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Faire Flugticket-Steuer würde 150 Mrd. jährlich für Klimaschutz bringen

Faire Flugticket-Steuer würde 150 Mrd. jährlich für Klimaschutz bringen

FEPS FEPS
in Umwelt & Klima
Lesezeit:3 Minuten
18. Februar 2020
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Einkommensunterschiede und CO2-Emissionen hängen miteinander zusammen. Die reichsten 10% sind für 45% der globalen Emissionen verantwortlich, die maßgeblich den Klimawandel beeinflussen. Diese Missverhältnisse werden besonders im Flugverkehr deutlich. Die Lösung: Die Einführung einer erneuerten und fairen Flugsteuer. 

Der Flugverkehr gehört eigentlich zu einer der  größten Quellen von Treibhausgasemissionen. Dennoch ist er bisher nur wenig von Maßnahmen zur Senkung der Emissionen  betroffen. Bis jetzt gibt es keine globale Regulierung, welche die Attraktivität des Fliegens senke würde. Gleichzeitig ist der Kampf gegen den Klimawandel global noch unterfinanziert. Dabei muss es Ziel sein, sich an die Änderungen des Klimas, die aufgrund der globalen Erwärmung eintreten, anzupassen. So dass zukünftige Schäden so weit wie möglich vermieden werden können. Die Schaffung einer fairen Flugverkehrssteuer ist sowohl eine Finanzierungsquelle für die Anpassung an den Klimawandel als auch ein Weg zu mehr Klimagerechtigkeit.

Die Anpassung an die globale Erwärmung ist unterfinanziert

„Während die Gesamtfinanzierung für die Anpassung an den Klimawandel unzureichend ist, sind die Emissionen des Luftverkehrs exponentiell dynamisch.“

Der Green Climate Fund (2010) ist eines der wichtigsten Instrumente, um Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu finanzieren. Doch er wird von den Industrieländern nicht ausreichend finanziert. Ziel war, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zu beschaffen. Auf der letzten Konferenz zur Wiederauffüllung des Fonds stellten die Länder jedoch nur 10 Milliarden Dollar für den Zeitraum 2020-2023 bereit.

Gleichzeitig nimmt der weltweite Flugverkehr stetig zu: Er verdoppelt sich alle 15 Jahre. Im Jahr 2037 könnte der Luftverkehr 8,2 Milliarden Passagiere erreichen. Zum Vergleich: 2017 sind es 4,1 Milliarden Passagiere. Dabei ist das Fliegen für etwa 5% der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung verantwortlich.[1]  Die Gesamtemissionen des Luftverkehrs sollen sich Schätzungen zufolge bis 2050 mindestens verdreifachen.[2]

Flugsteuern können zu Schließungen von kleineren Flughäfen führen. Der Flugverkehr könnte beeinträchtigt werden.
Der CO2-Ausstoß bei Flugzeugen ist deutlich höher als bei anderen Transportmittel.

Es braucht eine faire Flugsteuer auf Flugtickets

Wenn man die Umweltverschmutzung pro Person und pro Kilometer berücksichtigt, gilt der Flugverkehr auf jeden Fall als das umweltschädlichste Verkehrsmittel. Die Fluggesellschaften wissen bereits, wie wichtig es ist, etwas zu verändern.  

„Der Flugverkehrssektor wird von den internationalen Mechanismen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen nicht berücksichtigt.“

Die Emissionen des internationalen Flugverkehrs werden nicht durch das Kyoto-Protokoll (1997) und das Pariser Abkommen geregelt. Nach dem Abkommen von Chicago (1944) kann Kerosin nicht international besteuert werden, sodass eine solche Flugverkehrssteuer nur auf nationaler Ebene eingeführt werden kann. 

Da es wenig wahrscheinlich ist, einen europäischen Konsens zu erzielen, könnten nationale Flugverkehrssteuern eine realistischere Alternative sein. Diese könnten zur internationalen Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel beitragen und den Weg zur Klimagerechtigkeit freimachen. 

Doch nationale Lösungen führen nicht schnell genug zu Veränderungen. Zwei französische Ökonomen, Lucas Chancel und Thomas Piketty, haben ein statistisches Instrument entwickelt, das individuelle Emissionen statt nationale Emissionen misst. Dieses Instrument kann Einkommensunterschiede und CO2-Emissionen miteinander verbinden.[4] Ihren Ergebnissen zufolge sind die Reichsten 10%  auf der Erde für 45% der globalen Emissionen verantwortlich. Globale Emissionen sind also in den wohlhabenden Schichten auf der ganzen Welt besonders stark.

