Weniger als einen Monat vor Irans erstem WM-Spiel gegen Neuseeland weiß der Kapitän der Nationalmannschaft noch immer nicht, ob er überhaupt teilnehmen darf. Der frühere FC-Porto- und Inter-Mailand-Stürmer Mehdi Taremi könnte von den USA kein Visum erhalten. Die Vereinigten Staaten sind neben Mexiko und Kanada einer der drei Gastgeber der Weltmeisterschaft. Selbst wenn Taremi einreisen darf, könnte sein Leben laut US-Präsident Donald Trump bei dem Turnier gefährdet sein.
Während die USA derzeit Visa für iranische Staatsbürger weitgehend verweigern, wurden für Spieler und Betreuer der Weltmeisterschaft Ausnahmen gemacht. Eine zentrale Bedingung der US-Regierung lautet jedoch: Die Einreise ist nur dann erlaubt, wenn die Personen ihren verpflichtenden Militärdienst nicht bei den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) absolviert haben.
Warum Irans Kapitän die Einreise verweigert werden könnte
Genau hier liegt das Problem für Mehdi Taremi. Er leistete seinen Wehrdienst zwischen 2010 und 2012 bei der Marine der Revolutionsgarden ab – lange bevor er Profifußballer wurde und Jahre vor seinem Wechsel zum FC Porto aus Portugal.
Dass Profisportler Militärdienst leisten, ist nicht ungewöhnlich. Auch die WM-Teilnehmer Son Heung-min und Kim Min-jae absolvierten ein Militärtraining in Südkorea. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Taremi seinen Dienst bei den Revolutionsgarden geleistet hat.
Taremi hat sich in der Vergangenheit öffentlich unterstützend gegenüber dem iranischen Regime geäußert und Israel scharf kritisiert. Gleichzeitig musste er Falschmeldungen zurückweisen, wonach er seine Fußballkarriere beenden würde, um für den Iran gegen die USA und Israel zu kämpfen. Die Behauptung ging auf einen gefälschten Social-Media-Beitrag zurück und wurde anschließend von mehreren internationalen Medien aufgegriffen.
Ein Ausfall Taremis (aktuell spielt er für die Olympiakos in Griechenland) wäre für Iran sportlich schwerwiegend. Der Stürmer erzielte bislang 51 Tore in 94 Länderspielen und käme mit 16 Saisontoren in guter Form zur Weltmeisterschaft.
Iranische Fans dürfen nicht zu WM in die USA reisen
Nicht nur Spieler sind von den Beschränkungen betroffen. Iranische Fans können aufgrund des US-Einreiseverbots nicht in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Dabei werden für das Turnier insgesamt bis zu zehn Millionen Besucher in den drei Gastgeberländern erwartet.
Jamal Abdi, Präsident des National Iranian American Council, sagte dazu in einem Interview mit NPR:
„Es wäre großartig, wenn Iraner und iranischstämmige Amerikaner einander sehen könnten und Menschen aus unseren beiden Ländern gemeinsam feiern könnten. Aber wegen der aktuellen Einschränkungen können Iraner nicht einmal grundlegende Einwanderungsverfahren durchlaufen – ganz zu schweigen vom vollständigen Einreiseverbot.“
Abdi äußerte zudem Sorgen um die Sicherheit iranischstämmiger Amerikaner rund um die Stadien und an Spieltagen.
Auch Donald Trump deutete an, dass Iraner bei der WM gefährdet sein könnten. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er:
„Die iranische Fußballnationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft willkommen, aber ich glaube wirklich nicht, dass ihre Teilnahme angemessen ist – zu ihrem eigenen Schutz und für ihre Sicherheit.“
Besonders heikel für Iran ist, dass alle drei Gruppenspiele in den USA stattfinden. Die Mannschaft trifft zunächst in Los Angeles auf Neuseeland und Belgien, bevor sie ihr letztes Gruppenspiel in Seattle gegen Ägypten bestreitet.
Auch andere Fußball-Fans bleiben ausgeschlossen
Der Iran ist nicht das einzige Land, dessen Anhänger von US-Einreisebeschränkungen betroffen sind.
- Haiti unterliegt wie der Iran einem vollständigen Einreiseverbot.
- Senegal und die Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) sind von teilweisen Beschränkungen betroffen.
Spieler und Betreuer dieser Nationen dürfen zwar einreisen, für Fans gibt es jedoch erhebliche Hürden.
Eine lange Geschichte gesperrter Nationen – aber selten durch ein Gastgeberland
Dass ein Gastgeberland selbst Probleme mit der Teilnahme einer Nationalmannschaft verursacht, ist ungewöhnlich. FIFA-Sperren gegen Länder haben jedoch Tradition.
Beispiele:
- Deutschland und Japan waren aufgrund von Sanktionen nach dem Zweiten Weltkrieg von der WM 1950 ausgeschlossen.
- Indonesien, Ägypten und der Sudan verweigerten 1958 Spiele gegen Israel in der Qualifikation und konnten daher nicht teilnehmen.
- Südafrika wurde 1970 wegen des Apartheid-Systems ausgeschlossen.
Aktuell sind außerdem folgende Länder von FIFA-Wettbewerben ausgeschlossen:
- Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine
- Pakistan wegen politischer Einflussnahme auf den Fußballverband
- Die Demokratische Republik Kongo wegen einer laut FIFA „unrechtmäßigen Einflussnahme Dritter“ auf den nationalen Verband
Die Vorrevolutionäre iranische Flagge ist in Stadien verboten
Es gibt auch Symbole-Verbote während der Turniere. So ist das Zeigen der vorrevolutionären iranischen Flagge mit Löwe und Sonne in den Stadien während der Weltmeisterschaft untersagt.
Dieses Verbot stammt nicht von der US-Regierung, sondern von der FIFA. Der Weltverband betrachtet die Flagge als politische Botschaft, die gegen seine Regeln verstößt. Laut FIFA-Verhaltenskodex sind Banner, Flaggen und andere Gegenstände mit „politischen, beleidigenden oder diskriminierenden“ Botschaften untersagt.
Kritiker werfen der FIFA vor, selektiv zu entscheiden, welche politischen Aussagen erlaubt sind und welche nicht.
Der Iran- und USA-Experte Karim Sadjadpour erklärte dazu:
„Iranern in Los Angeles zu verbieten, die Löwe-und-Sonne-Flagge ins Stadion zu bringen, wäre so, als würde man Amerikanern verbieten, die US-Flagge in ein amerikanisches Stadion mitzunehmen. Das würde massive Unruhen auslösen.“
Wer ist Mehdi Taremi? Irans Star-Stürmer und langjähriger Teamspieler, der aktuell für Olympiakos Piräus spielt.
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)



































