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Jeder Fünfte in der Schuldnerberatung unter 30: Mit Klarna & Co. stolpern junge Menschen in die Schuldenfalle

Frau sitzt am Tisch und hält sich mit genervtem Gesichtsausdruck den Kopf, vor ihr liegen Rechnungen und Papierkram. Logos von Klarna und PayPal

Foto: Pexels , Klarna, Paypal

Karina Stuhlpfarrer Karina Stuhlpfarrer
in Digitales Leben & Web, Gesellschaft
Lesezeit:5 Minuten
5. November 2025
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Immer mehr junge Menschen geraten in die Schuldenfalle. So ist bei der Schuldnerberatung in Österreich bereits jede fünfte hilfesuchende Person unter 30 Jahre alt. Online-Zahlungsanbieter wie Klarna, PayPal und Co., der Einfluss sozialer Medien und die veränderte Konsumwelt sorgen dafür, dass Jugendliche mit oft nur einem Klick Schulden in teils fünf- bis sechsstelliger Höhe anhäufen können.

„Ich zahle einfach nach 30 Tagen mit Klarna, was soll schon passieren?“ Diese Frage stellt eine junge Frau in einem Video auf TikTok. Die Antwort: Über 57.000 Euro Schulden beim Online-Zahlungsanbieter Klarna. Mit diesem hohen Schuldenberg ist sie aber nicht die Einzige. 

 

Denn in den letzten Jahren ging ein Trend auf TikTok viral: #klarnaschulden. Jugendliche verschuldeten sich und prahlten förmlich mit ihren offenen Rechnungen, die nicht selten fünf- oder sechsstellige Beträge erreichten. Es entstand eine regelrechte Challenge zwischen den Jugendlichen, wer die meisten Schulden hat. Die Folge: Viele Jugendliche haben sich finanziell übernommen und kämpfen nun mit ihren Schulden. Noch heute findet man Videos auf TikTok, die zeigen, wie die jungen Erwachsenen mit ihren teils sehr hohen Schulden zu kämpfen haben. 

Die deutsche Influencerin Leari Cheri ist eine von ihnen – durch ihre Shoppingsucht häufte sich bei ihr ein Schuldenberg von rund 22.000 Euro an. Seither bestimmen die Schulden ihr Leben. Ihr Schicksal teilt sie auf TikTok. Mit Humor versucht sie, auf das Thema aufmerksam zu machen. „Meine Schulden habe ich vor allem aus dem Grund öffentlich gemacht, weil ich selber mal mit jemandem darüber sprechen wollte und weil ich andere einfach vor diesen Schuldenfallen warnen möchte. Ich glaube, viele wissen einfach nicht, wie schnell das gehen kann, dass man sich wirklich richtig hoch verschuldet“, betont sie in einer Puls4 Doku. 

Hohe Schulden, Mahnungen und das Inkasso-Büro: Die Schattenseiten von Klarna

Mit Slogans wie „Shoppe jetzt, bezahle später“ oder „Bezahle in deinem Tempo“ bewirbt Klarna das „buy now, pay later” (dt.: kaufe jetzt, bezahle später) Prinzip. Bei dieser Zahlungsoption vereinbart man eine spätere Abbuchung nach 30 Tagen, auch Bezahlen in Raten ist möglich. Man kann also ganz einfach und bequem faktisch kleine Kredite aufnehmen. 

Expert:innen kritisieren die Klarna-App. Da Online-Shoppen so schnell und einfach geht, finden sich viele Konsument:innen in einem finanziellen Teufelskreis wieder. „Das Problem mit ‘Buy Now, Pay Later’-Angeboten ist, dass es nicht bei einer Rate und einem Produkt bleibt, sondern häufig mehrere Ratenkäufe in kurzer Zeit abgeschlossen werden“ betont Katharina Zahradka, Leiterin der FSW-Finanzbildung in der Schuldenberatung des Fonds Soziales Wien. Das führe vor allem dazu, dass Konsument:innen oft den Überblick verlieren. 

Ob MediaMarkt, H&M oder Airbnb – mit Klarna kann man in den verschiedensten Branchen bezahlen. Mit nur einem Klick können sich so oft minderjährige Kund:innen bei Klarna verschulden. Denn sie kaufen sich Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Die Folge: Hohe Schulden, Mahnungen und schlussendlich ein Brief vom Inkasso-Büro.

Wie eine Befragung des Statista Brand Profilers aus Deutschland zeigt, zahlen besonders Personen aus der Generation Z (1995-2012) und Millennials (1980-1994) ihre Rechnung gerne zeitverzögert. So gaben rund 45 bzw. 43 Prozent der Befragten in diesen Altersgruppen an, die „buy now, pay later“-Funktion von Klarna zu nutzen. 

Jeder fünfte Hilfesuchende unter 30

Daten der FSW Schuldenberatung Österreich zeigen: Jeder oder jede fünfte Hilfesuchende ist unter 30 Jahre alt. Allein in Wien sind es 14 Prozent. Im Jahr 2023 befanden sich 22 Prozent mehr Menschen unter 24 Jahren in einer Privatinsolvenz als noch im Jahr zuvor. Bei rund der Hälfte von denen, die dann sogar Privatinsolvenz beantragt haben, liegen die Schulden zwischen 10.000 und 50.000 Euro.

