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„Digitale Krieger“ für Orbán: KI-Accounts fluten Facebook mit rechten Inhalten

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Orban Foto: KI-Montage & © European Union 2024 Quelle: EP (CC-BY-4.0)

Foto: KI-Montage & © European Union 2024 Quelle: EP (CC-BY-4.0)

David Sowka David Sowka
in Digitales Leben, Internationales
Lesezeit:4 Minuten
5. März 2026
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Langzeitpremier Viktor Orbán bekommt Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Sein früherer Mitstreiter Péter Magyar tritt bei den Parlamentswahlen in diesem Jahr gegen ihn an. Orbáns Partei Fidesz führt einen harten Wahlkampf, auch im Netz. Eine Recherche des ungarischen Online-Magazins Lakmusz zeigt: Die „digitalen Krieger“ nutzen auch KI-Fake-Profile, die sich auf Facebook gegenseitig verstärken und pro-Fidesz-Inhalte pushen.

Am 12. April 2026 wählt Ungarn ein neues Parlament. Viktor Orbán und seine Partei Fidesz kämpfen um die Macht, diesmal unter größerem Druck als in den vergangenen Jahren. Herausforderer ist Péter Magyar, ein früherer Weggefährte, der Anfang 2024 mit Fidesz gebrochen hat und mit der Mitte-rechts-Partei Tisza durchs Land zieht. Im Wahlkampf setzen Orbán und Fidesz stark auf den Onlinebereich. Bei Veranstaltungen richtet sich Orbán an seine „digitalen Krieger“ und fordert die Aktivisten neben Haustürkampagnen zu harter Mobilisierung im Netz auf.

Recherche deckt Orbán-treues Fake-Netzwerk auf Facebook auf

Wie weit diese digitale Strategie reichen kann, zeigt nun eine Recherche des ungarischen Online-Magazins Lakmusz. Demnach arbeiten Orbáns Unterstützer im Netz nicht nur mit echten Profilen. Lakmusz beschreibt ein Netzwerk von fast hundert Facebook-Accounts, die mit erfundenen Identitäten und KI-generierten Bildern auftreten, miteinander interagieren und so pro-Fidesz-Inhalte verstärken.

Für die Auswertung hat das Online-Magazin 87 Profile gesammelt, die mehrere Gemeinsamkeiten aufweisen. Viele dieser Konten sind erst seit wenigen Monaten online und wurden 2025 angelegt. Als Profilbilder und in vielen Posts tauchen KI-generierte Fotos auf. Auffällig ist auch das Verhalten: Die Accounts posten und kommentieren sehr viel, oft in kurzer Folge und mit ähnlichen Formulierungen. Außerdem sind sie über ihre Freundeslisten eng miteinander verbunden, viele Profile sind untereinander befreundet und reagieren ständig aufeinander.

Profile wirken anfangs unpolitisch, schwenken dann aber um

Viele dieser Profile wirken am Anfang unpolitisch. In den ersten Tagen und Wochen posten sie Urlaubsbilder, Familienfotos, Fußball und manchmal auch Beziehungsstress. So sehen sie aus wie echte Menschen und sammeln Freunde. Erst danach schwenken viele Accounts um. Dann füllen sich die Feeds mit politischen Videos und Parolen, oft in großer Menge und im Gleichschritt mit anderen Konten. Lakmusz zählt in zwei Monaten mehr als tausend politische Posts aus diesem Netzwerk.

