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EU-Gesetz will weltweit Wälder schützen: Industrie und rechte Parteien wollen es verhindern

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Quelle: unsplash

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Thomas Hackl Thomas Hackl
in Landwirtschaft, Nachrichten, Umwelt & Klima
Lesezeit:5 Minuten
29. April 2026
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Die Entwaldungsverordnung soll sicherstellen, dass in der EU keine Produkte verkauft werden, für die Wälder gerodet wurden. Das schützt nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch die vergleichsweise hohen Umweltstandards in Österreich und der EU. Heimische Produkte, die auf einer nachhaltigen Nutzung unserer Wälder basieren, haben dadurch auch einen Wettbewerbsvorteil. Sie müssten dann nicht mehr mit Produkten konkurrieren, für die Wald und Natur zerstört werden, um Profite zu machen. Rechte Parteien und Industrieverbände möchten die Entwaldungsverordnung jedoch verhindern oder zumindest verwässern.

Inhalt
1) Hohe Standards vs. billig Holz
2) EU-Entwaldungsverordnung soll weltweit Wälder schützen
3) So funktioniert die Entwaldungsverordnung
4) Schutz für Klima und heimische Land- und Forstwirtschaft
5) Rückverfolgung hilft gegen Etikettenschwindel
6) Entwaldungsverordnung als Stütze im Handel mit Mercosur
7) Industrie und rechte Parteien gegen Entwaldungsverordnung
8) Kleinunternehmen vorschieben, um Großunternehmen zu schützen
9) Druck aus Trumps USA
10) Verschieben, verwässern, verhindern

Österreich ist weltweit ein Vorbild bei nachhaltiger Forstwirtschaft. Wir haben eines der strengsten Forstgesetze weltweit, was dazu beiträgt, dass wir mit besonders hohen Standards arbeiten. Das ist ein Mitgrund dafür, warum der Wald in Österreich wächst, anstatt – wie in anderen Ländern – zu schrumpfen.

Hohe Standards vs. billig Holz

Diese hohen österreichischen Standards haben aber auch eine Kehrseite: Produkte aus Österreichs Wäldern sind verhältnismäßig teuer. Während in anderen Ländern ganze Landstriche abgeholzt werden, um das Holz zu verkaufen und die Fläche danach für die Landwirtschaft zu nutzen, sind Rodungen in Österreich nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Anders als flächendeckendes Roden ist nachhaltiges Forstmanagement zeit- und wissensintensiv.

Anders als in vielen anderen Ländern der Welt, wächst die Waldfläche in Österreich anstatt zu schrumpfen. Ein wichtiger Grund dafür ist die vergleichsweise nachhaltige Bewirtschaftung unserer heimischen Wälder. Quelle: unsplash

Diesen Weg einer nachhaltigen Forstwirtschaft hat Österreich aber nicht allein dem Wald zuliebe gewählt, sondern auch deshalb, weil ein gesunder Wald zentral für eine gesunde Umwelt ist. Denn was viele nicht wissen: Entwaldung ist einer der größten Treiber der Klimakrise und von Umweltzerstörung.
Ein neues EU-Gesetz soll verhindern, dass Produkte aus Rodungen in der EU verkauft werden. Industriekonzerne und rechte Parteien wollen es jedoch verhindern.

EU-Entwaldungsverordnung soll weltweit Wälder schützen

Dieses Gesetz ist die EU-Entwaldungsverordnung, auch EUDR genannt. Sie umfasst Produkte, für deren Herstellung besonders häufig Wälder abgeholzt werden. Dazu zählen etwa Soja, Palmöl, Rinder, Kakao, Kaffee, Kautschuk oder eben Holz. Das Ziel ist: Die EU will nachvollziehen, auf welchen Stück Land ein Produkt produziert wurde und ob dieses Land dafür abgeholzt wurde.

So funktioniert die Entwaldungsverordnung

Ein Produkt braucht diesen Nachweis, wenn es das erste Mal auf den EU-Markt kommt. Das kann auf zwei Arten passieren: Entweder wird das Produkt von außerhalb der EU in die EU importiert, oder es wird direkt in der EU erzeugt und kommt hier auf den Markt.

Die Rückverfolgbarkeit erfolgt digital. Produzent:innen müssen dafür die Geodaten jener Fläche, auf der das Produkt entstanden ist, in eine Datenbank eingeben. Geodaten können hier ein Standort sein, ähnlich wie wir ihn aus Google Maps kennen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bei kleinen Produzent:innen auch die Postadresse ausreichen. Für den Eintrag in die Datenbank bekommt der Produzent oder die Produzentin für das Produkt eine Referenznummer und gibt diese an die Käufer:innen weiter.

