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Fußball-WM in Saudi-Arabien: Tod tausender Arbeiter befürchtet

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Thomas Hackl Thomas Hackl
in Internationales
Lesezeit:4 Minuten
21. März 2024
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Die Fußball-WM kommt nach Saudi-Arabien. Trotz zahlreicher Verstöße gegen Menschenrechte konnte der ultrakonservative Wüstenstaat das Großevent für sich sichern. Menschenrechtsorganisationen befürchten den Tod von tausenden ausländischen Arbeitskräften, ähnlich wie bei der WM in Katar 2022. 

Saudi-Arabien wird die Fußball-Weltmeisterschaft 2036 austragen. Zwar ist der Beschluss des Weltfußballverbands FIFA noch nicht gefallen, aber Saudi-Arabien ist der einzige Bewerber. Das hat zwei Gründe. Erstens hat die FIFA beschlossen, dass die Weltmeisterschaft in einem asiatischen oder pazifischen Staat stattfinden wird. Zweitens hat das reiche Saudi-Arabien klargemacht, dass das Land bereit ist, Unsummen in das Event zu investieren. Eine Ansage, mit der wenig Länder konkurrieren können. So hat etwa Australien eine geplante Bewerbung zurückgezogen.

Tod von tausenden Arbeitern befürchtet

Um die Weltmeisterschaft abhalten zu können, müssen Stadien, Hotels, Büros und Straßen in den glühenden Wüstensand gebaut werden. Diese Bauarbeiten werden aber so gut wie gar nicht von der einheimischen Bevölkerung erledigt, sondern von tausenden Arbeitskräften aus Übersee.

Fast 70 Prozent der Arbeitskräfte in Saudi-Arabien sind ausländischer Herkunft. Im Baugewerbe dürfte die Zahl beinahe 100 Prozent sein. Die meisten von ihnen kommen aus asiatischen oder afrikanischen Ländern, allen voran Pakistan, Bangladesch und den Philippinen.

WM Saudi-Arabien
Fast alle neuen Gebäude Saudi-Arabiens werden von ausländischen Arbeitskräften gebaut. Foto: (unsplash)

In Saudi-Arabien arbeiten sie oft unter Sklaven-ähnlichen Zuständen und verdienen pro Tag Schwerstarbeit in der Wüstensonne einen Dollar. Aber auch nach ihrer Schicht geht es den Arbeitern nicht besser. Ihre Unterkünfte sind oft überfüllt, verdreckt und befallen von Ungeziefer.

Die Arbeit der ausländischen Arbeitskräfte ist billig und ihr Leben wenig wert. Deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen auf den Baustellen Saudi-Arabiens oft minimal und es kommt immer wieder zu tödlichen Unfällen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch befürchten, dass der Bau-Boom, der mit einer Fußball-WM einhergeht, viele Leben kosten wird.

Katar 2022 darf sich nicht wiederholen

Die Befürchtungen der Menschenrechtsorganisationen bauen auf den Erfahrungen der WM in Katar 2022 auf. Bis heute ist unklar, wie viele Menschenleben das Mega-Event gefordert hat. Während die offizielle Zahl bei 40 Toten liegt, geht die britische Zeitung The Guardian von mehreren Tausend Opfern aus.

Die tatsächliche Zahl zu ermitteln ist kaum möglich, da sowohl die Regierung Katars als auch die saudische Regierung versuchen, tödliche Arbeitsunfälle zu vertuschen. Anstatt die wahre Ursache eines Todesfalles bei migrantischen Arbeitskräften zu untersuchen, wird oft „natürlicher Tod“ als Todesursache angegeben.

WM Saudi-Arabien
Tausende Arbeiter starben bei den Bauarbeiten für die WM in Katar. Die Tragödie droht sich in Saudi-Arabien zu wiederholen. Foto: (unsplash)

Dreiviertel aller Todesfälle von Arbeitsmigranten aus Bangladesch werden nach offiziellen Zahlen als „natürlicher Tod“ angegeben. The Guardian zweifelt diese Zahlen allerdings an – nicht nur, weil Menschen aus Bangladesch, die in Saudi-Arabien arbeiten wollen, einen medizinischen Test bestehen müssen, sondern auch, weil der Altersdurchschnitt der Verstorbenen bei nur 44 Jahren liegt.

