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Fünf Jahre sind seit den ersten Corona-Fällen 2020 vergangen und vielerorts hört man, Corona sei mittlerweile wie ein harmloser Schnupfen. Doch internationale Langzeitstudien zu den sogenannten “Post-Akuten-Infektions-Syndromen“ (PAIS), zu denen auch Erkrankungen wie Long Covid und ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/ Chronic Fatigue Syndrom) gehören, geben Anlass zur Sorge. Corona-Mehrfach-Infektionen sollen insbesondere für Kinder ernstzunehmende Gesundheitsschäden nach sich ziehen. Da sich weltweit Millionen Menschen infiziert haben, ist die nächste Frage: Droht uns eine Pandemie der Corona-Langzeitfolgen? Eine Recherche der Crowdfunding-Plattform Kollektor.org.
Aufarbeitung einer sogenannten “vergangenen Krise”
Zum fünfjährigen “Jubiläum” der Pandemie erschienen 2025 einige Berichte zur Aufarbeitung. Fernsehsender im deutschen Sprachraum zeigen eine Nachbetrachtung der sozio-politischen Ereignisse. Sie befassen sich außerdem mit offenen Fragen zu den Auswirkungen auf die Psyche, der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen, der Vorbereitung auf mögliche Pandemien und dem sozio-politischen Umgang mit Krisen. Die Beiträge sind meist als Rückschau verfasst und lassen die Coronapandemie wie ein längst vergangenes, abgeschlossenes Event erscheinen.
Was in den meisten Berichten fehlt, ist die Frage, ob wir tatsächlich in der Vergangenheitsform über die Pandemie sprechen können. Also, ob die Pandemie nun tatsächlich schon vorbei ist.
Denn entgegen der Erzählung über die “überwundene Krise” gehen manche Stimmen inzwischen davon aus, dass wir uns bereits in einer weiteren „Pandemie nach der Pandemie” befinden. Damit ist jedoch kein neuer Erreger, sondern die Gefahr durch flächendeckende Corona-Langzeitschäden gemeint – die deutlich vielschichtiger in Erscheinung treten.
Long Covid ist keine Nischenkrankheit: 400 Millionen Betroffene weltweit
Der erste Mythos, den wir rund um Corona-Schäden widerlegen müssen, ist, dass diese nur wenige Menschen betreffen. Eine 2024 erschienene Publikation zählt mittlerweile weltweit 400 Millionen Betroffene von Corona-Langzeitschäden. Nach einer Metastudie haben weltweit 36 % der infizierten Bevölkerung bereits Long Covid entwickelt.
Das Nationale Referenzzentrum für Postvirale Erkrankungen (PAIS), das 2023 “zur medizinischen Versorgung von Menschen mit postviralen Erkrankungen” eingerichtet wurde, ging 2024 von ca. 500.000 Long COVID und 80.000 ME/CFS Betroffenen in Österreich aus. Zum Vergleich: In Deutschland waren Ende 2024 circa 1,5 Millionen Menschen von Long COVID oder ME/CFS betroffen. In den USA zählte man 2025 schon bis zu 48 Millionen Betroffene.
In Österreich gibt es nur Schätzungen, weil viele Einrichtungen die Folgebeschwerden nach Corona nicht als solche (an)erkennen
Die österreichischen Zahlen basieren jedoch nur auf Schätzungen, da es bisher keine gesammelten Daten zu Corona-Schäden gibt. Weder von niedergelassenen Haus- oder Fachärzten noch aus dem Sozialversicherungs- oder Rehabilitationsbereich. Das Fehlen von Zahlen hat mehrere Gründe: Viele Institutionen erkennen die Erkrankungen nicht an, wodurch Zahlen nicht offiziell aufscheinen. Die Pensionsversicherungsanstalt schreibt beispielsweise, dass “eine einheitliche Definition (…) bislang nicht vorliegt” und “Long-COVID daher keine klinische Diagnose” ist.