Ein ähnliches System kennen wir bereits bei frischen Eiern, wo nachverfolgt werden kann, woher das Ei kommt. Bei der Entwaldungsverordnung geht die Rückverfolgung jedoch nicht so weit wie bei Eiern. Die Referenznummer gelangt nicht bis zu den Konsument:innen, sondern nur bis zu jenem Unternehmen, das das Produkt vom Produzenten oder von der Produzentin kauft.

Schutz für Klima und heimische Land- und Forstwirtschaft

Das Gesetz hat enorme Vorteile für das Klima: In der EU dürften dann keine Produkte mehr verkauft werden, für die Regenwälder oder andere Wälder zerstört werden. Nach China ist die EU der größte Importeur von Produkten, die mit Entwaldung in Verbindung stehen.

Gleichzeitig hat die EU-weite und besonders die österreichische Land- und Forstwirtschaft durch das Gesetz einen enormen Vorteil. Sie muss nicht mehr mit Produkten konkurrieren, für die Wälder zerstört werden, um Profite zu machen. Das nachhaltige Management unserer heimischen Wälder wird dadurch zusätzlich zum ökologischen Vorteil auch zu einem Wettbewerbsvorteil.

Rückverfolgung hilft gegen Etikettenschwindel

Zusätzlich hilft die Rückverfolgung dieser Produkte auch im Kampf gegen Betrug in der Holzindustrie. Besonders nach Österreich wird Holz importiert, das in Rumänien geschlägert wurde, teils auch in Schutzgebieten. In Österreich wird das Holz aber nicht als rumänisches, sondern als österreichisches Holz verkauft. Mit diesem Schwindel lässt sich viel Geld verdienen, denn das Holz aus Rumänien wird viel billiger produziert als heimisches Holz.

Quelle: unsplash
Holz aus Rumänien wird am heimischen Markt oft als österreichisches Holz angeboten. Quelle: unsplash

Durch die EU-Entwaldungsverordnung kann dem ein Riegel vorgeschoben werden. Davon profitieren jene Produzent:innen und Händler:innen, die ehrlich arbeiten, sowie die österreichische Forstwirtschaft insgesamt, weil sie nicht mehr mit illegalem Holz aus Rumänien konkurrieren muss.

Entwaldungsverordnung als Stütze im Handel mit Mercosur

Auch auf das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika hat die Entwaldungsverordnung positive Auswirkungen. Gerade in Ländern wie Brasilien werden Rinder auf Weiden gehalten, die früher Regenwald waren. Mit der Entwaldungsverordnung dürften diese Produkte nicht mehr in die EU importiert werden. Die Verordnung wäre damit ein Schutz gegen Produkte mit schlechten Umweltstandards.

Industrie und rechte Parteien gegen Entwaldungsverordnung

Industrieverbände und rechte Parteien wettern jedoch gegen die EU-Entwaldungsverordnung. Sie kritisieren, dass die Verordnung zu einem enormen Bürokratieaufwand führen würde und besonders die kleinteilige Land- und Forstwirtschaft in Ländern wie Österreich treffen würde.

Das ist jedoch nur ein vorgeschobenes Argument. Für Klein- und Kleinstunternehmen gibt es vereinfachte Vorgaben. Meistens reicht eine vereinfachte Erklärung; bei der Herkunftsangabe kann statt Geodaten auch die Postadresse genügen. Als Klein- und Kleinstunternehmen gelten in der EU grundsätzlich Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und bestimmten Umsatzgrenzen. Dazu gehören fast alle land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Österreich.

Mit einem relevanten Mehraufwand an Bürokratie hat nur eine kleine Zahl größerer Unternehmen in Österreich zu rechnen.

Kleinunternehmen vorschieben, um Großunternehmen zu schützen

Warum wettern dann so viele Industrieverbände und rechte Parteien gegen die Entwaldungsverordnung? Ihnen geht es vor allem um größere Unternehmen und deren Profite. Kleinunternehmen oder die Natur spielen für sie kaum eine Rolle.

Kleinunternehmen sind ihnen dann wichtig, wenn es um PR-Zwecke geht. Die meisten Menschen werden wenig Mitleid mit großen Unternehmen haben, wenn diese mehr Verwaltungsaufwand haben, wollen aber kleine Produzent:innen unterstützen. So werden für PR-Zwecke kleine Unternehmen vorgeschoben, damit Großunternehmen weiterhin hohe Profite machen.

Diese Vorgehensweise kennt man auch aus anderen Bereichen, wenn etwa die kleine Tischlerei aus dem Nachbarort oder das Sparbuch der Großmutter als Beispiel angeführt werden, um zu erklären, warum große Vermögen und Erbschaften nicht besteuert werden sollten.

