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Iran 2026: Wer geht – Wer kommt? – Kommentar von Mitra Shahmoradi

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Mitra Shahmoradi Mitra Shahmoradi
in Gastbeiträge, Internationales
Lesezeit:6 Minuten
29. Januar 2026
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Die aktuellen Proteste im Iran wecken Erinnerungen an die Revolution von 1979 – doch die Geschichte droht sich in verkehrter Richtung zu wiederholen. Zwischen religiöser Autokratie, monarchischen Rückkehrfantasien und ausländischer Einflussnahme beschreibt der Text die Gefahr eines erneuten Systemwechsels ohne echte Perspektive für die Bevölkerung. Der Gastbeitrag stammt von der iranisch-österreichischen Künstlerin und Autorin Mitra Shahmoradi.

Von der Revolution zum Gottesstaat

Es gab zu Beginn des Jahres 2026 wieder Demonstrationen in verschiedenen Teilen des Irans. Sie gingen von Bazaris (Geschäftsleute) und Studierenden aus. Es schien wie eine Wiederholung der Zeit vor 48 Jahren. Die damaligen Proteste gegen das Schah-Regime haben auch in Bazars und in den Universitäten begonnen und sich mit der Zeit zu Massendemonstrationen entwickelt.

Die Studierenden waren immer die Vorreiter bei der Systemkritik, aber dass es auch die Geschäftsleute, die meistens aus dem konservativen Lager kommen, dasselbe taten, hatte der revolutionären Bewegung 1978 eine neue Bedeutung gegeben und eigene Auswirkungen auf die Bevölkerung gehabt. Das Ergebnis dieser Proteste ist bekannt. Im Februar 1979 passierte die Revolution, die Monarchie wurde zu einer Republik. Bald darauf übernahm die religiöse Opposition die Macht und die islamische Republik wurde gegründet. Eine Republik mit Wahlen alle vier Jahre und einem Parlament, aber nur auf der Basis islamischer Gesetzgebung und einem Ayatollah (Bischof) als Führer, der über allem steht und alles kontrolliert und bestimmt.

Im Jahre 1980 wurde das Prinzip des Velayate Faghih (Gottesstaat) in die Verfassung aufgenommen. Zehn Jahre später, bei einer Erneuerung der Verfassung, wurde es zu Velayate motlagheh Faghih (absoluter Gottesstaat) geändert und neuerlich festgelegt. Das bedeutet, dass die Entscheidungen und Äußerungen des jeweiligen führenden Ayatollahs in allen Bereichen von Innenpolitik, Außenpolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, Militär usw. über jenen des von der Bevölkerung gewählten Präsidenten, seiner Regierung und dem Parlament stehen. Der übliche Weg, dass Entscheidungen von der Regierung getroffen und vom Parlament bestätigt oder abgelehnt werden, existiert nicht wirklich. Ohne Zustimmung des Führers sind sie nicht gültig. Er hat das letzte Wort – das ist die Realität in dieser Republik Iran.

Der Schah ging – Chomeini kam

Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Tageszeitungen damals während der Revolution mit größten Buchstaben auf ihren ersten Seiten „Schah ging“ und bald darauf „Imam kam“ geschrieben hatten. Die Menschen waren emotional, aufgeregt, unsicher. Gerüchte, Analysen und Voraussagungen waren überall zu hören. Auf der Straße oder im Geschäft, im Taxi und Bus haben die Leute miteinander gesprochen und Diagnosen ausgetauscht. Viele Menschen waren bereits Politikanalytiker geworden, und für viele war die Situation nicht klar. Meinungsunterschiede, Diskussionen und Streits waren allgegenwärtig, und alle wollten den anderen überzeugen.

Der Tag kam, an dem Schah Mohammad Reza Pahlavi und seine Frau Farah Diba das Land verlassen hatten. Ihre Kinder wurden vorher außer Landes gebracht, sie waren alle minderjährig. An diesem Tag schrieben die Zeitungen ihre größte Nachricht: „Schah ging“. Auch von staatlichen Radio- und Fernsehstationen wurde diese Nachricht sofort ausgestrahlt. Der Großteil der Bevölkerung ging auf die Straße, die Statuen des Schahs in den öffentlichen Plätzen wurden gestürzt, Autofahrer hupten, es herrschte eine Feierstimmung. Viele Menschen waren froh und erleichtert, die Polizei war ruhig und niemand hatte mehr Angst vor ihr. Aber einige waren nachdenklich, fühlten sich unsicher und waren unruhig. Sie hatten Angst vor einem unklaren Wechsel und einer ungewissen Zukunft. Sie wollten lieber weiter ihr Leben wie bisher leben und sich radikalen Veränderungen nicht aussetzen.

2026: Déjà-vu?

Anfang 2026 gab es wieder Aufruhr und große Demonstrationen im Iran, ähnlich wie zur Zeit vor der Revolution, aber dieses Mal war die Ausgangslage umgekehrt. Gibt es einen Sturz der islamischen Republik und die Wiederherstellung der Monarchie? Wieder einen Personentausch? Mohammad Reza Schah war damals vom Großteil der Bevölkerung verhasst. Sein Sohn Reza, der Kronprinz, der seit etwa 48 Jahren in Amerika lebt, versuchte immer wieder, als Nachfolger seines Vaters in den Iran zu gehen und neuer Schah zu werden. Er hat keine politische Basis im Iran und keine politische Erfahrung. Er äußerte sich nicht gegen Israel, als dieses im Juni 2025 den Iran angegriffen hatte, was ihm von der iranischen Bevölkerung viel Kritik einbrachte. Seine Anhänger leben meistens im Ausland, aber offenbar hat er auch im Iran Befürworter, und einige wollen ihn als Oppositionsführer, weil ihnen keine Alternative präsent ist.