Außerdem können viele Mediziner:innen Corona-Langzeitschäden, wie PAIS, Long Covid und ME/CFS, nicht ausreichend diagnostizieren. Unter anderem, weil die Erkrankungen erst 2025 (als freiwilliges Fach) in die Lehrpläne aufgenommen wurden.
Zwar wurde ME/CFS schon 1969 in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) aufgenommen, aber bis zur Pandemie-Zeit wenig erforscht. Das fehlende Wissen von Ärzt:innen führt oft zu einer Stigmatisierung der Patient:innen, Falschdiagnosen bzw. Verzögerungen und Versorgungslücken.
Long Covid, Post Covid und ME/CFS werden in Österreich auch als “Post-Akute-Infektions-Syndrome” (PAIS) zusammengefasst. Unter dem Sammelbegriff “Long Covid” werden umgangssprachlich alle Symptome zusammengefasst, die mehr als vier Wochen nach Beginn einer Covid-19-Erkrankung bestehen bzw. neu auftreten.
Bleiben Symptome zwölf Wochen oder länger bestehen, spricht man vom Post Covid bzw. dem Post-Covid-Syndrom. Nach sechs Monaten kann sich Post Covid chronifizieren und zu ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis), dem schwersten Long-Covid-Subtyp, weiterentwickeln.
Obwohl Medienberichte – etwa der BBC 2025 – sagen, dass die aktuellen Coronavarianten „milder geworden“ seien, bleibt eine Gleichsetzung des Virus, beispielsweise mit der Grippe, aus medizinischer Sicht unhaltbar, so Dr.in Kathryn Hoffmann vom Nationalen Referenzzentrum für PAIS.
Was viele nicht wissen: Das Coronavirus, so Immunologe Danny Altmann vom Imperial College London, tritt über das Jahr in sich-weiterentwickelnden Varianten auf, um möglichst viele, verschiedene “Schwachstellen” des Körpers ansteuern. So kann man, trotz einer Impfung oder überstandenen Krankheit, immer wieder an neuen Varianten erkranken – die auch nicht automatisch milder oder weniger ansteckend sein müssen. Impfstoffe können erst nach dem Auftreten einer neuen Variante entwickelt werden, wodurch wir etwas hinterherhinken.
Durch diese Anpassungsfähigkeit ist auch keine Herdenimmunität in der Bevölkerung erreichbar, sondern nur eine Teilimmunität. Dieser Umstand verhindert einen “endemischen Status” des Coronavirus, bei dem “die Zahl der Erkrankungen über die Zeit relativ konstant” bleibt und “nicht weiter zunimmt”.
Außerdem müssen für eine endemische Situation, so Dr.in Kathryn Hoffmann, alle Risikogruppen, darunter alte Menschen, Säuglinge, Menschen mit schwachem Immunsystem und/oder Vorerkrankungen, ausreichend geschützt sein. Da nach wie vor Infektionswellen auftreten, kann man heute nicht von einer kontrollierten, “stabilen Lage” sprechen, also einer Lage, die gut abschätzbar, vorhersehbar und für die ganze Bevölkerung ungefährlich wäre.
Mehrfachinfektionen erhöhen Wahrscheinlichkeit für Langzeitschäden
Die Wandelbarkeit des Virus führt zu einem weiteren Problem, nämlich zu häufigen Re- und Mehrfachinfektionen innerhalb der Bevölkerung.
Internationale Studien belegen inzwischen, dass sich die Risiken für coronabedingte Langzeitschäden mit jeder weiteren Infektion akkumulieren können. Jede Infektion beeinträchtigt das Immunsystem, die Gefäße und zahlreiche Organsysteme, inklusive das Nervensystem. Dadurch entstehen im Hintergrund körperliche Schäden, die sich mit jeder weiteren Infektion aufsummieren und ab einem gewissen Punkt bemerkbar machen.