Menschenrechte mit Füßen getreten

Die Rechte von Arbeitern sind aber nicht die einzigen Menschenrechte, die mit Füßen getreten werden. Das Recht auf Meinungsfreiheit existiert in Saudi-Arabien nicht. Immer wieder werden Menschen, die die Politik des Königreichs kritisieren, verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Auch gibt es keine Religionsfreiheit in Saudi-Arabien. Die strenge, ultrakonservative Form des wahabitischen Islam ist Staatsreligion, alle anderen Religionen sind verboten. Genauso sind Frauenrechte im saudischen Königreich praktisch nicht existent. Saudische Frauen haben einen männlichen Vormund, meistens den Ehemann, Vater oder ein anderes Familienmitglied, der alle wichtigen Entscheidungen für sie trifft. Besonders verfolgt werden außerdem Homosexuelle. Noch immer werden sie in Saudi-Arabien hingerichtet.

Kaum ein anderer Staat der Welt richtet so viele Menschen hin wie Saudi-Arabien. 2022 waren es fast 200 Menschen. Allein an einem Tag hat die saudische Regierung 81 Menschen hingerichtet.

Verschiedene Menschenrechtsorganisation bewerten Saudi-Arabien als eines der Länder, in dem Menschenrechte am schlechtesten geschützt sind.

Saudisches Geld bestimmt den Fußball

Wieso vergibt der Weltverband FIFA die Fußball-WM an Saudi-Arabien, an ein Land, in dem Menschenrechte kaum etwas gelten? Auf der eigenen Website verkündet die FIFA, wie wichtig ihr der Schutz und die Förderung von Menschenrechten sind:

„Die FIFA verpflichtet sich, alle international anerkannten Menschenrechte zu respektieren und sich dafür einzusetzen, den Schutz dieser Rechte zu fördern.“

Der Grund: Geld. Saudi-Arabien hat wie kein anderer Staat dieser Welt Milliarden in den Fußball investiert. Das Land hat nicht nur Profi-Clubs in anderen Ländern gekauft, zum Beispiel Newcastle United aus England, sondern holte auch Fußball Stars wie Cristiano Ronaldo oder Neymar da Silva Santos Júnior in die saudische Liga. Gleichzeitig hat das Land Unsummen in die Fußball-Infrastruktur gepumpt.

Mit diesen Investitionen in den Sport will Saudi-Arabien nicht nur seine Wirtschaft ankurbeln, sondern auch sein Image verbessern und seinen politischen Einfluss ausweiten. Zumindest im Weltfußballverband dürfte diese Strategie aufgegangen sein.

Parlament Das Thema "Saudi-Arabien" im Parlament

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1 Kommentar
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Peter
Peter
23. März 2024 23:20

Wie heißt es schön, den Tag nicht vor dem Abend loben.
–
Für Saudi Arabien ist es ein Chance aus dem Desaster herauszukommen, mal sehen was das Land daraus macht.
–
Kopfwaschen kann man hernach, nicht nur Saudi Arabien, sondern auch gleich die FIFA dazu – noch ist es nicht so weit!

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Menschenrechte

Menschenrechte sind Rechte, die jedem Mensch zustehen – aus dem alleinigen Grund, dass er oder sie ein Mensch ist. Menschenrechte gelten für jeden Menschen (Gleichheitsaspekt) und gelten überall auf der Welt. Es dürfen keine Unterschiede nach Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Herkunft, politischer Überzeugung oder aus anderen Gründen gemacht werden. Alle Menschen haben die gleichen Rechte – die Menschenrechte sind daher Gleichheitsrechte und erlauben keine Diskriminierung. Sie werden auch als angeboren, unverletzlich, unveräußerlich und unabhängig von der Staatsangehörigkeit bezeichnet. Der Tag der Menschenrechte wird am 10. Dezember gefeiert. Es ist der Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

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