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Brasiliens Präsident Lula: „Um den Frieden zu schützen, müssen wir die Vereinten Nationen reformieren“

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Brasilien, Lula (Foto: Palácio do Planalto)

Foto: Palácio do Planalto

Luiz Inácio Lula da Silva Luiz Inácio Lula da Silva
in Gastbeiträge, Internationales
Lesezeit:3 Minuten
29. April 2026
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Luiz Inácio Lula da Silva ist seit 2023 zum dritten Mal Präsident Brasiliens und setzt sich wie bereits in früheren Amtszeiten für Umweltschutz, Sozialprogramme und Frieden ein. In seinem Gastbeitrag schreibt er über die Notwendigkeit, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu reformieren, um Kriege zu verhindern und das Völkerrecht zu schützen. Er kritisiert das weltweite Aufrüsten, den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Auswahl militärischer Ziele sowie Sanktionen ohne UN-Unterstützung. Mit der Erlaubnis der brasilianischen Botschaft in Wien dürfen wir den Gastbeitrag veröffentlichen.

Eine Welt ohne Regeln ist eine unsichere Welt. Es ist Zeit für einen Multilateralismus, der die globale Ordnung wirklich widerspiegelt.

Jeder Verstoß gegen das Völkerrecht zieht den nächsten nach sich. Von Afghanistan bis Iran und quer durch den Irak, Libyen, Syrien, die Ukraine, Gaza und Venezuela, die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem wird durch die stillschweigende Duldung des UN-Sicherheitsrats zunehmend verwischt. Seine ständigen Mitglieder nutzen das Veto sowohl als Schutzschild als auch als Waffe und handeln allzu oft ohne Bezug zur UN-Charta. Sie spielen mit dem Schicksal von Millionen und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.

Bis vor Kurzem wurde zumindest versucht, Interventionen durch UN-Unterstützung einen Anschein von Legitimität zu verleihen. Heute wird bei der offenen Machtausübung nicht einmal mehr der Schein gewahrt. Die Schutzmechanismen multilateraler Institutionen werden zu eng, um hegemoniale Rivalitäten einzudämmen. Ohne Multilateralismus riskieren wir, ein unvollkommenes System kollektiver Sicherheit durch die brutale Realität weitverbreiteter Unsicherheit zu ersetzen. Wenn alle Beschränkungen für den Einsatz von Gewalt aufgehoben werden, herrscht Chaos.

UN-Sicherheitsrat
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist eines der Hauptorgane der UNO, verantwortlich für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Er besteht aus 15 Mitgliedern: fünf ständigen (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) mit Vetorecht und zehn nicht-ständigen, die für zwei Jahre gewählt werden. Er kann Sanktionen verhängen oder militärische Maßnahmen beschließen.

Die Welt erlebt derzeit die höchste Anzahl bewaffneter Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist kein Zufall, dass dies in einer Zeit geschieht, in der Demokratie am Scheideweg steht. Extremismus ist sowohl Ausgangspunkt als auch Endpunkt eines Teufelskreises. Wenn Regierungen sich aus Intoleranz oder Machtarroganz in Kriege hineinziehen lassen, säen sie den Samen des Grolls, der zu noch mehr Hass und Gewalt führt.

Technologische Fortschritte mit zivilen und militärischen Anwendungen konfrontieren uns mit ethischen Fragen. Die Auswahl militärischer Ziele erfolgt bereits durch künstliche Intelligenz, ohne rechtliche oder moralische Rahmenbedingungen. Die Grundsätze des humanitären Völkerrechts – insbesondere die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten (etwa Soldat:innen, Anm.) – sind ernsthaft bedroht. Frauen und Kinder sind die Hauptleidtragenden dieser kollektiven Tragödie.