Konkret bedeutet das, dass nicht nur das Risiko für postakute Infektionssyndrome (PAIS) steigt, sondern auch für weitere Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte, Thrombosen, Schlaganfälle, Diabetes, Organschäden und Autoimmunerkrankungen. Die großangelegte kanadische Langzeitstudie zeigte schon 2023, dass Re- und Mehrfachinfektionen zu höheren Long Covid Zahlen führen können.
Das “Long Covid-Risiko liegt nach der zweiten Infektion bei 25 Prozent und nach einer dritten sogar bei 38 Prozent”, erklärt der Wiener Neurologe Michael Stingl in einem Interview. Das ist vergleichbar mit der “Chance, beim Würfeln einen Sechser zu werfen. Je öfter man es probiert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit”.
Neuinfektion mit Corona erhöht das Risiko für Long Covid um 35 Prozent
Neue Ergebnisse der Untersuchungen rund um den Datenanalysten Daniel Brannock aus dem US-Langzeitforschungsprojekt RECOVER mit einer halben Million Proband:innen unterstreichen diese Daten: Eine Reinfektion erhöhe das Risiko, an Long Covid zu erkranken, um 35%. Das gilt auch für Personen, die bisher keine Long-Covid-Symptome hatten. Zudem ist das Immunsystem nach einer Coronainfektion nachweislich geschwächt, wodurch man wiederum anfälliger für neue Infektionen ist (APA 2024).
Eine Metaanalyse von Hou et al. 2025, die 429 Studien zwischen 2021 und 2024 untersucht hat, schätzt die globale Long-Covid-Verbreitung auf 36 % der infizierten Personen. Regionale Unterschiede zeigten zudem das häufigste Auftreten in Südamerika mit 51 % und die niedrigste in Asien mit 32 % (Europa bei 39%).
Das Team errechnete ein Akkumulationsrisiko pro Infektion von 10 %. Personen im Alter, sowie mit vorhandenen Vorerkrankungen oder schon bestehenden Folgeschäden, hatten wiederum ein höheres Risiko, weitere Verschlechterungen zu erleiden. Da sich das Coronavirus kontinuierlich verändert, ist weitere Forschung nötig, um verlässliche, verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können. Dennoch zeichnen sich bereits in den vorliegenden Langzeitstudien erkennbare Tendenzen ab, die Corona als gefährlicher einstufen als bisher gedacht.
Long Covid-Fälle werden zu chronischen Erkrankungen
Besorgniserregend an der Metastudie aus 2025 ist auch, dass circa die Hälfte der weltweiten Long Covid-Fälle noch nach zwei Jahren mit vielen Symptomen zu kämpfen haben. Ab sechs Monaten Krankheitsdauer werden Erkrankungen prinzipiell als chronisch eingestuft. Es liegt daher nahe, dass die Betroffenen zumindest am Post Covid Syndrom oder auch am Subtyp ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis) erkrankt sind.
Andere Studien, wie die von Dehlia & Guthridge, 2024 oder An et al. 2024 deuten darauf hin, dass nach einem halben Jahr ca. die Hälfte der Long-Covid-Betroffenen die Diagnosekriterien für ME/CFS erfüllt.
Auch heimische Zahlen aus dem Nationalen Referenzzentrum für PAIS belegen, dass sich die ME/CFS-Zahlen seit der Pandemie verdoppelt haben. Somit waren 2024 bereits 0,8 % der österreichischen Bevölkerung betroffen.
RECOVER spricht 2025 sogar von 15-Mal mehr Fällen von ME/CFS als vor der Pandemie. Damit gibt es mehr ME/CFS-Betroffene als von Multipler Sklerose (ca. 15.500 in Österreich) oder Parkinson (ca. 25.000 Betroffene in Österreich.
Long Covid-Risiko bei Kindern und Jugendlichen nach zweiter Infektion doppelt so hoch
Neue Daten aus einer großen retrospektiven Studie, in der eine halbe Million Gesundheitsakten von Kindern und Jugendlichen ausgewertet wurden, zeigen, dass bereits eine zweite Coronainfektion das Long-Covid-Risiko der Altersgruppe unter 21 Jahren verdoppelt.
