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„Ohne Gleichberechtigung geht das nicht.“ – Patrice Fuchs über die Herausforderung als Unternehmerin

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
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Lesezeit:3 Minuten
19. September 2017
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Patrice Fuchs über die Herausforderung als Unternehmerin.

(Transkript)

Schlechtes Gewissen

Ich glaube das ewige Thema ist das schlechte Gewissen. Wohl auch unter Vätern, aber sehr stark bei den Frauen. Junge Frauen wollen nicht so leben wie ihre Mütter, die meistens Hausfrauen waren, haben aber ein extrem schlechtes Gewissen, wenn sie ihren eigenen Weg gehen und selber auch Geld verdienen wollen. Es hilft, kommt mir vor, fast nicht, wenn man ihnen Studien zeigt, die belegen, dass es nicht nur für sie selbst, sondern auch für die Kinder besser ist, wenn sie arbeiten gehen und, dass Kindergärten super sind für Kinder. Irgendwie ist das so stark in einem implementiert, das Vorbild der eigenen Eltern, dass man da emotional schwer raus kommt. Das ist ein großes Thema.

Volkswirtschaftlich positiv

In Niederösterreich kenne ich einige sozialdemokratische Bürgermeisterinnen, die extrem gekämpft haben dafür, dass Kindergärten überhaupt eingerichtet werden. Und sobald man einen aufmacht, ist der auch schon voll. Also der Bedarf ist ja da und volkswirtschaftlich ist es auch nur positiv. Je mehr Menschen arbeiten, desto mehr zahlen Steuern, es wird in der Umgebung Dienstleistung hinzugekauft, das belebt ja sofort den gesamten Raum.

Alles bleibt statisch

Wer Eltern hat, die nicht studiert haben, wird höchstwahrscheinlich selber auch nicht studieren. Wer Eltern hat, die Unternehmer oder Unternehmerinnen waren, wird selber auch diesen Weg gehen. Dadurch bleibt alles relativ statisch und wenn man etwas Neues probieren möchte, ist es recht schwierig in den Markt hineinzukommen. Es sind nicht nur viele Unternehmen über lange Jahrzehnte gleich statisch, sondern auch die KäuferInnen sind relativ statisch und versuchen nicht so gern etwas Neues. Man bleibt bei dem Lebenskonzept, bei dem die Eltern auch schon waren.

Selbstständige und innovative Frauen

So wie’s ich jetzt sehe, ist es so, dass sehr viele Unternehmerinnen, die anfangen, etwas Neues zu erschaffen, irrsinnig viel arbeiten und eigentlich sozusagen gegen eine Wand kämpfen, die sehr beständig ist und die im Vorteil ist und die schon länger da ist. Auch wenn man sich sehr anstrengt, bekommt man eigentlich nicht das raus, was man verdient hätte. Das ist sozusagen kein guter Nährboden für eine Wirtschaft, die innovativ sein sollte und weiterrollen sollte.

Ich kenne eigentlich mehr Frauen, die sich selbstständig machen, als Männer. Das heißt, ich glaube, dass Frau zu sein, Unternehmerin zu sein, eigentlich stark im Kommen ist. Ich glaube, dass einerseits die Wirtschaftslage, also die neuen Wirtschaftsbereiche sehr frauenlastig sind und Frauen sich fast leichter tun dort hineinzukommen, als Männer. Da geht’s viel um Kommunikation, um Kreativität und das trauen sich Frauen vielleicht ein bisschen mehr zu, als Männer und es macht ihnen auch Spaß. Auf der anderen Seite denken sie, dass es damit vereinbarer wäre, Kinder zu haben. Man kann sich die Zeit selber einteilen. Ohne Gleichberechtigung geht das nicht.

Männer in die Verantwortung nehmen

Ich werde auch richtig böse, wenn ich sehe, dass Männer sich da rausstehlen aus der Verantwortung. Ich werde aber auch böse auf Frauen, die Männer nicht in die Verantwortung holen. Es müssen einfach beide ihren Verpflichtungen nachgehen. Und das sowohl, wenn es um Arztbesuche geht, um Pflegeurlaub. Ich sehe überhaupt nicht ein, warum Männer nicht in Pflegeurlaub gehen. Wenn ich immer in Pflegeurlaub gegangen wäre, und nicht mir das geteilt hätte mit den Vätern meiner Kinder, dann hätte ich einfach viele Dinge nicht geschafft. Das funktioniert so nicht. Ich kann mich nicht, wenn ich Verantwortung habe und Lohnabhängige habe, die ich erhalten muss, bis in die Nacht hinein um den Geschirrspüler kümmern. Das geht nicht.

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Bertolt Brecht war einer der einflussreichsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Mit Stücken wie „Mutter Courage“ oder „Der gute Mensch von Sezuan“ erfand er das Theater neu – politisch, unbequem, klug. Statt Illusion setzte er auf Verfremdung, damit das Publikum nicht mitfühlt, sondern mitdenkt. Brecht wollte nicht unterhalten, sondern verändern – und machte das Theater zur Bühne für Gesellschaftskritik. Zitat: Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher! Bertolt Brecht

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