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Beim Strom passiert die Energiewende schon: Die EU und China sind beim Erneuerbaren-Ausbau Vorreiter

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Beim Strom gelingt die Energiewende schon. (Bild: KI-generiert/Kontrast.at)

Beim Strom gelingt die Energiewende schon. (Bild: KI-generiert/Kontrast.at)

Nikolaus Kowall Nikolaus Kowall
in Energie, Good News, Nikolaus Kowall - Logbuch Transformation
Lesezeit:4 Minuten
6. Mai 2026
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Weltweit stammt der Großteil der Energie noch immer aus klimaschädlichen fossilen Quellen wie Öl, Gas und Kohle. Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien – vor allem im Strombereich. Die EU und China sind beim Ausbau die Vorreiter. Der Ökonom Nikolaus Kowall zeigt, wie weit die Energiewende tatsächlich ist und wo sie an Tempo gewinnt.

Blickt man auf die Energieversorgung der Welt, sind wir immer noch mitten im fossilen Zeitalter. 2023 hat die Weltbevölkerung über 80 Prozent der globalen Energie aus fossilen Energien gedeckt. Nur 14 Prozent kamen aus erneuerbaren Quellen. Der kleine Rest stammt aus der Atomkraft. 

Besonders deutlich wird das in China, wo der Anteil fossiler Energien noch höher ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA. Aber auch in der EU liegt er bei rund zwei Dritteln. Dabei geht es nicht nur um Strom. Auch Öl- und Gasheizungen sind hier ein Faktor, ebenso der Verkehr und Kohle in der Industrie. 

In Deutschland liegt der Anteil über dem EU-Schnitt. Österreich liegt darunter. Das hängt vor allem mit der Wasserkraft zusammen. Auch Holzheizungen spielen eine Rolle, außerdem hat man hierzulande die Kohleverstromung beendet. Trotzdem kommen auch hier noch 62 Prozent der Energie aus fossilen Quellen.

So weit, so schlecht. Aber es ist weit weniger hoffnungslos als man glauben möchte.

Beim Strom ist die Wende schon sichtbar: Weltweit stammt ein Drittel des Stroms aus Erneuerbaren

Bei der Stromversorgung liegt der Anteil der Erneuerbaren weltweit bereits bei rund einem Drittel, in China sogar etwas darüber. In der EU kommt fast die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen, in Deutschland sind es knapp 60 Prozent und in Österreich sogar 87 Prozent.

Allerdings macht Strom nur etwa 20 Prozent der gesamten Energie aus. Deshalb stellt sich die Frage: Was bringt sauberer Strom, wenn Mobilität, Heizungen und Industrie weiter fossil laufen?

Strom ist der Schlüssel zur Energiewende – und wird immer günstiger

Genau hier setzt die Energiewende an. Denn die Rolle von Strom lässt sich kaum überschätzen. Im Kern geht es um eine Elektrifizierung des gesamten Energieverbrauchs. Autos sollen elektrisch fahren, statt mit Öl. Heizungen sollen mit Strom laufen, statt mit Gas. Auch in der Industrie sollen fossile Prozesse ersetzt werden – zum Beispiel durch Strom oder durch grünen Wasserstoff. Dieser wird wiederum mit erneuerbarem Strom hergestellt. 

Strom ist damit der Dreh- und Angelpunkt der Energiewende. Deshalb muss die Stromproduktion vorangehen. Und genau in diesem Bereich passiert gerade viel. Weltweit läuft eine Energierevolution, auch wenn sie je nach Region unterschiedlich schnell ist.

Windenergie ist seit 2010 um gut die Hälfte günstiger geworden, Photovoltaik sogar um 85 Prozent. Gleichzeitig hat sich die globale Wind- und Solarstromerzeugung innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. 

Fossile Energieträger wachsen dagegen kaum noch. Der Anteil von Öl am Weltenergieverbrauch sank 2024 erstmals unter 30 Prozent.

China treibt die Energiewende voran

China wird dabei oft kritisch gesehen, vor allem wegen des Baus neuer Kohlekraftwerke. Das ist auch berechtigt. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Zahlen: 2024 machte Kernenergie in China weniger als ein Prozent der neu errichteten Stromkapazitäten aus. Fossile Quellen lagen nur bei rund 12 Prozent. Mehr als 80 Prozent des Zuwachses entfielen auf erneuerbare Energien.

CO2-arme Energiequellen deckten 2025 das ganze Mehr der Stromnachfrage ab. (Quelle: Our World in Data/Kontrast.at)
CO2-arme Energiequellen deckten 2025 das ganze Mehr der Stromnachfrage ab. (Quelle: Our World in Data/Kontrast.at)

Seit 2022 wachsen diese in China besonders stark. Das Land treibt die Energiewende damit wie kein anderes voran. Es baut weiterhin auf fossile Kapazitäten, vor allem als Absicherung der Energieversorgung. Global entfallen zwei Drittel des gesamten Ausbaus erneuerbarer Energie auf China.

Neue Stromkraftwerke laufen zu über 90 Prozent mit erneuerbaren Energien

Wenn weltweit neue Kraftwerke gebaut werden, wie viele davon laufen mit erneuerbarer Energie?

Der Anteil erneuerbarer Energien am globalen Zubau von Stromkapazitäten lag
2022 bei 80 Prozent
2023 bei 86 Prozent
2024 bei 92,5 Prozent

Das ist mehr als ein Trend. Es ist der Beginn einer Energierevolution.

Seit 2019 ist die Stromerzeugung aus Gas und Kohle in der EU deutlich gesunken

Vor allem in der EU zeigen sich die Veränderungen deutlich. Kohle und Gas verlieren im Strommix seit Jahren an Bedeutung. Seit 2019 ist die Stromerzeugung aus Gas um ein Viertel gesunken, bei Kohle sogar um 40 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil von Wind- und Solarenergie von 17 auf 29 Prozent gestiegen.

Auch die Emissionen gehen zurück. Die CO₂-Intensität des Stroms ist nur noch halb so hoch wie im globalen Durchschnitt. Insgesamt haben sich die Emissionen seit 2007 halbiert.

Die EU als Vorreiterin der Energiewende

Ein Blick auf die politischen Entwicklungen zeigt ebenfalls Unterschiede. In den USA bekam die Energiewende unter Joe Biden einen Schub. Unter dem aktuellen US-Präsidenten Donald Trump verlangsamt sich die Entwicklung. In China ist die Dynamik enorm, der Ist-Zustand aber noch konventionell und fossil. Die Europäische Union ist eindeutig die globale Vorreiterin der weltweiten Energiewende.

Das ist nicht nur eine gute Nachricht für das Klima, sondern auch für die wirtschaftliche Unabhängigkeit der EU. Denn in Zeiten, wo globaler Handel an Relevanz verliert und geopolitische Konflikte das Weltgeschehen dominieren, ist Autonomie ein wertvolles Gut: wer weniger Energie importieren muss, ist politisch unabhängiger. Es ist noch viel zu tun, aber die EU macht große Schritte in Richtung Selbstständigkeit.

Parlament Das Thema "Energiewende" im Parlament

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