Re-Infektionen scheinen bei Kindern, entgegen früherer Annahmen, das Risiko für Long Covid Erkrankungen nicht zu verringern. In einer Stellungnahme von Dr. Zhang heißt es dazu: “Viele hatten gehofft, dass Re-Infektionen mit Covid milder verlaufen oder ein geringeres langfristiges Risiko bergen würden, aber wir stellten erhöhte Risiken für eine breite Palette von Erkrankungen fest – was v.a. die Annahme infrage stellt, dass Kinder sich schnell wieder erholen”.
Rao et al., 2024 berichten, dass es nach einer Coronainfektion bei Kindern und Jugendlichen zu anhaltenden Beschwerden, neuen Symptomen oder einer Verschlechterung bestehender Vorerkrankungen kommen kann. Ungefähr 4% der Infizierten aus der Kohortenstudie mit 6 Millionen Gesundheitsakten entwickeln Long Covid. Es können auch völlig neue (chronische) Erkrankungen entstehen können, darunter das posturale orthostatische Tachykardie-Syndrom (POTS), das pädiatrische multisystemische Entzündungssyndrom (MIS-C), Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) sowie verschiedene Autoimmunerkrankungen. Das Bild aus der Studie zeigt, welche Körpersysteme betroffen sein können (siehe Bild; Rao et al., 2024).
Kinder haben höheres Risiko für Folgeerkrankungen
Auch Untersuchungen aus dem RECOVER-Forschungsprojekt verdeutlichen, dass Kinder und Jugendliche ein höheres Risiko für langfristige Schäden haben. Je nach Altersgruppe, von Säuglingen bis Kleinkindern, Volksschulkindern bis Teenagern, scheinen sich andere Long Covid Symptome herauszubilden.
Aus den Daten geht hervor, dass Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren ein größeres Risiko haben, Long Covid zu entwickeln. Darüber hinaus tragen Kinder und Jugendliche ein besonderes Risiko über eine längere Zeit hinweg Organschäden zu entwickeln: Wissenschaftler:innen fanden 2025 heraus, dass es bereits nach einer Infektion ein ca. 63% erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen, Herzentzündungen und Herzschwäche gibt.
In einer weiteren Studie zeigte man, dass infizierte Kinder und Jugendliche zu 35 % häufiger Nierenerkrankungen und zu 25% häufiger Darmprobleme entwickeln.
Zudem entwickelten Kinder und Jugendliche bis zu zwölf Monate nach der Erstinfektion seltene Gefäß- und Entzündungserkrankungen, wie arterielle und venöse Thrombosen, Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen. Im September publizierte RECOVER außerdem eine Studie mit 1,2 Millionen Proband:innen, die zeigte, dass infizierte Kinder und Jugendliche 1,5-Mal wahrscheinlicher Angststörungen und Depressionen entwickelten als Nichtinfizierte.
Es wird daher empfohlen, dass Kinder und Jugendliche sechs Monate bis zwei Jahre nach der Akutinfektion weiter beobachtet werden sollen.
Man kann von “Pandemie der Corona-Langzeitschäden” sprechen
Großangelegte Studien mit Millionen von Proband:innen und langen Untersuchungszeiträumen zeichnen mittlerweile ein klares Bild der Corona-Langzeitschäden. Diese betreffen bereits Millionen von Menschen und die Tendenz ist steigend.
Zwar gelten die Omikron-Varianten als weniger schädlich, doch bleibt ungewiss, welchen Verlauf die Entwicklung neuer Varianten nehmen wird. Aufgrund der Wandlungsfähigkeit des Coronavirus werden sich die Fallzahlen nicht zwingend stabilisieren.