Die Generation, die seinen Vater nicht erlebte, weiß nicht, welche Fehler der damalige Schah gemacht hatte und welche Mängel es in seinem System gab. Die Gefahr, dass Reza Pahlavi von Israel und den Vereinigten Staaten installiert würde, und dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen könnte, ist für viele iranische Bürger im In- und Ausland eine große Sorge. Die noch größere Befürchtung ist eine mögliche Teilung des Landes. Auf der anderen Seite haben die Menschen genug von religiöser Bevormundung, von der schweren wirtschaftlichen Lage, von Sanktionen und Korruption – und insbesondere von der allgemeinen Unfreiheit. Zusätzlich sind sie unzufrieden über die ausländische Ausnutzung der Ressourcen, aber auch mit der Einmischung des iranischen Regimes in anderen Ländern.

Viele Probleme, wenig Auswahl! Chomeini oder Schah – Schah oder islamische Republik?

Es wäre die traurigste Ironie, wenn bald die Zeitungen mit ihren größten Buchstaben schreiben würden: „Ayatollah ging – Schah kam“, und die Bevölkerung jubeln würde, Feierstimmung herrschte, Millionen Menschen den Monarchen empfangen und die Monarchie wiederherstellen wollten. Vielleicht sehen manche sogar wieder sein Antlitz im Mond – wie vor 47 Jahren, als sie den Religionsführer Chomeini im Mond sahen.

Mangelnde Leadership

Die Kinder des Schahs und seiner Frau Farah Diba hatten nur kurz und ziemlich isoliert im Iran gelebt. Reza, der Sohn des letzten Kaisers, der nun in den Iran zurück möchte, um das Land zu führen, kennt das Land nicht. Er kennt die Bevölkerung nicht, ihre Mentalität, ihre Lebensgewohnheiten, ihre alltäglichen Schwierigkeiten und Bedürfnisse nicht. Er hatte seine Lebensjahre im Iran in einem goldenen Ghetto verbracht und nur mit bestimmten Menschen Kontakt gehabt. Vielleicht hat er einiges erzählt bekommen von jenen, die heute in Amerika um ihn sind und ihn motivieren zurückzukehren. Aber sie kennen den Iran von damals und nicht, wie das Land und seine Menschen nach fast fünf Jahrzehnten geworden sind.

Ayatollah Chomeini dachte vielleicht, alle im Iran seien brave Schiiten oder wollten es werden. Reza Pahlavi denkt vielleicht, alle im Iran hassten die Religion und bräuchten nur private Freiheit oder wünschten sich die alte Lebensform vor der Revolution zurück. Er lehnt ausländische Einmischung zum Sturz der islamischen Republik nicht ab. Nachdem in Irans Geschichte oft ausländische Hilfe genutzt wurde und auch sein Vater und Großvater so an die Macht kamen, findet er diesen Weg vielleicht nicht würdelos. Die Rechtfertigung lautet: Hauptsache Iran wird befreit. Ich frage mich: aber von wem?

Ich weiß, dass unsere Heimat bisher sehr bittere Erfahrungen gemacht hat – von autoritärer Monarchie zu religiöser Autokratie. Und nun möglicherweise von autoritärer Republik zu ausländischer Abhängigkeit? In all diesen Situationen bleibt das Volk gedemütigt. Das macht mich traurig, unsicher, aber auch wütend. Ich will keine religiöse Übermacht und keine korrupten Politiker. Ich will, dass die Wirtschaft wächst und die Bevölkerung in Ruhe lebt – aber nicht durch Opportunismus und Landesverrat, nicht mit Manipulation der Bevölkerung und Verlust der Eigenständigkeit.

Utopia

Autoritäre Systeme gehen davon aus, dass sie ihre Macht nur durch Gewalt gegenüber dem Volk bewahren können. Sie wollen nicht akzeptieren, dass sich ein System und eine Gesellschaft durch gegenseitiges Vertrauen und friedliche Kommunikation besser entwickeln können. Jedes Regime braucht die Unterstützung des eigenen Volkes, um das Land aufbauen zu können. Kein Regime soll glauben, nur mit Befehl, Gehorsam und Gewalt seine Unfähigkeit vertuschen oder seine Macht langfristig sichern zu können.

Ich denke oft an die Fehler des Schah-Systems und an die großen Fehler der islamischen Republik. So wie das Schah-System für die Revolution von 1979 mitverantwortlich war, ist die islamische Republik an diesem traurigen Zustand und einem möglichen Systemwechsel selbst schuld. Ich wünsche, dass man die Bevölkerung nicht als unfähig betrachtet und nicht manipuliert. Ich wünsche, dass ein neuer Wandel besser und richtiger für den Iran und sein Volk ist als der vorherige. Aber ich wünsche auch, dass die Bevölkerung eine realistische Perspektive hat – und keine „Utopia“.

Mitra Shahmoradi

Prof. Mag. art. Mitra Shahmoradi wurde in Abadan (Iran) geboren und studierte in Teheran und Wien. Sie lebt und arbeitet als bildende Künstlerin und Poetin in Wien.

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Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman
Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman

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