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„Die notwendigste Arbeit wird am schlechtesten bezahlt“: Ökonomin Mader über die Beschäftigten in der Pflege

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
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25. Februar 2020
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Im gesamten Sozialbereich sind die Einkommen sehr niedrig. Vor allem in der Pflege arbeiten viele Teilzeit, da sie sonst den herausfordenden Beruf nicht meistern könnten. Aus Teilzeit und schlechter Bezahlung werden Löhne, die kaum zum Leben reichen. Rund ein Drittel der Beschäftigten verdient unter der Schwelle zur Armutsgefährdung. Und es sind zu 70 Prozent Frauen, die diese Berufe machen. Die Ökonomin Katharina Mader erklärt, was eine 35-Stunden-Woche bringen würde.

2.800 Euro netto nach 36 Dienstjahren – das ist der höchste Lohn, der in der Branche Pflege und Sozialberufe laut Kollektivvertrag vorgesehen ist – in der höchsten Verwendungsgruppe. Die allermeisten Beschäftigten in der Branche verdienen weit darunter und arbeiten häufig auch nicht Vollzeit. Das Ergebnis sind Einkommen, die oft nicht zum Leben reichen – und keine Wertschätzung vermitteln. Die Ökonomin Katharina Mader hat sich mit Pflege und Sorgearbeit beschäftigt und meint:

Unsere Kinder werden von diesen Menschen betreut, unsere Eltern und Großeltern von ihnen gepflegt und auch wir werden einmal auf sie angewiesen sein. Schon allein aus einem ganz persönlichen Interesse sollten wir darauf schauen, dass sie bessere Arbeitsbedingungen haben und dass die Arbeit qualitätsvoll ist.

Kontrast: Wieso sind die aktuellen Streiks im Pflege- und Sozialbereich so wichtig?

Mader: Weil sie zeigen, wie ungleich wir Arbeit bewerten. Dass wir Schwerarbeit etwa immer nur nach körperlicher Belastung bewerten, aber nicht nach psychischer. Und die Streiks zeigen auch, was es bedeutet, in einem typischen Frauenberuf zu arbeiten – und dort eine Forderung wie die der 35-Stunden-Woche aufzustellen. Wenn das die Metaller wären, wäre das schon durch.

Die Pflege- und Sozialarbeit ist aber schlechter bewertet, wie fast alle Arbeiten, die aus der Haus- und Familienarbeit abgeleitet sind – und in der viele Frauen arbeiten. Die werden alle schlecht bezahlt. Aber eine Pflegerin, die mehrmals am Tag einen 80kg schweren Mann hebt, hat eine ähnlich schwere Arbeit wie Männer in der Schwerindustrie. Frauen müssen sich nicht an den Hochofen stellen, um besser zu verdienen. Man muss einfach Frauenarbeit besser bewerten.

Wichtig ist, sichtbar zu machen, dass Frauen ähnlich schwere Arbeit machen wie Männer – auch wenn es nicht die gleiche Arbeit ist, so ist sie doch gleichwertig.

Kontrast: Wieso wird dann eine Arbeitszeitverkürzung gefordert und nicht eine Lohnerhöhung?

Mader: Spannend ist, dass es ihre einzige Forderung ist. Das zeigt auch, wie wichtig ihnen diese eine Forderung ist. Das kommt daher, dass die Belastung in der Pflege und der Sozialarbeit so groß ist. Vollzeit ist dort so gut wir gar nicht möglich, die meisten arbeiten Teilzeit oder reduzieren Stunden. Und deshalb können die Beschäftigten dort nur existenzsichernde Löhne haben, wenn die Arbeitszeit verkürzt wird – bei vollem Lohn. Denn die Verkürzung der Arbeitszeit ist ja vor allem eine kräftige Lohnerhöhung für die Teilzeit-Beschäftigten.

Kontrast: Wie kann die Pflege und Sorgearbeit mehr Wertschätzung erfahren?

Mader: Es ist schon beachtlich, dass wir gerade die Arbeiten so schlecht wertgeschätzt werden, die am notwendigsten für das Überleben unserer Gesellschaft und ihren Zusammenhalt sind. Da will man nicht sehen, dass das sehr schwere Arbeit ist. Und dass man dazu gute Ausbildungen braucht – und Zeit zum Reflektieren und Verarbeiten. Und das müssen wir ändern, auch weil wir alle Mal von Pflege und Sorgearbeit abhängig sein werden – wir selbst, unsere Kinder, unsere älteren Angehören. Schon allein aus einem ganz persönlichen Interesse sollte man darauf schauen, dass die Leute gute Arbeitsbedingungen haben und Zeit und Kraft für qualitätsvolle Arbeit haben.

35 Stunden in der Pflege und Sozialwirtschaft

Rund 125.000 Beschäftigte der privaten Pflege- und Sozialbranche kämpfen aktuell für eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden. Es geht um Beschäftigte in der Krankenpflege, der Altenpflege, der Betreuung von Menschen mit Behinderungen und der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern. 70 Prozent in der Branche sind Frauen, 70 Prozent der Beschätigten arbeiten Teilzeit. Die Verkürzung der Arbeitszeit würde für Teilzeit-Beschäftigte ein Lohnplus von 8,6 Prozent bedeuten.

Parlament Das Thema "Arbeitszeitverkürzung" im Parlament

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Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka

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Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka
Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka

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