Es ist bekannt, dass ME/CFS, wenn vom Coronavirus ausgelöst, bestimmte Symptome mit Long Covid teilt. ME/CFS wird als eine “multisystemische Störung” bezeichnet. Darunter fällt “ein Fortbestehen des Virus im Körper, eine Dysregulation des Immunsystems, eine Störung der Mitochondrienfunktion, ein fehlgeleitetes Abwehrsystem, Gefäßwand-Entzündungen und Störungen des Mikrobioms”.
Die meisten Forscher:innen, wie Kathryn Hoffmann und Suzanne Vernon, sehen das Symptom der “Post-Exertionellen Malaise” (PEM) als Alleinstellungsmerkmal für ME/CFS. PEM bezeichnet eine überproportionale Anstrengung des Körpers nach minimalen stressauslösenden Aktivitäten. Diese können körperlich, kognitiv oder emotional bedingt sein.
Zudem ist Teil der Erkrankung, dass sich ME/CFS mit jeder viralen oder bakteriellen Infektion weiter verschlechtern kann – bis zum Erwerbsverlust, Pflegebedürftigkeit und Bettlägerigkeit. Es gibt bisher keine spezifischen Medikamente oder Behandlungen. Die Besserungsrate liegt bei nur 7%.
Zudem gibt es auch gesellschaftliche Aspekte, die ein Fortbestehen der Fallzahlen begünstigen. Beispielsweise hat sich in der Bevölkerung eine sogenannte “Impfmüdigkeit” breitgemacht. Dadurch treten auch bereits zurückgedrängte Infektionskrankheiten vermehrt auf. Auf bekannte Präventionsmaßnahmen verzichtet man. Mag. Sandra Leiss vom Nationalen Referenzzentrum für PAIS bestätigt, dass man in Anbetracht der steigenden Zahlen von Langzeiterkrankten durchaus von einer vielschichtigen “Pandemie nach der Pandemie” sprechen kann:
Wenn man bedenkt, wie viele Menschen weltweit mehrfach infiziert wurden – und auch in Österreich überwiegend ohne Zugang zu Diagnostik oder Versorgung sind – dann kann manvon einer „Pandemie nach der Pandemie“ sprechen. Vor allem die Erkrankung ME/CFS ist nur wenig sichtbar, weil sie nicht im Krankenhaus oder in Intensivstationen stattfindet, sondern im abgedunkelten Schlafzimmer
Was kostet uns die “Pandemie nach der Pandemie”?
Die ME/CFS Research Foundation und Risklayer berechneten mit neuen Datenanalysemethoden die Kosten der Coronalangzeitschäden für Deutschland. Dazu zählen etwa Krankenstände und medizinische Versorgung sowie Kosten durch entgangene steuerliche Einnahmen durch Arbeitsausfälle.
Das Projekt ergab jährliche Kosten von 63,1 Milliarden Euro. Das sind 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts.
Die Österreichische Gesellschaft für ME/CFS führte 2024 in Kooperation mit der WU Wien eine Hochrechnung zu derselben Frage durch. Das Ergebnis für Österreich: Staatliche Kosten von 2,57 Milliarden Euro jährlich.
In den USA sprach man 2023 noch von 23 Millionen Betroffenen und 218 Billionen Dollar Kosten. Im Jahr 2025 haben sich die Zahlen schon verdoppelt und die Aussichten sind trüb: “Die derzeitige gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung durch Long Covid (…) wird weiter Jahr für Jahr wachsen, je mehr COVID-19-Fälle hinzukommen. Das könnte eine erhebliche Belastung für (…) das Gesundheitssystem und die Gesellschaft darstellen“.
Das deutsche Team nennt daher als wichtigste Maßnahmen für eine Kostenreduktion langfristige Investitionen in die Forschung sowie ein Verringern der generellen Infektionsraten.