Druck aus Trumps USA

Es sind aber nicht nur europäische Parteien und die Industrie, die gegen die Entwaldungsverordnung wettern. Besonders aus den USA kommt Druck. Die dortige Wirtschaftslobby will sicherstellen, dass US-Unternehmen auch in Zukunft ihre Produkte problemlos in die EU importieren können – unabhängig davon, ob dafür Wald gerodet wurde oder nicht. Dafür reiste im März eine eigene US-Delegation nach Europa, um Druck auf die Regierungen der EU-Staaten auszuüben.

Quelle: unsplash
Trump will den Umweltschutz in der USA reduzieren. Das kann zu einem Verlust der dortigen Waldflächen führen. Quelle: unsplash

Unter Präsident Trump hat dieses Thema noch mehr Gewicht bekommen, weil seine Regierung Umweltstandards abbauen und öffentliche Wald- und Schutzgebiete stärker für Rodungen, Bergbau und Ölförderung öffnen will.

Verschieben, verwässern, verhindern

Eigentlich hätte die Entwaldungsverordnung Ende 2024 zur Anwendung kommen sollen. Auf Druck von rechten Parteien und Industrie wurde dieses Datum jedoch mehrmals nach hinten verschoben. Aktuell sollen die zentralen Pflichten ab 30. Dezember 2026 gelten, für bestimmte natürliche Personen sowie Mikro- und Kleinunternehmen teils erst ab 30. Juni 2027.

Der Druck von rechten Parteien und Industrie hat auch dazu geführt, dass die Vorgaben der Entwaldungsverordnung immer weiter verwässert wurden und es zusätzliche Ausnahmen für Unternehmen gibt. Auch aktuell gibt es Druck, die Entwaldungsverordnung weiter aufzulockern. Die Gefahr besteht, dass der Gesetzestext so weit verwässert wird, dass die Verordnung zahnlos wird. Die Leidtragenden wären nachhaltige und heimische Unternehmen sowie Natur und Klima – und somit wir alle.

Parlament Das Thema "Entwaldungsverordnung" im Parlament

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3 Comments
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PureWahrheit
PureWahrheit
17. Mai 2026 23:53

Ach, nur die Rechten gefährden den Wald? Wenn es nur so wäre! Würden wir die Windkraft so massiv ausbauen wie es sich die Klimaschützer wünschen, hätten wir eine massive Waldzerstörung. Schon die Windkraftzonierung in der Steiermark sieht ziemlich erschreckend aus (ja, da haben auch Rechte mitgewirkt). Natürlich wird man wieder einwenden: Ach, die Versiegelung durch Windkraftwerke ist ja nicht so groß … Da erwidere ich: Falsch! Das wird hier nur kleingeredet. Denn es müssen häufig neue Straßen gebaut werden, Stromleitungen … Oft erwähnen sie nur die „geringe“ Versiegelung, die ein Windrad verursacht- dass bereits diese überhaupt nicht gering ist (gibt schlimme Bilder davon im Internet) und ein Windpark aus mehreren Windkraftanlagen besteht, wird nicht gesagt. Man zerstört Grünland und Wald und nennt es grün. Die größte Dreistigkeit! Und Kraftwerke gehören nicht in den Wald, schon gar nicht, wenn sie wie die Windindustrieanlagen nachweislich Vögel und Fledermäuse töten (und dass Katzen mehr Vögel töten tut nichts zur Sache, da sie nicht als umweltfreundlich verkauft werden und in den Wald gestellt werden). Dass bei uns der Wald wächst, kann ich auch allgemein leider nicht bestätigen. Wenn ich mir die Kahlschläge in meiner Gegend ansehe … dann wird sicher wieder billig dem Borkenkäfer die Schuld gegeben … und immer wieder Forstarbeiten … und Forststraßen, die plump in den Hang gegraben wurden, so dass dessen lose Erde ohne Strauchschicht freiliegt und herunterbröselt … Wahrscheinlich ist nur die Fläche der Waldgrundstücke nicht geschrumpft, aber viele Bäume auf diesen Flächen wurden schon abgeholzt. Das nennt sich dann auch noch Wald. Wer schützt unsere Wälder wirklich? Leider niemand!

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Antworten
lichtenberg
lichtenberg
7. Mai 2026 20:01

Die EU will weltweit die Wälder schützen ? Hat die Leyen keinen Globus zu Hause? Wer den Planeten retten will, muss die herrschenden Eliten stürzen !

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0
Antworten
Klaus
Klaus
Reply to  lichtenberg
11. Mai 2026 19:23

Sie sollte sich also sozusagen selbst stürzen 🙂

1
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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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