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Ecuador-Studie macht Hoffnung: Regenwälder können sich schneller erholen als gedacht

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Regenwald-Erholung gelingt schneller als gedacht, zeigt Studie der TU Darmstadt. (Foto: Unsplash)

Regenwald-Erholung gelingt schneller als gedacht, zeigt Studie der TU Darmstadt. (Foto: Unsplash)

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Good News, Umwelt & Klima
Lesezeit:3 Minuten
27. April 2026
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Gute Nachrichten aus Ecuador: Der Regenwald kann sich schneller erholen als bisher angenommen. Eine Studie der TU Darmstadt zeigt: In Ecuador erreichte die Artenvielfalt auf stillgelegten Agrarflächen innerhalb von 30 Jahren wieder mehr als 90 Prozent des ursprünglichen Niveaus. Doch die Forschenden warnen: Ohne intakte Urwälder in der Nähe funktioniert diese Erholung nicht.

Tropische Regenwälder zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde, gleichzeitig sind sie auch einer der am stärksten bedrohten Naturräume. Denn: Abholzung, landwirtschaftliche Nutzung und Klimawandel gefährden die Artenvielfalt und das weltweite ökologische Gleichgewicht. Ein Forscher:innen-Team der TU Darmstadt hat ein Regenwald-Gebiet in der Region Chocó im Nordwesten Ecuadors über drei Jahrzehnte untersucht. Sie haben beobachtet, wie sich ehemalige Agrarflächen entwickeln, sobald sie nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.

Das Ergebnis: Natürliche Erholung kann viel bewirken. Sie ersetzt aber nicht den aktiven Schutz von Wäldern durch uns Menschen.

Zuvor landwirtschaftlich genutzte Flächen können sich innerhalb von 30 Jahren fast vollständig erholen

Das Forschungsteam hat 62 Flächen verglichen. Dazu gehörten Weiden und Kakaoplantagen, sogenannte Sekundärwälder – also Wälder, die nach Abholzung oder landwirtschaftlicher Nutzung von selbst wieder nachwächst – und unberührte Urwälder. Einige der Flächen werden von der ecuadorianischen Naturschutzorganisation Jocotoco geschützt und sind Teil eines größeren Schutzgebietes.

Die untersuchten Sekundärwälder hatten sich gebildet, nachdem sie zum Teil Jahrzehnte als Weiden oder Kakaoplantagen genutzt wurden. Die Forscher:innen analysierten 16 Organismen-Gruppen, darunter Tiere, Pflanzen und Bakterien. Insgesamt flossen Daten zu mehr als 8.500 Arten und Bakteriensequenzen ein.

Ihre Berechnungen zeigen: Innerhalb von 30 Jahren hat die Artenvielfalt mehr als 90 Prozent ihres ursprünglichen Niveaus erreicht. Das heißt: Die Schäden von Abholzung oder zu starker landwirtschaftlicher Nutzung lassen sich rückgängig machen.

Rund drei Viertel der für „Urwälder“ typischen Tier- und Pflanzenarten kehrten zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Ökosystem nach drei Jahrzehnten wieder zu 100 Prozent hergestellt ist. Für einige Gruppen von Tier- und Pflanzenarten dauert die Rückkehr sehr wohl länger.

Tiere sind treibende Kraft: Sie bestäuben oder verbreiten Pflanzensamen

Eine wichtige Rolle spielen Tiere mit einem großen Aktionsradius: Vögel, Fledermäuse, Affen und Bienen verbreiten Samen, bestäuben Pflanzen und unterstützen die Erholung der Böden.

Auch die Population der Tiere selbst hat sich erholt: Sie konnten in der untersuchten Zeitspanne von rund 38 Jahren die einstigen Agrarflächen rasch wieder als Lebensraum nutzen oder aus umliegenden Waldgebieten einwandern. Dadurch unterstützten sie auch die Rückkehr von Pflanzenarten.

Bäume brauchen dagegen oft länger. Viele typische Urwaldbäume wachsen langsam, werden spät fortpflanzungsfähig und sind teils selten.

Bei Bakterien zeigte sich dagegen kaum eine Erholung der Artenzusammensetzung. Die Forschenden deuten das als möglichen langfristigen Effekt intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und veränderter Umweltbedingungen.

Regenwald-Erholung gelingt schneller als gedacht, zeigt Studie der TU Darmstadt. (Foto: Unsplash)
Regenwald-Erholung gelingt schneller als gedacht, zeigt Studie der TU Darmstadt. Vor allem mobile Tierarten spielen bei der Renaturierung eine große Rolle. (Foto: Unsplash)

Relevant ist, wie genau die Flächen zuvor durch Menschen genutzt wurden

Nicht alle Flächen regenerierten sich gleich schnell. Frühere Kakaoplantagen erholten sich schneller als ehemalige Weiden. Ein möglicher Grund liegt in den Startbedingungen: Auf Kakaoflächen bleiben Bäume, Schatten und Laub eher erhalten als auf Weiden.

Entscheidend war zudem die Umgebung. Die schnelle Regenwald-Erholung ist in den untersuchten Gebieten deshalb gelungen, weil es dort auch „unberührte“ Wälder in der Umgebung gab. Sie dienen als Reservoir, aus dem Tiere, Pflanzen und andere Organismen zurückkehren können. Ohne solche intakten Waldflächen dürfte die natürliche Erholung deutlich langsamer verlaufen oder teilweise ausbleiben.

Studie unterstreicht, dass unberührte Wälder stärker geschützt werden müssen

Die Studie zeigt: Erholung und Renaturierung ist möglich. Gerade in Regionen mit kleinräumiger Landwirtschaft kann natürliche Regeneration eine wirksame und kostengünstige Strategie sein.

Gleichzeitig warnen die Forschenden vor falscher Zuversicht: Man soll nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, alte und unberührte Waldflächen zu schützen. Denn sie sind auch für die Erholung schon gerodeter und genutzter Flächen entscheidend.

Weltweit gehen jährlich vier bis sechs Millionen Hektar tropischer Wald verloren. Das ist etwa die Größe der Schweiz oder Litauens.

Die Ergebnisse aus Ecuador zeigen, wie groß das Potenzial natürlicher Erholung sein kann. Sie zeigen aber auch ihre Grenzen. Regenwald kann zurückkehren, wenn Flächen geschützt bleiben, genügend Zeit zur Regeneration vorhanden ist und intakte Wälder in der Nähe bestehen.

Parlament Das Thema "Regenwald" im Parlament

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