Besonders oft griffen die Accounts Ereignisse auf, die für Fidesz öffentlich wichtig waren: Orbáns Reise nach Washington und das Treffen mit Donald Trump, ein pro-regierungstreuer „Friedensmarsch“, Orbáns Auftritt im Europäischen Parlament in Straßburg, ein Treffen regierungsnaher „digitaler Bürgerkreise“ („Digitális Polgári Körök“) in der Stadt Győr sowie ein TV-Interview Orbáns in einer populären TV-Sendung. Einzelne Beiträge bekamen auf Facebook in kurzer Zeit 2.000 bis 4.500 Reaktionen. Die Kommentare sind großteils kurz, einfach und euphorisch bis zustimmend, wie Herzen, „Großartig, weiter so!“ oder „So soll es sein.“

KI-Fakes im Wahlkampf von Orban in Ungarn Quelle: Lakmusz
Ein Beispiel ist das Profil von „Kiara Németh“: kürzlich erstellt, KI-Profilbild und viele pro-Regierungs-Postings. Quelle: Lakmusz

Orbáns „Kriegerclub“ als Ort der Vernetzung

Etwa die Hälfte der untersuchten Accounts, insgesamt 49 Profile, ist auch Mitglied einer öffentlichen Facebook-Gruppe namens Harcosok Klubja, auf Deutsch etwa „Kriegerclub“. Die Gruppe ist öffentlich sichtbar und wirbt damit, einen privaten „Kriegerclub“ zu unterstützen, den Viktor Orbán selbst auf Facebook gestartet hat. Die Gründer, Administratoren und Poster der Gruppe stammen aus dem Fidesz-nahen Umfeld.
Gegründet wurde die öffentliche Facebook-Gruppe im März 2025 von Balázs Szakonyi, der früher in der ungarischen Kleinstadt Tapolca lokaler Vorsitzender des Regierungsbündnisses Fidesz–KDNP war. Die Beiträge in der Gruppe stammen abwechselnd von ihm und István Pálinkás. Pálinkás trat 2019 in der Stadt Rácalmás als Bürgermeisterkandidat des Fidesz–KDNP-Bündnisses an.

Zu den Administratoren gehören auch Gábor Nagy, der die konservative Nachrichtenseite Vidék hangjai gegründet hat, sowie Attila Hudák. Hudák hat 2023 ein Social-Media-Training der regierungsnahen Agentur Megafon absolviert. Megafon verbreitet regierungsfreundliche Inhalte auch über den YouTube-Kanal Patrióta und besteht aus regierungsnahen Influencern.

Hinter den Profilen stecken echte Menschen mit falschem Namen und KI-Bildern

Bei dem von Lakmusz aufgedeckten Netzwerk handelt es sich nicht um ein klassisches Netz aus Bots, sondern eher um eine Zwischenform. Hinter den Profilen scheinen Menschen zu sitzen, die posten, liken und kommentieren, aber unter erfundenen Namen und mit Hilfe von KI-Bildern. Wer das Netzwerk steuert, bleibt offen. Ein Hinweis auf ein gelenktes Netzwerk ist der Zeitpunkt der Aktivität: Die meisten Likes, Kommentare und Posts fallen demnach auf Werktage zwischen 9 und 19 Uhr, also typische Büro- und Arbeitszeiten.

Ungarn Fake-KI-Profile, Quelle Lakmusz, https://lakmusz.hu/2025/12/02/young-attractive-fans-of-football-orban-and-relationship-drama-inside-the-most-sophisticated-pro-fidesz-fake-profile-network-on-facebookDas Profilbild des Accounts "Tibor Kovács" ist mit der KI von Gemini erstellt. Quelle: Lakmusz
Ungarn Fake-KI-Profile, Quelle Lakmusz, https://lakmusz.hu/2025/12/02/young-attractive-fans-of-football-orban-and-relationship-drama-inside-the-most-sophisticated-pro-fidesz-fake-profile-network-on-facebookAuch das Profilbild des Accounts "András Szabados" ist mit der KI von Gemini erstellt. Quelle: Lakmusz
Ungarn Fake-KI-Profile, Quelle Lakmusz, https://lakmusz.hu/2025/12/02/young-attractive-fans-of-football-orban-and-relationship-drama-inside-the-most-sophisticated-pro-fidesz-fake-profile-network-on-facebookDas Bild links ist KI-generiert - es unterscheidet sich deutlich von der Realität rechts. Quelle: Lakmusz
Ungarn Fake-KI-Profile, Quelle Lakmusz, https://lakmusz.hu/2025/12/02/young-attractive-fans-of-football-orban-and-relationship-drama-inside-the-most-sophisticated-pro-fidesz-fake-profile-network-on-facebookDie Frau links gibt es nicht - das Bild ist KI-generiert. Quelle: Lakmusz
Ungarn Fake-KI-Profile, Quelle Lakmusz, https://lakmusz.hu/2025/12/02/young-attractive-fans-of-football-orban-and-relationship-drama-inside-the-most-sophisticated-pro-fidesz-fake-profile-network-on-facebookDas Bild links ist KI-generiert - das ungarische Parlament im Hintergrund unterscheidet sich vom Original rechts. Quelle: Lakmusz

