Es gibt einen Nebeneffekt von Windrädern bzw. Windparks, über den redet man noch nicht: Sogenannte Offshore-Windparks – Windräder in Küstennähe im Meer – schaffen unter Wasser neue Lebensräume. An ihren Fundamenten entstehen geschützte Riffe, in denen sich mehr Krebse ansiedeln als auf dem Meeresboden. Windparks dieser Art sind also nicht nur in der Frage der Energiewende relevant, sondern unterstützt auch nachhaltigen Fischfang.
An den Fundamenten der Windräder in der südlichen Nordsee leben zahlreiche Taschenkrebse und Hummer. Die deutsche Küstenfischerei kann davon profitieren, wenn sie statt Schleppnetzen Krebskörbe einsetzt. Das Thünen-Institut prüft bis 2029, wie das funktionieren kann.
Die Windräder stehen nicht einfach auf dem nackten Meeresboden. Rund um jedes Fundament schütten die Betreiber große Steine auf, damit Strömungen den Sand unter der Anlage nicht wegspülen. Für das Leben in der Nordsee wirkt diese Steinschüttung wie ein künstliches Riff. Auf dem weichen Sandboden finden Krebse und Muscheln sonst kaum Halt. An den Steinen können sie sich festsetzen, Schutz finden und wachsen.
An Windrad-Fundamenten siedeln sich viel mehr Krebse an als am normalen Meeresboden
Das Thünen-Institut, ein Bundesforschungsinstitut für Fischerei, Wald und ländliche Räume, hat den Effekt schon länger im Blick. An einzelnen Fundamenten zählten Forscher:innen vor rund zehn Jahren bis zu 5.000 Taschenkrebse, ein Vielfaches der Zahl auf den umliegenden Sandböden. Auch Kabeljau und Hummer halten sich an den Anlagen auf. Junge Krebse wachsen dort heran, erwachsene Tiere wandern bis zu einen Kilometer weit in umliegende Gewässer ab.
Für die Küstenfischer war der Ausbau der Windparks zunächst eine schlechte Nachricht. Zwischen den Anlagen sind Schleppnetze verboten, weil sie Kabel und Leitungen am Meeresgrund beschädigen könnten. Damit fielen Fanggebiete für Krabben weg.
Fischerei neu aufstellen: Krebskorb statt Schleppnetz
Im Projekt PassFisch untersucht das Thünen-Institut, ob sich die Fischerei umstellen lässt: weg vom Schleppnetz, hin zum Krebskorb. Das sind stationäre Reusen, die auf den Meeresgrund gelegt werden. Die Krebse kriechen hinein, der Boden bleibt unberührt, Beifang gibt es kaum.
Weil Schleppnetze in den Windparks nicht hinfahren dürfen, wirken die Flächen außerdem wie Ruhezonen. Der Boden wird nicht umgepflügt, Jungtiere können ungestört heranwachsen. Ein Teil schwimmt später hinaus und stärkt die Bestände in den umliegenden Gewässern. Projektleiterin Vanessa Stelzenmüller sagt, Windparks könnten an einigen Orten eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Alternative zur bisherigen Krabbenfischerei bieten.
Bis August 2029 will das Team klären, wie groß die Bestände wirklich sind, ob sich der Krebsfang für die Betriebe rechnet, zu welchen Preisen sich Taschenkrebs und Hummer verkaufen lassen und unter welchen Bedingungen die Windpark-Betreiber Krebskörbe zwischen ihren Anlagen zulassen. Finanziert wird das Vorhaben vom Land Niedersachsen über einen EU-Fischereifonds.


