Wir erleben ein Wettrüsten, das Länder dazu treibt, immer mehr ihrer Budgets für Rüstung aufzuwenden. Die weltweiten Militärausgaben, die sich mittlerweile auf rund 2,7 Billionen US-Dollar belaufen, binden wertvolle Ressourcen, die stattdessen zur Bekämpfung von Hunger und Armut, zur Bewältigung der Klimakrise, zur Sicherstellung des allgemeinen Zugangs zu Bildung und zur Förderung der digitalen Teilhabe eingesetzt werden könnten. Noch gravierender ist der wiederkehrende Einsatz von Hunger als Kriegswaffe und die Straflosigkeit, mit der Zwangsumsiedlungen durchgeführt werden.

Weder Bomben noch Drohnen oder Raketen können Volkswirtschaften vor den Folgen bewaffneter Konflikte schützen. Schwankende Ölpreise bedeuten teurere – oder gar unzugängliche – Energie und Transport für Unternehmen und Verbraucher. Blockaden behindern den Handel. Düngemittelknappheit treibt die Lebensmittelpreise und die Kraftstoffinflation in die Höhe. Zentralbanken erhöhen die Zinsen und damit die öffentliche und private Verschuldung. Investitionsmöglichkeiten und Arbeitsplätze gehen verloren.

Lula, Präsident von Brasilien will eine Reform des UN-Sicherheitsrats

Einseitige Aktionen, willkürliche Maßnahmen, Souveränitätsverletzungen und Massenhinrichtungen werden immer häufiger. Eine in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Sanktionen ohne UN-Unterstützung – insbesondere wirtschaftliche – die Sterblichkeitsraten in den betroffenen Ländern beeinflussen und seit den 1970er Jahren durchschnittlich für etwa eine halbe Million Todesfälle pro Jahr verantwortlich waren.

Übermäßige Macht und Instabilität gehen Hand in Hand. Eine Welt ohne Regeln ist eine unsichere Welt, in der jeder das nächste Opfer sein kann. Gewalt kann den Dialog nicht ersetzen, und Zwang kann nicht über Diplomatie triumphieren. Die Vorrechte der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates sind in einer auf der souveränen Gleichheit der Nationen beruhenden internationalen Ordnung bereits jetzt nicht zu rechtfertigen. Werden sie unverantwortlich ausgeübt, werden sie untragbar. Es ist an der Zeit, entschlossen zu handeln und die Handlungsfähigkeit der reformierten Vereinten Nationen wiederzuerlangen, damit sie nicht länger nur Zuschauer der Ereignisse bleiben, die uns alle betreffen.

Über den Autor
Luiz Inácio Lula da Silva ist seit Januar 2023 zum dritten Mal Präsident Brasiliens. Bereits in seinen ersten beiden Amtszeiten (2003–2011) gelang es seiner Regierung, mit Sozialprogrammen wie Bolsa Família und Fome Zero extreme Armut und Hunger im Land spürbar zu verringern. In seiner aktuellen Amtszeit setzt er Schwerpunkte auf Klima- und Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und die Re-Industrialisierung Brasiliens. Auf internationaler Bühne präsentierte er sich zuletzt als Gastgeber des G20- und BRICS-Gipfels sowie der Weltklimakonferenz COP30 in Belém im November 2025.
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Valie Export war eine der radikalsten und bekanntesten österreichischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde sie durch provokante Performances, Filme und Fotografien, mit denen sie Rollenbilder, Sexualität und die Darstellung von Frauen hinterfragt hat. International bekannt wurde sie in den 1960er- und 70er-Jahren mit Aktionen wie dem „Tapp- und Tastkino“, bei dem Passant:innen ihre Hände durch einen Vorhang stecken konnten – ein direkter Angriff auf den männlichen Blick und die Objektifizierung von Frauen. Mit ihrer Kunst machte Valie Export Feminismus sichtbar, lange bevor Gleichberechtigung selbstverständlich war. Heute gilt sie als Pionierin der feministischen Medien- und Performancekunst und beeinflusst Künstler:innen bis heute. Zitat: Ich war immer der Meinung, dass Frauen genauso viel Macht haben sollten wie Männer. Nämlich Macht, Dinge zu verändern. Valie Export

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