Forschung, Sichtbarkeit und Prävention sind Mittel der Wahl
Trotz wissenschaftlicher Belege und Medienberichten bleibt eine weiterführende Diskussion des Problems aus. Was in amerikanischen Berichten, wenn auch reißerisch, bereits diskutiert wurde – z.B. wenn von einer “Massen-Gesundheitsschädigung durch Corona” die Rede ist bzw. war – hat in Österreich bisher nur wenig Beachtung gefunden.
In Österreich zeichnet sich der Trend ab, dass Corona-Langzeitschäden, inklusive PAIS, Long Covid und ME/CFS, zunehmend übersehen werden. Beispielsweise wurden bisher keine Präventivmaßnahmen, Anlaufstellen und Behandlungseinrichtungen für Betroffene eingerichtet, obwohl man die Umsetzung des Aktionsplans für Postvirale Infektionssyndrome (PAIS) bereits 2024 festgelegt hat.
Betroffene erhalten meist keinen Behindertenpass oder Geld in der Berufsunfähigkeit – 79 % werden abgelehnt – was viele Menschen in die Armut drängt. Sie fühlen sich zusehends vom Staat alleingelassen.
Dr.in Kathryn Hoffmann kommt zum Schluss: “Die gesundheitspolitische Herausforderung liegt darin (…) diese Entwicklung nicht zu bagatellisieren, sondern strukturell aufzufangen: durch Prävention, Früherkennung, Forschung und den Aufbau spezialisierter Behandlungsstrukturen”.
Prävention ist wichtigste Schutzmaßnahme
Da durch die Wandelbarkeit des Coronavirus eine stetige Herdenimmunität nicht möglich ist, bleiben regelmäßige Booster wichtig, die auf die aktuellen Varianten eingestellt sind.
Bewährte Maßnahmen wie Impfungen, FFP2-Masken, Lüften, Luftfilter, Händehygiene und bei Krankheit zu Hause zu bleiben, sind auch heute noch wirksame Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen.
Das gilt besonders für gefährdete Personen. Aber auch gesunde Personen sollten Mehrfachinfektionen vermeiden, um sich vor potenziellen Folgeschäden zu schützen. Gesamtgesellschaftlich sollte der Fokus auf eine potentielle sinkende Lebenserwartung bzw. auf eine Verlängerung der Lebensjahre in Gesundheit gerichtet sein.
Sandra Leiss, vom Referenzzentrum für PAIS betont, dass Gesundheitsschutz ein Akt der Solidarität ist. Denn für Menschen mit PAIS, Long Covid oder ME/CFS sind Rücksicht und bestehende Prävention essentiell, um sich in der Gesellschaft frei bewegen zu können. Der Schutz vor neuen Infektionen ist momentan eines der wenigen Mittel, die Betroffene zur Verfügung haben, um eine Verschlechterung ihrer Erkrankungen zu verhindern.
Aus diesem Grund plädiert Dr.in Kathryn Hoffmann für Sofortmaßnahmen, die eine saubere Luft in Innenräumen gewährleisten sollen: darunter den Einsatz von HEPA-Filtern, das Einbauen von Ab- und Belüftungsanalgen in öffentlichen Institutionen und Einrichtungen, öffentlichen Verkehrsmittel, Großraumbüros und im Gesundheitswesen:
Deutschland investiert 500 Millionen Euro zur Erforschung von Erkrankungen nach Virusinfektion
Deutschland hat am 13. November 2025 eine “Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen” mit einem Budget von 500 Millionen Euro für den Zeitraum 2026-2036 angekündigt. Dabei könnte auch die Entwicklung vielversprechender Medikamente unter Dr. Scheibenbogen aus der Charité Berlin einen Grund für die Investition darstellen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Ereignisse auch in Österreich spürbar werden.
Jana Winter ist seit Anfang 2025 Mitglied beim Verein Long Covid Austria. Sie arbeitet an der wissenschaftlichen Schnittstelle von Ethik, Philosophie und Technologie. Sie publizierte unter anderem mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sowie an der Tohoku Universität in Japan.



































