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Erfolgsmodell Island: kürzere Arbeitszeiten und 5 Prozent Wirtschaftswachstum

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Erfolgsmodell Island: kürzere Arbeitszeiten und 5 Prozent Wirtschaftswachstum

Lena Krainz Lena Krainz
in 4-Tage-Woche, Good News
Lesezeit:4 Minuten
29. Oktober 2024
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Island gilt seit einigen Jahren als Vorreiter bei der Einführung verschiedener Modelle zur Arbeitszeitverkürzung. Darunter die 4-Tage-Woche. Eine neue Studie bestätigt jetzt: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn macht die Beschäftigten glücklicher, gesünder und produktiver – und rechnet sich auch wirtschaftlich. Denn die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit ist mit 3,4 Prozent geringer als im EU-Durchschnitt. Allein 2023 betrug Islands Wirtschaftswachstum 5 Prozent. 

Erfolgsmodell Island: 5 Prozent Wirtschaftswachstum trotz Arbeitszeitverkürzung

Island ist seit einigen Jahren Vorreiter bei der Einführung und dem Test verschiedener Modelle zur Arbeitszeitverkürzung. Eine neue Studie des britischen Autonomy Institute und der isländischen Association for Sustainability and Democracy (Alda) zeigt nun: Es hat sich gelohnt. Denn 80 Prozent der Beschäftigten mit verkürzter Arbeitszeit – durchschnittlich 35 Stunden pro Woche – sind mit dem neuen Modell zufrieden. Mehr als 60 Prozent geben an, dass sich ihr Privatleben verbessert hat und sie sich mental und physisch erholter fühlen.

„Die Studie zeigt eine echte Erfolgsgeschichte: Kürzere Arbeitszeiten sind in Island mittlerweile weit verbreitet und die Wirtschaft ist über eine Vielzahl an Indikatoren hinweg stark.“, so Guðmunmdur D. Haraldsson, einer der Studienautoren, gegenüber der Tageszeitung Die Presse.

Trotz der positiven Bilanz besteht in der Privatwirtschaft noch Nachholbedarf. Denn hier profitieren nur 42 % der Beschäftigten von einer Verkürzung der Arbeitszeit. Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst sind es 71 Prozent.

Auch die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit ist mit 3,4 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Allein 2023 betrug das Wirtschaftswachstum laut Internationalem Währungsfonds fünf Prozent. Das ist eine der höchsten Wachstumsraten der EU. Laut den Autor:innen der Studie lässt sich auch eine Steigerung der Produktivität nachweisen. Damit widerlegen sie erneut die Kritik der Arbeitgeberseite.

Ein Prozent aller isländischen Beschäftigten hat kürzer gearbeitet

Auf Druck der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft haben der Stadtrat von Reykjavík und die isländische Regierung 2015 das weltweit größte Experiment zur Arbeitszeitverkürzung gestartet. Vier Jahre lang haben 2.500 Beschäftigte aus über 100 Unternehmen statt 40 im Schnitt nur 35 oder 36 Stunden gearbeitet. All das bei vollem Lohn. Der Versuch war so erfolgreich, dass nun generell die Arbeitszeitregelungen geändert wurden.

Der Versuch umfasste über ein Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung Islands und unterschiedliche Berufsgruppen. Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen waren genauso Teil des Versuchs wie Krankenhäuser, Schulen, Servicezentren oder Büros in der Stadtverwaltung. Das betraf klassische Nine-to-Five-Jobs, aber auch Schichtarbeit. Nach wissenschaftlicher Begleitung und zweijähriger Auswertung der Ergebnisse ist überdeutlich, dass eine generelle Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist. 

„Die kürzere Arbeitswoche in Island zeigt uns, dass es in der heutigen Zeit nicht nur möglich ist, weniger zu arbeiten, sondern auch progressive Veränderungen möglich sind“, erklärt Gudmundur Haraldsson, Forscher des britischen Think Tanks Alda (Autonomie und Vereinigung für nachhaltige Demokratie).

4-Tage-Woche macht glücklicher, gesünder und produktiver

Es zeigte sich, dass die Beschäftigten mit kürzerer Arbeitszeit weniger Stress erlebten und das Risiko für ein Burn-out abnahm. Sie fühlten sich glücklicher, hatten mehr Zeit für Erholung, Familie, Haushalt, Hobbies oder Sport. Gleichzeitig nahm weder Produktivität noch Qualität ab. Im Gegenteil: In vielen Fällen wurde schneller die gleiche oder sogar eine bessere Leistung erbracht.

island 4 tage woche
Die Unternehmerlobby ist gegen Arbeitszeitverkürzung – doch ihre Behauptungen halten der Realität nicht stand.

Zurückgeführt wird das insbesondere darauf, dass die Beschäftigten effizienter und konzentrierter arbeiteten. Gekostet hat das der Stadtverwaltung und der Regierung deshalb finanziell nicht mehr – die Versuche blieben kostenneutral.

„Die Studie zeigt, dass der weltweit größte Versuch einer Arbeitszeitverkürzung im öffentlichen Dienst ein überwältigender Erfolg war. Sie zeigt, dass der öffentliche Sektor ein Vorreiter bei kürzeren Arbeitswochen sein kann – und Lehren für andere Regierungen gezogen werden können“, resümiert Will Stronge, Forschungsdirektor bei Autonomy, einem Think Tank, der den Island-Prozess untersucht hat.

Island als Vorbild für andere Länder

Erst im Frühling hat Spanien einen landesweiten Versuch der 4-Tage-Woche angekündigt, bei dem bis zu 6.000 Beschäftigte über einen Zeitraum von drei Jahren teilnehmen werden. Damit wird die Liste jener Länder und Unternehmen immer länger, die mit kürzerer Arbeitszeit experimentieren. Auch in Neuseeland oder in Osttirol berichten Firmen von ihren Erfolgsgeschichten.

In Island gibt es schon jetzt deutliche Auswirkungen der Studie. Seit dem Ende des Versuchs haben einige Gewerkschaften die Arbeitszeit neu verhandelt. 86 Prozent aller Beschäftigten haben nun kürzere Arbeitszeiten oder zumindest die Möglichkeit dazu.  

„Eine kürzere Arbeitswoche ist die Zukunft, es gibt kein Zurück“, so eine Teilnehmerin der Studie.

Dieser Artikel wurde am 6. Juli 2021 veröffentlicht und am 29.10.2024 aktualisiert.

Parlament Das Thema "Arbeitszeitverkürzung" im Parlament

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3 Comments
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30. Oktober 2024 02:29

Erfolgsmodell Deutschland, Österreich … und der Zwang vonseiten der FirmenFührer, ups, die Steuern noch weiter abzusenken, was absoooolut blööööde Politiker auch noch machen, so saudumm wie sie sind.

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0
Antworten
rudolf
rudolf
8. Juli 2021 08:39

Auch bei uns wäre eine AZV, auf 30 Wochenstunden, möglich, mit einen Netto-Gehalt von 17.50€ pro Stunde!!Dort wo es diesen LOHN noch nicht gibt!!Bitte, jetzt und nicht erst 2023, da ist das Geld schon wieder weniger WERT!!

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Antworten
rudolf
rudolf
7. Juli 2021 08:10

Und wooooo bleibt die Partei mit dem ÖGB?
Um das durchzusetzen braucht es KAMPFESMUT! Das hben die Beiden leider NICHT!!

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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