Ältere Jobsuchende haben es am Arbeitsmarkt in Österreich besonders schwer. Trotz Ausbildung und jahrelanger Berufserfahrung sind ihre Chancen auf eine neue Stelle plötzlich niedrig, sobald sie ihren Job verlieren. Mit der „Aktion 55 plus“ will die Regierung jetzt genau diesen Jobsuchenden helfen, indem sie mit 50 Millionen Euro Arbeitsplätze schafft: kollektivvertraglich entlohnt und mit sinnvollen Tätigkeiten – auch im privaten Sektor.
Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Technologischer Wandel, neue Anforderungen und verbreitete Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten erschweren vielen den Wiedereinstieg. Für Betroffene geht es dabei nicht nur um Einkommen, sondern auch um Identität und Anerkennung.
Gleichzeitig werden ältere Arbeitnehmer:innen allein zahlenmäßig immer wichtiger. Zwischen 2008 und 2025 stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten über 55 Jahre von rund 261.000 auf knapp 710.000 Personen an. Bis 2030 wird vor allem die Gruppe der 55- bis 59-Jährigen weiter zunehmen, danach steigt der Anteil der über 60-Jährigen deutlich.
Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich hoch. Für Dezember 2025 wird eine Quote von 9,2 Prozent geschätzt, während sie in der Gesamtbevölkerung bei 8,4 Prozent liegt. Auch der jüngste Anstieg fiel bei den über 55-Jährigen stärker aus als im Durchschnitt.
Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) betont, dass Arbeit für viele Menschen mehr bedeute als finanzielle Absicherung. Gerade für ältere Arbeitslose sei ein Jobverlust besonders belastend. Viele wollen weiterarbeiten und ihre Erfahrung einbringen, scheitern jedoch an fehlenden Chancen.
„Aktion 55 plus“ bringt 50 Millionen Euro für bis zu 6.000 neue Stellen
Mit der „Aktion 55 plus“ will die Regierung dieser Entwicklung entgegenwirken. Ziel ist, bis zu 6.000 Arbeitsplätze für Jobsuchende über 55 Jahre zu schaffen bzw. zu fördern. Die Stellen sollen kollektivvertraglich entlohnt sein und vor allem in Bereichen entstehen, die sozial oder ökologisch sinnvoll sind. Für 2026 sind dafür 50 Millionen Euro vorgesehen. Sollte es das Budget zulassen, gibt es dieses Geld ab 2027 jährlich.
Ein Schwerpunkt liegt auf sozialökonomischen Betrieben und gemeinnützigen Projekten. Rund 60 Prozent der geförderten Jobs sollen dort entstehen. Weitere 40 Prozent sind über Eingliederungsbeihilfen im privaten Bereich geplant. Diese Beihilfen unterstützen Unternehmen durch Zuschüsse zu Lohn- und Lohnnebenkosten.
Ausgenommen sind unter anderem das Arbeitsmarktservice selbst, der Bund sowie politische Parteien.
Jobs werden bis zu 12 Monate gefördert
Die Aktion kombiniert mehrere arbeitsmarktpolitische Instrumente. In sozialökonomischen Betrieben ist eine längere Förderdauer von bis zu zwölf Monaten vorgesehen, verbunden mit einer höheren Förderintensität. Ziel ist ein rascher Einstieg und eine möglichst nachhaltige Beschäftigung.
Ergänzend setzt das Programm auf individuelle Betreuung, Beratung und ein angepasstes Matching zwischen Arbeitssuchenden und Betrieben. Bei den Eingliederungsbeihilfen richtet sich Höhe und Dauer der Förderung nach dem jeweiligen Bedarf.
Die SPÖ hat schon 2017 eine ähnliche Initiative, die „Aktion 20.000“, eingeführt. Schwarz-Blau hat diese aber 2018 wieder abgeschafft.
Eine Jobgarantie kostet uns weniger als Langzeitarbeitslose im Stich zu lassen




































