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Verlängerung von Wehr – und Zivildienst: „Junge Menschen haben kaum Mitspracherecht“

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Leistungsschau des Österreichischen Bundesheeres. (Foto: APA Picturedesk/Daniel Scharinger)

Leistungsschau des Österreichischen Bundesheeres. (Foto: APA Picturedesk/Daniel Scharinger)

Larissa Zivkovic Larissa Zivkovic
in Gastbeiträge
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9. Juni 2026
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Die globale Sicherheitslage ist in den letzten Jahren immer weiter aus den Fugen geraten.  Weltweit wird für Aufrüstung so viel ausgegeben wie noch nie. Jetzt wird auch in Österreich wieder über höhere Militärausgaben sowie über eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst diskutiert. Gegen eine Verlängerung auf insgesamt 10 Monate (Zivildienst 12 Monate) – wie sie von der Wehrdienst-Kommission empfohlen wird – kommt vor allem von jungen Menschen Kritik. Gerade sie wären von längeren Pflichtdiensten unmittelbar betroffen, haben in der Debatte aber kaum Mitspracherecht. Zudem bleibt die Frage offen, ob eine bloße Verlängerung ohne grundlegende Reformen des Bundesheeres die bestehenden Probleme tatsächlich lösen kann.

Seit Monaten wird in Österreich über die Verlängerung von Wehr- und Zivildienst diskutiert. Die von ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eingesetzte Wehrdienst-Kommission präsentierte im Februar 2026 ihre Empfehlungen. Als bevorzugte Lösung schlägt die Kommission vor, den Wehrdienst von sechs auf acht Monate auszuweiten und um zwei Monate Truppenübung zu ergänzen.

Die Pläne sehen vor, auch den Zivildienst von neun auf zwölf Monate zu verlängern. Als Grund für die Verlängerung werden „mangelnde Verteidigungsfähigkeit“ und fehlende Einsatzbereitschaft im bestehenden Modell genannt. Letztere meint einerseits eine ausreichende personelle Stärke, um einsatzbereit zu sein, aber auch die nötige Ausrüstung dafür zu haben. 

4 Monate mehr Wehrdienst: Jugendvertretung hat dabei kein Mitspracherecht

Umfragen zur Verlängerung von Wehr- und Zivildienst zeigen, dass die Zustimmung mit steigendem Alter zunimmt. Jüngere Personen, die unmittelbar vor dem Wehr- oder Zivildienst stehen oder diesen erst vor Kurzem beendet haben, sehen eine Verlängerung hingegen deutlich kritischer. In der Ö3-Jugendstudie sprachen sich beispielsweise 66 Prozent gegen eine Verlängerung aus.

Vor allem junge Menschen wären unmittelbar von längeren Dienstzeiten, einem späteren Berufseinstieg und zusätzlicher finanzieller Belastung betroffen. Trotzdem diskutieren und entscheiden gerade jene Menschen über eine Verlängerung, die diese Dienste selbst nicht mehr leisten müssen.

Für viele Jugendliche bedeutet ein längerer Pflichtdienst, erst später ihren Ausbildungsweg beginnen oder in einen Beruf einsteigen zu können. Sie sind es, die noch mehr Monate als bisher mit einer Entschädigung von rund 500 € leben müssten. Obwohl fast ausschließlich Jugendliche, also vor allem Männer unter 18 betroffen sind, hat diese Gruppe bei der Entscheidung über eine Verlängerung der Wehrpflicht kein Mitspracherecht.

In der Wehrdienst-Kommission hatten die zwei Jugendvertretungen etwa nur beratende Funktion, abstimmen durften sie nicht. Am Ende sprachen sich die Bundesschulsprecherin und die Jugendvertretung gegen die Vorschläge der Kommission aus. 

Ein längerer Wehrdienst würde also noch mehr verlorene Zeit, noch weniger Planbarkeit und noch größere soziale Abhängigkeit bedeuten. Selbst die Kommission merkt in ihrem Bericht an, dass Personen, die Grundwehr- oder Zivildienst leisten, ein vergleichsweise geringeres Lebenseinkommen haben. Auch der weitere Bildungsweg junger Männer verzögert sich. 

Mehr vom Selben statt Reform: ist ein längerer Wehrdienst die Lösung?

Das österreichische Bundesheer ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Es übernimmt neben der Landesverteidigung zentrale Aufgaben der öffentlichen Sicherheit, beispielsweise wenn es um Katastrophenschutz oder Unwettereinsätze geht. Gleichzeitig soll es den gesellschaftlichen Anspruch erfüllen, demokratisch, sozial gerecht und lehrreich für die Auszubildenden organisiert zu sein. 

Eine pauschale Verlängerung des Grundwehrdienstes kann die strukturellen Probleme des Bundesheeres nicht lösen. Dafür braucht es ein umfassendes sicherheitspolitisches Gesamtkonzept. Dabei muss anhand klar definierter Kriterien überprüft werden, welche Aufgaben das Bundesheer erfüllen soll und wie diese bestmöglich umgesetzt werden können.

Erst wenn in einer breiten Debatte geklärt wird, welche Aufgaben und Ansprüche wir als Gesellschaft an das österreichische Bundesheer im Jahr 2026 stellen, kann seriös und ehrlich über Personalbedarf diskutiert werden. Denn ohne die bestehenden Strukturen und Abläufe zu evaluieren und grundlegend zu verändern, wird auch eine plumpe Verlängerung die Probleme nicht lösen. 

Weltweite Militarisierung: Auch das Bundesheer rüstet auf

Der allgemeine Trend zu Militarisierung und Aufrüstung beeinflusst auch die Forderung nach einem längeren Wehrdienst. Seit Jahren steigen in Europa und auch in Österreich infolge des Kriegs in der Ukraine die Ausgaben für Verteidigung und Rüstungsmaterial. Was fehlt, ist die gesellschaftliche Auseinandersetzung, ob und wie aufgerüstet werden soll. 

Die Folgen dieser Prioritäten sind spürbar: Die Regierung muss im Zuge der Budgetsanierung in weiten Bereichen des Staatshaushalts sparen, gleichzeitig erhöht sie aber die Ausgaben für Militär und Rüstung. 

Österreich braucht dagegen ein Gesamtkonzept für die öffentliche Sicherheit. Jugendliche zu noch mehr Monaten Wehr- oder Zivildienst zu verpflichten, ohne über die nötigen Reformen des Bundesheeres nachzudenken, ist weder fair noch nachhaltig. 

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