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Rund ein Drittel der Fläche Wiens wird landwirtschaftlich genutzt. Besonders Gemüseanbau und Weinbau haben eine wichtige Rolle. So produziert Wien etwa 75 Prozent Österreichs Gurken und ist die einzige europäische Großstadt mit relevanten Weinbau. Dazu kommen ausgedehnte Wälder, besonders im Westen der Stadt. Die Wiener Landwirtschaft ist jedoch unter Druck. Die Stadt wächst und die Gefahr besetzt, dass Grünflächen abnehmen.
Wien ist eine Großstadt – neben alten Prunkbauten reihen sich Wolkenkratzer aus Glas sowie historische und moderne Wohngebäute, dazwischen: Bim, Fahrrad, Fußgänger und Autos. Dass gleichzeitig ein großer Teil der Stadt landwirtschaftliche Fläche ist, geht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Zahlen: Landwirtschaft ist in Wien kein Randphänomen.
Die Gurken-Hauptstadt Österreichs
Rund 14 Prozent der Wiener Stadtgebiet sind landwirtschaftliche Flächen. Insgesamt bewirtschaften mehr als 800 Betriebe eine Fläche von ca. 5.000 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen – ein Wert, der für eine Millionenstadt ungewöhnlich ist.
Ein Schwerpunkt liegt im Gemüseanbau. Wien produziert jährlich rund 60.000 Tonnen Gemüse, von Tomaten über Paprika bis zu Gurken. Besonders auffällig: Die Stadt führt das Bundesländerranking bei mehreren Gemüsesorten deutlich an: 75 Prozent aller Gurken, 61 Prozent der Melanzani, 55 Prozent des Vogerlsalats und 30 Prozent der Tomaten Österreichs stammen aus der Wiener Landwirtschaft. Der Gemüseanbau ist vor allem im 11. Bezirk Simmering und im 22. Bezirk Donaustadt konzentriert.
Bio-Landwirtschaft spielt in Wien eine besondere Rolle. Rund 36 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden biologisch bewirtschaftet. Das ist einer der höchsten Anteile österreichweit.
Was wäre Wien ohne Wein?
Auch im Weinbau hat Wien eine besondere Stellung. Rund 700 Hektar Rebfläche liegen innerhalb der Stadtgrenzen. Damit ist Wien die einzige Großstadt Europas, die einen relevanten Weinbau hat.

Besonders bekannt ist der Wiener Gemischte Satz. Hierbei wachsen verschiedene Rebsorten gemeinsam in einem Weingarten, werden gleichzeitig geerntet und zusammen verarbeitet. Dadurch unterscheidet sich der Gemischten Satz von einer Cuvée, bei der die Sorten getrennt angebaut und verarbeitet und erst später gemischt werden. Typisch ist ein frischer Geschmack, weil sich die verschiedenen Trauben gegenseitig ergänzen.
Neue Formen der Landwirtschaft: Urban Gardening wächst in Wien
Neben klassischer Landwirtschaft entstehen in Wien immer mehr kleine landwirtschaftliche Projekte wie Gemeinschaftsgärten, Dachgärten oder mobile Beete. Bereits über 90 Gemeinschaftsgärten gibt es im Stadtgebiet, oft auf Flächen zwischen 50 und 4.000 Quadratmetern. Diese Projekte produzieren nicht nur frisches Obst und Gemüse, sondern haben auch eine soziale Funktion: Nachbar:innen bewirtschaften gemeinsam kleine Parzellen, tauschen Wissen aus und nutzen bisher ungenutzte Flächen.
Wald in der Großstadt
Ein bedeutender Teil der Wiener Grünflächen besteht außerdem aus Wald. Insgesamt machen Wälder rund 20 % der Stadtfläche aus – das entspricht mehreren tausend Hektar innerhalb der Stadtgrenzen. Besonders prägend ist der Wienerwald im Westen der Stadt. Er ist nich nur wichtig für die Forstwirtschaft, sondern auch als Erholungsraum. Auch Teile des Nationalparks Donau-Auen liegen im Wiener Stadtgebiet.

Insgesamt ist rund die Hälfte Wiens Grünfläche. Dazu zählen neben den genannten land- und forstwirtschaftlichen Flächen auch Parks und Gartenanlagen.
Landwirtschaft Wiens: Zwischen regionaler Versorgung und Baudruck
Die verhältnismäßig starke Landwirtschaft in der Stadt kann die Wiener:innen mit regionalen Lebensmitteln auf kurzem Weg versorgen. Gleichzeitig erhöht die Wiener Landwirtschaft die Krisenresilienz der Stadt.
Die städtische Landwirtschaft steht jedoch auch unter Druck. Neben Problemen, die die gesamte Landwirtschaft betreffen – wie Klimakrise und Mangel an Arbeitskräften –, ist in Wien die Konkurrenz um Flächen viel stärker als in anderen Bundesländern. Die Stadt wächst, und die wachsende Bevölkerung braucht mehr Platz für Wohnungen. Die Wiener Stadtregierung bekennt sich jedoch seit Jahren zu einer starken und nachhaltigen städtischen Landwirtschaft und dämmt die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen stark ein.


