Klarna sei zwar einfach zu nutzen, aber keineswegs leichtfertig im Umgang mit Kreditvergabe.  „Wir prüfen bei jeder einzelnen Transaktion die Zahlungsfähigkeit des Kunden und treffen für jeden Kauf eine neue Kreditentscheidung. Das bedeutet: Wir verleihen nur an Personen, die auch zurückzahlen können“ hieß es in einer Antwort an Kontrast. Werden Zahlungen versäumt, wird die Nutzung der Klarna-Dienste eingeschränkt, um so eine Schuldenanhäufung zu verhindern. „Da wir selbst das Risiko eines Zahlungsausfalls tragen, haben wir ein starkes Eigeninteresse an sorgfältiger Kreditvergabe. Kurz gesagt: Klarna hat kein Interesse daran Geld zu verleihen, das nicht zurückgezahlt werden kann“ betont Klarna.

Mithilfe von Risikoabschätzung und häufigerer Erinnerungen sei der Anteil der Rechnungen, die an Inkassobüros übergeben wurden, in den letzten Jahren in Österreich reduziert worden. Laut Klarna sind im Jahr 2023 lediglich 0,7 Prozent der ausstehenden Zahlungen an ein Inkassounternehmen übergeben worden. 

Daten der FSW Schuldenberatung Österreich zeigen: Jeder oder jede fünfte Hilfesuchende ist unter 30 Jahre alt. Foto: Unsplash.com

Soziale Medien schaffen zusätzliche Kaufanreize

Hinter dem Social-Media-Trend #klarnaschulden verbirgt sich weniger der Ursprung, sondern eher das Symptom eines viel umfassenderen Problems, mit dem Jugendliche zu kämpfen haben. Der Verhaltensökonom Michael Kirchler von der Universität Innsbruck betont gegenüber dem ORF, dass junge Menschen im Vergleich zu früher in einer ganz anderen Welt leben. Überall prasseln Informationen und Kaufanreize auf sie ein – besonders in den sozialen Medien entsteht so ein gewisser Druck, bestimmte Produkte zu kaufen, egal, was sie kosten. „Die Jugendlichen sind mit ihrem Smartphone der Konsumwelt, ihren Verlockungen und den Methoden, die angewendet werden, gänzlich ausgeliefert“, so Kirchler. Das bestätigt auch Zahradka: „Gerade der Ratenkauf oder auch der Online-Werbetrick, dass nur noch ein Stück eines Produkts verfügbar sei, erzeugen Druck, unreflektiert zu konsumieren“.

Laut Kirchler würden viele Menschen zu Impulskäufen neigen. Das war zwar schon immer so, allerdings hat sich die Konsumwelt verändert. Barrieren zwischen dem Willen, etwas zu kaufen, und dem tatsächlichen Akt des Kaufens wurden abgebaut. Diese waren früher viel höher zu überwinden: Man musste Bargeld abheben und in ein Geschäft gehen. 

Für einen Kredit brauchte man einen Bankberater. Heutzutage ist der Weg zum nächsten Kauf kürzer denn je: Ein Klick, bequem von zu Hause aus. Kirchler betont zudem, dass auch Studien zeigen, dass Menschen, die zu Impulsentscheidungen neigen, mehr Probleme bekommen, je weniger Hindernisse es gibt. 

Zahradka betont zudem: “Wir beobachten, dass Jugendliche – gerade auch aus ihrer Peer-Group (soziale Gruppe mit großem Einfluss, Anm.) – einen immensen Druck verspüren, mitzuhalten. Man kann sich zwar kein Auto leisten, aber vielleicht dann die gefälschte Luxus-Cap oder bestimmte Kosmetika“.

Während bei älteren Menschen vor allem eine gescheiterte Selbstständigkeit, lange Arbeitslosigkeit und, insbesondere bei Frauen, eine Trennung die häufigsten Gründe für eine Privatinsolvenz sind, ist es bei jungen Menschen vor allem ihr Konsum. 

Online-Zahlungsanbieter wie Klarna, PayPal und Co. – der Einfluss sozialer Medien und die veränderte Konsumwelt sorgen dafür, dass Jugendliche mit oft nur einem Klick Schulden in teils fünf- bis sechsstelliger Höhe anhäufen können. Foto: Unsplash.com

EU-Parlament beschließt Richtlinie, um Verschuldung einzudämmen

Die Politik versucht nun, den allzu komfortablen Onlinekauf an neue Bedingungen zu knüpfen. So hat das EU-Parlament bereits im Oktober 2023 eine neue Verbraucherkreditrichtlinie beschlossen. Bis zum 20. November 2025 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten diese in nationales Recht umwandeln. Mithilfe der neuen Richtlinie will man die Gefahr von Verschuldung eindämmen, die etwa von den sogenannten “Buy-Now-Pay-Later”-Krediten ausgehen. 

Zukünftig soll vor dem Abschluss eines solchen Kredits eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt werden. Im Zweifelsfall kann so eine Kreditvergabe auch abgelehnt werden. Betroffen davon sind beispielsweise auch schon Kleinkredite unter 200 Euro. Zudem müssen Kreditinformationen künftig verständlicher dargestellt werden und die Vorschriften für Werbung werden strenger. Bis die Verschärfungen dann allerdings in Kraft treten, hat Österreich noch bis zum 20. November 2026 Zeit. 

Parlament Das Thema "Verschuldung" im Parlament

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KIka
KIka
6. November 2025 19:06

Sorry, aber wenn wer mit Schulden angibt, dann scheint mit der Bildung was nicht zu funktionieren.

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Joseph Stiglitz: World Economic Forum Davos 2009 (Foto: Wikipedia, CC BY-SA 2.0)

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