Statistik: die reichsten 10% sind für 45% der Emissionen verantwortlich. Bleibt dieser Zustand erhalten, wird die Abbremsung des Klimawandels erschwert.
Die reichsten 10% sind für 45% der Emissionen verantwortlich, Quelle: Chancel and Piketty (2015)

180 Euro für erste Klasse, 20 Euro für Economy Class

Eine Flugverkehrssteuer beantwortet die Frage „Wer muss zahlen?“ auf die gerechteste Art und Weise. In dieser Logik geht es nicht mehr darum, die Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel auf  Länder, sondern auf die Personen, die am meisten emittieren, zu stützen.

„Der Luftverkehr kann sich als relativ guter Indikator für ein hohes Einkommen und einen hohen CO2-emittierenden Lebensstil auszeichnen. Er wird im Allgemeinen mit einem hohen Lebensstandard – zumindest auf Weltebene – in Verbindung gebracht, und in der Regel wird auch eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Einkommens- oder Gesellschaftsgruppen mit dem Economy-/First- und Business-Class-System getroffen. (…) [Eine solche Steuer] würde Personen mit hohem Einkommen und hohe Emittenten erreichen. 

Chancel, Piketty, 2015 – „Kohlenstoff und Ungleichheit: von Kyoto bis Paris“.

Eine Erhöhung der Kosten pro Flugticket für jeden Flug in der Welt würde die Finanzierung der Anpassung erleichtern. Denn die Berechnungen von Chancel und Piketty zeigen: Wenn man alle Flugtickets der ersten Klasse mit bis zu 180 Euro und die der Economy-Klasse mit bis zu 20 Euro besteuert, würde das jedes Jahr 150 Milliarden Euro einbringen. Nationale und internationale Flüge könnten ebenfalls unterschieden werden, um diesen Beitrag noch fairer zu machen. Diese Art der Flugsteuer bietet den Vorteil, die Finanzierung von Anpassungsfonds zu ermöglichen, ohne die schwächsten Bevölkerungsgruppen einzubeziehen.

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Kritisierer
Kritisierer
23. Februar 2020 17:11

Auch das Benzin muss noch viel teurer werden, und noch mehr Rauchverbot. Davon wird das Wetter besser. Herzlichst, Ihre GrünInnen!

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walter Kern
walter Kern
19. Februar 2020 09:05

Die Flugticketpreise sind tatsächlich viel zu billig. 20,00 Euro Wien Berlin ist ein Witz. Die Preise wieder auf eine vernünftige Basis zu heben wäre eine richtige Maßnahme. Früher war das Fliegen nur den Wohlhabenden vorbehalten. Heute kann es sich eine breitere Masse erlauben, die Welt zu bereisen. Weshalb die Luftfahrt extrem expandierte. Ich finde dass Reisen ein allgemeines Menschenrecht sein sollte. Andererseits ist die Preiserhöhung wieder nur eine Maßnahme die den Verbraucher bestraft und dem Anbieter nützt. Manche können sich dann dieses Reisen nicht leisten oder verwenden eine andere Art. Dem Anbieter ist es gleich, er hat weniger Flugbetrieb, muss daher weniger leisten und hat dennoch den gleichen Umsatz und damit mehr Gewinn. Durch diese scheinbare Regulierungsmaßnahme wird das Problem nicht gelöst, sondern dient wieder nur dem Interesse einiger Weniger. Die Fluggeräte und der Treibstoff bleiben trotzdem ein Umweltkiller. Wieso getraut sich keine Regierung, keine Behörde und auch kein Aktivist zu fordern, dass die Fluggerät so umgebaut werden, dass die Treibstoffe so gestaltet sind, damit die Umwelt massiv entlastet wird. Nicht das Fliegen selbst ist das Problem, sondern dass die Flugbetriebe nicht gezwungen sind, sich an Umweltstandards zu halten. Fazit: Wie immer gehen alle Initiativen nur zu Lasten des Verbrauchers. Preise erhöhen ja, aber mit der Auflage das die Mehreinnahmen nur für die umwelttechnischen Modernisierungen der Fluggeräte verwendet werden dürfen.

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Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman
Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman

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