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Herkunft als Schlagzeile: Tust du Gutes, gehörst du dazu – machst du etwas falsch, bist du ewiger „Ausländer“

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Arda Saatci (Foto: APA Images/dpa/Manuel Genolet; Screenshots von T-Online, Sportschau, Morgenpost - Montage)

Arda Saatci (Foto: APA Images/dpa/Manuel Genolet; Screenshots von T-Online, Sportschau, Morgenpost - Montage)

Tarik Mete Tarik Mete
in Anders als gedacht, Migration & Asyl
Lesezeit:3 Minuten
18. Mai 2026
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Plötzlich ist Arda Saatçi in vielen Medien vor allem eines: „der Deutsche“ oder „der Berliner“. Dass er türkische Wurzeln hat, spielt kaum eine Rolle. Genau das ist bemerkenswert – denn bei negativen Schlagzeilen wird die Herkunft einer Person oft schnell betont. Dann macht man Menschen mit Migrationsgeschichte wieder zu „Ausländern“, „Türken“ oder „Migranten“. Tarik Mete kritisiert, wie Medien Zugehörigkeit herstellen – oder Menschen bewusst aus dem „Wir“ herausschreiben.

Arda Saatçi (Jahrgang 1997) ist Extremsportler und Social-Media-Athlet. Bekannt wurde er vor allem durch spektakuläre Langstreckenprojekte: 2024 lief er von Berlin nach New York, 2025 rund 3.000 Kilometer durch Japan und 2026 über 600 Kilometer durch das Death Valley bis nach Los Angeles.

Aktuell ist Arda Saatçi in vielen Medien einfach nur noch „der Deutsche“. Von seinem türkischen Migrationshintergrund spricht kaum jemand mehr. Und das ist interessant. Denn sonst geht es oft erstaunlich schnell: Sobald Menschen mit Wurzeln im Ausland negativ auffallen oder in eine bestimmte Debatte passen sollen, werden sie wieder zum „Türken“, „Ausländer“ oder „Migranten“ gemacht.

Diese selektive Wahrnehmung zeigt ein grundlegendes Problem vieler Medien – besonders im Boulevard. Denn dieselben Medien, die Menschen mit Migrationsgeschichte bei Erfolg selbstverständlich zu „Deutschen“ oder „Österreichern“ erklären, heben ihre Herkunft oft genau dann hervor, wenn es um Konflikte, Gewalt oder gesellschaftliche Probleme geht. Dann ist plötzlich wieder vom „Türken“, „Ausländer“ oder „Migranten“ die Rede. Herkunft wird damit nicht beschrieben – sie wird benutzt.

Das ist keine objektive Berichterstattung, das ist bewusstes Framing. Es passiert nicht zufällig. Es folgt einer klaren medialen Logik: Positives wird vereinnahmt, Negatives wird abgegrenzt. Erfolg gehört zum „Wir“. Probleme gehören zu „den Anderen“.

Identität ist kein Entweder-oder

Dabei sollte längst selbstverständlich sein, dass Menschen mehrere Identitäten gleichzeitig haben können. Man kann deutsch und türkisch sein. Österreichisch und serbisch. Wienerisch und kurdisch.

Screenshot Sportschau 11-05-2026Screenshot Sportschau 11-05-2026
Screenshot Berliner Morgenpost 8-05-2026Screenshot Berliner Morgenpost 8-05-2026
Screenshot t-online 11-05-2026Screenshot t-online 11-05-2026

Identität ist nichts Starres und schon gar kein Entweder-oder. Wer das bis heute nicht akzeptieren will, hat nicht verstanden, wie moderne Gesellschaft funktioniert. Millionen Menschen in Europa wachsen mehrsprachig auf, mit mehreren kulturellen Einflüssen und unterschiedlichen familiären Geschichten. Das macht sie nicht weniger deutsch oder österreichisch. Im Gegenteil: Es ist Teil unserer Realität und unserer Gesellschaft.

Trotzdem existiert in Teilen der öffentlichen Debatte weiterhin die Vorstellung, dass Zugehörigkeit eindeutig, exklusiv und möglichst homogen sein muss.

Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte bedeutet das: Egal wie sehr sie Teil dieser Gesellschaft sind – ihre Zugehörigkeit bleibt für manche immer nur auf Bewährung.

Medien entscheiden, wer zum „Wir“ gehört

Medien tragen deshalb eine enorme Verantwortung. Sprache prägt Wahrnehmung, Wahrnehmung prägt gesellschaftliches Denken. Wer Herkunft nur dann erwähnt, wenn sie in eine negative Erzählung passt, reproduziert bewusst oder unbewusst Vorurteile. Seriöser Journalismus sollte Menschen nicht nach ihrer Verwertbarkeit für Schlagzeilen kategorisieren, sondern differenziert und objektiv berichten.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung braucht es Medien, die verbinden statt spalten. Denn eine Demokratie lebt davon, dass Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Namen als gleichwertiger Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Vorbilder sind wichtig, vor allem für Jugendliche mit Migrationsgeschichte

Für viele junge Menschen ist Arda Saatçi deshalb weit mehr als nur eine mediale Figur. Er steht für eine Generation, die selbstverständlich mit mehreren Identitäten lebt und sich nicht mehr in überholte Kategorien pressen lassen will. Genau darin liegt seine Bedeutung als Vorbild. Nicht seine Herkunft sollte im Mittelpunkt stehen, sondern seine Haltung, seine Leistung und die Wirkung, die er auf andere Menschen hat.

Wer Jugendlichen zeigt, dass sie dazugehören können, ohne einen Teil ihrer Identität verleugnen zu müssen, stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt weit mehr als jede integrationspolitische Debatte. Er zeigt, dass Talent, Disziplin und Persönlichkeit wichtiger sind als Schubladen. Genau das sollte im Mittelpunkt stehen. Nicht die Frage, welche Herkunft gerade besser in die Schlagzeile passt.

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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