Trump, FPÖ & Co: Orbán international bestens vernetzt

Streit um digitale Wahlkampagnen gibt es auch in anderen EU-Ländern. In Rumänien wurde 2024 der erste Wahlgang der Präsidentenwahl annulliert. Das Verfassungsgericht verwies dabei auf digitale Manipulation, unter anderem durch koordinierte Online-Kampagnen.

Orbán ist außerdem international gut vernetzt. Donald Trump hat ihn Anfang Februar öffentlich unterstützt. Mitte Februar sagte US-Außenminister Marco Rubio bei einem Auftritt in Budapest, Trump stehe klar hinter Orbán und wolle seinen Erfolg. In Europa sucht Orbán die Zusammenarbeit mit rechten Parteien, die sich im EU-Parlament in der Fraktion „Patriots for Europe“ zusammengeschlossen haben. Dazu zählen neben Orbáns Fidesz auch die österreichische FPÖ, die italienische Lega und das französische Rassemblement National. Auch der heurige „Akademikerball“ zeigt die enge Vernetzung. Dort trafen neben Burschenschafter und Rechtsextremen mit Ernő Schaller-Baross auch ein Fidesz-EU-Abgeordneter auf FPÖ-Spitzenfunktionäre.

Ungarn unter Viktor Orbán: Kaputtes Gesundheitssystem, Korruption und Abbau des Rechtsstaats

Parlament Das Thema "KI-Fakes" im Parlament

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2 Comments
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aramo
aramo
10. März 2026 20:10

schreibt nicht so einen Mist nur weil die Spö ihren Sender nicht in die Gänge bringt was jeder kleine Hacker allein kann ohne Staatsgelder und Babler soll jetzt Liefern strompreisbremse und energiekosten hat er ja gesagt die SPÖ hat geliefert schau man einmal was sie geliefert hat

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Piero
Piero
Reply to  aramo
16. März 2026 19:41

Was hat Dein Posting jetzt mit dem Artikel zu tun?

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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Das Europäische Parlament

Auf einen Blick Rolle: Direkt gewähltes EU-Organ mit Zuständigkeit für Gesetzgebung, Aufsicht und Haushalt Mitglieder: 705 Mitglieder des Europäischen Parlaments Präsident: David Sassoli Gegründet: 1952 als Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 1962 als Europäisches Parlament, erste direkte Wahl 1979 Standort: Straßburg (Frankreich), Brüssel (Belgien), Luxemburg Das Europäische Parlament ist die einzige direkt von den europäischen Bürgerinnen gewählte Institution der EU. Die 705 EU-Parlamentarier, auch Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) genannt, vertreten 450 Millionen Bürger aus allen 27 Mitgliedsstaaten. Sie sind in acht politische Fraktionen unterteilt. Alle zweieinhalb Jahre (also zwei Mal in jeder Legislaturperiode) wählen sie einen neuen Präsidenten bzw. eine neue Präsidentin aus ihrer Mitte. Logo des Europäischen Parlaments Das EU-Parlament ist das gesetzgebende Organ

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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