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Im April 2026 wurden wir Zeug:innen einer historischen Raumfahrtmission. Mit der Artemis II flog erstmals in der Geschichte eine Frau zum Mond: die erfahrene Astronautin Christina Koch. Die Mission gehört sicherlich zu den Sternstunden der Frauen in der Raumfahrt. Doch so glanzvoll war es nicht immer. Ein Streifzug durch den steinigen Weg von Frauen ins All – von Schminksets bis fehlende Raumanzüge für Frauen.
Die meisten von uns kennen Juri Gagarin, den ersten Menschen im Weltraum. Doch wer war die erste Frau? Es war die ehemalige Textilarbeiterin und Kosmonautin Walentina Tereschkowa, die 1963 von der UdSSR ins All geschickt wurde. Drei Tage dauerte die Fahrt, bei der sie die Welt 48-mal umrundete. Während die USA große Bedenken hatten, ob Frauen einen solchen Flug überstehen könnten, startete Tereschkowa schon zwei Jahre nach Juri Gagarin.
Doch auch in der UdSSR gab es immer wieder Skepsis gegenüber der „Alltauglichkeit“ von Frauen. Und so vergingen zwanzig Jahre, bis wieder eine Kosmonautin ins All startete. Bis heute ist Tereschkowa die einzige Frau in der Weltraumgeschichte, die auf eine Solomission flog. In den letzten Jahren machte sie als enge Unterstützerin Putins zwar fragwürdige Schlagzeilen, doch ihre historische Leistung bleibt unbestritten.
Ein weiteres Beispiel für den frühen Ausschluss von Frauen aus der Raumfahrt ist die „Mercury 13“. Anfang der 1960er Jahre absolvierten 13 US-amerikanische Pilotinnen die gleichen medizinischen Tests wie männliche Astronauten und erzielten dabei ähnlich gute Ergebnisse. Dennoch durften sie nie ins NASA-Programm einsteigen, unter anderem weil Frauen keine militärischen Testpilotinnen werden konnten.
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NASA gab erster Astronautin Schminkset und 100 Tampons mit – für 6 Tage
In den 1980er-Jahren war es dann jedoch auch in den USA so weit. Nachdem man lange Zeit davon ausging, dass ein Raumflug viel zu anstrengend für Frauen sei, öffnete die NASA ihr Astronautentraining schließlich doch für Frauen. Mit der Physikerin Sally Ride flog 1983 die erste US-Amerikanerin ins All. Dass die NASA noch nicht wirklich wusste, wie sie mit weiblichen Astronautinnen umgehen sollte, zeigen zahlreiche verstörende bis unfreiwillig komische Anekdoten. Sally Ride erzählte zum Beispiel, dass die NASA-Ingenieure ihr neben einem „Schminkset für Astronautinnen“ auch 100 Tampons mit auf den Weg geben wollten. Doch damit nicht genug: Sie wurde sogar gefragt, ob 100 Tampons für ihre einwöchige Mission ausreichen würden.
Sally Ride: „The engineers at NASA, in their infinite wisdom, decided that women astronauts would want makeup – so they designed a makeup kit… You can just imagine the discussions amongst the predominantly male engineers about what should go in a makeup kit.“ #RideOn #Classof78 pic.twitter.com/dNZ51cWELH
— NASA History Office (@NASAhistory) January 16, 2018
Raumanzüge orientieren sich an „weißen Durchschnittsmann“
Mittlerweile scheint die NASA die weibliche Anatomie etwas besser verstanden zu haben. Dennoch kam es 2019 dazu, dass der erste geplante Außeneinsatz mit zwei Astronautinnen auf der ISS verschoben werden musste, weil es nicht genügend passende Raumanzüge für Frauen gab. Das Design der Raumanzüge orientiert sich, wie in vielen anderen Bereichen, an den Proportionen eines „weißen Durchschnittsmannes“. Frauen oder Menschen aus Regionen mit geringerer durchschnittlicher Körpergröße (z.B. Lateinamerika) haben dadurch häufiger einen Nachteil.
Die britische Journalistin und Autorin Caroline Criado-Perez zeigt in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“, wie tief männlich geprägte Strukturen unseren Alltag bestimmen. Sie macht sichtbar, dass fehlende oder verzerrte Daten über Frauen nicht bloß ein Forschungsproblem sind, sondern die Grundlage für ein System bilden, das Frauen systematisch benachteiligt.Warum Frauen die besseren Astronautinnen sind
Doch genau die kleinere Körpergröße könnte in der Raumfahrt ein entscheidender Vorteil sein. Frauen hätten nicht nur mehr Platz in den Raumkapseln, sondern würden durch ihr durchschnittlich geringeres Gewicht auch Kosten sparen. Denn jedes Kilogramm, das wir ins All schicken, kostet über 10.000 Euro. Außerdem verbrauchen Frauen weniger Nahrung, weniger Sauerstoff, was wiederum Ressourcen und Gewicht einspart. Gerade für zukünftige Langzeitmissionen zum Mond oder sogar zum Mars sind das entscheidende Faktoren.
Ein nächster wichtiger Schritt wird die Artemis IV-Mission sein, bei der 2028 erstmals eine Frau den Mond betreten soll. Zwölf Menschen sind bereits auf dem Mond gelandet, und alle waren Männer.
Doch wer weiß, vielleicht lassen wir alte Stereotype bald hinter uns und hören irgendwann den ersten Menschen am Mars sagen: „One small step for a woman, one giant leap for humankind“.
Elka Xharo studierte Medizinische Informatik und Biomedical Engineering an der TU Wien. Sie ließ sich zur Medizinphysikerin ausbilden und ist seit mehreren Jahren als Lehrende an der FH Wien der WKW tätig. Auf Instagram macht sie über ihren Account The sciency feminist Wissenschaftsvermittlung und Frauen in der Wissenschaft sichtbar.
2026 bringt sie mit Eva Freistetter und Jana Steuer außerdem ihr neues Buch „Auf einen Kaffee im All. Sternenwissen zum Mitnehmen“ heraus. Dort findet ihr mehr zum Thema „Der Mensch im All“ und „Frauen in der Astronomie“. Am 28. April 2026 findet im Planetarium Wien (Oswald Thomas Platz 1) um 17 Uhr die Buchpräsentation statt. Tickets gibt es hier.
Einfach erklärt: Was Feministinnen wollen – warum auch Männer profitieren


































