sowie staatliche IT-Systeme modernisieren sollte.

Innerhalb weniger Monate entließ DOGE rund 200.000 Bundesbedienstete, kürzte Ausgaben und verschaffte sich Zugriff auf sensible Daten. Als in einzelnen Behörden der Stillstand drohte und ein Gericht die Kündigungen anzweifelte, mussten schließlich etliche der zuvor Entlassenen wieder zurückgeholt werden. Ende 2025 wurde DOGE bereits vorzeitig aufgelöst, und viele seiner Funktionen wurden von anderen Bundesbehörden übernommen.

Auch Yarvin scheint von der Umsetzung durch Musk und DOGE nicht begeistert gewesen zu sein, so bezeichnete er Doge als ein „Orchester von Schimpansen, das versucht, Wagner aufzuführen“.

Von der Matrix bis zur „Cathedral“ – wie rechte Ideologen mit Verschwörungstheorien Macht erklären

Rechtsextreme Akteure nutzen Populärkultur gezielt, um ihre Ideologie niedrigschwellig zu verbreiten und insbesondere junge Menschen anzusprechen. So greift auch Yarvin auf die „Red-Pill“-Metapher aus dem Film Matrix zurück. Wer die rote Pille schluckt, erkennt laut Yarvin, dass die USA keine echte Demokratie seien, sondern eine Oligarchie.

Zentrales Feindbild ist für Yarvin die sogenannte „Kathedrale“. Damit meint er ein Netzwerk aus Leitmedien, Eliteuniversitäten und kulturellen Institutionen, das angeblich ein progressives Weltbild durchsetzt und politische Alternativen delegitimiert. Ein aufgeblähter Staatsapparat würde in den Händen von Bürokraten liegen, die unabhängig vom gewählten Präsidenten agieren. Wahlen würden wenig ändern, weil der „Deep State“ trotzdem weiterbesteht.

Matrix
Generiert mit ChatGPT

Yarvin übernahm den vom britischen Philosophen Nick Land geprägten Begriff des „Dark Enlightenment“ („dunkle Aufklärung“) für ein konservatives, antidemokratisches Denken. Die „dunkle Aufklärung“ wurde so zum Schlagwort für seine Idee, die Prinzipien der liberalen Demokratie nicht zu reformieren, sondern grundlegend zu verwerfen. Stattdessen bräuchte es eine zentrale Führung durch eine einzelne Person, also die von Yarvin gewünschte Monarchie mit starken diktatorischen Strukturen und einem CEO an der Spitze.

Von Althusser bis Gramsci: Linke Theorien werden missbraucht

Yarvin beruft sich in seiner “politischen Philosophie” auch auf marxistische Theoretiker wie Louis Althusser und Antonio Gramsci. Dabei interessiert er sich nicht für deren politisches Ziel, die Überwindung der kapitalistischen Herrschaft und Emanzipation der Menschen, sondern für ihre Machtanalyse. Gramsci war ein italienischer Marxist der 1920er-Jahre. Er erklärte, dass politische Herrschaft nicht nur durch Polizei und Gesetze gesichert wird, sondern vor allem durch Zustimmung (Hegemonie). Wenn große Teile der Bevölkerung die bestehende Ordnung als „normal“ und legitim ansehen, bleibt sie stabil. Diese Zustimmung entsteht vor allem dort, wo Weltanschauungen geprägt werden: in Medien, Bildung und Kultur. 

Althusser, ein französischer Philosoph, argumentierte ähnlich: Der Staat stabilisiere sich nicht nur durch Zwang, sondern durch sogenannte „ideologische Staatsapparate“ wie Schulen, Kirchen oder Medien. Dort lernen Menschen, was als “normal” gilt, welche Regeln sie akzeptieren sollen und welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen. So sorgen diese Institutionen dafür, dass die bestehenden Macht- und Eigentumsverhältnisse immer wieder neu bestätigt und weitergeführt (reproduziert) werden.

Yarvin greift diese Analyse auf und dreht sie um. Während Gramsci und Althusser erklärten, wie kapitalistische Macht funktioniert, um sie zu überwinden, nutzt Yarvin ihre Denkfiguren, um eine autoritäre Gegenstrategie zu entwerfen und die liberale Demokratie zu destabilisieren. 

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Sánchez lehnt Rassismus klar ab: Vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich hat sich der ehemalige spanische Ministerpräsent Mariano Rajoy unpassend und rassistisch geäußert. Rajoy meinte, Frankreich hätte ein starkes Team, „allerdings ohne Franzosen“. Der amtierende Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte die Aussage seines Vorgängers. Entscheidend sind für ihn weder Hautfarbe, Nachname oder der Geburtsort, sondern ob man sich in einem Land zu Hause und sich mit ihm verbunden fühlt und etwas beiträgt. Schieflagen im Fußball gibt es sicher genug, aber wie die Spielenden aussehen, sollte kein Kriterium sein. Zitat: Es gibt Menschen, die Zugehörigkeit immer noch am Nachnamen, am Geburtsort oder an der Hautfarbe messen. Andere messen sie an der Verbundenheit mit einem Land und dem Willen, zu ihm beizutragen. Pedro Sánchez
Sánchez lehnt Rassismus klar ab: Vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich hat sich der ehemalige spanische Ministerpräsent Mariano Rajoy unpassend und rassistisch geäußert. Rajoy meinte, Frankreich hätte ein starkes Team, „allerdings ohne Franzosen“. Der amtierende Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte die Aussage seines Vorgängers. Entscheidend sind für ihn weder Hautfarbe, Nachname oder der Geburtsort, sondern ob man sich in einem Land zu Hause und sich mit ihm verbunden fühlt und etwas beiträgt. Schieflagen im Fußball gibt es sicher genug, aber wie die Spielenden aussehen, sollte kein Kriterium sein. Zitat: Es gibt Menschen, die Zugehörigkeit immer noch am Nachnamen, am Geburtsort oder an der Hautfarbe messen. Andere messen sie an der Verbundenheit mit einem Land und dem Willen, zu ihm beizutragen. Pedro Sánchez

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